BELLIGERENCE – Liturgies of the vile Ones (2026)
(10.262) Olaf (9,0/10) Death Metal
Label: Lycanthropic Chants
VÖ: 29.05.2026
Stil: Death Metal
Manchmal reicht schon ein einziger Durchlauf, um zu merken, dass hier keine Schülerband versucht, ihre MORBID-ANGEL-Plattensammlung nachzuspielen, sondern dass etwas deutlich Gefährlicheres heranwächst. BELLIGERENCE stammen aus Berlin, sind noch keine Ewigkeit unterwegs und klingen auf Liturgies of the Vile Ones trotzdem bereits so fokussiert, abgebrüht und brutal, als hätten sie sich seit Jahren durch die Katakomben der europäischen Death-Metal-Unterwelt geprügelt. Fünf Songs. Keine Gefangenen. Kein unnötiger Leerlauf. Und leider auch viel zu schnell vorbei.
Wenn ich die ganze Zeit daran denke, dass Altars of Madness heute genau so klingen müsste, dann haben die Berliner verdammt viel richtig gemacht. Diese EP ist kein nostalgischer Rückblick auf alte Großtaten, sondern ein moderner Abriss, der den Geist der frühen Neunziger in eine hochpräzise Kreissäge verwandelt. Technischer Death Metal vom Allerfeinsten, aber ohne diesen sterilen Mathematik-Unterricht, bei dem man irgendwann mehr Taktarten zählt als Riffs im Kopf behält. BELLIGERENCE verstehen glücklicherweise noch, dass Brutalität auch grooven darf. Und wie sie das tut.
Zwischen rasenden Blastbeat-Gewittern, chirurgisch präzisen Gitarrenläufen und diesen herrlich finsteren Harmonien wirkt das Material gleichzeitig kontrolliert und komplett entfesselt. Besonders beeindruckend ist dabei, wie selbstverständlich die Band Geschwindigkeit mit Druck verbindet. Viele junge Tech-Death-Bands klingen heute wie Excel-Tabellen mit Triggerdrums. Hier dagegen riecht alles nach Schweiß, Proberaum, Bier und Schädelbasisbruch. Genau deshalb funktioniert diese EP so hervorragend.
Die Berliner haben sich seit ihrer Gründung Ende 2022 offensichtlich nicht damit beschäftigt, möglichst trendy zu wirken, sondern lieber gelernt, wie man Songs schreibt, die dir mit Stahlkappenstiefeln gegen die Schläfe treten. Der Einfluss von Größen wie MORBID ANGEL, BEHEMOTH oder DECAPITATED ist durchaus hörbar, wird aber nie zum peinlichen Klonversuch. Stattdessen erschaffen BELLIGERENCE einen Sound, der gleichermaßen technisch, brutal und erstaunlich organisch wirkt. Dazu kommt eine Produktion, die schlicht überragend ist. Druckvoll, differenziert, massiv – ohne klinisch totproduziert zu klingen. Genau so muss extremer Death Metal im Jahr 2026 klingen.
Dass die Band bereits mit Namen wie CARNAL TOMB, SIJJIN, NECROT oder MAMMOTH GRINDER unterwegs war, überrascht nach dieser EP überhaupt nicht mehr. Hier steckt enormes Potential drin. Vor allem, weil die fünf Songs nicht wie ein zusammengewürfeltes Demo wirken, sondern wie das Werk einer Band, die längst verstanden hat, was Dynamik, Spannungsaufbau und Atmosphäre im Death Metal bedeuten. Diese fünf Abrissbirnen spalten Schädel, reißen Wände ein und lassen dabei trotzdem genug Details übrig, um auch nach mehreren Durchläufen noch neue kleine Gemeinheiten zu entdecken.
Das größte Manko? Dieses verdammte Ding endet nach fünf Songs. Gerade dann, wenn man komplett in diesen Strudel aus Wahnsinn, Präzision und Gewalt hineingezogen wurde, ist plötzlich Schluss. Aber vielleicht ist genau das die größte Stärke von Liturgies of the Vile Ones: Die EP hinterlässt Hunger. Sehr viel Hunger. Und das Gefühl, dass sich hier gerade etwas wirklich Großes zusammenbraut.
Am Ende dieser guten halben Stunde kontrollierter Verwüstung bleibt vor allem die Erkenntnis, dass BELLIGERENCE aktuell zu den spannendsten jungen Death-Metal-Bands Deutschlands gehören. Kein überladener Technikzirkus, kein nostalgisches Altherren-Revival und keine sterile Hochglanz-Kopie vergangener Großtaten – sondern rohe Klasse voller Präzision, Wucht und erstaunlicher Reife. Wenn die Berliner dieses Niveau irgendwann auf Albumlänge konservieren können, dürfte aus diesem Geheimtipp sehr schnell ein verdammt großes Problem für die Konkurrenz werden. Und vermutlich auch für sämtliche Nackenmuskeln zwischen Berlin und Tampa.
Bewertung: 9,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Self Mutilation Adjured
02. The Travesty
03. Reign through Defilement
04. Vengeful Slaughter
05. Liturgies of the vile Ones

