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LEX LEGION – Lex Legion (2026)

(10.293) Olaf (9,5/10) Heavy Metal


Label: MNRK Open
VÖ: 12.06.2026
Stil: Heavy Metal






Als ich die Besetzung von LEX LEGION zum ersten Mal gelesen habe, musste ich laut lachen. Nicht aus Spott, sondern aus ehrlicher Begeisterung. Mikkey Dee, Andy La Rocque, Pete Blakk und Hal Patino in einer Band? Also praktisch die klassische King Diamond-Besetzung der goldenen Jahre – nur ohne den König selbst? Das klingt zunächst ungefähr so, als würde man ein Fußballspiel des FC Bayern ohne Torwart planen oder eine Currywurst ohne Curry servieren. Irgendetwas scheint zu fehlen. Doch schon nach wenigen Minuten wird klar: Hier fehlt gar nichts.

Vielmehr wirkt LEX LEGION wie eine Zeitmaschine, die direkt aus den frühen Neunzigern in das Jahr 2026 gebeamt wurde. Eine Zeit, als Alben wie Them, Conspiracy oder The Eye die Schlafzimmer ambitionierter Metalheads beschallten und Andy La Rocque Gitarrensoli spielte, die man bis heute nicht fehlerfrei nachspielen kann, selbst wenn man dafür seine komplette Freizeit opfert.

Dass dieses Album überhaupt existiert, grenzt beinahe an ein kleines Wunder. Die Band existiert bereits seit fast zwei Jahrzehnten als Idee und Freundschaftsprojekt. Während Mikkey Dee zwischen Motörhead, den Scorpions und Stadiontourneen pendelte, Andy La Rocque weiterhin bei King Diamond aktiv blieb und Hal Patino sowie Pete Blakk ihre eigenen Wege gingen, reifte irgendwo im Hintergrund die Vorstellung, gemeinsam noch einmal etwas Besonderes zu erschaffen. Warum das erst jetzt passiert? Ehrlich gesagt ist mir das völlig egal. Wichtig ist nur, dass es passiert ist. Und wie.

Schon die ersten Takte von Sleep Eternally machen unmissverständlich klar, dass hier keine gelangweilten Altstars versuchen, auf einer Nostalgiewelle mitzureiten. Das klingt hungrig. Das klingt motiviert. Das klingt nach Musikern, die noch immer etwas zu sagen haben. Andy La Rocque beschrieb den Song als perfekte Zusammenfassung des Albums. Damit hat er nicht einmal übertrieben. Sämtliche Zutaten sind bereits vorhanden: majestätische Melodien, raffinierte Harmonien, kraftvolle Rhythmen, fantastische Gitarrenarbeit und ein Sänger, der eine nahezu unmögliche Aufgabe mit Bravour meistert. Denn reden wir über Nils K. Rue.

Wer einen billigen King-Diamond-Klon erwartet, wird überrascht sein. Wer hingegen einen Sänger hören möchte, der den Geist jener legendären Ära respektiert, ohne sich daran zu versklaven, wird begeistert sein. Immer wieder blitzen Melodieführungen auf, die Erinnerungen an den großen Meister hervorrufen. Manche Gesangslinien lassen einen kurz innehalten und denken: "Moment mal..." Doch statt einer Kopie bekommt man eine eigenständige Interpretation, die hervorragend funktioniert. Überhaupt scheint das gesamte Album von genau dieser Balance zu leben.

Natürlich schwebt der Geist von King Diamond permanent über der Platte. Wie könnte es auch anders sein? Vier der wichtigsten Musiker jener legendären Besetzung stehen schließlich selbst hinter den Instrumenten. Doch statt bloßer Selbstkopie entsteht etwas Eigenständiges. Die Songs besitzen genügend Wiedererkennungswert, um alte Fans glücklich zu machen, und gleichzeitig genug Eigenständigkeit, um nicht wie eine B-Seiten-Sammlung vergangener Tage zu wirken.

Die Gitarrenarbeit von Andy La Rocque und Pete Blakk ist dabei erwartungsgemäß überragend. Jeder Ton sitzt. Jede Harmonie trifft ins Schwarze. Die Soli sind technisch brillant, verlieren sich aber niemals in Selbstverliebtheit. Genau diese Fähigkeit hat La Rocque schon immer ausgezeichnet. Während viele Gitarristen zeigen wollen, was sie können, erzählt er Geschichten. Seine Leads besitzen Charakter, Atmosphäre und Seele.

