TULUS – Morbid Desires (2026)
(10.153) Patrick (8,5/10) Black Metal
Label: Darkness Shall Rise
VÖ: 27.03.2026
Stil: Black Metal
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Ich bin TULUS Fan der ersten Stunde. Diese Band gehört, wie die Zwillingskapelle KHOLD, welche die Herren während einer Bandpause in nahezu identischer Besetzung im Jahre 2000 gegründet haben, zur absoluten Speerspitze in meiner Definition von norwegischem Black Metal. In der Realität haben die Jungs leider nie die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdient hätten. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die mittlerweile leicht ergrauten Herren in schöner Regelmäßigkeit fantastische bis grandiose Alben veröffentlichen. Nach dem Wechsel von SOULSELLER RECORDS legen TULUS nun den Nachfolger vom herrlichen „Fandens Kall“ (2023) nach und geben damit ihr Label-Debüt bei der deutschen Qualitätsschmiede DARKNESS SHALL RISE RECORDS.
So weit so gut. Die neue Platte hört auf den Namen „Morbid Desires“ und sofort werden alte Ängste in mir wach, ob die lyrische Gestaltung der Platte nun nicht mehr in norwegischer Sprache, sondern in Englisch vorgetragen werden. Dieses Unterfangen ging meiner bescheidenen Meinung nach, schon 2007 mit „Biography Obscene“ nicht sonderlich gut aus. Zu TULUS gehört einfach dieses trockene und ultrafiese Grollen im norwegischen Tenor. Ein Blick auf die Tracklist lässt dann meinen Blutdruck alsbald wieder auf Normalwerte senken und somit drücke ich (vorerst) zufrieden und in freudiger Erwartung auf die Play-Taste. Ein kurzes Keyboardintro leitet in den Opener „Salme II“ ein, den zweiten Teil des wohl besten TULUS Songs vom „Evil 1999“ Album. Nordisch unterkühlte Raserei, spanische Flamenco Gitarren, heroische Klargesänge und die unvergleichliche Stimme von Blodstrup legen hier die Messlatte schonmal enorm hoch.
Die Zutaten für den Song sind die gleichen wie damals vor rund 27 Jahren und genau deshalb glaube ich, dass ein anderes gewählter Songtitel besser geeignet gewesen wäre. Nicht falsch verstehen, die Jungs krachen hier unfassbar geil ins Album, aber durch den Songtitel wird man immer Vergleiche aus dem Jahr 1999 heranziehen und diesen Vergleich können die Jungs einfach nur verlieren. Dafür ist „Salme“ einfach viel zu groß, denn dieser ist nicht nur der Beste TULUS Song, sondern taucht auch in meiner Top 10 der besten norwegischen Black Metal Songs auf! Vielleicht ist das auch nur meinem persönlichen Empfinden geschuldet, denn abseits von meinen nostalgischen Wanderwegen, muss man dennoch anerkennend attestieren, dass die Mannen hier immer noch einem Großteil der nordischen Konkurrenz, scheinbar spielend einfach zeigen, wie man diese Art Musik zu spielen hat.
Das folgende „Skabb“ schleppt sich dann förmlich aus den Boxen. Zarte Pianoklänge erklingen im ersten Break, bevor sich die zähe Walze unaufhaltsam weiter bewegt. Ein paar Mal wird mit Blasteruptionen gelockert, das Piano kehrt wieder, aber prinzipiell bleiben die Jungs in ihrem lavaähnlichen Tempo. Cooler Song und eine willkommene Abwechslung, nach dem sehr schwarzmetallischen Einstieg. Mit dem Bandnamen-tragendem „Tulus“ geht’s weiter durch den musikalischen Kosmos und hier ist das Ganze etwas rockiger ausgefallen. Der Bass pumpt den Song straight nach vorne und man kann sich dieser relativ simplen Rhythmik einfach nicht entziehen. Der Kopf nickt, die Füße wackeln im Takt und so schraubt sich dieser Song unausweichlich direkt unter die Schädeldecke. „Kistesmed“ zieht dann im Tempo erstmal wieder gehörig an, verfällt aber immer wieder in diesen abartig geilen Groove, den nur TULUS oder KHOLD beherrschen.
Apropos Groove…..wer sich diesem immer nach vorn preschendem Rhythmus bei „Vanvidd“ entziehen und immer noch still sitzen bleiben kann, sollte dringend einen Arzt aufsuchen! Das nun folgende „Hedangangen“ verfällt sogar fast in leicht thrashige Gefilde und lässt die unkontrollierbar zuckenden Extremitäten nahtlos weiterzappeln. Nach einem atmosphärischen Instrumental, geben sich TULUS gegen Ende der Platte nochmal ihrem charmanten Groove hin, bevor im letzten und längsten Song „Sabbath“… der Name lässt es vermuten… den Urvätern unserer liebsten Musik, BLACK SABBATH gehuldigt wird. Langsam und schleppend baut sich eine irrsinnig düstere Stimmung auf und als das erste verzerrte Riff erklingt, muss ich doch wirklich mal nachschauen, ob mir nicht zufällig ein BLACK SABBATH Song in die Playlist gerutscht ist. Kurz darauf ertönt allerdings Blodstrups mächtige Stimme und sofort ist man wieder im Klangkosmos der Norweger gefangen. Dazu gesellt sich noch eine Cowbell, Akustikgitarren und als Tüpfelchen auf dem vielzitierte i, findet sogar einer Mundharmonika im Mittelteil Verwendung. All diese Stilmittel machen diesen Song so außergewöhnlich, so megagroß und einfach nur unendlich geil! Was für ein Rausschmeißer!
Prinzipiell lautet auch im Jahre 2026 die Devise: Wo TULUS draufsteht, ist auch TULUS drin und demnach macht man als Fan der Band auch mit „Morbid Desires“ nichts falsch Der geneigte Fan kann eigentlich blind zugreifen und wird (wieder einmal) prima unterhalten. Für den Mix und das Mastering zeigt sich auch auf Album Nr. 8 wieder Andy La Rocque (KING DIAMOND) verantwortlich und somit lässt auch der Sound keinerlei Wünsche offen. Alles in Allem ist „Morbid Desires“ ein rundum stimmiges Gesamtpaket, welches sich in meinem Geschmacksempfinden allerdings ein klein wenig hinter dem Vorgänger aus dem Jahre 2023 einreiht.
Dennoch gilt: Geile Band. Geiles Album. Kaufen und unterstützen!
Anspieltipps:
💀Vanvidd
🙏Sabbath
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
1. Salme II
2. Skabb
3. Tulus
4. Kistesmed
5. Vanvidd
6. Hedengangen
7. Fossegrimens Vakt
8. Skauând
9. Sabbath

