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SLAUGHTERDAY – Dread Emperor (2026)

(10.052) Olaf (9,0/10) Death Metal


Label: Testimony Records
VÖ: 13.02.2026
Stil: Death Metal






Manchmal braucht man für guten Horror keinen Streamingdienst, sondern nur zwei Ostfriesen, ein paar ordentlich gestimmte Gitarren und das sichere Wissen, dass Jörg Uken im Soundlodge schon wieder die Abrissbirne poliert hat. SLAUGHTERDAY liefern mit Dread Emperor ihr fünftes abendfüllendes Album ab und das fühlt sich nicht nach „Dienst nach Vorschrift“ an, sondern nach „Wir haben drei-einhalb Jahre im Maschinenraum geschraubt – jetzt fliegt euch die Tür entgegen“.

Wer SLAUGHTERDAY seit Nightmare Vortex auf dem Schirm hat, weiß: Jens Finger und Bernd Reiners sind keine Band im klassischen Sinne, eher ein Zweimann-Sturmgeschütz aus Leer, das seit 2010 zuverlässig zwischen Old-School-Tradition und eigenem Wiedererkennungswert wütet. Jens hat dieses Gespür für Riffs, die nicht nur sägen, sondern sich festbeißen. Bernd wiederum klingt am Mikro wie ein Mann, der kosmische Abgründe nicht liest, sondern ihnen die Miete kündigt – und am Schlagzeug wirkt er, als hätte er einen persönlichen Kleinkrieg gegen jedes noch so kleine Luftloch im Sound.

Dread Emperor ist genau das Album, das man von diesem Duo erwartet – und trotzdem keines, dass sich wie eine Kopie der eigenen Diskografie anfühlt. Die Platte arbeitet viel mit Kontrasten: diese doomig-zermalmenden Passagen, die alles in Zeitlupe zu Staub treten, und dann wieder diese kalkulierten Ausbrüche, bei denen man kurz überlegt, ob der Raum gerade kleiner geworden ist. Der Clou: Trotz aller Brutalität wirkt das Ganze erstaunlich fokussiert. Da ist wenig „Guck mal, was wir noch können“, dafür viel „Kill your darlings“ – kompakte Songs, klare Kanten, kein unnötiges Fettpolster. Genau dadurch knallt es so effektiv: Die Nummern sind nicht überladen, sondern zielstrebig wie ein Vorschlaghammer, der vorher noch die Gebrauchsanweisung gelesen hat.

Und ja: „Qualitäts-Death-Metal vom Feinsten“ trifft’s diesmal wirklich ohne Marketing-Beigeschmack. Denn die Produktion ist – wie erwartet – ein Brett. Uken gibt dem Album diese Soundlodge-Signatur: druckvoll, massiv, aber nicht klinisch glatt. Die Gitarren stehen wie eine Wand, der Bass hat Gewicht, und die Drums wirken nicht wie „Trigger-Sport“, sondern wie eine echte Bedrohungslage. Das ist so sauber gemischt, dass man jede Klinge erkennt – und so roh genug, dass man sich trotzdem schneidet.

Thematisch bleibt die Band ihrer Liebe zu kosmischem Grauen treu – tentakelige Albträume, verbotene Klänge, „Great Old Ones“ und dieser ganze Lovecraft’sche Wahnsinn. Aber: SLAUGHTERDAY nutzen das nicht mehr nur als Horror-Tapete, sondern zunehmend als Metapher. Die Monster sind hier nicht bloß Monster, sondern Chiffren für Gegenwart, Ängste, gesellschaftliche Spannungen – also ein bisschen wie Nachrichten lesen, nur mit besseren Gitarrensoli und weniger Talkshow-Gesichtern. Dass das Duo damit den üblichen Genre-Stereotypen eine Portion Bedeutung unterschiebt, wirkt nicht aufgesetzt, sondern überraschend stimmig: Der Schrecken bleibt Schrecken – er hat nur jetzt einen Schatten, der verdächtig nach Realität aussieht.

Musikalisch liebe ich an Dread Emperor, dass es zwar klar in der Old-School-Welt wohnt, aber nicht als Museumsführung rüberkommt. Die Referenzen an die großen Ahnen sind natürlich wie immer spürbar, doch SLAUGHTERDAY klingen dabei eben nicht wie eine Tribute-Band mit zu viel Zeit und zu wenig eigener Handschrift. Im Gegenteil: Die Band hat diese Fähigkeit, inmitten der groben Gewalt immer wieder etwas „Catchy“ einzubauen – Refrains, die hängen bleiben, melodische Linien, die hauntend über dem Gemetzel kreisen. Das ist Death Metal, der nicht nur zerstört, sondern auch komponiert.

Spannend ist auch, wie selbstverständlich ein Covertrack integriert wird: Golem (ein PROTECTOR-Cover) passt nicht wie ein Bonus am Ende, sondern wie ein weiterer Baustein im eigenen Kosmos – als würde die Band sagen: „Wir verneigen uns kurz – und treten dann wieder aufs Gaspedal.“ Was Originalsänger und Texter Martin Missy zu der neuen Version seines Babys sagt, könnt Ihr in unserer kommenden Tales from the hard Side Ausgabe am 06.02.2026 nachhören. Um kurz zu spoilern: Scheiße fand er es nicht…

Und das Artwork? Pär Olofsson macht, was Pär Olofsson eben macht: Er baut Welten, in die man nicht einziehen will, die man aber fasziniert anstarrt. Es wirkt wie die visuelle Verlängerung dieser Platte: groß, finster, überlebensgroß – und mit genug Details, um beim nächsten Durchlauf wieder neue Ecken zu finden.

Unterm Strich fühlt sich Dread Emperor wie ein Statement an, ohne es an die große Glocke zu hängen: nicht „Wir erfinden Death Metal neu“, sondern „Wir machen das, was wir können, auf einem Level, das euch wieder an den Kragen geht“. Nach der Pause wirkt das Duo nicht eingerostet, sondern eher so, als hätten sie im Stillen den Schraubstock nachgezogen. Und wenn live aktuell noch nicht alles randvoll ist: Dieses Material schreit geradezu nach Setlist-Dominanz – nicht, weil die alten Sachen schwächer wären, sondern weil Dread Emperor diese gefährliche Frische hat, die man sonst eher bei Bands spürt, die gerade erst Blut geleckt haben.

Am Ende bleibt: SLAUGHTERDAY sind weiterhin diese verlässliche Abrissbirne – nur diesmal mit noch mehr Wucht, noch mehr Fokus und einem Sound, der so groß ist, dass man ihn eigentlich anmelden müsste. Wenn das der „Dread Emperor“ ist, dann ist der Thron nicht aus Gold, sondern aus Knochen und Lautsprechern.

Anspieltipps:
💀Obliteration Crusade
🎸Astral Carnage
🔥Subconscious Pandemonium


Bewertung: 9,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Enthroned
02. Obliteration Crusade
03. Rapture of rot
04. Astral Carnage
05. Subconscious Pandemonium
06. Dread Emperor
07. The forsaken Ones
08. Necrocide
09. Dethroned
10. Golem 



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