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AVALANCHE – Armed to the Teeth (2026)

(10.064) Olaf (6,0/10) Hard Rock


Label: DIY
VÖ: 13.02.2026
Stil: Pub Rock







Schon beim ersten Durchlauf wurde klar: AVALANCHE wollen hier nichts erfinden, nichts hinterfragen, nichts neu denken. Armed to the Teeth ist kein Album, das sich mit Innovation aufhält – es will schieben, drücken, schwitzen und kleben. Und genau so beginnt auch meine Beziehung zu dieser Platte: nicht mit Ehrfurcht, sondern mit einem Bier in der Hand, einem leicht skeptischen Blick und der stillen Frage, wie viel australischer Pub Rock mein Trommelfell an einem Abend eigentlich verkraftet.

Die Geschichte der Band liest sich so, wie man sie sich wünscht: Stahlfabrik-Proberaum, Straßen von Sydney, Blut, Schweiß, Bier. AVALANCHE kommen nicht aus dem Elfenbeinturm, sondern aus der Kneipe. Das hört man, das riecht man, das schmeckt man. Angeführt vom Ehepaar Steven und Veronica Campbell, deren Chemie eher nach Stromschlag als nach Harmonie klingt, wird hier klassischer Aussie Rock’n’Roll zelebriert, wie ihn Generationen vor ihnen bereits durchgespielt haben – und zwar ohne jede Scham. Dass man mit den Plattensammlungen der Väter aufgewachsen ist, wird nicht versteckt, sondern stolz vor sich hergetragen.

Musikalisch ist das alles durchaus mitreißend. Die Riffs sitzen, die Drums knallen trocken und direkt, der Bass schiebt wie ein überladener Ute auf staubiger Outback-Piste. Das Material ist eindeutig für die Bühne geschrieben, für klebrige Böden, verschwitzte Shirts und diese Abende, an denen man am nächsten Morgen nicht mehr weiß, wie man nach Hause gekommen ist. Songs wie Armed to the Teeth, Down for the Count oder Bottle of Sin funktionieren genau deshalb so gut, weil sie keinen Umweg nehmen. Hier geht es ums Wiederaufstehen, ums Durchziehen, ums „Scheiß drauf, noch ein Bier“. In Down for the Count wird das explizit formuliert: wieder aufstehen, auch wenn man am Boden liegt – simpel, aber effektiv. Mehr Anspruch ist nicht vorgesehen, mehr Anspruch wird auch nicht gebraucht.

Problematisch wird es allerdings dort, wo der größte Trumpf der Band gleichzeitig ihr größtes Ärgernis ist: der Gesang. Steven Campbell liefert eine Stimme, die sofort auffällt – leider nicht immer im positiven Sinne. Auf kurze Distanz funktioniert dieses angekratzte, leicht hysterische Organ hervorragend, auf Albumlänge jedoch wird es zäh. Die Vocals klingen stellenweise wie eine Mischung aus Ian Astbury in einer besonders schlechten Phase und einem erkälteten Toschie von Audrey Horne, der morgens zu früh aus dem Bett geprügelt wurde. Anfangs noch charismatisch, kippt das Ganze irgendwann ins Nervige. Man ertappt sich dabei, den nächsten Song eigentlich gut zu finden – wäre da nicht diese Stimme, die ununterbrochen an der eigenen Geduld sägt.

Textlich bleibt man konsequent auf Straßenhöhe. In Dad, I Joined a Rock ’n’ Roll Band wird jugendlicher Leichtsinn mit einem Augenzwinkern gefeiert, schlechte Entscheidungen inklusive. In On the Bags Again schwingt dieser typische Pub-Humor mit, der Chaos, Selbstironie und Partyattitüde miteinander verbindet, ohne jemals wirklich tief zu gehen. Die Lyrics sind ehrlich, direkt, manchmal charmant dumm – und genau so gemeint. Das ist keine Poesie, das ist ein Barhocker-Monolog kurz vor Sperrstunde.

Produziert wurde das Ganze erfreulich roh. Viel live eingespielt, wenig poliert, kaum Effekte – das hört man. Der Sound ist direkt, ungefiltert und auf Authentizität getrimmt. Das rettet der Platte viel Glaubwürdigkeit, auch wenn sie inhaltlich keinerlei Überraschungen bereithält. Originalität oder Innovation? Komplette Fehlanzeige. Aber ganz ehrlich: Das war hier auch nie der Plan. Armed to the Teeth will kein Denkmal setzen, sondern Gläser leeren.

Weniger verzeihlich ist allerdings das Albumcover. Gelinde gesagt: ein kompletter Reinfall. Optisch wirkt das Artwork so beliebig, dass es dem ansonsten so körperlichen, schwitzigen Sound regelrecht widerspricht. Wo die Musik nach Schweiß und Bier riecht, sieht das Cover nach generischem Rock-Baukasten aus. Schade – gerade im Pub-Rock-Kontext wäre hier deutlich mehr Charakter möglich gewesen.

Dass AVALANCHE mit Airbourne auf Tour sind, ist dennoch kein Wunder. Die musikalische Verwandtschaft ist offensichtlich, die Energie kompatibel, die Zielgruppe identisch. Live dürfte das Material hervorragend funktionieren, wahrscheinlich sogar besser als auf Platte. Im richtigen Umfeld – letzte Kneipe im Outback, Boxen am Limit, Pegel jenseits von Gut und Böse – entfaltet dieses Album ganz sicher seine volle Wirkung.

Unterm Strich bleibt Armed to the Teeth ein Album, das weiß, was es ist, und sich keinen Millimeter davon entfernt. Mitreißend, laut, ehrlich – aber auch eindimensional, stimmlich anstrengend und optisch unerquicklich. Kein großer Wurf, kein Totalausfall, sondern solides Handwerk für lange Nächte und kurze Erinnerungen. Für den nächsten intellektuellen Höhenflug greift man besser woanders hin. Für Bier, Schweiß und Rock’n’Roll reicht es allemal.


Bewertung: 6,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. On the Bags again
02. Armed to the Teeth
03. Down for the Count
04. Going for Broke
05. Dad, I joined a Rock’n’Roll Band
06. The Hand that feeds
07. Ride or die
08. Open to Retaliation
09. Blondie
10. Kick your Heels back
11. Hell’s getting hotter with you
12. Bottle of Sin
13. High Attitude 



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