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KATE’S ACID - Hellbender (2026)

(10.146) Olaf (4,5/10) Speed Metal


Label: High Roller Records
VÖ: 20.03.2026
Stil: Speed Metal







Wer sich mit Speed Metal aus Europa beschäftigt, kommt an ACID eigentlich nicht vorbei. Anfang der Achtziger in Brügge gegründet, gehörte die Band um Sängerin Kate de Lombaert zu den frühen Speerspitzen eines Genres, das damals noch gar nicht richtig wusste, dass es gerade geboren wird. Während andere noch versuchten, die Geschwindigkeit von Motörhead zu begreifen, droschen ACID bereits mit Alben wie Acid, Maniac und Engine Beast durch die Szene und wurden – zumindest rückblickend – zu einem wichtigen Baustein der frühen europäischen Speed-Metal-Bewegung.

Nach der viel zu frühen Auflösung in den Achtzigern wurde es lange ruhig um die Band. Erst 2019 startete Kate einen Neustart – allerdings unter dem Namen KATE’S ACID. Ein Livealbum vom Keep It True Festival folgte, und nun liegt mit Hellbender erstmals wieder ein richtiges Studioalbum vor. Geschrieben wurden die neun Songs größtenteils gemeinsam mit Gitarrist Geert Annys, aufgenommen in Belgien und Kolumbien, gemischt schließlich in Berlin. Die Zutatenliste liest sich also durchaus respektabel.

Weniger respektabel ist allerdings die Geschichte hinter der Geschichte. In einem Statement ehemaliger Bandmitglieder wird geschildert, dass ursprünglich eine Reunion der klassischen ACID-Besetzung geplant war, inklusive Festivalshows und nostalgischer Speed-Metal-Feier. Doch während der Pandemie änderte Kate offenbar kurzfristig die Richtung, entschied sich allein weiterzumachen und stellte das Projekt unter dem Banner KATE’S ACID neu auf. Kurz gesagt: Da hat es ordentlich gekracht. Und genau aus diesem Kontext stammt auch der Vergleich, den man immer wieder hört: ACID seien so etwas wie die belgischen Venom. Ob das musikalisch jemals ganz zutraf, kann ich nicht beurteilen – aber was bandinternen Zoff betrifft, scheinen Cronos und Co. durchaus würdige Verwandte zu haben.

Musikalisch bietet Hellbender genau das, was man erwartet: klassischen Heavy- und Speed-Metal mit deutlichem Achtziger-Flair. Die Gitarrenarbeit ist solide, gelegentlich blitzen sogar richtig schöne Old-School-Momente auf. Auch Kates Stimme funktioniert weiterhin erstaunlich gut – rau, markant und mit genau dem richtigen Maß an Dreck, das diese Art Musik braucht. Das Problem ist nur: Aus all diesen eigentlich brauchbaren Zutaten entsteht am Ende ein erstaunlich geschmackloser Eintopf.

Die Songs laufen größtenteils nach dem bekannten Retro-Metal-Schema ab, ohne dass sich wirklich etwas dauerhaft festsetzt. Immer wieder hat man das Gefühl, gleich könnte ein richtig starker Moment kommen – doch statt Explosion folgt meist nur der nächste solide, aber völlig austauschbare Part. Das Ganze wirkt ein wenig so, als hätte man sämtliche Zutaten für ein großartiges Achtziger-Metal-Album in den Topf geworfen, dann aber vergessen, das Ganze richtig zu würzen.

Das größte Ärgernis sitzt allerdings hinter dem Schlagzeug. Man könnte geradezu annehmen, dass Kollege Sasso hier mal wieder zuschlägt, doch angeblich soll der gute Mann auf den Namen Ash hören, doch wenn jemand behauptet, dass hier ein Lebewesen aus Fleisch und Blut auf die Kessel drischt, dem spüle ich eine Woche lang All for Metal in seine Timeline. Dieses monotone Geklopfe erstickt jede Dynamik im Keim und irgendwann nervt das so penetrant, dass man der Blechdose am liebsten den Stecker ziehen möchte. Dabei wäre das alles halb so schlimm, wenn die Songs selbst stärker wären. Doch viele Ideen bleiben nur Skizzen, die nie wirklich zünden. Man hört, dass hier erfahrene Musiker am Werk sind – besonders die Gitarren haben immer wieder schöne Momente – doch das Gesamtbild bleibt erstaunlich blass.

Natürlich wird jetzt der eine oder andere Altvordere komplett durchdrehen, wenn er liest, wie ich diese Platte zerlege. Aber ganz ehrlich: Hellbender ist ungefähr so spannend wie die letzten Staffeln von The Walking Dead. Man schaut noch hin, weil man sich an bessere Zeiten erinnert – aber wirklich fesseln kann das Ganze kaum noch. Live funktioniert das vermutlich deutlich besser. Auf einem Festival, mit Bier in der Hand und Sonne im Gesicht, dürfte diese Art Metal durchaus Laune machen und als Soundtrack zum Bierholen hervorragend taugen. Auf Platte hingegen bleibt das Ganze erstaunlich belanglos.

Als Liebhaber von Achtziger-Metal würde ich mir die Platte vermutlich trotzdem ins Regal stellen – allerdings eher als Sammlungs-Ergänzung denn als neue Lieblingsscheibe.


Bewertung: 4,5 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Hellbender
02. Taking back my Wings
03. The Lightning Conductor
04. Riding out
05. Do not burn the Witch
06. Valkyrie
07. Buccaneers
08. Stormchaser
09. Air Raid 



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