ANTRISCH – Expedition III: Renitenzpfad Marañones (2026)
(10.170) Schaacki (9,8/10) Black Metal
Label: AOP Records
VÖ: 27.03.2026
Stil: Black Metal
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Nachdem ich im vergangenen Jahr immer wieder über den Namen Antrisch stolperte, begann ich mich mit der Band mehr und mehr zu beschäftigen. Wer sind sie? Was wollen sie dem Hörer bringen? Und was bedeutet der Bandname eigentlich?
Sobald die letzte Frage gelöst ist, beantworten sich die anderen quasi von selbst: „Antrisch“ ist ein bairisch-österreichischer Dialektbegriff und beschreibt ein Gefühl des Unwohlseins, eine Situation, die Unbehagen auslöst. Und da das Konzept der Band auf der Erkundung unbekannten Terrains fußt, von Expeditionen ins Eis und in die Berge spricht, passt es nur zu gut, das Kraxellegende Reinhold Messner persönlich den Begriff „antrisches Licht“ für ein „unheimliches Licht in den Bergen“ geprägt hat.
Ja, Antrisch haben also ein Konzept und zwar eins, das sich von Veröffentlichung zu Veröffentlichung auf eine neue Reise begibt – und dabei sogar das Bandlogo sowie die Optik der Musiker jedes Mal entsprechend verändert, was ich für ein sehr nette Details halte. Während „Expedition I: Dissonanzgrat“ noch einen beschwerlichen Weg zu eisigen Gipfeln offenbarte, quälte sich die Besatzung im zweiten Akt („Expedition II: Die Passage“) durch das Packeismeer. Nun, mit dem neuen Werk, mag das Reiseziel zwar wärmer werden, die Pläne der Mannschaft werden in menschlicher Sicht jedoch umso kälter…
In „Expedition III: Renitenzpfad Marañones“ fahren die Konquistadoren übers weite Meer und fallen dort in fremde Länder ein, fegen über Völker und Reiche hinweg und tilgen Götterkulte – so berichten die (deutschen) Texte. Die sogenannte „Neue Welt“ wird zum Schlachtfeld, die Besatzer überrennen die Eingeborenen und nachdem diese unterworfen sind, wenden sie das Schwert gegen einander: „Die Feinde uns’rer Feinde sind mitnichten uns’re Freunde, sondern Feinde, die die Zukunft uns noch formt“.
Was Antrisch in lyrischer Bildgewalt schaffen ist verdammt interessant, aufregend und auch beklemmend und dazu in seiner Sprachgewandtheit durchaus beeindruckend. Doch kann die Musik da mithalten? Auf jeden Fall! Kompositorisch wird das Niveau definitiv gehalten, was wirklich erfreulich ist. Nicht selten passiert es ja, dass Bands große Worte für ihre Texte finden, die Musik dagegen aber deutlich abstinkt. Oder umgekehrt stimmt klanglich fast alles, doch die Lyrics sind einfach nur plump. Gute Gegenbeispiele gibt es natürlich; in einem vergleichbaren Stil und sogleich als passende Referenz fallen mir an dieser Stelle Helrunar ein.
In ähnlicher Form holen auch Antrisch aus ihren prall gepackten Taschen alles raus, was sich der Freund der dunklen, melodischen Musik nur vorstellen kann. Verzerrte und cleane Gitarren, die grandiose, fesselnde Melodien transportieren, prasselnde oder fein akzentuierte Drums, verspielte sowie drückende Basslinien und ein Sänger, der die Stimmung der Zeilen immer wieder passend intoniert. Tragische Textpassagen werden ebenso verzweifelt gehaucht und geflüstert wie Wut und Wahnsinn aus der Kehle gepresst. Der wirkliche einzige Kritikpunkt an dieser Scheibe könnte sein, dass das Keifen von Expeditionsleiter Maurice Wilson manchmal so harsch ist, dass es ein wenig unverständlich wird. Hat man die Lyrics aber irgendwann völlig verinnerlicht, so wird man sich auch daran gewöhnt haben und im besten Falle inbrünstig mitschreien können.
„Expedition III: Renitenzpfad Marañones“ ist eine wahnsinnige, düstere Reise ins Ungewisse, die dem Bandnamen alle Ehre macht. Wer sich nach Geschichten sehnt, die ein Schauern erzeugen sollen, die Unbehagen schaffen dürfen, wird an den Texten eine riesen Freude haben. Wer extremen Metal hören möchte, der voller Abwechslung und Ideen steckt, der nicht einfach gradlinig voraus prescht, der spannend und aufregend komponiert ist, der MUSS ein Ohr riskieren. Für mich ist dieses Werk ein erstes großes Ausrufezeichen in diesem Jahr und ein musikalischer Edelstein, der genauso smaragdgrün ist, wie das Albumcover selbst. Höchst empfehlenswert!
Anspieltipps:
🔪 I. Prolog – Conquista
🐺II. Hidalgo infernal - Der baskische Wolf
🔥 IV. Los Marañones II Bittergrün
Bewertung: 9,8 von 10 Punkten
TRACKLIST
I. Prolog – Conquista
II. Hidalgo infernal - Der baskische Wolf
III. Los Marañones I Nattern & Narren
IV. Los Marañones II Bittergrün
V. Abkehr - Non sufficit orbis
VI. Verschanzt - Perleneilandterror
VII. Canis lupum edit - Wolfsfalle | Verratener Verräter

