MESSTICATOR – Total Mastery (2026)
(10.125) Olaf (8,5/10) Death Metal
Label: Testimony Records
VÖ: 13.06.2026
Stil: Death Metal
Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich gewisse Dinge im Universum perfekt timen. Während in Berlin heute Abend endlich wieder das Spacefest seine Tore öffnet – ein Ereignis, das viele von uns schmerzlich vermisst haben – steht wenige Tage später auch noch ein Album in den Startlöchern, das sich anhört, als würde es genau für solche Abende geschrieben sein. MESSTICATOR spielen heute dort, eine Woche vor Veröffentlichung ihres zweiten Longplayers Total Mastery. Timing kann man lernen – oder man hat einfach verdammt viel Glück.
Die Hamburger haben ihre Wurzeln im Jahr 2019, als sich drei Herren in der alten Hansestadt zusammentaten, um eine ziemlich simple, aber äußerst effektive Mission zu verfolgen: Death Metal mit der bissigen Aggression klassischer Thrash-Riffs zu kreuzen und daraus eine möglichst schlagkräftige Abrissbirne zu bauen. Schon das Debüt Forthcoming Revelation schlug damals erstaunlich deutlich in der Szene ein und katapultierte die Band ziemlich schnell auf diverse Bühnen – unter anderem sogar zum Wacken Open Air.
Doch wer glaubte, MESSTICATOR würden sich danach gemütlich zurücklehnen und den Debütbonus genießen, kennt die Mentalität dieser Band schlecht. Stattdessen wurde weiter geschraubt, nachgeschärft und optimiert. Und dann kam noch das Stühlerücken: Aus dem Trio wurde ein Quartett. Frontmann und Bassist Philipp verabschiedete sich aus der Formation, wodurch die Aufgaben neu verteilt wurden. Jetzt steht mit Thomas Thede ein reiner Frontmann am Mikro, während Thorben „Tobbo“ Lohmann den Bass übernimmt. Das klingt zunächst wie eine kleine interne Umstrukturierung, hat aber hörbare Auswirkungen. Der Gesang wirkt fokussierter, aggressiver und – vielleicht das Wichtigste – präsenter im Gesamtbild.
Produziert wurde das Ganze in Hamburg von Timo Höcke in der Wellenschmiede, und das hört man. Dieses Album ist bretthart, aber gleichzeitig erstaunlich differenziert. Gitarren, Bass, Drums – alles hat Luft zum Atmen. Gerade bei einem Stil, der sich irgendwo zwischen Death Metal und Thrash bewegt, ist das Gold wert. Denn hier verschwimmt nichts in einem undurchdringlichen Soundbrei. Stattdessen knallt jede Snare wie ein Vorschlaghammer, während die Gitarren mit chirurgischer Präzision sägen.
Musikalisch bewegen sich MESSTICATOR weiterhin genau auf der Kante zwischen rasendem Thrash und brutaler Death-Metal-Gewalt. Das Material ist deutlich aggressiver als auf dem Vorgänger, gleichzeitig aber auch strukturierter. Man merkt schlicht, dass hier eine Band am Werk ist, die mittlerweile weiß, wie man Songs schreibt, die trotz exorbitanter Härte nachvollziehbar bleiben. Das ist keine stumpfe Prügelorgie, sondern kontrollierte Eskalation.
Auch lyrisch wird ordentlich ausgeteilt. Das zentrale Motiv von Total Mastery spielt mit der Idee einer übergeordneten Macht, die über die Menschheit herrscht, sie beurteilt und gegebenenfalls bestraft. Diese düsteren Gedankenspiele ziehen sich durch das Album wie ein roter Faden. Da tauchen Visionen von Unterdrückung, Gewalt und menschlicher Selbstzerstörung auf – düster, zynisch, manchmal fast schon apokalyptisch. Beschreiben tut das die Band mit den Worten „What if there really were an entity greater than all humans that rules, judges and punishes us all?“ Das Album zeichnet also das Bild eines übergeordneten Richters, der über die Menschheit urteilt.
Das passt hervorragend zur musikalischen Attacke. Wenn Songs von Massenauslöschung, Machtmissbrauch oder brutalen Kämpfen erzählen, klingt die Musik genau so: aggressiv, kompromisslos und permanent kurz davor, komplett zu explodieren. Dabei besitzt das Album durchaus eine gewisse Hitquote. Besonders One-Shot-Kill entpuppt sich schnell als der offensichtliche Superhit der Platte. Ein Song, der alles vereint, was diese Band ausmacht: mörderisches Riffing, eingängige Struktur und einen Refrain, der sich sofort im Schädel festsetzt wie ein rostiger Nagel. Das Ding dürfte live zuverlässig für kollabierende Nackenwirbel sorgen.
Überhaupt haben MESSTICATOR ein bemerkenswertes Talent dafür, Brutalität mit Wiedererkennungswert zu verbinden. Viele Bands in diesem Genre setzen einfach auf Geschwindigkeit und Lautstärke. Hier hingegen steckt deutlich mehr dahinter. Die Songs bleiben hängen, weil sie clever gebaut sind.
Auch das Artwork verdient ein paar Worte. Andreas Christanetoff hat hier ein Cover abgeliefert, das sofort ins Auge springt – düster, martialisch und stilistisch tief im klassischen Extrem-Metal verwurzelt. Wer allerdings einmal einen Blick auf Bestial Devastation von Sepultura wirft, wird gewisse optische Parallelen erkennen. Sagen wir es diplomatisch: Die beiden Cover könnten entfernte Cousins sein.
Und dann wäre da noch der vielleicht beste Songtitel des Jahres: Cougar Claws (Return of the Leathermilf). Ganz ehrlich – allein dafür verdient diese Band schon einen Kreativpreis. Ich habe selten einen Titel gesehen, der gleichzeitig so absurd, so charmant und so herrlich Metal ist.
Am Ende bleibt ein Album, das genau das liefert, was man sich von einer Band dieser Kategorie erhofft – und sogar ein kleines Stück mehr. Total Mastery ist brutal, schnell, gnadenlos, aber gleichzeitig erstaunlich präzise komponiert. Eine Platte, die sowohl im Kopfhörer als auch im Moshpit funktioniert. Und wenn heute Abend beim Spacefest in Berlin die ersten Riffs über die Bühne knallen, könnte es gut sein, dass einige dieser Songs bereits ihr erstes Publikum zerlegen. Ein besseres Warm-up für eine Albumveröffentlichung kann man sich kaum wünschen.
Anspieltips
🔪One-Shot-Kill
🔥Bloodsport
💀Cougar Claws (Return of the Leathermilf)
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. The Pit awaits
02. …the Pitslayer
03. High Ground
04. One-Shot-Kill
05. Ruins of Reason
06. Bloodsport
07. MassH Uman Extinction
08. Skeletal Thorn
09. Deathtouch
10. The Tyrant’s Scepter
11. Cougar Claws (Return of the Leathermilf)

