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DARK MILLENNIUM - Come (2026)

(10.232) Olaf (9,0/10) Avantgarde Death Metal


Label: Massacre Records
VÖ: 08.05.2026
Stil: Avantgarde Death Metal






Manche Bands begleiten einen nicht einfach – sie verschwinden irgendwann wie ein guter Traum, von dem man nie ganz sicher ist, ob er wirklich passiert ist… und dann stehen sie plötzlich wieder vor dir, greifbar, lebendig, und klingen dabei so, als hätten sie die Zeit nicht nur überstanden, sondern sie in kleine, kunstvolle Stücke zerlegt. Genau dieses Gefühl habe ich seit jeher bei DARK MILLENNIUM. Diese eigenwillige, entrückte Mischung aus Death Metal, Avantgarde und einer fast schon literarischen Schwermut war schon immer weit mehr als nur Musik – eher ein Zustand. Und als sie mit Acid River zurückkehrten, war das für mich wie das Wiederfinden eines alten, leicht verstaubten Lieblingsbuchs, das plötzlich aktueller wirkt als alles Neue.

Mit COME setzen sie genau da an – und gehen gleichzeitig noch ein Stück weiter. Und ja, ich sage es direkt: Ich war immer Fan. Und ich bin verdammt froh, dass diese Band wieder da ist. Denn was hier passiert, ist kein simples „Wir machen da weiter, wo wir aufgehört haben“. Das hier ist ein erneuter Beweis dafür, dass DARK MILLENNIUM nie wirklich Teil irgendeiner Szene waren – sie waren immer ihr eigener Kosmos.

Schon nach wenigen Minuten wird klar: Das ist nichts für nebenbei. Wer hier nebenher Mails checkt, Bierkästen sortiert oder sich fragt, was es heute Abend zu essen gibt, hat dieses Album nicht verdient. COME verlangt Aufmerksamkeit, Zeit, Hingabe – und belohnt genau das mit einer Tiefe, die man heute nur noch selten findet. Es ist Musik zum Versinken, zum Verlieren, zum Wiederauftauchen mit leicht glasigem Blick und dem Gefühl, gerade irgendwo zwischen Realität und Fiebertraum gewesen zu sein.

Thematisch dreht sich alles um Rausch – aber eben nicht im plumpen Sinne von „zu viel getrunken, alles dreht sich“. Hier geht es um Bewusstseinszustände, um das Zerfließen von Wahrnehmung, um diese fragile Grenze zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Und genau das hört man. Die Songs wirken, als würden sie sich ständig leicht verschieben, als würde unter der Oberfläche etwas arbeiten, das sich nicht ganz greifen lässt. Mal wunderschön, mal verstörend, oft beides gleichzeitig.

Der Sound passt dazu wie die Faust aufs dritte Auge. Diese bewusst organische, fast schon altmodische Produktion wirkt wie ein Gegenentwurf zu allem, was heute geschniegelt und geschniegelt und geschniegelt aus den Boxen tropft. Hier atmet alles. Hier knarzt es, hier lebt es, hier fühlt man jede Nuance. Und genau dadurch bekommt die Musik diese intensive, fast intime Wirkung. Es klingt nicht perfekt – es klingt echt. Und das ist in diesem Kontext das größte Kompliment.

Was mich besonders fasziniert, ist dieses permanente Spiel zwischen Eingängigkeit und völliger Verkopfung. Da sind diese Momente, in denen dich ein Riff oder eine Melodie sofort packt, fast schon hymnisch wirkt – nur um im nächsten Augenblick in eine verschlungene, beinahe sperrige Passage abzudriften, die dich zwingt, genauer hinzuhören. Und genau das macht den Reiz aus. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, wird hier nicht verwirrt zurückgelassen, sondern belohnt. Es ist wie ein Puzzle, das sich beim Hören Stück für Stück zusammensetzt – nur um sich dann wieder neu zu ordnen.

Über allem schwebt diese Stimme. Christian Mertens singt nicht einfach – er zieht dich rein. Hypnotisch ist da fast noch untertrieben. Es ist, als würde er dir direkt ins Ohr flüstern, mal verzweifelt, mal wütend, mal resigniert. Man versinkt regelrecht in diesem Vortrag, spürt das Leid, die Melancholie, aber auch diese unterschwellige Aggression. Das ist kein Gesang, das ist ein emotionaler Sog.

Instrumental passiert ohnehin eine Menge. Die Gitarrenarbeit ist vielschichtig, verspielt, ohne sich in Selbstzweck zu verlieren. Und das Wechselspiel am Schlagzeug – mal Schaltenberg, mal Hesse – sorgt für eine Dynamik, die man so nicht alle Tage hört. Es gibt keinen Moment, in dem sich dieses Album ausruht. Es bleibt ständig in Bewegung, ohne dabei hektisch zu wirken. Eher wie ein Fluss, der mal ruhig dahinzieht und dann plötzlich Strömungen entwickelt, die dich mitreißen.

Das Artwork hingegen… ja, da bin ich ehrlich: ein wenig zu minimalistisch für meinen Geschmack. Aber – und das ist der Punkt – es passt. Es spiegelt diese kühle, entrückte Grundstimmung wider, dieses Reduzierte, dieses Weglassen von allem Überflüssigen. Auch wenn ich mir persönlich etwas mehr visuelle Opulenz gewünscht hätte.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Die Lyrics hätten mich brennend interessiert. Gerade bei einem Album, das so stark mit Emotionen und Zuständen arbeitet, wäre ein Blick hinter die Worte spannend gewesen. Aber vielleicht ist es auch genau richtig so. Vielleicht soll man sich hier seine eigenen Gedanken machen, seine eigenen Bilder formen.

COME ist kein Album, das man hört – es ist eines, das man erlebt. Es fordert dich, es fordert Zeit, es fordert Aufmerksamkeit. Aber wenn man sich darauf einlässt, bekommt man etwas zurück, das weit über bloße Musik hinausgeht. DARK MILLENNIUM beweisen einmal mehr, dass sie nicht nur zurück sind, sondern relevanter denn je. Und ich lehne mich jetzt einfach mal weit aus dem Fenster: Solche Alben schreibt man nicht, wenn man nur funktionieren will – solche Alben entstehen, wenn man etwas zu sagen hat.

ANSPIELTIPPS:
🔥Here
💀Witchcraft Island
🎸Pieces of Midnight


Bewertung: 9,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Here
02. Amber
03. Fear Forest
04. Winter of Wizards
05. Pieces of Midnight
06. Green God
07. Witchcraft Island
08. House of the pale Inhabitant 



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