NEBELFAUST – Die Krähenfüße Des Winters (2026)
(10.060) Maik (8,0/10) Black Metal
Label: DIY
VÖ: 30.01.2025
Stil: Black Metal
Scheinbar haben sich NEBELFAUST meiner Worte erinnert, da ich dazumal anlässlich des Debüts Das Kalte Eisen Des Mondes schrieb, es wäre bei frühlingshaften Temperaturen schwer, sich in die frostigen Klänge hineinzufinden. Das Zweitwerk des Schwarzmetallbetriebs steigt uns nun also mitten im Winter auf die frostigen Füße. Das Wetter passt und passend dazu ist auch die Heizung in meinem Arbeitszimmer ausgefallen.
Letzteres konnte Zinkruwahn, Mastermind hinter diesem Einmannprojekt natürlich nicht ahnen. Aber es hilft natürlich, sich stimmungsmäßig in die Mucke einzufrösteln.
Das Scheiblein trägt den leicht surrealen Titel Die Krähenfüße des Winters und das lässt vielerlei Interpretationsmöglichkeiten offen. Krähenfüße nennt man ja die kleinen Fältchen, die sich irgendwann im Bereich der Augenwinkel in die Gesichtshaut schleichen. Vielleicht spielt die Band darauf an, dass auch dieser Winter so langsam das Alter erreicht, sich zur Ruhe zu setzen. Oder es spielt auf die Spuren dieser intelligenten schwarzen Vögel im Schnee an.
Ich plädiere für Letzteres, möchte aber meine Hand dafür nicht ins Feuer legen – wenngleich das meinen Wärmehaushalt für kurze Zeit ins Positive verschieben würde. Doch genug der Haarspalterei, denn es soll hier ja um die Musik gehen. Und die agiert wie gewohnt im harschen, Old School Black Metal, der sich halbtonriffig mit frostigen Gitarrenklängen und krächzendem Böslingsgesang in die Horchlappen windet.
Fernab moderner Einflüsse, die sich Post oder Modern oder was weiß ich nennen, schrammt die Mucke traditionell aus den Boxen und dürfte den Urgesteinen, die sich derartige Tonkunst vor dreißig Jahren und mehr gierig ins Lauschgestrüpp gezerrt haben, ganz gut reinlaufen.
NEBELFAUST schafft es, in den eisig klammen Sound auch genug Melodien hineinzubringen, was gerade im Titelsong zum Tragen kommt. Die Lyrics sind recht poetisch ausgefallen, was ich allerdings nur von den beiden Songs sagen kann, deren Texte bei Metal Archives nachzulesen sind. Naturgemäß verhallt der deutsche Gesang in Harschheit und Gesamtsound. Aber was ich so gelesen habe, verstärkt den frostigen Charakter der Musik und lässt die Raumtemperatur noch ein paar Grad tiefer sinken.
Leider höre ich das Material auf meinen schrottigen PC- Speakern, wodurch das ganze etwas dünn rüberkommt. Eigentlich müsste man die Mucke sehr laut hören, um alle Nuancen zu erfassen. Zu Meckern gibt es natürlich immer etwas für alte Säcke wie mich. Einige Songs scheinen etwas abrupt aufzuhören, was mich immer panisch auf den Monitor blicken ließ, weil ich dachte, die Datei hätte sich aufgehängt.
Ich würde es auch gutheißen, wenn der Gesang etwas stärker in den Vordergrund gemischt worden wäre, denn dieser verwäscht sich doch recht arg im Gesamtsound. Das alles passt zwar zum klassischen Black Metal wie das Corpsepaint ins Gesicht, sorgt allerdings nicht für den Aha-Effekt, der NEBELFAUST in die vorderste Phalanx des Schwarzwurzelwerks katapultiert.
Der Hörgenuss gestaltet sich bei mir situationsbedingt. Gerade heute, an einem nasskalten Tag, grau und unwirtlich, im arschkalten Zimmer vor der Tastatur bibbernd ist das recht stimmig. Im strahlenden Sonnenschein bei anheimelnden Temperaturen eher nicht. Ich werde mir die Mucke jetzt noch mal mit fettem Sound reinziehen, vielleicht fallen mir dann die Eiszapfen von der Nase.
Anspieltipp:
💀 Vom Frost Gebissen
🌒 In Dunkelsten Winternächten
Bewertung: 8,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Den Aufgerissenen Himmel Im Mund
02. Trink Den Sturm
03. Die Krähenfüße Des Winters
04. Vom Frost Gebissen
05. Die Nacht In Dir
06. Das Blut Der Sonne
07. In Dunkelsten Winternächten
08. Herbstregen
09. Der Weite Weiße Schnee

