JUNGLE ROT – Cruel Face of War (2026)
(10.230) Olaf (9,3/10) Death Metal
Label: Unique Leader Records
VÖ: 16.05.2026
Stil: Death Metal
OOOOLDSCHOOOOOOOL! Dieses Dave-Matrise-Gebrüll ist kein Hirngespinst, sondern fester Bestandteil jedes verdammten JUNGLE ROT-Konzerts – nach jedem Song, wie ein Schlachtruf, der irgendwo zwischen Kriegserklärung und Trinkaufforderung pendelt. Und genau dieses Gebrüll reicht schon, damit irgendwo in Kenosha ein rostiger Panzer anspringt, ein Bier von selbst aufploppt und der Nacken vorsorglich einen Krankenschein einreicht. Niemand brüllt diesen Schlachtruf so herrlich aus der Tiefe der Death-Metal-Baugrube wie Dave Matrise. Und bei JUNGLE ROT ist das kein nostalgisches Lippenbekenntnis, sondern eine Kampfansage mit Stiefelabdruck auf der Brustplatte. Wer hier Innovation erwartet, hat vermutlich auch bei Motörhead nach Jazz-Fusion gesucht. Falscher Laden, falscher Tresen, falscher Leberwert.
Seit über 30 Jahren stehen JUNGLE ROT aus Kenosha, Wisconsin, wie ein rostiges, aber unzerstörbares Kettenfahrzeug im Death-Metal-Schlachtfeld. Während andere Bands sich mit technischen Kunststücken, Konzeptalben oder atmosphärischem Klimbim verzetteln, machen diese vier Herren genau das, was sie am besten können: Riffs schreiben, die sofort ins Genick gehen, Grooves liefern, die selbst dem letzten Bewegungslegastheniker die Hüfte lockern, und Songs bauen, die nicht fragen, ob du bereit bist, sondern einfach loslegen. Von Skin the Living bis heute zieht sich diese kompromisslose Linie durch – kein Schnickschnack, kein Trendgehampel, sondern pure, ehrliche Abrissarbeit.
Cruel Face of War ist bereits das zwölfte Studioalbum, und allein diese Zahl ist schon ein Statement. Zwölf Platten, drei Jahrzehnte, keine kreative Midlife-Crisis, keine peinlichen Ausflüge in fragwürdige Experimente. Stattdessen liefern JUNGLE ROT genau das, was sie sich über all die Jahre erarbeitet haben: einen Sound, der sofort wiedererkennbar ist, der drückt, groovt und sägt, ohne sich in technischer Selbstverliebtheit zu verlieren. Produziert wurde das Ganze erneut von Chris Djuricic, während Dan Swanö dem Album im Mix und Mastering den letzten Feinschliff verpasst hat – und das hört man. Das Ding klingt fett, aber nicht steril, druckvoll, aber nicht überproduziert. Genau so muss Old School Death Metal im Jahr 2026 klingen.
Der Opener Apocalyptic Dawn macht keine Gefangenen. Kein langes Vorgeplänkel, kein atmosphärisches Rumgeplänkel – das ist der akustische Tritt in die Tür, bei dem du direkt weißt, dass du jetzt besser den Helm aufsetzt. Die Mischung aus knallhartem Old-School-Death-Metal und dieser bissigen Thrash-Kante ist typisch JUNGLE ROT, aber eben so souverän umgesetzt, dass es nie nach Baukasten klingt. Hier sitzt jeder Schlag, jedes Riff hat Gewicht, jeder Groove zwingt dich sofort in Bewegung. Das Titelstück Cruel Face of War walzt danach alles nieder, was noch aufrecht steht. Hier wird nicht über Krieg philosophiert, hier wird er vertont – dreckig, direkt, ohne Pathos, aber mit maximaler Wucht.
