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PIZZA DEATH – World Doughmination (2026)

(10.138) Olaf (9,0/10) Thrash Metal


Label: DIY
VÖ: 13.03.2026
Stil: Thrash Metal / Crossover






Manchmal legt man eine Platte auf und merkt schon nach den ersten Sekunden, dass hier entweder völliger Wahnsinn regiert – oder jemand eine verdammt gute Idee hatte. Bei PIZZA DEATH ist die Sache schnell geklärt: Es ist beides. Gleichzeitig. In Übergröße. Mit extra Käse, doppelt Chiliöl und vermutlich noch einer Handvoll Jalapeños obendrauf.

Die Geschichte dieser australischen Chaostruppe beginnt wenig überraschend nicht in einem akademischen Kompositionsseminar, sondern irgendwo zwischen Pizzakarton, schlechtem Humor und der Erkenntnis, dass Thrash Metal eigentlich hervorragend zu fettigen Fingern passt. Während der langen Lockdowns in Melbourne entwickelte sich aus einer Schnapsidee ein echtes Bandprojekt. Der Name klang zunächst wie ein Running Gag unter Freunden – aber genau dieser alberne Wahnsinn wurde zum Konzept. Und aus dem Konzept wurde Musik, die ungefähr so subtil ist wie eine Tiefkühlpizza, die man mit einem Flammenwerfer aufbackt.

Musikalisch bewegen sich PIZZA DEATH tief im klassischen Crossover-Thrash-Gebiet. Thrash Metal trifft Hardcore Punk, Skateboard-Attitüde trifft Moshpit-Eskalation. Die Songs sind kurz, schnell, aggressiv und meistens schneller vorbei als eine Pizza beim hungrigen Publikum einer Thrashshow. Statt epischer Longtracks oder virtuoser Selbstbeweihräucherung feuern die Australier Riffs im Maschinengewehrtempo ab, bauen Breaks ein, bei denen sich der Pit automatisch in einen Tornado verwandelt, und liefern Hooks, die sich festsetzen wie geschmolzener Käse auf einer heißen Blechpizza.

Dass die Band sich selbst dabei nicht allzu ernst nimmt, ist Teil der Magie. Während andere Gruppen verzweifelt versuchen, besonders finster oder technisch zu klingen, ziehen PIZZA DEATH den Humor aus der Pizzaschachtel und schleudern ihn mit voller Wucht ins Gesicht der Hörerschaft. Die Themenwelt ist herrlich simpel und zugleich konsequent durchgezogen: Pizza, Tod – und im besten Fall Tod durch Pizza.

Schon die Songtitel lesen sich wie ein delirierendes Menü aus einer italienischen Parallelhölle. Cult of the Crust, Prosciutto Necronomicon, Mozzarella Stickmata oder Vulgar Display of Flour sind Wortspiele, die gleichzeitig absurd und brillant sind. Wer hier literarische Tiefgründigkeit erwartet, ist ohnehin falsch abgebogen. Doch genau darin liegt der Charme: Diese Band weiß ganz genau, wie lächerlich das alles ist – und zieht das Konzept trotzdem kompromisslos durch.

Und musikalisch funktioniert das erstaunlich gut. Das Album wirkt wie ein durchgedrehter Speedrun durch die Geschichte des Crossover Thrash. Kurze Explosionen, messerscharfe Riffs, knochentrockene Drums und ein Gesang, der klingt, als hätte jemand einem Skatepunk drei Espressi und eine Pepperoni-Calzone eingeflößt. Alles passiert rasend schnell, ohne unnötige Umwege oder Füllmaterial. Der Humor beschränkt sich dabei nicht nur auf die Titel. Auch in den Lyrics wird der Wahnsinn konsequent zelebriert. Wenn es etwa heißt “Eat everything, leave nothing uneaten” oder “I bleed cheese” dann weiß man sofort: Hier geht es nicht um subtile Gesellschaftskritik, sondern um eine grotesk überzeichnete Welt, in der Pizza zur Religion erhoben wird und der Moshpit zur heiligen Pilgerstätte.

Trotz aller Albernheit merkt man der Band aber an, dass sie musikalisch genau wissen, was sie tun. Die Riffs sitzen, die Breaks kommen genau dann, wenn sie sollen, und das Tempo wird so geschickt variiert, dass man als Hörer kaum Zeit hat, Luft zu holen. Das Ganze wirkt wie eine Mischung aus Skatepark-Session, Thrash-Konzert und einer komplett entgleisten Küchenparty. Das Konzept zieht sich dabei wie eine extra dicke Käsekruste durch das komplette Album. Von der ersten Sekunde bis zur letzten Delivery wird hier kein Zweifel daran gelassen, dass PIZZA DEATH ihre eigene kleine Welt erschaffen haben. Eine Welt, in der The Earth’s Crust is stuffed, in der Human Meat Lovers vermutlich die gefährlichste Pizzabestellung der Welt ist und in der Spontaneous Human Capsicumbustion wahrscheinlich als legitime Todesursache anerkannt wird.

Gerade diese völlige Hingabe zum eigenen Wahnsinn macht den Reiz von World Doughmination aus. Das Album ist nicht nur eine Sammlung schneller Thrashsongs – es ist ein komplett durchgedrehtes Konzept, das sich selbst nie zu ernst nimmt und genau deshalb funktioniert. Alles an dieser Band schreit nach Spaß, Chaos und einer gehörigen Portion Selbstironie. Und genau deshalb kann ich jetzt schon sagen: Am 13. Juni 2026 in Berlin werde ich alles kaufen, was diese Band am Merchstand dabei hat. Platte, Shirt, Pizzaschneider, vermutlich auch einen signierten Pizzakarton, wenn sie einen dabei haben. Skateboard raus, Pizza bestellt und ab geht die Luzie. Denn manchmal braucht man keine komplizierten Konzepte, keine tiefphilosophischen Texte und keine zehnminütigen Songstrukturen. Manchmal reicht es völlig, wenn vier Australier beschließen, Thrash Metal mit Pizza zu verheiraten – und dabei ein Album abliefern, das vor Energie, Wahnsinn und Humor nur so überquillt.

World Doughmination ist vermutlich das albernste Thrash-Album des Jahres – und gleichzeitig eines der unterhaltsamsten. Das Konzept ist komplett irre, die Songs sind kurz und brutal, und der Spaßfaktor liegt irgendwo zwischen Skatepark, Pizzabude und Moshpit-Explosion. Eine Band, die ihren Wahnsinn so konsequent durchzieht, kann man eigentlich nur lieben.

Anspieltipps
🍕Cult of the Crust
🍕Vulgar Display of Flour
🍕Pizza Face Hugger II (Killzone’s Revenge)
🍕Delivery of Misery
🍕I bleed Cheese


Bewertung: 9,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Ghouls of Garliquification
02. Wrong Order (and now begins the Slaughter)
03. Cult of the Crust
04. Prosciutto Necronomicon
05. Mozzarella Stickmata
06. The Earth’s Crust is stuffed
07. Ashes to Ashes, Crust to Crust
08. Pizza Face Hugger II (Killzone’s Revenge)
09. Vulgar Display of Flour
10. Self destructo Crust
11. I bleed Cheese
12. Poultry Assaultry
13. Frozen Pizza Prison Shank
14. Eat everything (Leave nothing uneaten)
15. Beneath the Chuck E Cheese
16. Live laugh la Porchetta
17. We’ll end your Life with that Fork’n’Knife
18. Human Meat Lovers
19. Spontaneous human Capsicumbustion
20. Delivery of Misery



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