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Live on Stage Report: Party San 2026

vom 06. bis 08.08.2026 – Schlotheim @ Flugplatz Obermehler


DAS PARTY SAN 2026

TAG 3 – Samstag, 08.08.2026

War das GUT oder sehr gut?


Der dritte und letzte Festivaltag begann ungewöhnlich vernünftig. Da am nächsten Morgen die Heimreise anstand und ich sogar direkt nach dem Headliner aufbrechen wollte, wurde der Alkohol auf ein beinahe verdächtig überschaubares Maß reduziert. Auch die verbliebenen Lebensmittel wurden gerecht eingeteilt – schließlich sollte weder jemand verhungern noch eine einsame Bratwurst in Schlotheim zurückbleiben.

Während ich meine Casa bereits Stück für Stück zurückbaute, blickte ich zunächst mit eher gedämpfter Vorfreude auf das Programm. Auf dem Papier war dieser Samstag für mich der schwächste der drei Festivaltage. Doch Papier ist bekanntlich geduldig, während Bühnen gelegentlich sehr überzeugende Gegenargumente liefern – und davon sollte es im Laufe des Tages einige geben. [Olaf]

Ich mag Gorefest sehr gerne, ja, auch die Death’n Roll-Sachen wie Chapter 13. Doch das, was wirklich alle wollen, ist doch der alte Scheiß und Gorefunest liefern. Zumindest versuchen sie es im Rahmen ihrer Möglichkeiten, denn die wahnsinnige Röhre von JC de Koeijer als herausstechendes Merkmal von Gorefest in praktisch allen Phasen ist auch von Gorefunest nicht reproduzierbar. Dennoch merkt man ihnen an, dass sie Spaß und Ernsthaftigkeit sauber zu Klassikern wie Confessions of a Serial Killer und natürlich Erase vereint bekommen und auch ein nicht unerheblicher Teil der feiernden Meute gefällt das Dargebotene.

Coverba… Verzeihung, Tribute-Band Teil zwei zollt den allererwürdigsten Briten, den einenden Fixstern des Death Metal Universums, Bolt Thrower Respekt und versucht mit einer wirklich tief herausgebuddelten Setlist zu überzeugen. Auch hier gilt, dass das nicht schlecht ist, doch die Gitarren lassen den nötigen Punch vermissen, die Wuchtigkeit des Originals. Was allerdings großartig ist, ist der Kollege am Mikrofon, der nicht nur Karl Willets sauber imitieren kann, sondern auch Martin van Drunen perfekt aus den Stimmbändern wringt. Das sorgte für kurzzeitige Lacher und entkrampfte auch das sehr kritische Publikum ein wenig. Alles in allem also ein stabiles Frühstück für den letzten Festivaltag. [Phillip]

GUT als erste Band des Tages auf die Mainstage zu stellen, hatte etwas von einer pornografischen Frühmesse. Das Publikum blieb zur Mittagszeit zwar noch überschaubar, doch immerhin stand hier eine echte Legende des deutschen Grind-Untergrunds auf der Bühne. Die 1991 in Stuttgart gegründete Truppe zählt zu den Wegbereitern des Pornogrinds, verschwand zwischenzeitlich mehrfach von der Bildfläche und meldete sich 2020 mit Disciples of Smut eindrucksvoll zurück.

Von altersbedingter Zurückhaltung war auf dem Flugplatz jedenfalls nichts zu spüren. GUT waren vom ersten Ton an voll bei der Sache und profitierten von einem herrlich druckvollen Sound, der jeden Groove sauber durch die noch nicht vollständig anwesende Zuschauerschaft schob. Zwischen neueren Nummern wie Jenna Haze (You’re a Pro), Fisted on the Dancefloor und dem Titelstück des aktuellen Albums fanden auch ältere Geschmacklosigkeiten wie Cripple Bitch und Anal Sushi ihren Weg ins Set. Grindcore, Gore, Groove und schlechter Geschmack wurden dabei zu jener schwer verdaulichen Spezialität verrührt, für die diese Band seit Jahrzehnten geschätzt wird.

Natürlich konnten wir es nicht lassen, den gesamten Auftritt mit sprachlichen Meisterwerken zu begleiten: „Die sind aber GUT!“, „So GUT hatte ich mir die gar nicht vorgestellt!“ oder „Der Sound ist wirklich GUT!“ Je länger der Gig dauerte, desto schlechter wurden die Wortspiele – und desto besser unsere Laune. Goethe hätte vermutlich geweint, doch der stand glücklicherweise nicht neben uns.

