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GODSNAKE – Inhale the Noise (2026)

(10.208) Olaf (8,5/10) Groove Metal


Label: Massacre Records
VÖ: 17.04.2026
Stil: Groove Metal






Hamburg ist nun wirklich keine Stadt, die man mit schüchternem Understatement verbindet. Da wird geklotzt, geschnackt, gehupt und im Zweifel auch musikalisch nicht lange um den heißen Brei herumgeschrammelt. GODSNAKE passen deshalb ziemlich gut in diese Gegend: seit 2015 im Umlauf, erst mit der Hellbound Ride-EP, dann mit Poison Thorn, später Eye For An Eye und jetzt also mit dem dritten regulären Langspieler Inhale The Noise. Die Band selbst verortet sich zwischen Melodic Thrash und Heavy Metal, stammt aus Hamburg und hat sich über die Jahre mit einer klaren Mischung aus Riffdruck, Hooks und Bühnenenergie in der Szene festgebissen. Produziert wurde das neue Album erneut mit Lasse Lammert, und Jean Bormann von RAGE steuert auf drei Songs Soli bei – nämlich beim Titelstück, bei Rotten To The Core und bei Digital Dumbass

Und genau dieses Album macht erfreulicherweise nicht den Fehler, sich in irgendeinem modernen Metal-Einheitsbrei an den Algorithmus zu verkaufen. Das hier ist keine glattgebügelte Plastikplatte, sondern ein Werk, das zwar zeitgemäß klingt, aber noch nach Band, Schweiß, Proberaum und ehrlicher Wucht riecht. Laut offiziellem Material sollte Inhale The Noise härter, aggressiver und abwechslungsreicher ausfallen, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen, und ausnahmsweise ist das keine dieser üblichen Promo-Behauptungen, die man nach zwei Songs schon mit einem müden Augenrollen abstraft. Das stimmt hier tatsächlich. GODSNAKE haben ihren Kern nicht verramscht, sondern sauber nachgeschärft.

Was sofort hängenbleibt, ist dieser wirklich saufette Sound. Der Gitarrenton hat oft etwas von FFDP, und nein, das ist in diesem Fall ausdrücklich keine Beleidigung, sondern ein Hinweis auf diese dicke, drückende, fast schon übermotorisierte Wand aus Groove, bei der jedes Riff geschniegelt geschniegelt geschniegelt wie ein Presslufthammer aus der Box springt. Dazu kommt eine Produktion, die modern ist, aber nicht steril, wuchtig, aber nicht luftdicht versiegelt. Lasse Lammert hebt laut Salesheet den Sound erneut an, aggressiver, dynamischer, passender zu den Songs – und genau so wirkt das auch. Da scheppert nichts ziellos, da sitzt jeder Schlag wie ein Tritt in die Magengrube, ohne dass das Album in irgendeinen klinischen Maschinenraum abdriftet. 

Vor allem groovt das Ding wie Sau. Und zwar nicht dieses lustlose Mitnick-Grooven für Leute, die beim Headbangen erst den Orthopäden fragen müssen, sondern ein echter, zupackender, breitbeiniger Schub. Immer wieder schiebt sich das Material in diese herrlich stampfende Zone, in der man unwillkürlich an alte Devildriver denken muss, nur dass GODSNAKE genug melodisches Eigenprofil besitzen, um daraus keine billige Kopie zu machen. Das Album kann knallen, ohne stumpf zu werden, und es kann eingängig sein, ohne peinlich geschniegelt nach Airplay zu schielen. Genau diese Balance kriegen nicht viele Bands so souverän hin.

Torger wiederum beweist auf Inhale The Noise sehr eindrucksvoll, dass er nicht nur doof gucken und andere Menschen auf Festivals stalken kann, sondern tatsächlich eine richtig fette Röhre besitzt. Sein Gesang ist einer der Hauptgründe, warum die Platte so gut funktioniert. Er klingt druckvoll, präsent, energisch und hat genug Charakter in der Stimme, um den Songs dieses leicht angefressene, kantige Profil zu geben, das man in dieser Art von Musik schlicht braucht. Er bellt nicht nur, er führt die Songs. Gerade weil das Album nicht auf reines Drauflosgeknüppel setzt, sondern immer wieder mit Hooks und markanten Refrainlinien arbeitet, braucht es vorne jemanden, der beides kann: Druck und Wiedererkennungswert. Torger liefert genau das.

