ETERNAL EVIL – Forever feared (2026)
(10.267) Olaf (8,4/10) Thrash Metal
Label: Listenable Records
VÖ: 29.05.2026
Stil: Thrash Metal
Stockholm hat schon schlimmere Dinge ausgespuckt als junge Männer mit schnellen rechten Händen, spitzen Riffs und einem Hang dazu, das eigene Nervenkostüm mit der Abrissbirne zu behandeln.
ETERNAL EVIL gehören seit 2019 zu jener Generation, die nicht versucht, Thrash Metal neu zu erfinden, sondern ihn lieber so lange mit rostigen Nägeln füttert, bis er wieder nach Blut, Schweiß und alter Proberaumtapete riecht. Angefangen haben die Schweden noch deutlich schwärzer, giftiger, mehr blackened Thrash, als hätte jemand frühe KREATOR, SLAYER und DISSECTION in einen Keller gesperrt und erst wieder rausgelassen, als die Polizei schon vor der Tür stand. Auf Forever Feared ist davon noch ein Schatten übrig, aber der Blick geht inzwischen klarer Richtung klassische Bay-Area-Keule: EXODUS, EVILDEAD, ein bisschen frühe Teutonen-Schärfe, dazu diese jugendliche Frechheit, die einem manche müde gewordene Großtat alter Helden angenehm vergessen lässt.
Und ja, das meine ich genau so: Wenn aktuell manche Thrash-Dinosaurier ihre Riffs eher verwalten als verwüsten, treten ETERNAL EVIL hier mit Stahlkappenschuhen durch die Tür und erinnern daran, warum diese Musik ursprünglich nicht für Sitzplätze, Premium-Vinylfarben und Rückenmassage erfunden wurde. Forever Feared fährt mächtig ins Gebein, hat Druck, Biss und eine Produktion, die angenehm fett klingt, ohne alles glattzubügeln. Das Schlagzeug von Felix Wahlund knallt trocken und präzise, Adam Sjö gibt dem Ganzen ordentlich Unterboden, während Adrian Tobar und Tobias Lindström die Gitarren wie eine Horde schlecht gelaunter Kettensägen durch den Raum jagen. Der neue Unterbau tut der Band hörbar gut: Das wirkt nicht nur wilder, sondern auch kontrollierter.
Nach dem kurzen Prelude wird schnell klar, dass hier niemand mit Duftkerzen in den Pit möchte. The Darkened Sphere und A Soul To Cope zeigen die gewachsene Klasse der Band: weniger stumpfes Schwarzmetall-Geballer, mehr strukturiertes Thrash-Handwerk, mehr Dynamik, mehr Griff um die Kehle. Natürlich riecht das alles nach alten Helden, und natürlich kann man an mehreren Stellen fast die Poster an der Proberaumwand erkennen. Aber lieber gut geklaut mit scharfem Messer als originell gescheitert mit stumpfer Kuchengabel. ETERNAL EVIL haben verstanden, dass Oldschool nicht bedeutet, Ideen in Formaldehyd einzulegen. Die Songs bewegen sich, reißen Tempowechsel auf, setzen kleine melodische Widerhaken und gönnen sich genug Atmosphäre, um nicht bloß wie eine gut geölte Riff-Maschine zu funktionieren.
Der Titeltrack ist dabei so etwas wie die Visitenkarte dieses Albums: aggressiv, dunkel, melodisch angekratzt und mit genügend Nackenbrecherpotenzial ausgestattet, um Orthopäden in Stockholm schon mal vorsorglich Zusatzschichten planen zu lassen. Eyes Of Wrath geht direkter in die Fresse, während Triumph Through Pain genau jene kämpferische Note trägt, die auch im Artwork steckt. Die Schlangen als Sinnbild für Verrat, Widerstand und elende Lebensumstände, die würgende Hand als Trotzreaktion – das passt zum Album. Hier wird nicht gejammert, hier wird zurückgebissen. Sehr sympathisch. Metal als therapeutische Maßnahme, nur eben ohne Räucherstäbchen und mit deutlich höherem Risiko für kaputte Schneidezähne.
Ganz ohne Kritik kommt Forever Feared trotzdem nicht davon. Bei aller Energie, bei allem Druck und bei aller Liebe zu dieser angenehm altmodischen Abrissbirnen-Ästhetik fehlt manchen Songs noch der wirklich unverwechselbare Haken. Nicht jeder Refrain bleibt kleben, nicht jedes Riff trägt ein eigenes Namensschild, und manchmal marschiert die Band so ehrfürchtig durch die Ahnenhalle des Thrash, dass man kurz nachsehen möchte, ob irgendwo Gary Holt mit dem Hausmeisterschlüssel steht. Originell ist das nicht immer. Aber stark ist es fast durchgehend. Und genau darin liegt der Unterschied zwischen einer netten Retro-Übung und einem Album, das man freiwillig wieder auflegt, obwohl man eigentlich schon genug Nackenschmerzen vom Vortag hat.
Besonders angenehm ist, dass ETERNAL EVIL nicht in die Falle tappen, nur auf Geschwindigkeit zu setzen. Stain Of Roses und The Mountain’s Gaze bringen andere Farben hinein, ohne den Dreck aus den Fingernägeln zu waschen. Das Album atmet, schiebt, tritt, bremst kurz an und holt dann wieder aus. Diese Abwechslung sorgt dafür, dass Forever Feared nicht als reine Riff-Dauerwurst endet, sondern als geschlossenes, gut produziertes und erstaunlich reifes drittes Album einer Band, die ihre Anfangswut inzwischen besser sortieren kann. Die Blackened-Thrash-Wurzeln sind nicht verschwunden, aber sie dienen nun eher als dunkle Gewürzmischung im Thrash-Eintopf. Und der schmeckt deutlich besser als manches lauwarme Menü, das uns zuletzt von vermeintlich größeren Namen serviert wurde.
Live möchte ich diese Truppe nach diesem Album unbedingt einmal austesten. Auf Platte fährt das schon ordentlich in die Knochen, aber man spürt bei Songs wie Eyes Of Wrath, Forever Feared oder I Know, The Fire Burns Inside, dass diese Nummern erst vor einer schwitzenden Meute ihre volle Wirkung entfalten dürften. Das hier ist Musik, die nicht nach Couch, Kopfhörer und Kräutertee schreit, sondern nach Club, Nebel, Bierdusche und dem kurzen Moment, in dem man überlegt, ob die eigene Halswirbelsäule eigentlich eine Garantieverlängerung hat.
ETERNAL EVIL liefern mit Forever Feared ein starkes, druckvolles und erfreulich abwechslungsreiches Thrash-Album ab, das seine Vorbilder nicht verleugnet, aber genug eigene Galligkeit besitzt, um nicht als bloße Kopie im Regal zu verstauben. Der Wiedererkennungswert könnte noch wachsen, und ein paar zwingendere Hooks würden aus einem sehr guten Album vielleicht ein überragendes machen. Doch bei einer Band, die erst seit 2019 unterwegs ist und bereits so viel Feuer im Kessel hat, darf man ruhig die Lederjacke zuknöpfen, den Nacken lockern und anerkennend nicken. 8,4 Punkte sind hier keine Gefälligkeit, sondern verdiente Prügelprämie.
ANSPIELTIPS:
💀Forever Feared
🎸Eyes Of Wrath
🔥I Know, The Fire Burns Inside
Bewertung: 8,4 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Prelude
02. Darkened Sphere
03. A Soul to cope
04. Forever feared
05. Eyes of Wrath
06. Triumph through Pain
07. Staino f Roses
08. Mountains Gaze
09. I know, the Fire burns inside

