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RAVE IN FIRE – Square One (2026)

(10.051) Olaf (8,5/10) Heavy Metal


Label: High Roller Records
VÖ: 30.01.2026
Stil: Heavy Metal






Schon beim ersten Durchlauf von RAVE IN FIRESquare One hatte ich dieses angenehm irrationale Grinsen im Gesicht, das man bekommt, wenn man merkt: Das hier ist genau mein Kram, auch wenn ich eigentlich nicht erklären kann, warum. Vielleicht liegt’s daran, dass ich spanische Metal-Bands generell mag, ohne dafür eine belastbare soziokulturelle oder musikethnologische Begründung liefern zu können. Vielleicht liegt’s auch einfach daran, dass die Madrilenen hier ein Album abliefern, das gleichzeitig herrlich oldschool, erstaunlich frisch und wohlig unpeinlich ist. Oder, um es weniger diplomatisch zu sagen: Das Ding macht von der ersten Minute an Laune.

RAVE IN FIRE stammen aus Madrid, wurden 2015 gegründet und haben sich – nach der EP Chronicle Of A Timeless End und dem ersten Album Sons Of A Lie – mit Square One nun endgültig auf die Landkarte der ernstzunehmenden europäischen Heavy-Metal-Bands gesetzt. Das neue Album ist erneut komplett in Eigenregie entstanden, und man hört dieser Platte an, dass hier keine Label-Excel-Tabelle, sondern Herzblut, Schweiß und eine Menge Spielfreude im Studio standen. Gitarrist und Hauptsongschreiber Jonjo Negrete hat das Album selbst aufgenommen, produziert und gemastert, was dem Ganzen einen angenehm organischen, direkten Sound verpasst – nicht steril, nicht muffig, sondern irgendwo zwischen Garage-Energie und professionellem Achtziger-Glanz.

Der Einstieg ist herrlich flott: Nach dem kurzen Prologue of a Delirium kommt der erste richtige Song um die Ecke, und man denkt sich kurz: „Der steht hier eigentlich ein bisschen komisch im Albumfluss.“ Klingt, als hätte er lieber Track drei sein wollen. Aber egal – das Ding zündet trotzdem. Ein bisschen AOR, eine Menge flotter Hard Rock der Mid-Achtziger, und eine Band, der man die Spielfreude von der ersten Minute an anhört. Hier wird nicht cool getan, hier wird einfach gespielt, als gäbe es nichts Besseres zu tun.

Musikalisch balancieren RAVE IN FIRE auf diesem schmalen Grat zwischen Zuckerwatte und 50-Cent-Dosenbier – süß genug, um eingängig zu sein, roh genug, um nicht ins Lächerliche abzurutschen. Man hört unzählige Querverweise auf die Großen des Business, von klassischem US-Heavy Metal über frühe Scorpions bis hin zu Dio-Vibes, aber die Madrilenen schaffen es trotzdem, ihre eigene Interpretation nicht langweilig klingen zu lassen. Dazu trägt ganz massiv die Stimme der Frontfrau Sele bei, die irgendwo zwischen kraftvoll, leicht rau und erstaunlich wandelbar pendelt. Sie klingt nie wie eine bloße Kopie von Leather Leone oder Doro, sondern gibt dem Material eine eigene Farbe, die sofort wiedererkennbar ist.

Songs wie Dark Poison, Knightwalker oder Speed and Rave treiben das Tempo ordentlich nach vorne, während Crown of Stars und Still Standing melodischer und hymnischer ausfallen, ohne dabei weichgespült zu wirken. Der Titeltrack Square One setzt am Ende einen epischeren, leicht prog-metaligen Schlusspunkt, der zeigt, dass die Band mehr will als nur stumpf Achtziger-Metal zu reproduzieren. Laut Band wollten sie diesmal experimenteller sein, ohne ihre Essenz zu opfern – und genau das hört man. Weniger Gitarrenfixierung als auf Sons Of A Lie, mehr Raum für Bass, Drums und Arrangements, mehr Mut zu kleinen Umwegen, ohne den roten Faden zu verlieren.

Mein persönliches Highlight ist das speedige Untiring Eagles. Wer da nicht abgeht, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Das Ding ballert, groovt, reißt mit und bleibt sofort im Ohr hängen. Genau die Art von Song, die man live in der ersten Reihe mit verschwitztem Shirt und dämlichem Grinsen im Gesicht mitbrüllen würde. Und ja, ich bin am 30.03. in Madrid – sollte die Band da spielen, ich wäre dabei. Ohne Diskussion.

Ein Wort noch zum Artwork: Das quietschbunte Cover sorgt ebenfalls für ein rundum gelungenes, metallisches Wohlfühlpaket. Irgendwo zwischen Comic, Achtziger-Ästhetik und „zu viel ist gerade genug“. Passt perfekt zur Musik und macht das Album auch optisch zu einem kleinen Statement gegen den derzeitigen Trend zu grauen, minimalistischen Metal-Covern.

Am Ende bleibt für mich ein Album, das mich mehr abgeholt hat, als ich erwartet hätte. Square One ist kein revolutionäres Meisterwerk, aber ein verdammt sympathisches, spielfreudiges Heavy-Metal-Album, das zeigt, dass man auch 2026 noch klassischen Metal machen kann, ohne wie ein Altherrenverein zu klingen. RAVE IN FIRE haben hier ihren eigenen Stil weitergeschärft, ihre Komfortzone ein Stück erweitert und liefern ein Werk ab, das man sich erstaunlich oft und erstaunlich gern anhört.

Square One ist wie ein kaltes Bier an einem viel zu heißen Tag – nicht kompliziert, nicht hochintellektuell, aber genau das, was man gerade braucht. Zwischen Zuckerwatte und Dosenbier, zwischen Achtziger-Nostalgie und frischer Spielfreude liefern RAVE IN FIRE ein Album ab, das Spaß macht, hängen bleibt und mir ernsthaft Lust auf ein Konzert in Madrid macht.

Anspieltipps:
🔥Untiring Eagles
🎸Speed and Rave 
💀Dark Poison


Bewertung: 8,5 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Prologue of a Delirium
02. Dark Poison
03. Crown of Stars
04. Still standing
05. Untiring Eagles
06. Speed and Rave
07. Knightwalker
08. Witches Hell
09. Square One 



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