CARBON TOMB – Passage to a Neutron Star (2026)
(10.328) Phillip (7,0/10) Death Metal
Label: Transcending Obscurity Records
VÖ: 17.07.2026
Stil: Death Metal
Nachdem ich festgestellt habe, dass Carbon Tomb erst 2023 gegründet worden ist, dachte ich noch „Donnerlittchen, in dieser kurzen Zeit bereits eine EP und jetzt ein Album rausscheppern ist schonmal brutal stark!“ Dabei habe ich komplett außer Acht gelassen, dass 2023 ja auch schon drei Jahre her ist und in drei Jahren kann echt viel passieren, fragt mal Julian Nagelsmann. In Dänemark jedenfalls wurden diese drei Jahre ganz offensichtlich genutzt, um am Sound zu feilen.
Die erste große Auffälligkeit gegenüber der EP ist nämlich, dass eine noch gehörigere Baggerschaufel Dissonanz in den Proberaum gekippt wurde und Carbon Tomb haben sich nach Herzenslust bedient. Eine kluge Entscheidung, denn so entwickelt man Eigenständigkeit, allerdings auf Kosten der Zugänglichkeit.
So prügelt das Schlagzeug grundsätzlich drauf los, furztrocken und unermüdlich, und möchte manchmal nicht so recht zum Sound der Gitarre passen, wenn es ins Dissonante geht, ergänzt sich aber ganz wunderbar, wenn der Song in groovebetonte Parts zieht (From The Giant’s Snout). Der nächste große Pluspunkt von Carbon Tomb ist das absolut abgründige Organ von Jeppe Tander, das mich davon überzeugt, dass das einfach seine komplett normale Sprechstimme ist, so lässig und natürlich schüttelt er die Vocals aus seinem Hals. Dabei kippt die Emotionalität zwar ein wenig ab, aber bei Themen wie Nonexistenzialismus darf es ruhig etwas kühler zugehen.
Da auch ein dissonantes Gitarrensperrfeuer irgendwann Abnutzungserscheinungen aufweist, sind sich Carbon Tomb nicht zu schade, auch mal eher ungewöhnliche Würze dazu zu packen. So ließen sie sich vermutlich von den aktuellen Dune-Filmen inspirieren, als sie Of God’s Neglect eintrümmerten. Was da so vorerst artfremd klingt entfaltet seine volle Wucht allerdings in den immer wieder einsetzenden Hammer-Grooves und sorgt mit diesem Kontrast für ein absolutes Highlight des Albums. Dieser Track walzt buchstäblich alles nieder und wird so, im Albumkontext, schon fast zu etwas wie einem Problem.
Denn ab hier ist dieser Song mein Anspruch an das Album, was vielleicht ein bisschen ungerecht und frech ist. Aber im Vergleich damit fallen die restlichen drei Song spürbar ab, den mächtigen Refrain mit Morbid Angel Touch bei Reversed Head Renewal klammern wir hier ein wenig aus. Dies ist einer der anzubringenden Kritikpunkte meinerseits. Andere sind etwa die etwas hölzerne Produktion, die sicherlich Potenzial für Alleinstellungsmerkmal hat, so im Mix aber nicht zeitgemäß scheint. Das ist sicherlich eine bewusste Entscheidung der Dänen und auch sehr mutig, wobei ich erwähnen muss, dass es eher ungewohnt als objektiv „schlecht“ ist. Dennoch: Unterm Strich ist Passage to a Neutron Star ein interessantes Album mit Luft nach oben, strotzt vor Ideen, in denen es sich manchmal ein wenig verrennt, weiß aber durch pure Wucht im Ganzen durchaus zu überzeugen, eben weil es mal anders klingt.
Anspieltipps:
🔥 Chanting Spells that the Resurrected Will Scant on Technöfössil Fragmentations
💀Of God's Neglect
Bewertung: 7,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
1. Chanting Spells that the Resurrected Will Scant on Technöfössil Fragmentations
2. Hidden Creature
3. From the Giant's Snout
4. The Dog Hunter
5. Of God's Neglect
6. Gogoffmagog
7. Tritons of Ichthyology
8. Reversed Head Renewal
9. Passage to a Neutron Star

