CASKET – In the long Run we are all dead (2026)
(10.049) Olaf (7,0/10) Death Metal
Label: Neckbreaker Records
VÖ: 23.01.2026
Stil: Death Metal
Wenn eine Band seit 1990 existiert, zwei Demos mit Namen wie Ne Vollkanne und Endtime raushaut, zwischendurch verschwindet, wieder auftaucht, sich durch DIY-Touren kloppt und über 35 Jahre später immer noch klingt, als würde sie dir mit rostigem Spaten die Schädeldecke neu ausrichten wollen, dann hat das erstmal Respekt verdient. CASKET gehören genau in diese Kategorie: keine Trends, keine Hypes, kein Instagram-Death-Metal, sondern ehrlicher, knochentrockener Todesblei aus dem Underground, gewachsen über Demos, Under The Surface, das Comeback Upright Decay, Undead Soil, Unearthed und die Urn-EP, bis jetzt also zu In the Long Run We Are All Dead. Allein der Titel ist schon so nihilistisch wie ein leerer Kühlschrank nach dem Monatsende.
Ich habe mit CASKET ja so meine Geschichte. So richtig warm bin ich mit ihnen nie geworden, und das letzte Album fand ich ehrlich gesagt eher meh als mosh. Umso neugieriger war ich, ob mich diese neue Grabplatte endlich packt – oder ob ich wieder mit hochgezogener Augenbraue vor der Anlage stehe und denke: „Ja, nett… aber wo bleibt der Aha-Moment?“ Spoiler: ganz so kacke isses diesmal nicht. Aber die ganz große Erleuchtung bleibt bei mir weiterhin aus.
Was sofort knallt, ist die Produktion. Schön modrig, als hätte man die Band in einem feuchten Bunker aufgenommen, irgendwo zwischen altem Asphyx-Mief und moderner Klarheit. Trotzdem differenziert genug, dass Riffs nicht zu einem braunen Death-Metal-Eintopf verschwimmen. Und dann diese Stimme: Schorsch röchelt, keift und würgt sich durch die Songs, als würde er jeden Take mit einem Löffel Kieselsteinen im Hals aufnehmen. Brutalst gut. Ohne Witz, das ist eine der größten Stärken der Platte.
Und dann wäre da noch dieser herrlich absurde Kontrast zwischen Musik und Optik. Wenn man sich das Bandbild von CASKET auf Metal Archives anschaut, könnte man ernsthaft glauben, gleich kommt ein neues Brit-Pop-Album mit melancholischem Jangle-Gitarren-Sound und Texten über verflossene Lieben, nasse Bushaltestellen und Tee mit Milch. Schorsch, Susi und Marinko sehen eher aus wie eine vergessene 90er-Formation irgendwo zwischen Blur-B-Seite und Oasis-Supportact als wie eine Death-Metal-Dampfwalze. Umso schöner ist dieser Moment, wenn aus diesen vermeintlichen Brit-Pop-Gesichtern plötzlich modriger Death Metal quillt, der klingt, als hätte man ihn in einem Massengrab abgemischt. Image versus Sound: 0:1. Und genau das macht es irgendwie noch sympathischer.
Musikalisch bleibt alles schön oldschoolig roh und basic, aber nicht dumm. Wenn CASKET schleppend werden, fetzt das schon. Diese Midtempo-Walzen haben Druck, Groove und genau diese morbide Aura, die mich zumindest kurz vergessen lässt, dass mir das Songwriting oft zu stumpf und zu konfus ist. Gerade in diesen langsamen, schweren Momenten blitzt etwas auf, das wirklich hängen bleibt – leider viel zu selten über die komplette Spielzeit.
Denn genau da liegt mein Problem: Songs wie Skull Bunker, Fundamental Rot oder Graveyard Stomper müssten mich eigentlich mehr abholen. Tun sie aber nicht. Nicht falsch verstehen: Die knallen, die machen Laune, die sind live garantiert Abrissbirnen. Aber diese allgemeine Begeisterungswelle, die ich überall spüre, will mich einfach nicht erfassen. Mir ist das immer noch zu stumpf, zu konfus – und trotzdem: ganz so schlecht wie das letzte Album ist es beileibe nicht.
Thematisch geht es um Verfall, Gewalt, gesellschaftliche Degeneration und diesen kalten, zynischen Blick auf die Menschheit, der schon im Albumtitel steckt. Elf Songs, 44 Minuten, keine Balladen, kein Schnickschnack. Eher so: Hammer, Knife, Spade – passt schon. Das fühlt sich ehrlich an, nicht kalkuliert, nicht geschniegelt. Das Artwork ist dazu noch richtig schön fies und rundet das Ganze visuell stark ab.
Was ich ihnen hoch anrechne: CASKET klingen nicht nach Retro-Cosplay, sondern nach einer Band, die genau weiß, wo sie herkommt und wo sie hingehört. Über 200 Shows, DIY-Ethos, Underground-Credibility, keine modischen Experimente. Das ist konsequent, das ist sympathisch – und eigentlich müsste das auch genau der Kram sein, auf den Kollege Vogelsang total abfährt. Dass er die Truppe gar nicht kennt, hat mich ernsthaft überrascht. Nachholen, bitte.
Unterm Strich haben sich CASKET bei mir immer noch keinen der vorderen Plätze ergattert. Dafür fehlt mir einfach der letzte Kick im Songwriting und dieses „Boah, das muss ich nochmal hören“-Gefühl. Vielleicht wächst die Scheibe noch, vielleicht bleibt sie genau da, wo sie jetzt steht – irgendwo zwischen anerkennendem Nicken und leichtem Schulterzucken. Mein momentaner Begeisterungsstand lässt jedenfalls nicht mehr Punkte zu.
Anspieltipps:
🔥The Will to Comply
☠️Skull Bunker
🎸Fundamental Rot
Bewertung: 7,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. The Will to comply
02. Hightest Thrones
03. Mirrors
04. Seeds of Desolation
05. Hammer, Knife, Spade
06. Skull Bunker
07. Necrowaves
08. Mainstream Mutilation
09. Fundamental rot
10. Strangulation Culture
11. Graveyard Stomper