Natürlich hätten GUT vor einer größeren Kulisse spielen dürfen. An der Leistung der Band lag die überschaubare Beteiligung jedenfalls nicht. Wer bereits wach war, bekam eine ebenso derbe wie unterhaltsame Lehrstunde serviert. Um es abschließend auf das sprachliche Niveau unserer Dauerkommentare herunterzubrechen: GUT waren nicht einfach nur gut – sie waren verdammt GUT!

GATES OF ISHTAR genießen unter Freunden des schwedischen Melodic Death Metal einen beinahe ehrfürchtigen Ruf. Die 1992 im nordschwedischen Luleå zunächst als DISRUPT gegründete Band veröffentlichte zwischen 1996 und 1998 drei Alben, bevor sie wieder verschwand. Eine geplante Rückkehr wurde 2016 durch den Tod von Schlagzeuger Oskar Karlsson überschattet; erst 2023 standen die Schweden tatsächlich wieder gemeinsam auf der Bühne.

Beim Party.San führte die Setlist entsprechend tief in die kurze, aber geschätzte Diskografie. A Bloodred Path, Dreamfields, Tears und Into Seasons of Frost boten reichlich frostige Gitarrenmelodien, gallige Vocals und jenen angenehm ungeschliffenen Neunziger-Charme, der mit modernem Hochglanz-Melo-Death nur wenig gemein hat. Handwerklich war das sauber, engagiert gespielt und klanglich ordentlich genug, damit die melodischen Feinheiten nicht im Flugplatzstaub versandeten.

Trotzdem packte mich der Auftritt nicht vollständig. GATES OF ISHTAR machten ihre Sache zweifellos gut, doch in diesem Genre gibt es für meine Ohren Bands, die stärkere Widerhaken besitzen und nachhaltiger im Gedächtnis bleiben. So war das eine respektable Geschichtsstunde, aber keine musikalische Offenbarung: Das Tor der Ishtar öffnete sich – einziehen wollte ich deshalb noch lange nicht. [Olaf]

Oft beschrieben als mindestens Miterfinder des Slam Death Metal und dementsprechende Szene-Legende, konnte ich mir Internal Bleeding nicht entgehen lassen. Was ich dann bekam, war auch genau wie es bestellt wurde. Griffige Slams ohne Schnörkel oder überbordende Effekte, ehrliche Slam-Hausmannskost inklusive Dicke-Eier-Ansagen von der Bühne aus, was das Publikum, denn für ein schlaffer Haufen wäre. Dieses kam natürlich prompt in Bewegung, musste ein ums andere Mal aber von Theo Vlahos erinnert werden nicht stehen zu bleiben. Warum auch nicht? Hier gabs beständig in die Fresse mit Ruthless Inhumanity und Anointed in Servitude, doch so ganz sprang der Funke nicht über, denn bis zum Ende des Sets war doch noch recht gut Platz auf dem Asphalt. [Phillip]

HEXVESSEL haben mich wirklich kämpfen sehen. Ich wollte diesem eigenwilligen Auftritt eine Chance geben, suchte nach Atmosphäre, einem zündenden Moment oder wenigstens einem musikalischen Ast, an dem ich mich festhalten konnte. Gefunden habe ich vor allem sehr viel Wald – und irgendwann den dringenden Wunsch, ihn auf dem schnellsten Weg wieder zu verlassen.

Die 2009 im finnischen Tampere vom britischen Musiker Mat McNerney gegründete Band hat während ihrer sieben Alben eine beachtliche Wandlung vollzogen. Aus psychedelischem Folk und kauzigem Occult Rock entwickelte sich zunehmend eine Mischung aus Black Metal, Doom, Ritualmusik und Naturmystik. Das 2025 veröffentlichte Nocturne bildet diesen gegenwärtigen Kurs besonders deutlich ab.

Mit Stücken wie Mother Destroyer, Eternal Meadow, Inward Landscapes und A Dark & Graceful Wilderness zelebrierten HEXVESSEL auch auf dem Party.San ihre sperrige Verbindung aus frostigen Gitarren, getragenem Klargesang und psychedelischen Klangflächen. Das war zweifellos konsequent, handwerklich ordentlich und hatte sicher seine Bewunderer. Für mich zogen sich die Kompositionen jedoch wie ein schamanisches Motivationsseminar ohne Kaffeepause. Wo andere vermutlich hypnotische Tiefe wahrnahmen, hörte ich hauptsächlich musikalische Qual mit gelegentlicher Baumbestandsaufnahme.