Hinzu kommt ein Rhythmusfundament, das man problemlos als Luxuskategorie bezeichnen darf. Hal Patinos Basslinien arbeiten hörbar unter den Songs und verleihen ihnen zusätzliche Tiefe. Mikkey Dee wiederum klingt, als hätte man ihn endlich von einer jahrelangen Pflichtveranstaltung befreit. Versteht mich nicht falsch: Die Scorpions sind eine Institution. Aber wenn man Mikkey hier spielen hört, entsteht unweigerlich der Eindruck, dass er sich wieder richtig austoben darf, statt hinter dem Kit bei Wind of Change in Langeweile zu erstarren Komplexe Fills, dynamische Akzente, Druck und Spielfreude – der Mann wirkt regelrecht verjüngt.

Auch kompositorisch macht LEX LEGION vieles richtig. Das Album setzt nicht auf moderne Überproduktion oder künstliche Härte. Stattdessen dominieren starke Songs, geschmackvolle Arrangements und Melodien, die sich tief ins Gedächtnis graben. Die Band verfolgt dabei konsequent einen "Weniger ist mehr"-Ansatz, ohne jemals langweilig zu werden. Gerade dadurch entfalten viele Passagen ihre Wirkung erst recht.

Besonders beeindruckend finde ich dabei, wie homogen das Album wirkt. Obwohl die einzelnen Stücke durchaus unterschiedliche Facetten zeigen, entsteht nie der Eindruck einer zusammengewürfelten Songkollektion. Stattdessen entfaltet sich ein durchgängiger Spannungsbogen, der vom ersten bis zum letzten Ton trägt. Was mich besonders begeistert: Dieses Album klingt nicht nach einem Debüt. Es klingt nach Musikern, die vierzig Jahre Erfahrung gesammelt haben und nun genau wissen, welche Note sie spielen müssen – und welche eben nicht. Keine unnötigen Experimente. Keine peinlichen Modernisierungsversuche. Kein verzweifeltes Hinterherrennen aktueller Trends. Einfach großartiger Heavy Metal. Und zwar von jener Sorte, die heute nur noch selten entsteht. Die Produktion trägt ihren Teil dazu bei. Druckvoll, transparent und gleichzeitig angenehm organisch. Die Gitarren besitzen genau die richtige Mischung aus Schärfe und Wärme. Der Bass ist präsent. Das Schlagzeug klingt kraftvoll. Der Gesang sitzt perfekt im Mix. So muss klassischer Heavy Metal im Jahr 2026 klingen.

Noch bemerkenswerter ist jedoch, wie selbstverständlich diese Platte wirkt. Man hat niemals das Gefühl, einer Supergroup zuzuhören, die ihre berühmten Namen vor sich herträgt. Stattdessen hört man fünf Musiker, die schlicht großartige Songs schreiben wollten. Pete Blakk formulierte es sinngemäß selbst: Niemand schreibt heutzutage mehr genau diese Art von Musik. Und tatsächlich klafft hier eine Lücke, die LEX LEGION mühelos füllt. Vielleicht liegt genau darin die größte Stärke dieses Albums. Es versucht nicht, etwas zu sein, das es nicht ist. Es will nicht modern klingen. Es will nicht hip sein. Es will nicht die TikTok-Generation beeindrucken. Es will einfach nur ein fantastisches Heavy-Metal-Album sein.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass manche Legenden keinen König brauchen, um königlich zu klingen. LEX LEGION liefern eine der größten Überraschungen des Jahres ab und erinnern eindrucksvoll daran, warum diese Musiker seit Jahrzehnten zu den Besten ihres Fachs gehören. Wer die goldene Ära von King Diamond liebt, wird dieses Album verschlingen. Wer klassischen Heavy Metal liebt, ohnehin. Für mich ist Lex Legion nicht nur eine Reise zurück in die frühen Neunziger, sondern gleichzeitig der Beweis, dass großartige Musik kein Verfallsdatum kennt. Dieses Album gehört in jede ernstzunehmende Metal-Sammlung. Punkt.

ANPIELTIPS:
🔥Sleep Eternally
💀Gypsy Tears
⚔️Life Eternal


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Sleep eternally
02. Gypsy Tears
03. When the Stars align
04. (I am) The Resurrected
05. Lost inside
06. Darkness
07. Saviours
08. Life eternal
09. Far away 



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