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RISE OF KRONOS – Slaves of Time (2026)

(10.187) Olaf (8,7/10) Death Metal


Label: DIY
VÖ: 16.04.2026
Stil: Death Metal






Wenn eine Band ihre eigene DNA anfasst, ohne sie gleich komplett zu zerlegen, wird es interessant. RISE OF KRONOS befinden sich genau in dieser Phase. Der Schritt weg von Surface im Jahr 2021 war kein spontaner Befreiungsschlag, sondern das Ergebnis von über einem Jahrzehnt Erfahrung, Schweiß und dem klaren Wunsch, musikalisch mehr rauszuholen. Der neue Name steht dabei nicht nur für einen Neuanfang, sondern auch für den Anspruch, die eigene Vergangenheit mitzunehmen und gleichzeitig konsequent weiterzudenken.

Ich habe die Jungs – und damit auch dich, lieber Johnny – nie als Band wahrgenommen, die Trends hinterherläuft. Eher als eine, die sich ihre Schneise selbst durch den Morast pflügt. Umso interessanter, dass Slaves of Time genau diesen schmalen Grat beschreitet: zwischen traditioneller Brutalität und einem doch deutlich moderneren Anstrich.

Was sofort knallt, ist der Sound. Der ist fett, druckvoll, schiebt wie ein schlecht gelaunter Bulldozer auf Koks. Da sitzt jeder Schlag, jede Doublebass-Attacke wirkt wie ein Presslufthammer auf die Schädeldecke. Diese Mischung aus schwedisch angehauchter Rasierklingen-Schärfe und dieser leicht progressiven Präzision funktioniert technisch hervorragend. Das ist alles auf einem Niveau, bei dem man sich keine Sorgen um die handwerklichen Fähigkeiten machen muss – im Gegenteil.

Und dann kommt Toms Stimme ins Spiel. Und genau hier liegt mein persönlicher Knackpunkt. Die ist gut, keine Frage. Variabel, aggressiv, kontrolliert. Aber stellenweise eben auch… zu modern. Zu geschniegelt, zu sehr im Hier und Jetzt verankert. Mir fehlt da manchmal dieses dreckige, ungehobelte Element, dieses „Ich hab gestern noch Knochen gefressen und Blut gesoffen“-Gefühl. Das ist Jammern auf hohem Niveau, klar – aber es ist eben genau das, was den Unterschied zwischen „sehr gut“ und „verdammt nochmal überragend“ ausmacht.

Inhaltlich bleibt das Album eher in einem allgemeinen, düsteren Spannungsfeld, ohne sich dabei zu sehr aufzudrängen oder mit erhobenem Zeigefinger zu arbeiten. Vieles wirkt mehr wie ein begleitender Rahmen für die Musik als ein dominierendes Element. Die Texte transportieren Stimmung, unterstützen die Atmosphäre und fügen sich gut ins Gesamtbild ein, ohne dass man das Gefühl hat, hier würde krampfhaft ein Konzept über alles gestülpt werden. Das passt zur musikalischen Ausrichtung – direkt, wuchtig und eher auf Wirkung als auf verkopfte Botschaften ausgelegt.

Was mir wiederum richtig gut gefällt, ist das Gespür der Band für Dynamik. Die wissen genau, wann sie Vollgas geben müssen und wann ein Song auch mal kurz Luft holen darf. Dieses kontrollierte Zurücknehmen sorgt dafür, dass die härteren Passagen noch mehr reinknallen. Und genau da blitzt immer wieder dieses Riffing auf, das mich stellenweise an die erste Machine Head erinnert – roh, groovend, mit dieser gewissen „Ich walze dich einfach nieder“-Attitüde. Ich höre Johnny bis hierher schon zufrieden nicken.

Trotzdem bleibt dieses Gefühl, dass Slaves of Time ein kleines Stück weit zu sehr in Richtung Moderne schielt. Nicht schlimm, aber eben spürbar. Der Vorgänger hatte für mich mehr Biss, mehr Dreck unter den Fingernägeln. Hier ist vieles etwas glatter, etwas durchdachter – vielleicht sogar einen Tick zu durchdacht.

Was man der Platte allerdings nicht absprechen kann: Sie hat Eier. Und zwar besonders im letzten Drittel. Da zieht das Ding plötzlich nochmal richtig an, als hätte jemand den Turbo gezündet. Genau dort sitzen die Highlights, die sich festbeißen und nicht mehr loslassen wollen. Und wenn man dann noch solche Brecher wie Black Breath im Gepäck hat, dann kann in der Szene grundsätzlich nicht alles falsch laufen.

Wenn Kronos hier wirklich über die Zeit herrscht, dann tut er das mit einem ziemlich modernen Schwert. RISE OF KRONOS liefern ein starkes Album ab, das technisch beeindruckt, konzeptionell überzeugt und ordentlich nach vorne schiebt. Aber es ist eben nicht ganz so zwingend wie sein Vorgänger. Vielleicht ein bewusster Schritt, vielleicht eine Phase der Neuorientierung. Vielleicht auch einfach Geschmackssache. Johnny kann also entspannt durchatmen: Die Höchstnote bleibt diesmal im Schrank.

Anspieltips:
💀Black Breath
🔥Poison of the Gods
🎸 Into the Ashes


Bewertung: 8,7 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Heresy
02. Conception of Humanity
03. Escalate the rot
04. Slaves of Time
05. Custodians of Reality
06. Lit the Sky
07. Black Breath
08. Into the Ashes
09. Poison of the Gods
10. Chords of Dismemberment
11. The Liberation
12. Phantom Eternity 



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