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CRYSTAL LAKE – The Weight of Sound (2026)

(10.032) Phillip (6,8/10) Metalcore


Label: Century Media Records
VÖ: 23.01.2026
Stil: Metalcore




In Japan laufen die Dinge anders ab. Das wundert nicht weiter, wenn man das Land und die Kultur historisch betrachtet. Nachdem sich das Land der aufgehenden Sonne Ewigkeiten gegen die sogenannte westliche Kultur gewehrt hat, wurde eben diese dann doch schließlich übergestülpt. Doch Japan wäre nicht Japan, wenn sie daraus nicht ihren eigenen Dreh machen würden. Höher, schneller, bunter, weiter. Mehr Hingabe, mehr Wahnsinn, mehr Identifikation mit dem, was man schließlich doch als etwas kulturell Eigenes erschaffen hat. Ob das Film, Musik, Videospiele oder eben Sammelkarten sind, ist egal – Japan macht sein eigens Ding draus. Aus diesem Blickwinkel sind, auf größerer virtueller Bühne auch Crystal Lake zu sehen. Vor ein paar Jahren musste absolut jeder Youtuber mit einem Faible für Metalcore auf deren Song Apollo reagieren und diese Reaktion fiel im Allgemeinem durchschlagend positiv auf. Richtig, japanischer, wuchtiger Metalcore, sehr nahe am amerikanischen Stil und doch mit dezenter eigener Note.

Das ist nun also ein paar Jährchen her und seitdem hat sich im Hause Crystal Lake ein bisschen was getan. Ein festes Line-Up ohne einen ehemaligen Hauptsongwriter und ohne den bisherigen Sänger wurde gefunden und es lässt sich sicher feststellen, dass diese Band nunmehr das Vehikel von Yudau Miyamoto ist. Er verpflichtete ehemalige Live-Unterstützungen fest und fand im Amerikaner John Robert C. einen neuen Sänger. Und dieser darf sich im Opener Everblack direkt und unvermittelt zu Wort melden. Meine Fresse! Was für ein wuchtiger Opener! Und das zieht sich ab hier durch die folgenden Songs. Brutalität und Wucht werden durch absolut erdrückende Lautstärke erzeugt. Alles auf einmal, alle Regler auf 11! Unterfüttert mit Elektronika-Melodien und -Einspielern knüppelt das Drumkit alles und jeden nieder. Um da mitzuhalten, müssen natürlich auch die Saiteninstrumente ähnlich grob rumkrachen, oder halt selbst klingen wie ein Schlagzeug.

Das bringt mich zu den ersten Kritikpunkten. Die Produktion ist so brutal übersteuert, dass sich bis zum hooklastigen Hit King Down jeder Song anhört, als würde man eine Ladung Backsteine in eine Waschmaschine in Industriegröße schmeißen. Ab und an blitzen winzige Soli durch, Clean-Refrains sind auch dabei, doch ansonsten regiert der Breakdown-Hammer. Ab Song vier wird es dann endlich abwechslungsreicher, melodischer und differenzierter. Ab hier stehen tatsächlich Songs im Vordergrund, im Titeltrack wunderbar nachvollziehbar, mit Struktur und Idee.

Diese etwas zurückgefahrene Dynamik tut der Band ausgesprochen gut, lässt Raum zum atmen und wirkt weniger erdrückend, aber dennoch wuchtig – eben in den richtigen Momenten! Ob Crossing Nails oder Sinner, hier ist wirklich durchschlagender Metalcore zu hören, der seine japanische Identität in kurzen Eruptionen auf die Hörerschaft loslässt, mit leiden elektronischen Zwischentönen etwa oder in den Gesangsdynamiken. Und da wir gerade bei Vokalartisten sind: Hier sind eine ganze Menge vertreten. Neben Szene-Legende Jesse Leach dürfen auch David Simonich, Myke Terry, Karl Schubach und Taylor Barber glänzen. Ob das nun in der Masse wirklich nötig war, wage ich zu bezweifeln, stilistisch sind da meinerseits wenig Unterschiede auszumachen.

Zum Ende möchte ich noch erwähnen, dass das Cover-Artwork selten hässlich ist. Was ist das? Ein virtuos zusammen geschraubtes, von einem Medizinstudenten geklautes Skelett, das auf einen Ventilator geklebt wurde? Sei’s drum, um positiv zu enden, lohnt es zu erwähnen, dass Crystal Lake den Mut beweisen das Album mit leisen Tönen zu beenden. Die Ballade Coma Wave wirkt nach all dem Geböller wie Pferdesalbe für die geschundene Muskulatur und begleitet wunderbar entspannt aus dem Album heraus, ein deutlicher Pluspunkt!

Anspieltipps:
🦁 King Down
🦍 The Weight of Sound
🔥 Crossing Nails


Bewertung: 6,8 von 10 Punkten


TRACKLIST

1. Everblack 
2. BlüdGod
3. Neversleep
4. King Down 
5. The Undertow 
6. The Weight of Sound
7. Crossing Nails
8. Dystopia
9. Sinner
10. Don't Breathe 
11. Coma Wave



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