Einen persönlichen Stinker muss wohl jedes Party.San haben – diesmal waren es für mich HEXVESSEL. Ich habe es ernsthaft versucht, doch dieses Waldritual und ich werden keine Freunde mehr. Falls dabei tatsächlich irgendwelche Naturgeister beschworen wurden, hoffe ich wenigstens, dass sie mehr Spaß hatten als ich.

BAXAXAXA wären eindeutig eher Schaackis Baustelle gewesen. Der befand sich allerdings auf seiner großen Schlotheim-Wanderung, also musste ich mich stellvertretend in die finsteren Katakomben begeben. Puh! Schon nach wenigen Minuten wurde deutlich, dass hier nihilistischer Black Metal ohne jede Rücksicht auf meine nur rudimentär ausgeprägte Schwarzmetallkompetenz zelebriert wurde.

Die fränkische Band veröffentlichte bereits 1992 ihr Demo Hellfire, verschwand kurz darauf wieder und kehrte erst 2017 dauerhaft aus der Gruft zurück. Auf das bemerkenswert spät erschienene Debüt Catacomb Cult folgte 2023 De Vermis Mysteriis. Musikalisch setzt die Truppe auf rohen, bewusst altertümlichen Black Metal, schleppende Riffs und gespenstische Keyboards – Fortschritt wird hier vermutlich schon aus Prinzip als ketzerische Fehlentwicklung betrachtet.

Mit Church of the Antichrist, Above the Stellar Gateway, As the Moon Inhaled und Catacomb Cult entfachten BAXAXAXA auf dem Party.San ein entsprechend finsteres Ritual. Die Band spielte kompromisslos und erzeugte eine Atmosphäre, bei der Genrekenner vermutlich verzückt den nächsten Ziegenkopf aus dem Schrank holten. Ich hingegen hörte vor allem eines: laut. Sehr laut. Vielleicht war ich einfach zu doof, die verborgenen schwarzen Mysterien zu entschlüsseln.

Für Fans dürfte dieser Auftritt eine Offenbarung gewesen sein, bei mir blieb hauptsächlich akustische Überforderung zurück. Wobei „roh, feindselig und laut“ im Black Metal vermutlich bereits drei amtliche Qualitätssiegel sind. [Olaf]

Da die mächtigen Devourment abgesagt haben, durften die Rostocker Acranius einspringen und die undankbare Aufgabe übernehmen, eine Crowd zu bespielen, die - so vernahm ich häugiger – doch lieber Devourment gesehen hätte. Und so war, trotz gutem Slot am Nachmittag nur sehr überschaubares Material vor der Bühne. Egal, Acranius sind schließlich hier um Ärsche zu treten und so lotste Herr Jasak immer mehr Leute vor die Bühne, die mehr oder weniger sekündlich von Sub-Bass-Attacken geschüttelt wurde, dass die Golf GTI Tuner-Szene Ostdeutschlands blass vor Neid werden musste. Rule of Seven klatschte schon gut rein und spätestens bei Ghetto Brawl waren dann alle vor der Bühne anwesenden Personen auf Betriebstemperatur und auch der Zuschauerandrang hat sich mindestens verfünffacht, sodass Pits natürlich an der Tagesordnung waren! Baltic Sea Brutality! [Phillip]

BLOODY VENGEANCE eröffneten ihren Feldzug mit herrlich wenig Interesse an irgendwelchen Feinheiten. Die Leipziger, die zunächst unter dem Namen NUCLEAR VOMIT lärmen gingen und seit 2010 als BLOODY VENGEANCE unterwegs sind, vermengen Black, Death und Thrash Metal zu einer ruppigen Kriegsmaschine. Entsprechend direkt schlugen Nummern wie Genocidal Cleansing, Six Days of Doom und Raging Death ein: roh, schnörkellos und mit genügend Schmutz unter den Fingernägeln. Die Band war voll bei der Sache und knüppelte sich entschlossen durch ihr Programm, ohne mich dabei restlos aus der Uniform zu schießen. Das war vollkommen okay – und manchmal ist diese nüchterne Feststellung keineswegs vernichtend, sondern schlicht die ehrlichste Form des Lobes.

