NACHTGNAWER – Medieval Devourer (EP) (2026)
(10.133) Phillip (8,0/10) Black Metal
Label: Purity Through Fire
VÖ: 21.03.2026
Stil: Black Metal
Die spinnen, die Finnen. Um das festzustellen, reicht der erste Song der vorliegenden EP, denn hier wird zügig klar, was uns im Zuge des Genusses der fünf Stücke erwartet. Rödeliges, leicht halliges Schlagzeug, Keifgesang im Neunziger-Jahre-Black Metal- Stil, eine klirrende Tremologitarre und eine, die die Melodie vorgibt, irgendwo im Mix gibt noch einen ziemlich überraschenden Bass, der im Vergleich zu allen anderen extrem entspannt herüberkommt.
Ich meine, der Bandname ist schon krass cheesy und die Promofotos lassen mich auch vermuten, dass ich Nachtgnawer eventuell nicht allzu ernst nehmen sollte, aber weit gefehlt! Diesen Fehler sollte man definitiv nicht in seine Nähe lassen, denn nach der Überwindung der etwas altbacken, um nicht zu sagen komplett hängen gebliebenen, ersten Sekunden von Medieval Devourer klickt es sofort! Das muss so! Die wollen das so!
Und wer kann es ihnen verübeln, das ist Charme der alten, okkulten Schule, spätestens wenn ab dem Mittelteil im Titeltrack der breitbeinige Rocker rausgekramt wird und genauso atmosphärisch herüberkommt, ist man von Nachtgnawer mindestens angetan. Die Schlachtengeräusche in Seigneur oft he Iron Winds passen einfach super und das mittig gesetzte Interlude gibt einem Zeit, zu reüssieren, was hier grade passiert ist und um sich die Frage zu stelle ob, und wenn ja, wie ernst man das nehmen sollte.
Ist aber eigentlich auch egal, denn objektiv gesehen fetzt die dargereichte Mucke einfach. Die Melodien der Gitarre sind exzellent ausgearbeitet und ergeben im Zusammenspiel mit dem zwar dumpf und scheppernd klingendem, jedoch extrem präzisen Schlagzeug eine Sogwirkung die Kurzweil verspricht und packend inszeniert ist. In Stench of the Ancient Towers kommen übrigens noch Wolfsgeheul und eine Orgel hinzu. Diese ganzen erstmal fast lächerlich wirkenden Details werden allerdings immer richtig gut eingesetzt daher und ergeben atmosphärisch komplett Sinn.
Medieval Devourer fackelt also ein herrlich unverkrampftes, an den richtigen Stellen sehr geil kitschiges und vor Allem sehr zugängliches Feuerwerk des unerwartet guten Geschmacks ab, das auch für – oder vielleicht sogar insbesondere – Nicht-Black Metal- Aficionados sehr gut reinläuft!
Den Bandnamen finde ich nach wie vor bescheuert, aber inzwischen sympathisch bescheuert, so wie der Kollege auf einem Festival, der sich aus Jux und Geltungsdrang Corpsepaint ins Gesicht klatscht und Nieten umhängt um sich über die Ernsthaftigkeit im Black Metal lustig zu machen, aber dann unerwartet heftig aussieht und die Nummer dann durchzieht. Ungefähr so sehe ich derweil auch Nachtgnawer, denn die machen das hier echt stark!
Anspieltipps:
🐲 Medieval Devourer
🗡Seigneur of the Iron Winds
Bewertung: 8,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
1. Medieval Devourer
2. Seigneur of the Iron Winds
3. Process of Possession
4. Stench of the Ancient Towers
5. Desecrator

