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VOMITORY – In Death Throes (2026)

(10.139) Olaf (10/10) Death Metal


Label: Metal Blade
VÖ: 10.04.2026
Stil: Death Metal






Dreizehn VOMITORY-Shirts hängen in meinem Schrank. Dreizehn. Ich habe sie tatsächlich gerade eben noch einmal nachgezählt, weil ich selbst kaum glauben konnte, wie sehr mich diese Band seit Jahrzehnten begleitet. Dazu kommt noch ein Tattoo – ein dauerhaftes Bekenntnis zu einer der kompromisslosesten Death-Metal-Maschinen, die Schweden jemals hervorgebracht hat. Entsprechend groß war mein Grinsen, als sich die Truppe aus Karlstad 2023 mit VOMITORYAll Heads Are Gonna Roll zurück ins Rampenlicht katapultierte. Die Platte bekam von mir damals, ohne zu zögern die Höchstnote – und sie ist bis heute so gut gealtert wie ein perfekt gelagerter Whisky oder ein HM-2-Pedal, das seit 30 Jahren ununterbrochen röhrt.

Dass diese Band überhaupt wieder aktiv ist, fühlt sich ohnehin wie ein Geschenk an. 1989 gegründet, acht brutale Alben zwischen 1996 und 2011 veröffentlicht, danach der Abschied 2013 – eigentlich ein würdiges Ende für eine Institution des schwedischen Death Metal. Doch manchmal merkt eine Band eben selbst, dass sie noch zu viel Pulver im Magazin hat. Also kehrten VOMITORY zunächst 2019 auf die Bühne zurück und legten 2023 mit dem Comeback-Album nach. Danach folgte ein Tourmarathon quer durch Europa, Festivalauftritte und Supportshows für Größen der Szene, bevor der kreative Motor erneut ansprang und schließlich In Death Throes entstand.

In dieser Phase gab es auch eine personelle Veränderung: Gitarrist Peter Östlund, lange eine tragende Säule der Band, verabschiedete sich, weil das Tourleben schlicht nicht mehr mit seinem Alltag vereinbar war. Seine Rolle übernimmt nun Christian Fredriksson, der schon zuvor an Aufnahmen beteiligt war und nun offiziell zur Band gehört. Damit ist In Death Throes das erste VOMITORY-Album mit ihm als festem Leadgitarristen – und man kann ohne Übertreibung sagen: Der Mann hat sich perfekt eingefügt.

Der Sound bleibt unverkennbar VOMITORY, aber das neue Material wirkt noch eine Spur aggressiver und gleichzeitig erstaunlich variabel. Das Songwriting entstand laut Band aus den klassischen Zutaten des Death Metal: Bier, Proberaum, Riffs und eine Menge zerstörerischer Energie. Der erste Song, der damals entstand, trug übrigens einen Titel, der so wunderbar absurd und gleichzeitig perfekt passend ist, dass man sich fragt, warum nicht schon früher jemand darauf gekommen ist: Two and a Half Men.

Musikalisch lassen VOMITORY auch auf ihrem mittlerweile zehnten Album keinen Zweifel daran, dass sie zu den absoluten Eliteeinheiten des Genres gehören. Hyperspeed-Attacken, gnadenlose Doublebass-Salven und Gitarren, die sägen wie ein schwedischer Holzfäller im Vollrausch – das alles gehört hier zum Standardprogramm. Doch gleichzeitig gibt es kleine Verschiebungen im Detail. Die Produktion ist brutal, aber klar strukturiert. Besonders Frontmann Erik Rundqvist profitiert davon: Seine Vocals stehen messerscharf im Mix, jeder Growl sitzt wie ein gezielter Schlag mit der Axt auf den Schädel.

Überhaupt ist diese Stimme eines der Markenzeichen der Band. Sie klingt nicht einfach nur böse, sondern regelrecht geifernd vor Zerstörungslust. Wenn Erik seine Texte über Schlachtfelder, Verwesung und menschliche Abgründe herauswürgt, hat das eine fast filmische Qualität. Die Worte wirken wie kurze Momentaufnahmen aus einem apokalyptischen Kriegstagebuch. Einmal heißt es sinngemäß, dass Blutströme ganze Landschaften verschlingen und die Körper der Gefallenen zu Monumenten eines sinnlosen Feldzuges werden – typische VOMITORY-Bildsprache, roh, direkt und herrlich übertrieben. Besonders interessant ist dabei, dass die Band ihre klassischen Gore-Themen zwar beibehält, aber gelegentlich mit moderneren Perspektiven verbindet. Gewalt wird hier nicht nur als Splatterkulisse benutzt, sondern teilweise auch als Spiegel menschlicher Abgründe. Man könnte fast sagen: Wenn VOMITORY Literatur schreiben würden, wäre es wahrscheinlich eine Mischung aus Kriegsbericht, Horrorroman und schwarzem Humor.

