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SABIENDAS – Puppeteer of Doom (2026)

(10.185) Olaf (9,0/10) Death Metal


Label: Kernkraftritter Records
VÖ: 17.04.2026
Stil: Death Metal






Manchmal reicht ein einziger Durchlauf, um zu merken: Hier hat jemand nicht einfach nur ein weiteres Death-Metal-Album aufgenommen, sondern ein Statement abgefeuert. SABIENDAS gehören seit knapp zwei Jahrzehnten zu genau dieser Sorte Band, die sich im deutschen Underground nie anbiedern mussten, weil sie ihren Stil schon gefunden hatten, als andere noch ihre Bandlogos auf Collegeblöcke kritzelten. Gegründet 2006, seit 2011 in stabiler Besetzung unterwegs und spätestens seit Restored to Life eine feste Bank – das hier ist keine Truppe, die Trends hinterherläuft. Das hier ist eine, die sie ignoriert.

Und Puppeteer of Doom? Klingt genau so, wie der Titel verspricht: düster, kontrolliert, mit einem sadistischen Grinsen im Hintergrund.

Was sofort auffällt – und einem förmlich die Ohren freipustet – ist diese Produktion. Ultrafett, glasklar, differenziert bis in die letzte Blastbeat-Schraube. Hier matscht nichts, hier verschwimmt nichts. Jeder Ton sitzt wie ein Skalpellstich. Dass Drummer Toni Merkel hier selbst die Regler bedient hat, hört man deutlich: Das Ding hat Wucht, aber eben auch Struktur. Und während andere Produktionen versuchen, Brutalität über Lautstärke zu erzwingen, liefern SABIENDAS das Gegenteil – Kontrolle. Und genau dadurch wirkt es noch brutaler.

Überhaupt: Toni Merkel. Was der Mann hier abliefert, ist nicht einfach nur Schlagzeugspiel – das ist eine kleine Machtdemonstration. Präzise, variabel, mit ordentlich Druck auf dem Kessel. Und ja, man hat tatsächlich hin und wieder das Gefühl, als würde er sich hier ganz genüsslich den Staub aus den Sodom-Ärmeln klopfen. Kein stumpfes Draufhauen, sondern durchdachte Dynamik – mal treibend, mal walzend, immer auf den Punkt.

Gitarristisch bleibt das Ganze ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Diese Mischung aus US-geprägtem Oldschool-Death-Metal und technischer Raffinesse funktioniert bei SABIENDAS seit jeher hervorragend, aber hier wirkt alles noch einen Tick ausgefeilter. Das Songwriting war bei der Band nie ein Problem, aber auf Puppeteer of Doom merkt man, dass sie nochmal eine Schippe draufgelegt haben. Mehr Variationen, mehr Spannungsbögen, mehr kleine Details, die sich erst nach mehreren Durchläufen wirklich entfalten.

Und mittendrin Ede – sauberer, verständlicher und gleichzeitig brutaler denn je. Seine Vocals haben eine Klarheit, die im Death Metal nicht selbstverständlich ist, ohne dabei an Aggression zu verlieren. Im Gegenteil: Gerade diese Verständlichkeit macht viele Passagen noch intensiver, weil man nicht nur den Sound spürt, sondern auch den Inhalt greifen kann.

Apropos Inhalt: Die Texte bewegen sich gewohnt im Spannungsfeld aus Tod, Verfall und gesellschaftlichem Abgrund, verlieren dabei aber nie die Bodenhaftung. In Walls of Bedlam schwingt dieses Bild von Wahnsinn und Kontrollverlust mit, während Garden of Delight eher wie ein morbider Blick hinter die Fassade vermeintlicher Schönheit wirkt. Und wenn in Soul Devourer sinngemäß davon die Rede ist, dass alles verschlungen wird, was einst Identität war, dann hat das mehr Gewicht als bloßes Gore-Gekloppe – das kratzt durchaus an existenziellen Themen.

Der Titeltrack Puppeteer of Doom, bei dem niemand Geringeres als Tom Angelripper mitmischt, fügt sich nahtlos ins Gesamtbild ein, ohne zum bloßen Namedropping zu verkommen. Stattdessen wirkt das wie ein Schulterklopfen unter Veteranen – „passt schon, macht weiter so“.

Auch visuell passt hier alles: Das Artwork von Björn Lensig ist erneut ein Treffer. Dieses giftige Grün, diese düstere Atmosphäre – genau mein Ding. Ein Cover, das nicht nur gut aussieht, sondern den Sound auch visuell übersetzt.

Was am Ende bleibt, ist ein Album, das keine Gefangenen macht, aber auch nicht stumpf alles niederwalzt. Es ist durchdacht, technisch auf höchstem Niveau und dabei trotzdem jederzeit greifbar. SABIENDAS zeigen hier eindrucksvoll, warum sie zu den stärksten Death-Metal-Bands dieses Landes gehören. Kein Hype, kein Trend – einfach verdammt gut gemachte Musik. Und wenn man nach mehreren Durchläufen merkt, dass man immer noch neue Details entdeckt, während einem gleichzeitig der Nacken schmerzt, dann hat eine Band ziemlich viel richtig gemacht. Unterm Strich – nein, streichen wir das. Sagen wir es so: Dieses Album ist kein netter Besuch, sondern eher ein gezielter Faustschlag mit chirurgischer Präzision. Und genau deshalb bleibt er hängen.

Anspieltips:
🔥Freak of Nature
🎸Puppeteer of Doom
💀Soul Devourer


Bewertung: 9,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Ad Supplicium
02. De Morte Indignorum
03. Freak of Nature
04. Scavemger of the Graves
05. Garden of Delight
06. Puppeteer of Doom (feat.Tom Angelripper)
07. Stench of Cadaver
08. Soul Devourer
09. Walls of Bedlam
10. Eternal Empire
11. The Outsider 



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