IN THE WOODS... lieferten anschließend den Beweis, dass man eine bereits erreicht geglaubte persönliche Talsohle durchaus noch unterkellern kann. Die Norweger aus Kristiansand entstanden 1991 aus dem Umfeld von GREEN CARNATION, prägten mit Heart of the Ages zunächst eine eigenwillige Verbindung aus Black Metal, Naturmystik und progressiven Ideen und entfernten sich später immer weiter von ihren rauen Wurzeln. Nach der zwischenzeitlichen Auflösung kehrte die Band 2014 zurück und widmet sich seither wieder ausgiebig dem melancholisch-progressiven Klangwandern.

Auf dem Papier wirkte die Auswahl mit Heart of the Ages, The Crimson Crown, Come Ye Sinners, Let Me Sing und A Misrepresentation of I wie eine interessante Reise durch verschiedene Schaffensphasen. Für mich geriet sie jedoch zur musikalischen Geduldsprüfung: schleppend, zerfasert und mit einer Theatralik versehen, die mich nicht berührte, sondern zuverlässig auf die innere Uhr schauen ließ. Nach HEXVESSEL glaubte ich, den persönlichen Tiefpunkt des Wochenendes bereits gefunden zu haben – IN THE WOODS... brachten offenbar Schaufeln mit. Fast so schlimm wie UNTO OTHERS einige Jahre zuvor, und das ist in meinem privaten Gruselkabinett ein beachtlicher Podestplatz. Natürlich bleibt das meine höchst subjektive Meinung; künstlerisch anspruchsvoll mag es gewesen sein. Nur leider fühlte sich der Anspruch für mich ungefähr so angenehm an wie ein Kieselstein im Festivalstiefel.

TEMPLE OF DREAD betraten die Bühne mit einer Selbstverständlichkeit, die kaum glauben ließ, dass die Ostfriesen erst seit 2024 überhaupt live auftreten. Gegründet wurde die Band bereits 2017 auf Spiekeroog, doch lange Zeit existierte sie vornehmlich als Studioprojekt. Seit dem Debüt Blood Craving Mantras von 2019 hat sich die Truppe in beeindruckendem Tempo weiterentwickelt und mit Dreadspawn Dominion just am Tag vor diesem Auftritt bereits ihr sechstes Album veröffentlicht. Andere Bands brauchen für dieses Pensum zwei Wiedervereinigungen, drei Abschiedstourneen und mindestens einen erbitterten Rechtsstreit.

Auf der Bühne war von anfänglicher Unsicherheit längst nichts mehr zu spüren. TEMPLE OF DREAD präsentierten sich als geschlossen agierende Einheit, deren Death Metal zwar tief in der alten Schule verwurzelt ist, inzwischen aber deutlich mehr bietet als bloßes Traditionsgeprügel. Die Riffs wirkten ausgefeilt, die Tempowechsel saßen und zwischen aller Brutalität blieb genügend Raum für düstere Atmosphäre und kleine melodische Widerhaken. Genau diese Mischung macht die Band mittlerweile so stark: Sie respektiert ihre Wurzeln, ohne ständig ehrfürchtig vor ihnen niederzuknien.

Jens Finger wird von Auftritt zu Auftritt zu einem stärkeren Frontmann. Seine mächtigen Growls besitzen ohnehin genügend Tiefgang, um damit auf Spiekeroog einen zweiten Hafen auszuheben, doch mittlerweile stimmt auch die Präsenz. Jens dirigierte das Infield selbstbewusst, suchte den Kontakt zum Publikum und wirkte nicht mehr wie der Sänger eines ehemaligen Studioprojekts, sondern wie jemand, der genau auf diese Bühne gehört.

Hinter ihm arbeitete Jörg Uken mit der Präzision einer Nähmaschine – allerdings einer, die statt Gardinen lieber menschliche Überreste zusammennäht. Jeder Schlag saß, das Fundament drückte gewaltig und trotzdem geriet sein Spiel nie zur sterilen Technikvorführung. Darüber thronte Bandchef Markus „Bünne“ Bünnemeyer, der ein Riff nach dem anderen aus dem Handgelenk schüttelte und damit alles in Grund und Boden pflügte, was sich vor seinen Verstärkern befand. Diese Gitarrenarbeit hatte Druck, Wiedererkennungswert und vor allem jene herrlich körperliche Wucht, die guten Death Metal vom bloßen Geräusch unterscheidet.

Das war nicht einfach nur ein weiterer starker Auftritt einer sympathischen Band. TEMPLE OF DREAD unterstrichen eindrucksvoll, dass sie inzwischen zur Speerspitze des deutschen Death Metals gehören und dort keineswegs nur den Pausenclown geben. Bärenstark, konsequent und vermutlich einer der besten Gigs des gesamten Wochenendes. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, braucht die Speerspitze bald eine eigene Spitze.

