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BLOOD INCANTATION– All Gates Open (Soundtrack) (2026)

(10.285) Phillip (8,0/10) Space Ambient


Label: Century Media Records
VÖ: 05.06.2026
Stil: Space Ambient






Der Tag war anstrengend, die Woche ohnehin. Alles ist stressig und der Alltag erdrückt dich mit einer überbordenden Flut an Eindrücken und Aufgaben. Da bleibt praktisch nur der Weg in den Eskapismus. Metal, das wissen wir ja nun längst alle, ist da eine beliebte Darreichungsform. Musik ja im Allgemeinen sowieso. Und dann gibt es sie, die Menschen, die zur Entspannung am liebsten brutalstes Gewaffel brauchen um sich zu erden, sich abzulenken, also den Tag hinter sich lassen zu können. Oder man benötigt die ganz sanften Klänge, fast monoton. Unaufgeregt und warm, wie eine perfekt temperierte Umarmung.

Denvers Finest Blood Incantation können beides bedienen. Sie haben schließlich bereits viel umjubelte, knüppelharte und spielerisch abgefahrene Alben produziert, waren dabei das musikalische Vermächtnis von Morbid Angel, Timeghoul und vielen anderen kosmischen Schredderbands im Vorbeigehen aufzulesen und bogen dann mit Timewave Zero auf eine komplett andere Spur ab. Sie frönten ihrer Liebe zu Ambient Soundscapes, zu Tangerine Dream, Absolute Elsewhere und uralten Synthesizern, spülten davon sogar etwas in das monumentale letzte Album Absolute Elsewhere. Blood Incantation waren ebenso der Meinung, dass es ein Album oder eine EP wie Timewave Zero nicht nochmal geben wird – und behalten so halb recht. Denn als vollwertiges Studioalbum würde ich das jetzt nicht zählen.

Es ist eben ein Soundtrack zur verfilmten Recording-Session der letzten Full-Length. Und genauso klingt es auch. Sphärisch und verträumt, dabei deutlich abwechslungsreicher als der Bruder im Geiste Timewave Zero. Wer erwartet hat, dass der Titel ein irgendwie geartetes Trojanisches Pferd wäre, ist offensichtlich schief gewickelt und feuert erwartbar enttäuscht seine Kopfhörer in die Ecke. Ehrlich, ich kann das sogar nachvollziehen, schließlich ging es mir vor ein paar Jahren ebenso. Doch dranbleiben kann sich lohnen. Wer es über die 30-Minuten- Marke schafft, bekommt sogar Beats zu hören, die der kosmischen Soundlandschaft direkt irdische Strukturen verleiht. Kurze Knackser und Kratzer erinnern dazu immer mal wieder an die antiken Aufnahmegeräte.

Die Stücke I und II klingen so, als würde man einem Sonnenaufgang über Berlin zuhören, während man auf einem Dach sitzt und einen Blunt genießt. Was wenig verwundert, wenn man den Begleitfilm zur Musik kennt. Der Vierer aus Denver liebt die Bundeshauptstadt und so ist die hier zu hörende Musik auch als Liebesbrief an die von einigen Menschen ohne differenziertes Urteilsvermögen so verhasste Metropole. Die Stücke III und IV sind danach dann ein kleiner Knicks vor den Briten Absolute Elsewhere und der abendliche, stille Sonnenuntergang. Bedrohlich, schwer, aber verheißungsvoll.



Mir zumindest taugt das hier sehr gut, kosmische Klänge, die zum Träumen einladen oder dazu, sich wenigstens gedankenverloren an einem Punkt an der Wand festzuglotzen. Kann ich jedem nur empfehlen.

Anspieltipps:
🪐 Sowas möchte von vorne nach hinten gehört werden


Bewertung: 8,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Balance 
02. Flight 
03. Dawn 
04. Rain



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