Alben des Jahres 2025

DIE Alben DES MONATS (12/25)

Aktuelle Reviews

Q&A - Die Interviews

Tales from the hard side

Wir hörten früher gerne

So fing alles an


Aktuelle Meldungen

CD-Reviews H-J

J.B.O. – Haus of the rising Fun (2026)

(10.019) Olaf (8,0/10) Hard Rock


Label: Perception
VÖ: 09.01.2026
Stil: Hard Rock







Wenn bei mein Redaktions-Kollegium das Wort J.B.O. fällt, sehe ich innerlich schon zwei Reaktionen gleichzeitig: ein kollektives Augenrollen in Stereo und irgendwo dahinter dieses heimliche Grinsen, das man nur dann nicht zugeben will, wenn man gerade „seriös“ sein muss. Ich bin da schmerzfrei. Die Erlanger Spaß-Fraktion hat mich über Jahrzehnte immer wieder erwischt – manchmal mit der Abrissbirne, manchmal mit dem Florett, gelegentlich auch mit einem rosa Gummihammer, der überraschend präzise trifft. Und ja: Auch 2026 ertappe ich mich dabei, wie ich das Ganze noch immer mag. Nicht immer zündet das neue Werk auf Anhieb – aber es hat ein paar ziemlich fiese Überraschungen im Ärmel, die man nicht wegdiskutieren kann, selbst wenn man’s versuchen wollte.

J.B.O. sind ja nicht einfach „eine Band“, sondern eine Art fränkisches Naturgesetz: 1989 in Erlangen aus der Idee geboren, bekannte Songs in Metal zu tauchen und ihnen mit umgetextetem Blödsinn die Krawatte zu lösen, haben sie sich über die Jahre vom reinen Klamauk-Coverkommando zur eigenen Marke entwickelt – mit genügend Wiedererkennungswert, um ganze Hallen zum Chor der Unvernunft zu machen. Das neue Album nennt sich Haus Of The Rising Fun und ist offiziell als 15. Studioalbum, welches am 09.01. das Licht der Wedlt erblickt. Und dieses Datum passt schon deshalb, weil man Anfang Januar traditionell entweder mit Vorsätzen um sich wirft oder mit Restalkohol – J.B.O. liefern die passende Ausrede, warum man beides ignorieren darf.

Der Pressetext verkauft das Album als Zufluchtsort in einer Welt, die gerne mal am Rad dreht – und das trifft den Kern, auch wenn ich es weniger nach „großer Mission“ und mehr nach „endlich wieder Luft holen und lachen“ übersetzen würde. Haus Of The Rising Fun wirkt wie ein musikalisches Clubhaus, in dem an der Tür steht: „Probleme bitte draußen lassen – aber Ironie unbedingt mitbringen.“ Das Konzept mit dem „Haus“, den Baustellen-Gags, der imaginären Bierpumpe und der Stromversorgung für Dauerparty ist genau die Sorte J.B.O.-Meta-Humor, die man love it or hate it findet: Entweder man sagt „ach du Scheiße“ und macht aus – oder man sagt „ach du Scheiße“ und dreht lauter.

Musikalisch passiert wenig Unerwartetes – und das ist bei J.B.O. nicht mal eine Beleidigung, sondern eher das Versprechen: Gitarren, die sauber drücken, Refrains, die auf Mitgrölen gezüchtet sind, und ein Sound, der eher Stadion-Feierabend als Keller-Black-Metal sein will. Die Band weiß sehr genau, was sie kann: eingängige Heavy-Metal-Hymnen bauen, die nie so kompliziert werden, dass der Bierbecher Angst bekommt, und nie so stumpf, dass man sie nach zwei Durchläufen komplett vergisst. Das neue Material schwankt dabei zwischen „solide Party-Maschine“ und „okay, das ist jetzt wirklich clever“ – und gerade diese Wechsel machen die Platte interessanter, als sie auf dem Papier wirkt.

Denn die echten Aha-Momente kommen – wie von dir schon völlig richtig angeteasert – ausgerechnet dann, wenn J.B.O. fast dreist nahe am Original bleiben. Der Titeltrack Haus of the rising Fun lebt stark davon, dass man die Vorlage quasi im Rücken spürt und die Band eher an der Beschriftung der Türschilder dreht als an den tragenden Wänden. Noch auffälliger ist das bei I kissed a Girl: Das ist so eine Cover-Entscheidung, für die man im Metal-Feuilleton vermutlich ein Ordnungsgeld zahlen müsste. Ich verstehe aber jeden, der dabei sagt: „Steinigt mich – ich mag Katy.“ Das Ding funktioniert, weil es nicht mit Scham gespielt wird. Im Gegenteil: J.B.O. ziehen das so selbstbewusst durch, dass der Song zwischen Spaßnummer und unerwartet gutem Partybrett pendelt. Und genau da liegt der Witz: Nicht alles muss „ironisch gebrochen“ sein – manchmal reicht es, wenn man es einfach mit breitem Grinsen ernst meint.