FIRESPAWN kehrten nach dem Tod ihres Gründers und Frontmanns L.G. Petrov nicht einfach zur Tagesordnung zurück, sondern machten ihre Auftritte zu einer ebenso lauten wie würdevollen Verneigung vor dem 2021 verstorbenen Schweden. Die 2014 in Stockholm gegründete Band hatte bis 2019 drei mächtige Death-Metal-Alben veröffentlicht, ehe zunächst Schluss zu sein schien. Seit 2025 steht nun Jörgen Sandström am Mikrofon – wahrlich keine schlechte Wahl, wenn man einen Sänger mit Erfahrung, Ausstrahlung und einer Stimme sucht, die auch Kieswerke nervös macht.

Über allem thronte beim Party.San das riesige L.G.-Petrov-Backdrop. Das war nicht bloß Bühnendekoration, sondern sorgte durchaus für einen Kloß im Hals – jedenfalls so lange, bis die Band einem mit brachialem Druck die Atemwege wieder freiräumte. Sandström versuchte gar nicht erst, Petrov zu kopieren, sondern verlieh dem Material seine eigene mächtige Handschrift. Der Sound war wuchtig, die Gitarren sägten und die gesamte Truppe spielte mit einer Entschlossenheit, die aus dem Gedenken keine traurige Museumsveranstaltung werden ließ. FIRESPAWN ehrten ihren Freund am besten, indem sie den Platz nach allen Regeln der schwedischen Todeskunst zerlegten. Ein großartiger Auftritt und ein Denkmal, das keine Blumen benötigte – nur Verstärker.

IMPURITY bewiesen anschließend, dass man für überzeugenden Schwedentod keineswegs bereits in den Neunzigern auf einem zerknitterten Demotape existiert haben muss. Die Stockholmer starteten 2021 zunächst als DAMNATION, benannten sich ein Jahr später um und veröffentlichten 2025 mit The Eternal Sleep ihr Debüt. Aufgenommen wurde standesgemäß im legendären Sunlight Studio – mehr schwedisches Death-Metal-Tüv-Siegel geht kaum, ohne die Gitarren persönlich in Elchblut zu tauchen.

Auf der Bühne regierte jener herrlich modrige Gitarrensound, der sofort Bilder von feuchten Gruften, rostigen Kettensägen und hygienisch fragwürdigen Proberäumen hervorruft. Mourningside, Ancient Remains und Denial of Clarity verbanden knarzende Riffs mit grimmigen Melodien und einem Groove, der zuverlässig in den Nacken fuhr. IMPURITY spielten konzentriert, hungrig und erfreulich ungekünstelt. Sie erfanden den Schwedentod natürlich nicht neu, servierten ihn aber so frisch verwest, dass jede Diskussion über das Haltbarkeitsdatum überflüssig wurde. Toller Auftritt einer jungen Band, die man unbedingt im Auge behalten sollte – der Elch röchelt jedenfalls noch ausgesprochen vital. [Olaf]

Nachdem wir, wie in jedem Jahr, unseren traditionellen Marsch nach, durch und zurück von Schlotheim angetreten hatten, ist eigentlich eine kleine Verschnaufpause fällig. Die Strecke war lang und die Sonne motiviert, uns zu Bratwürsten in Lederkutten zu verwandeln. Doch kaum sitz ich, meldet sich unser Oberolaf: „Wo bist du? Redaktionstreffen! Jetzt!“ Also Beine in die Hand und im Stechschritt zum Infield. Nach ein paar Minuten ist das Gruppenfoto geschossen und ich kann zurück ins Camp, denn bis zu meinem ersten Date mit der Bühne habe ich heut noch reichlich Zeit…

… und als Groza ihre Show beginnen, stehe ich pünktlich bereit. Da ich die Jungs seit ihren Anfangstagen verfolge, ist dies ein weiterer Pflichttermin an diesem Wochenende für mich. Ihre Musik gefällt mir und außerdem durfte ich die vier jungen Bayern als sehr sympathische Zeitgenossen kennen lernen. Vor allem ist es aber jetzt entscheidend, wie sie ihr Party.San Debüt zelebrieren werden! Und das will offensichtlich nicht nur ich wissen, denn der Platz vor der Bühne ist beachtlich gefüllt.

