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LEATHERHEAD – Violent Horror Stories (2026)
(10.063) Olaf (8,9/10) Speed Metal
Label: No Remorse Records
VÖ: 13.02.2026
Stil: Heavy / Speed Metal
Wenn mich ein Album schon mit dem Titel Violent Horror Stories angrinst, dann bin ich grundsätzlich bereit, mir für 38 Minuten freiwillig den Puls hochtreiben zu lassen – erst recht, wenn dahinter dieser herrlich unvernünftige 80er-VHS-Videorekorder-Spirit steckt. Und ja: Ich rieche dabei sofort abgestandenen Popcorn-Atem, Kunststoff von Leihkassettenhüllen und dieses ganz spezielle “gleich kommt der Moment, wo man kurz wegguckt”-Gefühl. Wobei… bei mir war’s damals nicht mal VHS, sondern Betamax. Mein Papa schleppte das Ding an wie die Innovation schlechthin – nur um dann festzustellen, dass man dafür gefühlt in drei Videotheken Europas Filme leihen konnte. Zonk des Jahrzehnts. Aber genau dieses “zu früh dran, trotzdem stolz wie Bolle”-Gefühl passt irgendwie verdammt gut zu LEATHERHEAD.
Die Griechen aus Larissa sind noch keine alteingesessene Institution, aber auch längst keine blutige Anfängertruppe mehr. Seit 2022 aktiv, haben LEATHERHEAD sich mit ihrem Heavy-/Speed-Metal-Hybrid und klarer Horror-Ästhetik erstaunlich schnell aus der Nische herausgespielt. Ihr zweites Album Violent Horror Stories fühlt sich dabei weniger wie ein hastiger Nachschlag an, sondern wie der nächste logischere, etwas düsterere Schritt. Acht Songs, keine Umwege, kein überflüssiges Fett – dafür ordentlich Druck auf dem Kessel und ein klares stilistisches Bekenntnis zu den goldenen Achtzigern.
Musikalisch ist das hier ein megastarker Mix aus 80er-Speed-Metal und fettem Heavy Metal. Die Gitarren galoppieren, wo sie galoppieren müssen, treten aber genauso gerne auf die Bremse, um schwere, klassische Heavy-Metal-Riffs auszupacken. Das Schlagzeug hält alles straff zusammen, der Bass ist präsent genug, um nicht nur dekoratives Beiwerk zu sein, und der Gesang sitzt genau in dieser Schnittmenge aus Aggression und Melodie, die man von diesem Genre erwartet – ohne dabei wie ein Karnevalsabziehbild zu wirken. LEATHERHEAD klingen nicht wie eine Band, die „retro spielen will“, sondern wie eine, die diese DNA wirklich verinnerlicht hat.
Und trotzdem: Mir gefiel der Vorgänger Leatherhead einen Hauch besser. Nicht, weil Violent Horror Stories schwächelt – eher, weil das Debüt diesen besonderen Erstschlag-Charme hatte, der manchmal automatisch ein bisschen mehr zündet. Das neue Album ist dunkler, aggressiver und kompakter, wirkt bewusster und kontrollierter. Das ist absolut legitim und handwerklich stark, nimmt dem Ganzen aber stellenweise ein klein wenig von dieser ungestümen Frische. Dafür punktet das Zweitwerk mit einem geschlosseneren Gesamtbild und einer klareren Linie.
Die Horror-Thematik ist dabei schön konsequent umgesetzt, auch wenn man fairerweise sagen muss: Andere Bands haben dieses Feld noch einen Tick filmischer, überzeichneter oder ironischer bespielt. Trotzdem – dieser herrliche 80er-VHS-Spirit ist jederzeit spürbar. Allein der Songtitel V.H.S. ist eine liebevolle Zeitreise: Play-Taste drücken, Bandsalat riskieren, fluchen, mit dem Bleistift retten und weitermachen. Genau so fühlt sich auch das Album an – direkt, kantig, ohne Sicherheitsnetz, aber mit genug Atmosphäre, um mehr zu sein als bloße Riff-Akrobatik.
Was man LEATHERHEAD hoch anrechnen muss: Die Band wirkt extrem geschlossen, selbstbewusst und hungrig. Das hier ist kein nostalgisches Hobbyprojekt, sondern eine Truppe, die weiß, was sie tut, und die noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen ist. Man spürt, dass hier mehr kommen soll – und wahrscheinlich auch wird. Eine gemeinsame Tour mit TAILGUNNER? Ganz ehrlich: Das wäre ein absoluter Pflichttermin. Zwei Bands, die verstanden haben, dass klassischer Metal nicht staubig sein muss, sondern lebendig, laut und schweißtreibend.
Violent Horror Stories ist ein sehr starkes zweites Album: ein fetter 80s-Speed-/Heavy-Metal-Brocken mit dunklerer Note und viel Videotheken-Flair. Auch wenn ich persönlich den Vorgänger minimal lieber mag, ist das hier Jammern auf hohem Niveau. LEATHERHEAD sind extrem geil in dem, was sie tun, und wirken wie eine Band, die gerade erst richtig Fahrt aufnimmt. Wenn das die „zweite Geschichte“ ist, dann bin ich auf das nächste Kapitel mehr als gespannt – am liebsten live, laut und mit flackerndem Bildschirm im Kopf.
Anspieltips:
🔥V.H.S.
☠️Incubus
🎸Dreamcatcher
Bewertung: 8,9 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. V.H.S.
02. Summoning the Dead
03. The Visitors
04. Children of the Beast
05. Incubus
06. Crimson Eyes
07. Something Evil (This Way comes)
08. Dreamcatcher

