CARNIVORE A.D. – Transmutation (EP) (2026)
(10.143) Olaf (9,5/10) Thrash Metal / Crossover
Label: Apostasy Records
VÖ: 27.03.2026
Stil: Thrash Metal / Crossover
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Es gibt diese Momente, in denen ein paar Sekunden Musik genügen, um einen Jahrzehnte zurück in einen verschwitzten Proberaum der Achtziger zu katapultieren. Genau so fühlt sich der Beginn von Transmutation an. Wenn im Prologue Pete Steele dieses „Are you ready“ haucht, stehen sofort sämtliche Härchen senkrecht. Gänsehaut. Nicht nostalgisch verklärt, sondern roh und echt. Genau in diesem Moment wird klar, dass CARNIVORE A.D. hier nicht einfach ein Denkmal verwalten, sondern den barbarischen Geist einer Kultband wiederbeleben wollen.
Die Entstehungsgeschichte der Band liest sich dabei wie ein kleines New-York-Hardcore-Veteranentreffen. Baron Misuraca (ex-SHEER TERROR) übernimmt Bass und Gesang, Chuck Lenihan (ex-CRUMBSUCKERS) die Gitarre und Joe Cangelosi (ex-KREATOR, WHIPLASH, MASSACRE) sitzt hinter dem Schlagzeug. Mit Unterstützung von Original-Drummer Louie Beateaux entstand zunächst eine Liveband, die das Vermächtnis von CARNIVORE auf die Bühnen zurückbrachte. Doch mit dieser EP gehen sie einen Schritt weiter: eigene Songs, geschrieben im Geist der alten Band, aber ohne deren Erbe zu verwässern.
Der Sound der EP ist eine einzige Verbeugung vor Pete Steele und Keith Alexander. Alles klingt genau so roh, bissig und postapokalyptisch, wie man es sich erhofft. Die Gitarren knurren, der Bass walzt, das Schlagzeug marschiert mit der Eleganz eines Betonmischers durch die Ruinen. Gleichzeitig wirkt nichts wie ein bloßes Abziehbild. CARNIVORE A.D. schaffen es erstaunlich gut, den ursprünglichen Spirit zu transportieren, ohne zur Tribute-Kopie zu verkommen. Das hier ist kein Versuch, ein totes Pferd zu reiten, sondern eher so, als hätte jemand die alte Maschine wieder angeworfen und ihr frisches Benzin eingefüllt.
Die Songs tragen diesen Geist ebenfalls in sich. Titel wie Transmutation, I Stand Alone oder Social Decomposition wirken wie Kapitel aus einem Endzeitmanifest. Die Musik bleibt dabei herrlich kantig, groovig und aggressiv, mit genau jener Mischung aus Hardcore-Wucht und Metal-Biss, die CARNIVORE einst so einzigartig machte. Währenddessen sehe ich vor meinem inneren Auge schon jetzt das Infield bei Konzerten komplett eskalieren – fliegende Becher, kreisende Fäuste und ein Publikum, das diese barbarische Energie gierig aufsaugt.
Besonders stark ist, dass CARNIVORE A.D. die Balance zwischen Respekt und Eigenständigkeit halten. Louie Beateaux verglich das Projekt einmal mit einem berühmten Restaurant, dessen Chef längst verstorben ist, während die Rezepte weiterleben und die Gäste trotzdem wiederkommen wollen. Genau so fühlt sich diese EP an: vertrauter Geschmack, aber frisch gekocht. Und Apostasy Records gebührt hier tatsächlich eine tiefe Verbeugung. Sich diese Band zu sichern, war ein verdammt guter Fang. Labels, die solchen Stoff veröffentlichen, haben entweder Mut – oder einfach einen ausgezeichneten Geschmack.
Diese EP ist keine nostalgische Pflichtübung, sondern ein respektvoller, wuchtiger Neubeginn im Schatten einer Legende. CARNIVORE A.D. beweisen, dass der Geist dieser Band noch lange nicht begraben ist.
„Man kann sich Carnivore A.D. wie ein berühmtes Restaurant vorstellen, dessen Chef vor Jahren gestorben ist. Die Rezepte existieren aber noch, und die Leute wollen dort weiterhin essen gehen, statt selbst zu kochen. Und Chef Pete hätte sicher nichts dagegen – denn seine Freunde bereiten die Gerichte mit Liebe zu.“ – Louie Beateaux
Bewertung: 9,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Prologue
02. Transmutation
03. I stand alone
04. Social Decomposition
05. Mine is the Hand