Und dann kommen sie, diese Momente, in denen die Band zeigt, warum sie seit Jahrzehnten funktioniert: Maniacal ist ein Riffmonster, das dir die Nackenmuskulatur zerlegt wie ein Vorschlaghammer auf Porzellan. Kein unnötiger Ballast, kein Firlefanz – einfach ein Riff nach dem anderen, als hätten sie im Proberaum eine Flatrate auf Abriss bestellt. Radicalized geht dann bewusst vom Gas, aber nicht von der Intensität. Im Gegenteil: dieser schleppende, fast schon erdrückende Groove fühlt sich an wie ein Panzer, der langsam, aber unaufhaltsam über dich hinwegrollt. Zeit zum Ausweichen? Fehlanzeige.
Was JUNGLE ROT dabei so stark macht, ist diese unglaubliche Konsequenz. Egal ob Highspeed oder Midtempo – alles hat Druck, alles hat Groove, alles hat diese unmittelbare Wirkung. Leerlauf existiert hier schlicht nicht. Natürlich kann man argumentieren, dass sich die Band nicht neu erfindet. Aber ganz ehrlich: warum sollte sie? Never change a running system. Wenn ein System so zuverlässig Köpfe zum Nicken bringt und Moshpits entfesselt, wäre alles andere fast schon fahrlässig.
Auch inhaltlich bleiben JUNGLE ROT ihrer bewährten Schneise treu. Titel wie Suffer in Silence, Blade of Betrayal, Legacy of the Damned oder Hollow Husk zeichnen ein düsteres Panorama aus Krieg, Verfall und menschlicher Abgründigkeit. Das wirkt nicht wie ein beliebiges Gore-Feuerwerk, sondern eher wie ein kalter, schonungsloser Blick auf die hässlichen Seiten der Realität. JUNGLE ROT waren nie die Band für Splatter um des Splatter willen – hier geht es um Wirkung, um Atmosphäre und um dieses unterschwellige Gewicht, das sich hinter den Riffs auftürmt wie dunkle Gewitterwolken kurz vor dem Einschlag.
Ein kleines Highlight ist auch Horror Vile mit Dave Ingram, der dem Ganzen noch eine zusätzliche Portion Dreck und Autorität verpasst. Wenn zwei solche Stimmen aufeinandertreffen, klingt das ungefähr so, als würden zwei Abrissbirnen gleichzeitig gegen dieselbe Wand schwingen – und die Wand verliert.
Meine Frau kann mit Death Metal normalerweise ungefähr so viel anfangen wie mit Steuerformularen auf Latein – aber JUNGLE ROT liebt sie. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht, weil diese Band genau das liefert, was viele andere vergessen haben: Groove, Klarheit, Direktheit. Kein verkopftes Gefrickel, sondern Musik, die sofort funktioniert. Ich hoffe, Dave kann mir das im Interview bei Tales from the Hard Side am 08.05.2026 erklären – oder er brüllt einfach nur „OOOOLDSCHOOOOOOOL“ ins Mikro, und wir wissen beide, dass das die einzig richtige Antwort ist.
Cruel Face of War ist kein Experiment, kein Risiko, kein Versuch, irgendjemandem etwas zu beweisen. Es ist ein Statement. Ein massives, groovendes, brutales Statement. JUNGLE ROT zeigen einmal mehr, warum sie seit Jahrzehnten eine feste Größe im Underground sind: weil sie wissen, wer sie sind, und keinen Grund sehen, daran irgendetwas zu ändern. Riffs am laufenden Band, ein fettes Artwork, starke Produktion, jede Menge Groove und Brutalität – mehr braucht es manchmal einfach nicht.
ANSPIELTIPPS:
💀Apocalyptic Dawn
🎸Maniacal
🪖 Radicalized
Bewertung: 9,3 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Intro
02. Apocalyptic Dawn
03. Cruel Face of War
04. Maniacal
05. Suffer in Silence
06. Radicalized
07. Blade of Betrayal
08. When the Elders rise
09. Horror Vile (feat.Dave Ingram)
10. Legacy of the Damned
11. Rot Riffs
12. Hollow Husk