Ein Song, der in diesem Kontext besonders auffällt, ist Wrath Unbound. Für VOMITORY-Verhältnisse ist das Stück beinahe… groovig. Tatsächlich schleppend. Man könnte fast ironisch fragen: Ist das etwa die Ballade dieser Band? Natürlich nicht wirklich – dafür ist das Ganze immer noch viel zu brutal. Aber der Song besitzt eine wuchtige, fast marschartige Dynamik, die sich langsam aufbaut und dadurch eine andere Art von Intensität erzeugt als die üblichen Hochgeschwindigkeitsattacken. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Band plötzlich auf die Bremse tritt. Ganz im Gegenteil: Das Album rast an vielen Stellen mit der typischen VOMITORY-Geschwindigkeit durch die Landschaft. Blastbeats prasseln wie Maschinengewehrsalven, die Gitarren fräsen sich durch das Klangbild und Tobias Gustafsson trommelt, als hätte er persönlich etwas gegen jedes einzelne Trommelfell dieser Welt.

Die Crust-Elemente, die früher manchmal noch stärker präsent waren, tauchen zwar etwas seltener auf, blitzen aber immer wieder durch und geben dem Sound zusätzliche Kanten. Gerade diese Mischung aus traditionellem schwedischem Death Metal und punkiger Raserei sorgt dafür, dass VOMITORY selbst nach Jahrzehnten nicht alt wirken. Und Ausfälle? Gibt es schlicht nicht. Jeder Song funktioniert. Jeder Song wirkt wie ein weiterer Tritt gegen die Tür eines ohnehin schon brennenden Hauses. Das Album besitzt genau das, was viele Bands nach so langer Karriere verlieren: Hunger.

Auch die Produktion trägt dazu bei, dass das Ganze so effektiv funktioniert. Die Drums wurden in Karlstad aufgenommen, Gitarren und Bass ebenfalls in der Heimatstadt der Band, während Mix und Mastering in Uppsala stattfanden. Das Ergebnis ist ein Sound, der brutal und massiv wirkt, aber gleichzeitig genug Luft lässt, damit jedes Instrument klar durchkommt. Ein Todespanzer mit funktionierender Klimaanlage, sozusagen. 

Als langjähriger Fan kann ich nur sagen: VOMITORY zeigen hier einmal mehr vielen jüngeren Bands ihre Grenzen auf. Während andere versuchen, möglichst komplex zu sein, konzentrieren sich diese Schweden auf das Wesentliche: Riffs, Wucht und eine gesunde Portion nihilistische Freude an der Zerstörung. Und ja, ich gebe es offen zu: Dieses Jahr fahre ich extra zum Rock unter den Eichen Festival, nur um diese Ausnahmekapelle wieder live zu sehen. Wenn VOMITORY dort den Wald zersägen, will ich in der ersten Reihe stehen und überprüfen, ob meine Nackenmuskulatur noch genauso belastbar ist wie früher.

Am Ende bleibt nur ein Fazit, das eigentlich gar keines sein sollte, sondern eher ein begeistertes Schulterzucken: In Death Throes ist genau das, was man sich von dieser Band erhofft – und vielleicht sogar ein bisschen mehr. Ein Killeralbum, brutal produziert, musikalisch über jeden Zweifel erhaben und voller Energie. Für mich persönlich ist es erneut ein heißer Kandidat für das Album des Jahres. Weniger als die Höchstnote zu vergeben wäre ehrlich gesagt ein Sakrileg.

BTW: Am 17.04.2026 werdet Ihr in unserer Audioshow Tales from the hard Side ein aktuelle Gespräch mit Drummer Tobias Gustafsson zu hören bekommen. Freut Euch drauf! 

Anspieltips
💀Wrath Unbound
🔥Two and a Half Men
🎸The Zombie War General


Bewertung: 10 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Rapture in Rupture
02. For Gore and Country
03. Forever scorned
04. Wrath unbound
05. In Death Throes
06. Cataclysmic Fleshfront
07. Two and a half Men
08. Erased in red
09. The Zombie War General
10. Oblivion Protocol 



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