Davon lassen Groza sich nicht irritieren, dafür aber scheinbar motivieren. Denn der Vierer gibt wie gewohnt Vollgas. Man merkt ihnen an, dass sie in den 10 Jahren ihres Bestehens reichlich Routine gesammelt haben und auch auf den großen Bühnen einfach souverän abliefern können. Dazu spürt man reichlich Leidenschaft, die mich von der Bühne bis hin zu meinem Standplatz auf Höhe des FOH erreicht. Ich persönlich hätte mir im Set vielleicht noch ein oder zwei ältere Stücke gewünscht, zum Beispiel „The Redemptive End“ oder auch gern mal wieder „Nil“, doch ansonsten gibt es an der Playlist nichts auszusetzen. Beendet wird der Auftritt standesgemäß mit „Daffodils“ und ein paar berührenden Worten, die dem 2023 verstorbenen Bassisten Mike (R.I.P) gewidmet sind.

Danach geht es einmal mehr zur Tent Stage – diesmal um mich von Celeste zu überzeugen. Die ersten Höreindrücke hatten mir gefallen, der Zuspruch meiner Freunde für die Band aus Lyon noch neugieriger gemacht. Da es im Zelt zu dieser Zeit noch zu hell ist, um den Effekt der Kopflampen, die die Band für gewöhnlich bei ihren Shows in völliger Dunkelheit nutzt, in Szene zu setzen, werden diese heute weggelassen. Dennoch entsteht schnell eine besondere Atmosphäre. Der dunkle, schwere Black Metal mit fettem Sludge Einschlag drückt mächtig und spricht nicht nur mich an. Die Truppe merke ich mir mal für eine Club Show vor, denn es herrscht Wiederholungsbedarf! [Schaacki]

Auf die Allstar-Truppe Murder Squad aus Dismember und Entombed-Leute habe ich mich als bekennender Genießer von Autopsy natürlich gefreut, doch auch damit war ich nur einer von ziemlich überschaubaren paar Leuten vor der Bühne. Cederlund, Kärki und Kollegen lassen sich davon nicht beirren und ledern los, was auf der Bühne ziemlich gut aussieht. Doch im Publikum versickert der schleimige Death Metal mit irritierend hohem Soloanteil wie in Treibsand. Irgendwie kommt da kein Druck von der Bühne, auch wenn sich der Vierer redlich Mühe gibt, was dazu führte, dass es auch vor der Bühne eher licht blieb und recht verhalten applaudiert wurde. Murder Squad hätte ich mir so eher im Zelt gewünscht und vielleicht ein wenig knackiger, auf der Hauptbühne wirkten sie ein wenig wie ein Lückenfüller vor dem Grande Finale. [Phillip]

Um einer späteren möglichen Abkühlung nicht (wieder) unvorbereitet gegenüberzustehen eile ich zum Camp, um mir noch fix was zum Anziehen zu holen. Warum eilen? Ganz einfach: schon die nächste Band im Zelt sind Sunken. Dass nicht nur ich mich auf die Atmospheric Black Metal Combo aus Aarhus gefreut habe, wird schnell klar, als ich aufs Infield zurückkehre und feststelle, dass das Zelt gerappelt voll ist und ich nur noch am Rand stehen kann.

Da der Sound aber an Perfektion glänzt, kann ich auch von hier die Show wunderbar verfolgen und genießen. Okay, der Blickkontakt zu den Musikern bleibt aus, doch die Musik der Dänen veranlasst mich sowieso mehrfach dazu, die Augen zu schließen und mich davontragen zu lassen. Die komplette Playlist ist mir nicht bekannt, aber „Dødslængsel“ darf definitiv als Highlight im Set vermerkt werden.

Nach so viel schöner Melancholie bedarf es nun einer anderen Gangart – wie gut, dass Wolfbrigade bereits auf der Hauptbühne den Knüppel kreisen lassen. Die schwedische Crust Kapelle hämmert wie im Wahn einen Brecher nach dem anderen aufs Volk. Mit ihrer punkigen Rotzigkeit und Mentalität hätten sie auch super in die 70er Englands gepasst. Der Pit tobt hart und ich erinnere mich an meine Blessuren vom letzten Mal, als die Wölfe vor genau dieser Bühne zum Tanze geladen hatten. Damals wie heute überträgt sich die Wucht und Energie der Schweden eins zu eins auf die hungrige Meute. Der ruppige und rockige D-Beat Sound gefällt auch den übrigen Anwesenden, was sich in zufriedenen Gesichtern, zuckenden Gliedern und laut grölendem Zuspruch widerspiegelt.  [Schaacki]