Stark ist auch, dass GODSNAKE nicht jeden Song mit derselben Brechstange aufmachen. Das Material bleibt zwar durchgehend kernig und riffbetont, wirkt aber nicht wie zehnmal derselbe Vorschlaghammer in leicht anderer Lackierung. Laut offiziellem Albumblatt war der Anspruch, den typischen Bandkern aus Riffing, Hooks und Eingängigkeit zu bewahren und trotzdem jedem Stück eine eigene Identität zu geben. Das ist kein leeres Geschwätz. Man hört dem Album an, dass hier jemand über Dynamik nachgedacht hat. Schnellere, thrashigere Momente stehen neben epischeren oder atmosphärischeren Passagen, ohne dass der Fluss leidet. Gerade das macht Inhale The Noise stärker als viele Genrekollegen, die nach drei Tracks schon damit anfangen, sich selbst zu wiederholen.

Besonders gelungen finde ich, dass GODSNAKE trotz aller Wucht nie die melodische Leine völlig loslassen. Viele Bands verwechseln „hart“ immer noch mit „eindimensional“, aber hier passiert zum Glück mehr. Die Soli setzen Akzente, die Leads geben den Songs Luft, und auch die Refrains sind so gebaut, dass sie hängenbleiben, ohne gleich in peinliche Mitgröl-Folklore abzurutschen. Jean Bormanns Gastbeiträge fügen sich dabei sinnvoll ein, statt wie bloße Namedropping-Deko auf dem Beipackzettel zu stehen. Das Album gewinnt dadurch an Farbe, nicht an Fremdkörpergefühl.

Dass GODSNAKE inzwischen nicht mehr nur ein regionales Ding sind, sondern sich seit Jahren live mit Namen wie RAGE, Brainstorm, Motorjesus, Emil Bulls, Threshold oder April Art die Bühne teilen konnten, hört man dem Album übrigens an. Diese Songs sind nicht im stillen Kämmerlein für Kopfhörer-Nischenpublikum gezüchtet worden, sondern wirken so, als wollten sie live genau da landen, wo sie hingehören: mitten in die Rippen. Die Band existiert seit 2015 und hat sich offenkundig genug Livehärte abgeholt, um zu wissen, wie man Riffs schreibt, die nicht nur auf Platte funktionieren, sondern auch vor der Bühne Köpfe kreisen lassen. 

Unterm Strich ist Inhale The Noise für mich ein ziemlich starkes Ding. Kein Album, das sich geschniegelt geschniegelt geschniegelt intellektuell über den Hörer erhebt, kein prätentiöses Konzeptmonster, sondern eine Platte, die genau weiß, was sie kann, und das mit breiter Brust abliefert. Saufett produziert, stark im Groove, mit einem Gitarrensound, der wie ein Betonmischer auf Testosteron durch die Bude walzt, und einem Frontmann, der hörbar mehr draufhat als nur finster zu gucken. Dazu diese alten Devildriver-Vibes, ohne dass die eigene Identität flöten geht – das macht schon richtig Laune. Das ist kein revolutionäres Meisterwerk, das die gesamte Metalgeschichte neu schreibt und nebenbei noch die Elbphilharmonie abreißt. Aber es ist ein verdammt packendes, modern drückendes, sehr lebendiges Album, das mehr kann als nur Krach. Und manchmal ist genau das am Ende sowieso viel mehr wert als jede große Geste.

Wenn GODSNAKE so weitermachen, dann ist diese Platte kein bloßer nächster Schritt, sondern der Moment, in dem aus einer guten Band endgültig ein echter, bissiger Brocken wird. Inhale The Noise fetzt gut, groovt wie Sau und hat genug Dampf unter der Haube, um auch nach mehreren Durchläufen nicht in sich zusammenzufallen. Hamburg kann also weiter laut bleiben. In diesem Fall sogar sehr gern.

Anspieltips:
🔥Inhale The Noise
💀Rotten To The Core
🎸The Price We Have To Pay


Bewertung: 8,5 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Scream for a Bullet
02. Lost & Forgotten
03. Inhake the Noise
04. Enemy of Great
05. Rotten to the Core
06. Place to call Home
07. Digital Dumbass
08. Fear is the Key
09. Creator of Shame
10. The Price we have to pay 



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