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BLOODHUNTER – Sons of Abandoned (2026)

(10.289) Olaf (7,9/10) Melodic Death Metal


Label: ROAR
VÖ: 12.06.2026
Stil: Melodic Death Metal






Natürlich merkt man relativ schnell, dass BLOODHUNTER aus Spanien längst mehr sein wollen als nur die nächste melodische Death-Metal-Kapelle mit böser Miene und schicken Promofotos. Die Truppe aus Galicien hat sich über Jahre einen Namen erspielt, tourt wie besessen durch die Gegend und wirkt auf Sons Of The Abandoned deutlich fokussierter als noch auf früheren Veröffentlichungen. Und ja, die offensichtliche Referenz zu ARCH ENEMY liegt permanent wie ein riesiger Schatten über der Platte. Aber das Überraschende daran: Teilweise machen BLOODHUNTER diesen Stil tatsächlich spannender als das schwedische Vorbild selbst. Weniger geschniegelt, weniger kalkuliert auf Hochglanz getrimmt, dafür bissiger, direkter und manchmal angenehm ruppig. Genau dort funktioniert das Album am besten.

Beim ersten Durchlauf musste ich allerdings kurz lachen. „Moment mal… das klingt doch stellenweise wie ältere NERVOSA.“ Kein Wunder eigentlich, denn mit Diva Satanica steht hier die ehemalige Frontfrau der Brasilianer am Mikrofon. Und genau diese Vergangenheit hört man durchaus heraus: aggressiver Vortrag, giftige Attitüde, viel Druck auf der Stimme, aber eben kombiniert mit melodischen Leads, modernen Grooves und diesem klaren Hang zu großen Refrains. Wobei es eigentlich andersherum richtiger wäre, denn Nervosa war ja nur ein kurzes Gastspiel und Bloodhunter seit jeher ihr Hauptbrötchengeber. Wie dem auch sei…

Diesmal blickt die Band stärker nach innen. Wo früher historische oder gesellschaftliche Themen dominierten, geht es nun häufiger um Identität, Selbstzweifel, Entfremdung und den Versuch, in einer zunehmend oberflächlichen Welt nicht den eigenen Kompass zu verlieren. Das verleiht dem Album eine persönliche Note, die erstaunlich glaubwürdig wirkt. Schon The Devil’s Own macht deutlich, wohin die Reise geht. Das Ding lebt von einem starken Spannungsbogen zwischen Hektik, Melodie und innerer Rastlosigkeit. Zeilen über die Schattenseiten des Tourlebens, über Distanz, Erschöpfung und die Suche nach dem eigenen Platz in einer ständig vorbeiziehenden Welt verleihen dem Song zusätzliche Tiefe. Dazu knallt die Produktion von Tue Madsen ordentlich aus den Boxen. Druckvoll, modern, aber glücklicherweise nicht komplett steril wie ein Operationssaal für Influencer-Katzen.

Überhaupt lebt Sons Of The Abandoned stark von seinen Riffs. Dani Arcos und Guillermo Starless feuern hier teilweise wirklich bärenstarke Gitarrenläufe ab, die zwischen Melo Death, Thrash und modernem Groove pendeln. Gerade Threshold Of Hell walzt mit einer herrlich angepissten Energie durch die Gegend und verarbeitet Krieg, Manipulation und gesellschaftliche Verrohung mit einer Wucht, die auch nach mehreren Durchläufen hängen bleibt.

Allerdings zeigt sich hier auch die kleine Schwäche des Albums. Manche Songs wollen schlicht zu viel. Hier noch ein Break, dort noch ein Tempowechsel, dazu zusätzliche Leadgitarren, Chöre und rhythmische Spielereien. Weniger wäre manchmal tatsächlich mehr gewesen. Einige Nummern hätten durch etwas mehr Straffung sogar noch stärker gewirkt. Das ist Jammern auf durchaus ordentlichem Niveau, fällt aber gerade deshalb auf, weil das Grundmaterial oft richtig stark ist.

Textlich bewegt sich die Band häufig zwischen Selbstbehauptung, Isolation und Kritik an narzisstischen Gesellschaftsstrukturen. Masters Of Deceive rechnet mit Manipulatoren, Blendern und toxischen Persönlichkeiten ab, während The Outspoken beinahe wie eine Kampfansage an Konformität und Duckmäusertum wirkt. Diva Satanica transportiert diese Inhalte mit genügend Wut und Überzeugungskraft, um ihnen echtes Gewicht zu verleihen. Sehr gelungen ist auch die Atmosphäre im Titeltrack Sons Of The Abandoned. Dort entsteht dieses Gefühl einer verlorenen Generation zwischen Orientierungslosigkeit und Sinnsuche. Die „verwaisten Seelen auf der Jagd nach Sonnenlicht“ bilden dabei das emotionale Zentrum des Albums. Gleichzeitig schaffen es BLOODHUNTER, trotz aller Melancholie niemals in Selbstmitleid zu versinken. Die Platte bleibt kämpferisch, aggressiv und voller Energie.

Ephemeral Youth zeigt die melodischere Seite der Spanier. Die Botschaft, sich nicht von Vergänglichkeit, Trends und äußerer Bestätigung blenden zu lassen, passt hervorragend zur Grundstimmung des Albums. Musikalisch verbinden BLOODHUNTER dabei Eingängigkeit und Härte auf bemerkenswert elegante Weise. Dass die Band technisch einiges draufhat, hört man ebenfalls ständig. The Night Is Darker Before The Dawn sorgt mit seiner atmosphärischen Ausrichtung für einen gelungenen Spannungswechsel, während The Path That Never Ends zusammen mit Laura Guldemond von BURNING WITCHES zusätzliche Facetten eröffnet. Hier wird deutlich, dass die Spanier weit mehr beherrschen als bloßes Vollgas-Geballer.

Und dann wäre da natürlich noch Human Insecticide. Das saustarke ANNIHILATOR-Cover hätte auch peinlich enden können. Tut es aber nicht. Im Gegenteil. Das knallt wie Sau. Die aggressive Raserei passt perfekt zum Sound der Band und wirkt eher wie eine natürliche Erweiterung des Albums als wie ein angehängter Bonus. So muss ein Cover funktionieren.

Am Ende liefern BLOODHUNTER mit Sons Of The Abandoned ein starkes, teilweise sogar richtig beeindruckendes Melo-Death-Album ab, das sich zwar klar bei ARCH ENEMY bedient, dabei aber genug eigene Identität besitzt, um nicht bloß wie eine Kopie zu wirken. Die Spanier kombinieren Aggression, Melodie und moderne Produktion sehr gekonnt, auch wenn manche Songs etwas überladen wirken. Trotzdem bleibt unterm Strich eine Platte, die mehr Charakter besitzt als viele sterile Genre-Konkurrenten. Und ganz ehrlich: Wenn man das Original manchmal spannender macht als die Band, an die jeder sofort denkt, dann ist das bereits ein verdammt ordentliches Kompliment.

ANSPIELTIPS:
🔥Threshold Of Hell
💀No One Beats Death
⚔️Human Insecticide


Bewertung: 7,9 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. The Devil’s Own
02. The Outspoken
03. The Threshold of Hell
04. Ephemeral Youth
05. Sons of the Abandoned
06. Nooone beats Death
07. Code Aeterna
08. The Path that never ends
09. The Night is darker before Dawn
10. Masters of Deceive
11. Human Insecticide 



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