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MONSTROSITY – Screams from beneath the Surface (2026)

(10.141) Olaf (8,5/10) Death Metal


Label: Metal Blade
VÖ: 13.03.2026
Stil: Death Metal






Manchmal braucht eine Band keine großen Worte, um klarzumachen, dass sie immer noch da ist. Ein paar Sekunden reichen. Ein Riff, ein knochentrockenes Schlagzeugpattern, ein gutturaler Growl aus der Tiefe Floridas – und schon weiß man: MONSTROSITY sind zurück. Und zwar nicht halbherzig, sondern mit der Sorte Rückkehr, bei der alte Death-Metal-Veteranen zufrieden nicken und junge Bands heimlich ihre Gitarren stimmen.

Dass zwischen The Passage of Existence und dem neuen Werk stolze acht Jahre liegen, merkt man dem Material erstaunlicherweise kaum an. Statt eines angestaubten Nostalgie-Manövers präsentieren MONSTROSITY mit Screams from Beneath the Surface ein Album, das sich zwar klar auf die eigenen Wurzeln beruft, gleichzeitig aber ein paar kleine, durchaus interessante Nuancen im Gepäck hat. Und ja – ich höre schon die ersten Puristen aus der Gruft poltern: „Hoffentlich nicht zu modern!“ Keine Sorge. Hier wird immer noch brutal geprügelt. Nur eben nicht mehr ganz so ungestüm wie früher.

Ein kurzer Blick zurück lohnt sich ohnehin. Seit ihrer Gründung 1990 gehören MONSTROSITY zu jenen Bands aus Florida, die Death Metal nicht nur gespielt, sondern mitgeprägt haben. Das legendäre Demo Horror Infinity öffnete damals im Tape-Trading-Untergrund sämtliche Türen, das Debüt Imperial Doom setzte 1992 gleich ein ordentliches Ausrufezeichen, und spätestens mit Millennium und In Dark Purity hatte sich die Band endgültig als feste Größe etabliert. Nebenbei brachte die Truppe sogar einen gewissen George „Corpsegrinder“ Fisher hervor, der später bei CANNIBAL CORPSE die Welt in Grund und Boden grunzen sollte.

Seitdem gab es Besetzungswechsel, Tourmarathons, Festivalauftritte vor zehntausenden Fans und die typischen Höhen und Tiefen, die eine über drei Jahrzehnte lange Karriere so mit sich bringt. Geblieben ist jedoch ein Konstant: Schlagzeuger, Mastermind und Hauptsongwriter Lee Harrison, der weiterhin die musikalische Marschrichtung vorgibt.

Für das neue Album hat sich das Line-up allerdings ordentlich aufgestellt. Neben Langzeitgitarrist Matt Barnes sorgt Justin Walker an der zweiten Sechssaitigen für frische Energie, während mit Mark Van Erp sogar ein Gründungsmitglied wieder am Bass zurückkehrt. Und am Mikro steht mit Ed Webb ein Sänger, der der Band eine angenehm rohe, aggressive Note verpasst. Sein Growl klingt weniger nach geschniegelt produziertem Studio-Monster und mehr nach jemandem, der gerade aus einem sehr dunklen Keller gekrochen ist.

Der Einstieg mit Banished to the Skies macht dabei sofort klar, dass MONSTROSITY diesmal nicht nur mit Vollgas nach vorne preschen. Der Opener wälzt sich zunächst schleppend aus den Boxen, baut Druck auf, lässt die Riffs arbeiten und entwickelt dadurch eine düstere, beinahe bedrohliche Atmosphäre. Genau dieser leicht gedrosselte Ansatz steht der Band erstaunlich gut und verleiht dem Material mehr Gewicht als der reine Geschwindigkeitsrausch früherer Tage.

Natürlich bleibt es nicht bei Doom-artigen Momenten. Über weite Strecken dominieren weiterhin rasiermesserscharfe Gitarrenläufe, präzise Drums und diese typische Mischung aus technischer Finesse und brutaler Direktheit, die MONSTROSITY schon immer ausgezeichnet hat. Songs wie The Atrophied oder Fortunes Engraved in Blood verbinden knochentrockene Riffs mit komplexen Rhythmuswechseln, während Harrison am Schlagzeug einmal mehr beweist, dass er zu den präzisesten Maschinengewehren gehört, die der Death Metal je hervorgebracht hat.

Die Produktion verdient allerdings eine kleine kritische Randnotiz. Aufgenommen wurde in mehreren Studios, unter anderem im Audiohammer Studio mit Jason Suecof sowie im legendären Morrisound Studio mit Jim Morris – also im Grunde eine Art Death-Metal-Allstar-Produktion. Technisch ist das natürlich absolut makellos. Vielleicht sogar ein bisschen zu makellos. Der Sound wirkt stellenweise etwas steril, fast klinisch sauber. Das ist Jammern auf hohem Niveau, denn die Songs selbst sind stark genug, um das locker zu kompensieren. Aber ein Hauch mehr Dreck hätte dem Ganzen durchaus gutgetan. Death Metal darf ruhig ein bisschen nach Friedhof und Verwesung riechen.

Trotzdem funktioniert das Album als Gesamtwerk erstaunlich gut. Die Songs greifen ineinander, ohne sich zu wiederholen, und gerade die leicht variierenden Tempi sorgen dafür, dass Screams from Beneath the Surface nicht zur monotonen Blastbeat-Übung verkommt. Stattdessen wirkt das Material durchdacht, kontrolliert und gleichzeitig immer noch brutal genug, um alte Fans zufrieden zu stellen.

Kurz gesagt: MONSTROSITY klingen hier wie eine Band, die nichts mehr beweisen muss – und gerade deshalb ziemlich entspannt ihr Ding durchzieht. Weniger jugendlicher Sturmangriff, mehr Erfahrung, mehr Struktur, aber immer noch mit genügend Biss, um jedem Trend-Death-Metal-Act höflich zu zeigen, wo der Hammer hängt.

Screams from Beneath the Surface ist genau die Art von Comeback, die man sich nach acht Jahren Pause erhofft. Kein revolutionärer Stilbruch, aber eine selbstbewusste Rückkehr einer Band, die ihren Platz im Death-Metal-Olymp längst verdient hat. MONSTROSITY sind vielleicht nicht mehr ganz so wild wie in den frühen Neunzigern – doch sie haben gelernt, ihre Brutalität mit mehr Kontrolle und Struktur einzusetzen. Und das Ergebnis ist ein Album, das zeigt, warum diese Band seit über drei Jahrzehnten überlebt hat, während zahllose andere längst zu Staub zerfallen sind.

Anspieltipps:
🔥Banished to the Skies
💀The Atrophied
🎸The Dark Aura


Bewertung: 8,5 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Banished to the Skies
02. The colossal Rage
03. The Atrophied
04. Spiral
05. Fortunes engraved in Blood
06. Vapors
07. The Thorns
08. Blood Works
09. The dark Aura
10. Veil of Disillusion 



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