TERATOMA – Longing Voracity (2026)
(10.150) Phillip (8,5/10) Death Metal
Label: Me Saco Un Ojo Records
VÖ: 25.03.2026
Stil: Death Metal
Biologie! Kurzkontrolle! Was ist ein Teratom, beziehungsweise Englisch, ein Teratoma? Na, wer weiß es? Das ist ein im menschlichen Körper heranwachsender Tumor, der über Stammzellen verfügt, weswegen dieser Tumor auch zum Beispiel Knochen, Zähne oder Haare, oder alles davon haben kann. Spannend oder? Googelt das bitte jetzt, ekelt euch kurz fasziniert und dann geht es auch gleich hier weiter.
So, alle wieder auf ihren Plätzen? Das multinationale Berliner Death Metal Konglomerat Teratoma ist mindestens genau so interessant, wenn nicht noch ein bisschen mehr. Denn trotz inzwischen ergattertem Labeldeal mit Me Saco Un Ojo Records und untergrundiger Livepräsenz, wobei freudigerweise auch das ein oder andere besetzte Haus nicht ausgelassen wird, fehlt mir diese Band doch nach wie vor auf den Festivalplakaten der Republik. Woran das liegt, kann ich nur mutmaßen. Schätze ich die Größe oder gar Klasse dieser Band zu hoch ein? Ist es gar eine bewusste Entscheidung der Band live auch weiterhin möglichst knapp unterm Radar zu fliegen? Oder gilt, wie so oft, der Prophet nichts im eigenen Land?
Mit Longing Voracity jedenfalls betoniert der sympathische Fünfer seinen Status im Death Metal der alten Schule bereits im Titelsong. Herrlich kriechend packt die Melodie zu und zieht mich als Zuhörer in den Sumpf aus klackernder Kickdrum, mächtig grollendem Bass und zwei alles dominierenden Gitarren. Am Mikro wird im Vergleich zum Vorgänger etwas mehr auf Druck geachtet, was im Grunde auch für alle anderen Instrumente zählt. Die Produktion ist einen Tick lauter, klarer aber noch genau so dynamisch wie auf Purulent Manifestations. So kommen auch die Vocals noch druckvoller herüber und erinnern mich teilweise an Konvent.
Die Schnellsten sind auch Teratoma nicht, aber warum auch, wenn man atmosphärisch-klaustrophobischen Druck aufbauen kann. Hier erklingt Death Metal, wie er meines Erachtens viel häufiger sein sollte. Kaum Schnörkel, kein egostreichelndes Solo-Gewichse sondern dosiert eingesetzte Inszenierung (Chaotic Bewilderment). Stilvoll stumpfes Gerumpel, das die Hörerschaft schleichend überfällt. Knackige Grooves mit beängstigender Durchschlagskraft (Ravaged and Absorbed und Perpetual Anguish zum Beispiel)!
Ja, diese Scheibe erschließt sich nicht von Beginn an, nach zwei bis drei Songs beschleicht einen das Gefühl, in einem Sumpf zu versinken aus bereits gehörtem Material. Aber skippen oder gar abschalten will man auch nicht, zu hypnotisch greifen hier die grob mahlenden Räder ineinander, immer mal wieder aufgelockert durch eher untypische vokale Äußerungen oder eine quietschende Gitarre (Circle of Perdition).
Eine wunderschöne Interlude lässt dann kurz Zeit, um sich aus dem Sumpf zu träumen. Danach geht es sofort mit bekanntem Rezept weiter (Festering Realm), bei mindestens gleicher Klasse. Mit dem Schlusstrack Stertorous Whisper zeigen Teratoma dann doch nochmal, dass sie, wenn sie es wollen, auch ein kleines bisschen fixer können, um dann in den Sternennebel-artigen Sound überzugehen, denn wir aus dem Intro kennen. Na, da drückt man doch gerne auf Replay!
So gerne ich diese Art Death Metal habe, so fehlt mir – und das ist praktisch der einzige gravierende Kritikpunkt – ein bisschen die Abwechslung. Die Songs sind häufig gleich strukturiert, bestechen zwar durch ihr lava-artiges Ambiente und sind durch die Bank Kopfnicker, doch Alleinstellungsmerkmale sind eher rar gesät. Dennoch: Am Ende steht ein stimmungsvolles Höhlen-Death-Metal-Werk das zwingend auf die Bühnen Deutschlands, Europas und der Welt gehört!
Anspieltipps:
🎸Longing Voracity
💥 Ravaged and Absorbed
💀 Stertorous Whisper
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Exordium
02. Longing Voracity
03. Chaotic Bewilderment
04. Ravaged and Absorbed
05. Perpetual Anguish
06. Circle of Perdition
07. Interim
08. Festering Realm
09. Spewing Atrocities
10. Stertorous Whisper

