ROB ZOMBIE – The Great Satan (2026)
(10.105) Phillip (8,3/10) Industrial Metal
Label: Nuclear Blast Records
VÖ: 27.02.2026
Stil: Industrial Metal
Ihr kennt das. Ihr schaut euch irgendeinen 90er- oder 2000er Jahre Vampir-Action-Reißer an und natürlich darf da eine möglichst martialisch anmutende Diskoszene in einem großgewölbigen Betonkeller einer dicht bevölkerten Großstadt nicht fehlen. Das Strobolicht gibt alles und absurd stylisches Nachtvolk gibt sich ekstatisch dem Hedonismus hin. In einer Ecke stehend wohnt Neo stumm dem Treiben bei. Zu absolut jedem Zeitpunkt dieser Szene passt irgendein Song von Rob Zombie und im Umkehrschluss denke ich bei jedem Song dieses Künstlers an genau so eine Szene.
Dass dieser Mann, beziehungsweise diese Band, schon seit locker 30 Jahren sein Unwesen treibt ist eine Sache, dass er neben seiner Comic-Autorentätigkeit und dem Filmbusiness nach wie vor musikalische Relevanz, oder besser: Popularität ausstrahlt, ist eine andere Sache. Denn im Grunde ist mit seinem Erstlingswerk und dem alles überstrahlenden Dragula doch alles gesagt, oder nicht? Wiederum andererseits könnte man genau das Gleiche über AC/DC sagen, und dennoch haben die Australier Hit nach Hit und Album nach Album rausgefeuert – und hier treffen wir auf die Gemeinsamkeit – weil sie es einfach nicht anders können. Sie müssen ihr Ding durchziehen und, ganz wichtig, bleiben dabei echt und nie aufgesetzt. So nehme ich auch zweifellos einem mittlerweile 60 Jahre und älteren Mann den unbedingten Willen ab, diese Art von Musik mit Herzblut herüberzubringen. Dafür hat er sich sozusagen die alte Gang wieder zusammengezogen, unter Anderem wurde John 5 durch Rückkehrer Mike Riggs ersetzt, und ein Album namens, selbstredend plakativ wie Sau, The Great Satan, zusammengefummelt.
Die ersten sechs Songs können dabei sämtlich und am Stück in der eingangs beschriebenen Blutsaugerdisko laufen. Die Stücke grooven schmatzend und hypnotisierend alles kurz und klein, sodass sich der Nacken, beziehungsweise das Fußgelenk, verselbstständigt und im immer gleichen Takt mitzuckt. Never change a winning rhythm. Die häufig melodische Gitarre und der Bass spielen das Spiel direkt mit und nur ein paar Synthie-Einsprengsel stechen aus dem dichten Geknäuel heraus.
Die vorab ausgekoppelte Single I‘m a Rock N Roller sticht hier mit einem absoluten Nackenbrecher-Refrain heraus und ja, auch ich hätte nicht gedacht, dass ich diese Zeilen so schreiben muss. Denn es ist die Wahrheit und sich dieser zu versperren ist so, als würdet ihr euch eingestehen, dass ihr schon immer die Stinker auf der Party wart. Robert Wiedergänger zwingt euch mit diesen sechs stumpfen Spaßgranaten über den Schatten der Trveness zu springen!
Mit Sir Lord Acid Wolfman, traditionell in Herrn Zombies fantasievoller Nomenklatur, folgt dann so etwas wie eine Industrial-Piratenballade bevor mit Punks and Demons kurz neben effektiver Selbstzitierung auch Ministry gechannelt werden. Ja, es wird wieder eilig marschiert, doch die nächsten Nummern kommen dann wieder etwas entspannter rockend um die Ecke. In Revolution Motherfucker wird sich stilistisch Marilyn Manson angenähert, nur das „we wanna get wasted“ nehme ich dem, laut eigener Aussage abstinenten, Maestro nicht ab. Sei’s drum. Kurz darauf ist mit The Black Scorpion noch eine enorm fixe Zirkuspunknummer zu vernehmen, bis ich meinen eigenen Ohren nicht traue: Unclean Animals, am Ende des Albums, gerät zum songwriterisch am besten ausgearbeiteten Stück des Albums und offenbart ungeahnte Tiefe auch in den Lyrics. Mit schleppendem Tempo wird der Party hier ein Ende gesetzt, mit Streichern und Orgel fährt Team Zombie nochmal groß auf und damit wirklich jeder kapiert, dass bald der Tag anbricht, folgt noch ein Synthie-Outro im B-Movie-Stil - schön.
Dass Rob Zombie mit seinen Lyrics im Normalfall (Unclean Animals klammern wir mal aus) ungefähr so stumpf ist wie ein Zombie-Slasher sollte nicht überraschen. Aber warum auch? Beides dient der Unterhaltung, und dieses Ziel wird astrein erreicht. Ich jedenfalls, bin tatsächlich überrascht davon, wie gut dieses Teil in Gesamtheit reinläuft. Das liegt sicherlich auch am ungemein saftigen Sound, der zwar einerseits das Industriell-Maschinelle in der Rhythmik betont aber gleichermaßen warm und organisch nach Handarbeit klingt. Eben echt. Musikalische Innovation ist hier daneben so fehl am Platz wie ein sauber gescheitelter Kurzhaarschnitt bei Rob Zombie selbst. Es muss ein bisschen dreckig sein, schmatzig und natürlich mit dem gewissen Horror-Movie-Flair und sonst muss das Teil einfach nur zünden wie die gleich zu Beginn bereits in F.T.W. 84 eingesetzte Orgel und Spaß machen!
Anspieltipps:
💥 I’m a Rock N Roller
😈 Punks and Demons
☠ Unclean Animals
Bewertung: 8,3 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. F.T.W. 84
02. Tarantula
03. I'm a Rock N Roller
04. Heathen Days
05. Who Am I
06. Black Rat Coffin
07. Sir Lord Acid Wolfman
08. Punks And Demons
09. The Devilman
10. Out Of Sight
11. Revolution Motherfuckers
12. Welcome To The Electric Age
13. The Black Scorpion
14. Unclean Animals
15. Grave Discontent

