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LEATHERWITCH – First Spell (2026)

(10.266) Olaf (7,0/10) Heavy Metal


Label: Listenable Records
VÖ: 29.05.2026
Stil: Heavy Metal






Mit LEATHERWITCH schlägt Marta Gabriel nach dem Ende von CRYSTAL VIPER ein neues Kapitel auf, und ganz ehrlich: Wer nach neun Studioalben, Touren durch über 20 Länder und Festivalstationen wie Wacken, Hellfest oder Keep It True einfach die Lederjacke an den Nagel hängt, hat Heavy Metal nicht verstanden. Marta offenbar schon. Statt Trauerflor gibt es Flying V, statt Abschiedsschmerz einen Neustart, und statt großer Konzeptkeule ein Album, das sich eher wie eine Sammlung kleiner metallischer Momentaufnahmen anfühlt.

First Spell ist dabei genau das, was der Titel verspricht: ein erster Zauber, aber eben noch kein vollständiger Hexensabbat. LEATHERWITCH setzen (oder in diesem Fall setzt!) auf klassischen Heavy Metal, der sich tief vor den Achtzigern verneigt, ohne krampfhaft nach Kellerdemo, Nikotinvorhang und rostigem Tapedeck klingen zu wollen. Das Ergebnis ist sauber, direkt, melodisch und angenehm unkompliziert. Sommer-Metal, der nicht wehtut, aber auch nur punktuell wirklich die Pommesgabel in den Himmel prügelt.

Der Einstieg mit Heroes and the Dice sitzt richtig gut. Hier stimmt das Tempo, die Gitarren haben Zug, und Marta klingt motiviert, als hätte sie nach dem Ende von CRYSTAL VIPER nicht lange in der Ecke gesessen, sondern direkt den Verstärker wieder aufgerissen. Auch Beast inside funktioniert als Single bestens: knackiger Refrain, schöner Drive, genug Biss, um nicht nur brav am Lederarmband zu nuckeln. Da fetzt die Hexe kurz ordentlich durch den Vorgarten.

Danach bleibt First Spell zwar sympathisch, verliert aber etwas an zwingender Magie. Bound by the Night, Silver Stallions, Living in the fast Lane oder Two Tons of Steel haben alle ihre Momente, ihre klassischen Riffs, ihre melodischen Haken und dieses angenehme „Kann man wunderbar beim Grillen mit kaltem Bier laufen lassen“-Gefühl. Nur zündet eben nicht jeder Song so, dass man danach den Gartentisch in Kutte und Spandex umtritt. Vieles plätschert eher solide dahin, macht aber trotzdem genug Spaß, um noch einmal auf Play zu drücken. Das ist keine kleine Leistung, aber eben auch kein Grund, sofort ein weltumspannendes Banner aus Bettlaken zu malen.

Gesanglich zeigt Marta Gabriel einmal mehr, dass sie diese Musik nicht nur kann, sondern fühlt. Ihre Stimme sitzt souverän zwischen klassischem Metal, Hard Rock und leicht theatralischer Kante, ohne sich in übertriebenem Sirenengeheul zu verlieren. Gerade weil das Material oft sehr traditionell gebaut ist, trägt ihre Performance viele Songs über kleinere kompositorische Durchschnittsmomente hinweg. Die Gitarrenarbeit ist ordentlich, die Soli funkeln, die Riffs marschieren, und die Produktion gibt dem Ganzen genug Klarheit. Allerdings klingt mir manches fast zu glatt. Rohheit wird hier eher dekorativ getragen, wie ein Nietengürtel aus dem Versandhaus.

Beim Thema „Marta Gabriel als Multi-Instrumentalistin“ bin ich vorsichtig. Dass sie hier die kreative Zentrale ist, steht außer Frage. Dass sie alles selbst eingespielt haben soll, wage ich allerdings zu bezweifeln. Mein innerer Metal-Detektiv vermutet hinter den Kesseln jedenfalls weniger eine verschwitzte Ein-Frau-Drummer-Session um drei Uhr nachts, sondern eher Angelo Sasso – diesen legendären Drummer, der weder schläft, noch schwitzt, noch Gagen fordert und seit Jahrzehnten stoisch präziser auf die Felle hämmert als so manche echte Bandbesetzung zusammen. Aber: Selbst wenn hier getrickst, geholfen oder elegant delegiert wurde – man muss so ein Projekt erst einmal hinbekommen. Und First Spell klingt in sich geschlossen genug, um nicht wie ein zusammengeklebter Studiobaukasten zu wirken.

Der Abschluss mit Walls of Jericho/Ride the Sky ist natürlich reine Heldenverehrung. HELLOWEEN lassen grüßen, die Kürbisköpfe nicken freundlich aus der Ferne, und man merkt sofort, dass hier keine ironische Fingerübung, sondern ehrliche Liebe im Spiel ist. Cool ist das allemal. Mir klingt es nur zu klinisch, zu brav nachpoliert, als hätte jemand den alten Speed-Metal-Zauber durch eine moderne Studiowaschanlage geschickt. Die Energie ist da, der Respekt sowieso, aber der Dreck unter den Fingernägeln fehlt ein wenig.

So bleibt First Spell ein gutes, charmantes, traditionelles Heavy-Metal-Album mit einigen starken Momenten, aber auch mit Leerlauf im Mittelfeld. LEATHERWITCH liefern keinen Reinfall, keine halbgare Übergangslösung und erst recht keinen peinlichen Neustart. Dafür ist Marta Gabriel viel zu erfahren, zu stilsicher und zu sehr Metal-Fan mit Herz, Leder und vermutlich gut sortierter Plattensammlung. Aber ob dieses Album reicht, um aus LEATHERWITCH eine Band mit weltumspannender Karriere zu machen? Da würde ich mein letztes Festivalbier nicht drauf verwetten.

ANSPIELTIPS:
🔥Heroes and the Dice
💀Beast inside
🎃Walls of Jericho/Ride the Sky

 


Bewertung: 7,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Heroes and the Dice
02. Beast inside
03. Bound by the Night
04. Silver Stallions
05. Living in the fast Lane
06. The new Beginning
07. Two Tons of Steel
08. In the Middle of the Night
09. Walls of Jericho/Ride the Sky 



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