Ich wollte unbedingt herausfinden, ob Micke Dahl gut bei Stimme ist, denn damit steht und fällt für mich eine gelungene Wolfbrigade-Show und ja, absolute Topform! Und auch die Band präsentierte sich in hervorragendem Sound. Mit Warsaw Speedwolf hakte ich dann nicht nur ich einen Favoriten ab, sondern sicherlich auch Kollege Schaacki, der dazu vermutlich mehr erzählen kann… [Phillip]

Dann war es endlich soweit.......der Moment, auf den ich mittlerweile 30 Jahre hingefiebert habe. Ich habe mich 1996 mit Pure Black Energy in diese Band verliebt und diese Liebe besteht bis heute!

Ohne viel Schnickschnack betraten die drei gesetzten Herren die Zeltbühne. Kein Intro. Kein Backdrop. Kein Firlefanz! Sänger Blodstrup schritt einfach locker flockig ans Mikro, verkündete in einer unfassbar lässigen Art: "We are TULUS and we are here to rock" und nichts anderes war es dann auch. 40 Minuten eiseskalter, ursprünglicher norwegischer Black Metal, der einem das Hirn aus der Schädeldecke rockt. Dazu ein perfekt gestrickter Sound, was sich vor allem im unfassbar göttlichen Klang der Bassgitarre manifestierte. Dazu eine Setlist, die so gut wie keine Wünsche offen lies und als dann noch der Bandhit "Salme" vom "Evil 1999" Album gezündet wurde, gabs absolut kein halten mehr! Rock'n'Roll für Schwarzmetaller! Grandios!

Als kleines Schmankerl dürfte ich die Jungs kurz vorm Gig am "Darkness Shall Rise" Stand belästigen, was in einer kurzen Plauderei und einem Fanboy-Foto gipfelte. Geiles Ding! Hoffentlich dauert es keine weiteren 30 Jahre bis ich die kauzigen Norweger live zu Gesicht bekomme! Für mich, neben der grandiosen Performance von SVENTEVITH, dass Highlight beim diesjährigen Party San! Geiles Ding.....und nächstes Jahr dann bitte KHOLD beim Party San! [Patrick]

Als irgendwann feststand, dass Marduk am Samstag spielen, fand ich das aus persönlichen Gründen fast ein wenig traurig, da die nahende Abreise gen Norden am nächsten Morgen bevorsteht und der exzessive Genuss alkoholischer Getränke vielleicht nicht so ratsam ist. Das war Marduk verständlicherweise komplett latte. Bei allerbest gefülltem Infield bretterte die Panzerdivision mit Werwolf dem unnachahmlichen Baptism By Fire ins Gefecht! Mortuus’ mächtiges Organ bei Shovel Beats Scepter ist ein Garant für Erpelpelle am ganzen Körper und Wartheland sowie The Blond Beast laden zum Mitsingen und Tanz! Ja, hier und da klang die Snare komisch, aber das ist ja hier kein Jazzvorspiel, obwohl man das bei einigen Bass-Passagen vermuten könnte. Es gab nur eine einzige Frechheit zu bemängeln: Wann, wenn nicht bei Panzerdivision Marduk sollen die bühnensäumenden Geschütze bitte abgefeuert werden?! Aber das nur als Randnotiz. [Phillip]

Mein letzter Akt auf dem diesjährigen Party.San ist quasi schon ein Klassiker: Marduk! Während einer meiner Freunde sie tatsächlich zum ersten Mal live sieht, sind wir anderen mehrfache Wiederholungstäter. Kein Wunder, denn wer auf Black Metal steht und sie einmal live gesehen hat, kommt wieder. Marduk liefern eben immer – und das weiß man! Die Frage ist schon eher, welche Geschosse die Panzerdivision für einen parat hält. Und in der Tat hält dieses Set einige Überraschungen bereit.

Während das eröffnende Doppel aus „Werwolf“ und „Baptism By Fire“ noch zu den bewährten Standards gehört, sind „Sulphur Souls“ und „Materialized In Stone“ vom 1994er „Opus Nocturne“ schon ein paar unerwartete Perlen der Vergangenheit. Es werden weitere Stücke für Nostalgiker geboten – zum Beispiel „Infernal Eternal“ von der „Heaven Shall Burn... When We Are Gathered“-Platte (1996) – aber auch das jüngste Werk „Memento Mori“ in Form von „Shovel Beats Sceptre“ bedient. Fehlen dürfen natürlich weder „The Blond Beast“ noch „Panzer Division Marduk“ und vor allem nicht der ewige Rausschmeißer „Wolves“, der auch heute das Finale mimt. Ein spezielles Set zweifellos, das ein paar mehr Nummern im gedrosselten Tempo bereithält und vielleicht den einen oder anderen Live-Klassiker missen lässt, dafür aber eben einige (starke) Titel aus der Mottenkiste holt, mit denen wohl niemand gerechnet hat.

