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IRON SAVIOR – Awesome Anthems of the Galaxy (2026)

(10.184) Olaf (ohne) Power Metal


Label: Perception
VÖ: 27.03.2026
Stil: Power Metal






Vor ein paar Tagen sitze ich da, scrolle durch irgendwelche nostalgischen Abgründe des Internets und sehe dieses Bild: „30 Jahre Resident Evil“. Zack. Schlag in die Magengrube. Kurz innegehalten, innerlich ein bisschen Staub abgeklopft – und dann kommt Piet Sielck um die Ecke und legt mit IRON SAVIOR gleich noch einen drauf. Danke dafür. Wirklich. Der Verfall ist offenbar nicht aufzuhalten – aber immerhin hat er jetzt einen verdammt guten Soundtrack.

Wer die Hamburger Institution kennt, weiß: Stillstand war noch nie deren Ding. Seit den späten 90ern schiebt sich die Band mit stoischer Zuverlässigkeit durch die Galaxis des Power Metal, immer mit dieser Mischung aus hanseatischer Bodenständigkeit und Science-Fiction-Größenwahn. Und nach dem durchaus starken Machine World – Reforged im letzten Jahr kommt jetzt ein Werk, das auf dem Papier erstmal wie eine Schnapsidee klingt: ein komplettes Album voller 80er-Pop-Cover.

Und ja, Coveralben sind per se nichts Neues mehr. Spätestens seit At the Movies weiß man, dass man aus Pop und Rock mit genügend Verzerrung fast alles machen kann. Aber hier geht es nicht um Ironie oder Augenzwinkern – hier geht es um ehrliche Liebe zu diesen Songs. Man hört diesem Album in jeder Sekunde an, was dahintersteckt. Das ist kein kalkuliertes Projekt, sondern eine verdammt ehrliche Liebeserklärung an eine Zeit, in der man vermutlich noch mit Walkman im Bus saß, heimlich die Charts gefeiert hat und sich gleichzeitig gefragt hat, ob man dafür jetzt seinen Metal-Pass abgeben muss. Spoiler: Musste man nie.

Und ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass Piet damals zu Blondie die Hamburger Tanzflächen zerlegt hat, bei Against All Odds irgendwo im Halbdunkel charmant Grenzen ausgelotet hat und wie wir alle im Auto verzweifelt versucht hat, Take On Me zu treffen – inklusive anschließender Heiserkeit für drei Tage. Genau diese Energie steckt in diesem Album. Und genau deshalb funktioniert es so verdammt gut.

Natürlich sind Coverversionen von Pop-Hits kein Neuland mehr. Spätestens seit At the Movies weiß jeder, wie das grundsätzlich läuft. Aber IRON SAVIOR gehen hier einen Schritt weiter: Sie ziehen die Songs nicht einfach durch den Metal-Fleischwolf, sondern bauen sie komplett um, ohne ihnen die Seele zu nehmen. Das ist die eigentliche Kunst – und die gelingt erstaunlich oft.

Gerade die Stücke, die im Original eher in Richtung Zuckerwatte tendieren, gewinnen hier massiv. Aus dem leicht kitschigen Forever Young wird ein stampfender, fast schon heroischer Rocker, der plötzlich mehr Eier hat als man ihm je zugetraut hätte. She’s Like The Wind verliert seinen Schmachtfaktor und bekommt stattdessen Druck, ohne komplett seine melancholische DNA zu verlieren. Und ja – an dieser Stelle ein herzlich zynisches Dankeschön: Wegen dieses Songs durfte ich mir anschließend mit meiner besseren Hälfte Dirty Dancing anschauen. Freitagabend. Mit Chips. Und Diskussionen über Patrick Swayze. Großartig (nicht).

Überhaupt ist die Songauswahl clever. Statt die hundertfach totgenudelten Hits in den Mittelpunkt zu stellen, gönnt man sich mit Suburbia einen der besten Songs der Pet Shop Boys – und genau solche Entscheidungen zeigen, dass hier jemand mit Geschmack am Werk war. Klar, sichere Bänke wie Separate Ways, Since You Been Gone oder Maniac sind auch dabei, aber im Kontext wirkt das nie wie ein Best-of-Karaoke-Abend, sondern wie ein rundes, durchdachtes Gesamtwerk.

Und dann ist da noch dieser Spagat zwischen Respekt und Eigenständigkeit. Die Originale bleiben erkennbar, aber gleichzeitig ist alles zu 100 % IRON SAVIOR. Die Gitarren drücken, die Drums treiben, Piet singt sich durch die Songs, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Diese typische Mischung aus Präzision und leicht rauer Kante sorgt dafür, dass das Ganze nie zu geschniegelt wirkt. Und ganz ehrlich: Wer hier mit hochgezogener Augenbraue sitzt und über „Authentizität“ diskutieren will, soll bitte wirklich zum Lachen in den Keller gehen. Dieses Album will Spaß machen. Und das tut es. Punkt.

Meine Frau hat gestern zu dieser Platte knapp 6.000 Schritte getanzt. Ich selbst habe mit zwei, drei Bierchen in der Hand ziemlich zufrieden an meine Jugend gedacht und mich dabei ertappt, wie ich Texte mitgröle, die ich eigentlich längst vergessen hatte. Allein dafür hat sich das Ganze schon gelohnt.

Dass die Band diese Idee schon seit Jahren mit sich herumträgt und sie jetzt konsequent durchzieht, passt ins Bild. Schon früh gab es Ausflüge in diese Richtung – jetzt wird das Ganze eben auf Albumlänge durchgezogen. Und es fühlt sich nicht wie ein Fremdkörper in der Diskografie an, sondern eher wie ein zusätzlicher, überraschend stimmiger Orbit. Natürlich ist das kein Album, das die Welt verändert. Es will es auch gar nicht. Aber es zeigt, dass man auch nach all den Jahren noch Lust haben kann, Dinge auszuprobieren – ohne sich dabei zu verbiegen.

Und vielleicht ist das die eigentliche Stärke von Awesome Anthems of the Galaxy: Es nimmt sich selbst nicht zu ernst, ohne albern zu sein. Es ist nostalgisch, ohne verstaubt zu wirken. Und es beweist, dass man auch mit über drei Jahrzehnten auf dem Buckel noch verdammt viel Spaß haben kann – selbst wenn einem dabei gelegentlich bewusst wird, wie lange das alles schon her ist.


Bewertung: ohne, aber verdammt geil


TRACKLIST

01. Fame
02. All I need is a Miracle
03. When the Rain begins to fall
04. Maniac
05. Take on me
06. Relax
07. What a Feeling
08. Against all Odds
09. Seperate Ways
10. Suburbia
11. Here comes the Rain again
12. She’s like the Wind
13. (I just) Died in your Arms tonight
14. Forever young
15. Since you been gone
16. Call me
17. Catch me I’m falling 



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