DEVENIAL VERDICT – Old Blood – Fresh Wounds (2026)
(10.238) Maik (8,0/10) Technical Death Metal
Label: Transcending Obscurity Records
VÖ: 01.05.2026
Stil: Tech Death Metal
Gerade aus dem Kurzurlaub zurück, hatte ich nicht genügend Zeit, mir gezielt ein paar Promos auszusuchen, und so sagte ich unserem Oberolaf, er solle mir einfach etwas in den Ordner packen. Solche Gelegenheiten nutzt der Gute dann immer, mich mit Zeug vollzupacken, den sonst keiner machen will.
Dabei kommt es trotz Allem oft vor, dass ich dadurch Bands entdecke, die mir sonst wahrscheinlich in diesem Leben nicht mehr vor die Flinte gekommen wären. Genauso erging es mir mit DEVENIAL VERDICT. Diese finnische Band existiert schon seit 2006. Es hat jedoch bis 2022 gedauert, bis sie nach zwei EPs einen Longplayer veröffentlichen konnten. Doch ab da haben sie echt Gas gegeben, denn nun steht schon die dritte Langrille bereit, euch die Lauschröhren zu veröden.
Das Gerät nennt sich „Old Blood – Fresh Wounds“ und bietet technischen bis Avantgarde- Death Metal, der eine furiose Fahrt zwischen Melodie, krassen Breaks und bösartig in die Ohrläppchen beißenden Gitarren darstellt. Das ist nicht immer leichte Kost, und die Wechselbäder zwischen anheimelnden Harmonien und brutalem Gezocke nimmt einen auf eine alptraumhafte Fahrt mit.
Wenn ich Tech Death Metal oder das Wort Avantgarde in Verbindung mit todesbleiernen Klängen lese, bekomme ich zumeist stumpfe Zähne und halte mich dezent in der Ferne. Genauso geht es mir beim Thema Melodic Death Metal, der doch recht oft am Metalcore andockt. Auch mit der Groove-Fraktion verbinden mich nur tangentiale Berührungspunkte.
DEVENIAL VERDICT schaffen es aber irgendwie, zwischen diesen drei Pfosten hin-und herzuswitchen wie eine ADHS-auffällige Flipperkugel auf Kokain ("Das würde sich gegenseitig aufheben" - Anm. d. Red.). Zwischen extremem Todesbleibreakdance, atmosphärischen Harmonien und Dissonanzorgien macht die Band aber immer mal wieder Pause in einer der Regionen, die mein Wohlbehagen befeuern.
Da kommen schon mal Parts, die an MORBID ANGEL, explizit die „Heretic“- Phase, erinnern. Dann walzt man sich brutal mit wuchtigem Geriffe und Grollgebrüll durch den Grindmorast, packt auch mal die Blastbeats aus und überrascht auch mal mit mordsmäßig eingängigen Parts. Wie zu Beginn von „The Unborn God“, wo man am Anfang glatt den Mattenhubschrauber starten möchte.
Die Produktion ist dem Subgenre typisch auf glasklar und messerscharf getrimmt, sodass aber auch jeder Ton wie ein Skalpell in die Horchröhre schneidet. Dennoch schafft es die Band, trotz des Fehlens deathmetalmäßigem Morastsounds morbid bedrohliche Momente zu erschaffen, wie zu Beginn von „Thrones“ oder anfangs des letzten Drittels von „Fall Of Faith“.
DEVENIAL VERDICT erfordern Aufmerksamkeit, da man sich durch einige technisch sehr vertrackte Parts hören muss. Das bewirkt natürlich, dass man bei jedem Hördurchgang etwas Neues entdeckt, und der jeweiligen persönlichen Stimmung folgend den Fokus auch auf andere Elemente legt. Ich höre mir das Ding gerade zum fünften Male an, habe aber irgendwie den Eindruck, jedesmal ein anderes Album gehört zu haben.
Mal ließ ich den Frickelparts zu, meine Synapsen zu filetieren, mal versank ich in den teils morbiden Strukturen, mal genoss ich die ungebremste Aggression und das Geballer. „Old Blood – Fresh Wounds“ ist ein passender Titel. Das alte Blut des Death Metal, gepaart mit neuen Wunden, die einem der messerscharfe Sound verpasst.
Wie gesagt, diese Unterart des Todesmetalls ist nicht meine Hauptbaustelle, und ich werde sicher nicht so bald ein Fan davon. Doch wenn es mich mal wieder gelüstet, meine Lauschlappen auf diese Art zu Mett zu verarbeiten, dann mit diesem Album.
Anspieltipp:
🔥 Elysium
💀 The Unborn God
Bewertung: 8,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Rituals Of Ignorance
02. Swarms Of The Mindless
03. Elysium
04. The Unborn God
05. Thrones
06. Fall Of Faith
07. Sun Hammer
08. The Corinthian
09. Despoiler

