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FILTH IS ETERNAL – Impossible World (2026)

(10.148) Olaf (6,0/10) Heavy Punk


Label: MNRK Heavy
VÖ: 17.03.2026
Stil: Heavy Punk







Seattle, DIY-Spirit, große Worte über Widerstand und Zusammenhalt – auf dem Papier riecht das nach verschwitztem Club, klebrigem Boden und kaputten Stimmbändern. In der Praxis fühlt sich Impossible World von FILTH IS ETERNAL jedoch eher an wie ein sauber kuratierter Protest mit perfekt eingestelltem Equalizer.

Die Band, 2020 neu formiert, trägt ihre Haltung sichtbar vor sich her. Diese „unmögliche Welt“ ist laut eigener Lesart längst Realität: Systeme bröckeln, Grausamkeit wird zur Normalität, und irgendwie versucht man, nicht unterzugehen. Inhaltlich also alles da, was Punk seit jeher antreibt – Wut, Widerstand, Überlebensinstinkt. Nur leider bleibt davon musikalisch erstaunlich wenig hängen.

Stay Melted eröffnet als kämpferisches Manifest, will brennen, will antreiben, will mitreißen. Der Slogan „Die lit, stay melted“ ist als Aufruf gedacht, nicht aufzugeben – aber statt Flammen lodert hier eher kontrolliertes Studiolicht. Alles klingt sauber, geschniegelt, durchdacht. Genau das Problem: Punk darf scheppern, darf stinken, darf auch mal danebenliegen. Hier sitzt jeder Ton wie geschniegelt im Anzug.

Über weite Strecken wirkt das Album wie der Versuch, Aggression und Ästhetik miteinander zu versöhnen – nur dass die Aggression dabei oft den Kürzeren zieht. Songs wie Long Way oder Desire setzen auf Melodie, Atmosphäre und fast schon schwebende Momente. „I needed you to believe / To believe in our thing“ ist emotional, keine Frage – aber eben auch ziemlich geschniegelt für ein Genre, das eigentlich von Dreck und Reibung lebt.

Lis Di Angelos Gesang schwankt dabei zwischen stark und seltsam deplatziert. Wenn sie sich in die raueren Passagen wirft, passt das hervorragend. Sobald es melodischer wird, verliert die Stimme jedoch an Biss und wirkt stellenweise wie aus einem anderen musikalischen Kontext hineingeschnitten. Das verstärkt diesen merkwürdigen Spagat, den die Platte permanent versucht.

Auch musikalisch bewegt sich das Ganze in einem Bereich, der zwar interessant ist, aber selten wirklich zupackt. Irgendwo zwischen Post-Hardcore, Indie und angezogener Härte, die nie komplett eskaliert. Teilweise erinnert das an eine härtere Variante der Smashing Pumpkins – nur ohne deren zwingende Dringlichkeit. Statt Explosion gibt es kontrollierte Entladung. Erst mit Total War wird es endlich etwas ruppiger. Hier zeigt die Band, dass sie durchaus zubeißen kann. Inhaltlich geht es um Klassenkampf, um Gewalt als verzweifelten Akt von Loyalität – „I just killed for you“ bleibt hängen und hat endlich die Kante, die man sich vorher so oft gewünscht hat. Warum nicht öfter so?

Auch Acetylene punktet zumindest thematisch mit starken Bildern eines sich verändernden Seattles, in dem persönliche Geschichten unter Beton verschwinden. Gute Idee, gute Ansätze – aber wieder zu geschniegelt umgesetzt.

Am Ende bleibt ein seltsamer Eindruck: FILTH IS ETERNAL haben Haltung, Ideen und definitiv etwas zu sagen. Nur verpacken sie das Ganze in einen Sound, der mir zu glatt, zu kontrolliert, zu „richtig“ ist. Das hier ist kein siffiger Proberaum, kein verschwitzter Club – das ist eher die Indie-Bar mit sauber eingeschenkten, alkoholfreiem Rotkäppchen und Bio-Kippe. Mit Punk hat das ungefähr so viel zu tun wie vegane Currywurst.

Eine engagierte Band mit klarer Message, die sich jedoch klanglich selbst im Weg steht. Zu viel Feinschliff, zu wenig Dreck. Respekt vor der Haltung – aber Begeisterung will sich nicht einstellen.


Bewertung: 6,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Stay melted
02. Long Way
03. Hellfire
04. Acetylene
05. Weather & Rose
06. Desire
07. Total War
08. Bad Faith
09. Outbreak
10. So below
11. Slipstream
12. Skorpio 



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