Stinkefinger ist dann die andere Seite der Medaille: auf den ersten Blick Krawall mit erhobener Hand, auf den zweiten Blick ein kleiner Reminder, dass zwischen den Zeilen bei J.B.O. oft mehr steckt als nur Quatsch. Das fetzt, weil es eine Haltung hat, ohne den Zeigefinger als Moralkeule zu benutzen – eher so ein „lass mich in Ruhe, ich hab meinen eigenen Kompass“. Und Power sucht Wolf ist allein schon als Titel ein Treffer: herrlich bescheuert, sofort im Kopf, und genau diese Art Wortspiel ist seit jeher Teil des Markenkerns.

Der Deep-Purple-Moment Woke on the Smater (ja, schon der verdrehte Titel ist ein Augenzwinkern mit Anlauf) ist ebenfalls gelungen, weil die Idee nicht nur „haha, wir machen das jetzt anders“ ist, sondern musikalisch tatsächlich Laune macht. Und dann kommt dein persönlicher Peak – und ich gehe da komplett mit: Mein Arsch als Desireless-Voyage Voyage-Verdrehung ist genau diese Sorte Cover, die man nicht rational begründet, sondern körperlich spürt. Das fetzt. Punkt. Da sitzt der Groove, da sitzt der Gag, und plötzlich ist aus dem „ach ja, Fun Metal“ ein „verdammt, warum ist das so gut?“.

Trotzdem: Haus Of The Rising Fun ist nicht durchgehend ein Volltreffer-Festival. Ein paar Stücke wirken eher wie zuverlässige Programmpunkte im Live-Set als wie Songs, die man sich aus reiner Liebe zum Arrangement auf Kopfhörer zieht. Das ist kein Drama – aber der Unterschied zwischen „solide“ und „unvergesslich“ wird hier manchmal sehr deutlich. Vielleicht ist das die Schattenseite einer Band, die über Jahrzehnte gelernt hat, wie man Publikum abholt: Manchmal steht die Rampe so nah am Mikrofon, dass die Studio-Magie weniger wichtig wirkt als der Gedanke: „Das knallt live sowieso.“

Unterm Strich ist Haus Of The Rising Fun für mich ein Album, das nicht permanent zündet, aber genau deshalb sympathisch bleibt: Es ist nicht die eine große, makellose Spaßgranate, sondern eher ein gut gefüllter Werkzeugkoffer für schlechte Laune – mal ist der Hammer drin, mal der Schraubenzieher, und manchmal reicht schon ein ordentliches „Ach komm“ mit Doppelgitarre. Die größten Momente entstehen da, wo J.B.O. nicht zu viel umbauen, sondern einfach die Tür aufreißen und sagen: „Hereinspaziert, wir meinen das jetzt genauso.“ Und wenn dann noch Katy Perry, Deep Purple und Desireless durch Franken gezogen werden wie ein Bierkasten über Kopfsteinpflaster, kann ich nur sagen: Ich bin dabei. Die Kollegen dürfen gern weiter die Augen rollen – ich halte ihnen währenddessen den Stinkefinger hin und singe Mein Arsch mit.

Anspieltips:
🔥Haus of the rising Fun
🔥I kissed a Girl
🔥Mein Arsch


Bewertung: 8,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Ma Ma Ma Metal
02. Haus of the rising Fun
03. Vito, wir machen Krach
04. I kissed a Girl
05. Stinkefinger
06. Ka-Fump
07. Power sucht Wolf
08. Nur für Euch
09. Weisst schon was ich meine
10. Bussi
11. Ein sehr gutes Lied
12. Woke on the Smater
13. Mein Arsch 




FESTIVAL TIPS 2026


SOCIAL MEDIA

Album der Woche

Album des Monats

Album des Jahres

MERCH

70.000 Tons 2024

The new breed

GROTESQUE GLORY

mottenkiste

P P P

ZO SONGCHECK

V.I.P.

wo wir sind

alter Z.O.F.F.

Unsere Partner

Join the Army

Damit das klar ist