WARSENAL – Endless Beginnings… (2026)
(10.149) Olaf (7,0/10) Thrash Metal
Label: Massacre Records
VÖ: 20.03.2026
Stil: Thrash Metal
Sieben Jahre sind im Thrash Metal eine kleine Ewigkeit. In dieser Zeit entstehen Karrieren, zerfallen Bands oder – im besten Fall – reift etwas heran, das einem beim ersten Durchlauf die Nackenmuskulatur lockert und die Bierdose aus der Hand fliegen lässt. Bei WARSENAL war die Erwartungshaltung nach Feast Your Eyes jedenfalls nicht gerade niedrig. Wobei ich mir intern ja schon damals selbst ein kleines Eigentor geschossen habe – einmal korrekt als Feast Your Eyes betitelt, einmal kreativ zu Feast Your Ears umgedichtet. Vielleicht war das schon ein unbewusster Hinweis darauf, dass hier nicht alles ganz sauber laufen würde.
Nun also Endless Beginnings… – ein Titel, der mehr Versprechen trägt als mancher Wahlkampf. Die Kanadier kehren zurück, bewaffnet mit einem Konzept, das irgendwo zwischen dystopischer Science-Fiction und gesellschaftlicher Abrechnung pendelt. Eine Elite, die in einer schwebenden Stadt residiert, während unten die Masse im ewigen Kreislauf aus Religion, Arbeit, Abhängigkeit und falscher Hoffnung gefangen bleibt. Das klingt erstmal nach großem Wurf, nach erzählerischer Tiefe, nach mehr als nur „schneller, lauter, härter“. Und ja, diese Ambition hört man dem Album auch an – zumindest auf dem Papier und in der grundsätzlichen Anlage.
Musikalisch prügeln WARSENAL weiterhin ihre Version von Speed- und Thrash Metal durch die Gehörgänge, als gäbe es eine Deadline für jedes Riff. Die Gitarren arbeiten auf Hochtouren, feuern Salven ab, die stellenweise wirklich beeindruckend tight und technisch sauber sind. Gerade mit dem neuen Drummer Zack Osiris hat das Ganze eine zusätzliche Schärfe bekommen – der Mann spielt präzise wie ein Schweizer Uhrwerk auf Koffein. Produktionstechnisch gibt es ebenfalls wenig zu meckern: druckvoll, transparent, alles da, wo es hingehört. Man hört jedes Detail – vielleicht sogar ein bisschen zu gut.
Denn genau da liegt das Problem. Dieses Album will viel. Vielleicht zu viel. Es ist, als hätte man beschlossen, jede Idee, jeden Break, jedes Tempo, jede Wendung unbedingt unterbringen zu müssen. Das Ergebnis ist ein permanenter Vorwärtsdrang, der irgendwann nicht mehr aufregend, sondern schlicht anstrengend wird. Nach dem Motto: schneller ist besser, also geben wir einfach noch mehr Gas – egal, ob die Songs dabei auch hängen bleiben. Spoiler: tun sie nicht immer.
Frontmann Mat liefert dabei eine Performance ab, die handwerklich völlig in Ordnung geht, aber stilistisch sehr stark an Schmier erinnert. Das ist per se nichts Schlechtes – der Mann hat Thrash-Geschichte geschrieben – aber es nimmt WARSENAL ein gutes Stück Eigenständigkeit. Man hat zu oft das Gefühl, hier eine Variation von etwas zu hören, das man in ähnlicher Form schon zigmal konsumiert hat.
Je weiter das Album voranschreitet, desto mehr macht sich eine gewisse Ernüchterung breit. Die große konzeptionelle Idee – diese dystopische Welt mit ihren „Dawn Mowers“ und der Flying Fortress – bleibt musikalisch erstaunlich blass. Da hätte man sich mehr Atmosphäre, mehr Dynamik, mehr Mut gewünscht, auch mal einen Gang zurückzuschalten oder gezielt Akzente zu setzen. Stattdessen bleibt man im Dauerfeuer-Modus hängen. Und so gut das handwerklich umgesetzt ist, so sehr fehlt mir irgendwann genau das, was gute Alben von sehr guten unterscheidet: Wiedererkennungswert, Spannung, Momente, die sich festkrallen.
Das Album macht objektiv vieles richtig: stark produziert, technisch versiert, voller Energie. Aber genau diese Dauerenergie wird ihm auch zum Verhängnis. Mir fehlt die Abwechslung, mir fehlt der Mut zur Lücke, mir fehlt dieser eine Moment, bei dem man aufhorcht und denkt: „Verdammt, genau deswegen liebe ich diese Band.“ Stattdessen läuft Endless Beginnings… über weite Strecken wie ein Hochleistungsmotor im Leerlauf – beeindruckend, aber emotional überraschend kühl.
Vielleicht bin ich auch einfach zu sehr Fan von kanadischem Thrash, um hier nicht ein bisschen mehr erwartet zu haben. Vielleicht waren die sieben Jahre Wartezeit einfach zu lang, um am Ende „nur“ ein gutes Album zu bekommen.
Bewertung: 7,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Mass Grave Mass
02. Flying Fortress
03. Phantom Hope
04. Feeding the Wildfire
05. The Numbening
06. Dawn Mowers
07. Dusk Dwellers
08. Onward to our Death
09. Endless Beginnings…