Mich persönlich freut es. Und sein wir mal ehrlich: Was ist interessanter – einen bestimmten Song zum x-ten mal gehört zu haben oder einen Song live zu erleben, den man zuvor nie in dieser Form geboten bekam? Eben! Und genug Evergreens waren ja trotzdem bei. Lediglich ein paar Schüsse von den Geschützen neben der Bühne hätte ich mir gewünscht, liebes Party.San… [Schaacki]

HYPOCRISY und ich führen seit Jahren eher eine höfliche Zweckgemeinschaft als eine leidenschaftliche Liebesbeziehung. Wer mich kennt, weiß, dass Peter Tägtgren in meiner persönlichen Ruhmeshalle keinen eigenen Altar besitzt. Dementsprechend hielt sich meine Begeisterung darüber, dass ausgerechnet die Schweden das Party.San 2026 beschließen sollten, zunächst in überschaubaren Grenzen. Doch manchmal werden Vorurteile nicht behutsam korrigiert, sondern bei voller Lautstärke aus dem Schädel geblasen.

Die 1991 in Ludvika gegründete Band begann ursprünglich als Tägtgrens Soloprojekt und entwickelte sich vom brutalen Death Metal der frühen Jahre zu jenem melodischen, atmosphärischen und gerne außerirdisch angehauchten Sound, der HYPOCRISY unverwechselbar machte. Über dreieinhalb Jahrzehnte entstand dabei ein umfangreicher Katalog, aus dem sich problemlos ein mächtiges Festivalset zusammenstellen lässt. Genau das taten die Schweden in Schlotheim.

Mit They Will Arrive, Fire in the Sky, Inferior Devoties und Chemical Whore wurde zunächst jede Aufwärmphase ersatzlos gestrichen. Die ersten vier Stücke waren heftigstes Geballer, druckvoll, messerscharf und mit einem Sound versehen, der selbst in den hinteren Reihen noch sämtliche inneren Organe vernünftig sortierte. Tägtgren präsentierte sich stimmlich stark und erstaunlich angriffslustig, während die Band um ihn herum so präzise arbeitete, als wäre der Auftritt zuvor in einem schwedischen Labor unter strengster Aufsicht gezüchtet worden.

Danach öffnete sich das Programm deutlich weiter. Left to Rot führte tief zurück in die Anfangstage, während Children of the Gray die jüngere Schaffensphase vertrat. Dazwischen und danach sorgten Killing Art, Eraser, Deathrow (No Regrets) und Adjusting the Sun für einen gelungenen Querschnitt durch die unterschiedlichen Klangwelten der Band. Brutale Frühphase, melodischer Neunzigerstoff und moderneres Material standen nicht lose nebeneinander, sondern fügten sich zu einem überraschend geschlossenen Set. So muss eine Werkschau aussehen: geschichtsbewusst, ohne dabei nach musikalischer Museumsführung zu riechen.

Spätestens beim abschließenden Dreierpack aus Fractured Millennium, Warpath und dem unvermeidlichen Roswell 47 hatte HYPOCRISY das Infield vollständig auf ihrer Seite. Gerade Roswell 47 funktioniert live noch immer wie ein intergalaktischer Generalschlüssel für sämtliche verbliebenen Energiereserven. Selbst bei mir war jede anfängliche Skepsis verschwunden – und das will bei Tägtgren bekanntlich etwas heißen.

Aus dem für mich im Vorfeld eher schwach wirkenden Headliner wurde somit ein ausgesprochen würdiger Abschluss des Festivals. Der Sound war stark, die Songauswahl nahezu vorbildlich und die Band spielte mit einer Wucht, die keinen Widerspruch duldete. Nein, ich werde mir nun kein Tägtgren-Porträt übers Bett hängen. Aber dieser Auftritt war tatsächlich ziemlich geil. Sollten Außerirdische dahintergesteckt haben, dürfen sie gerne wiederkommen. [Olaf]

Das 30-jährige Jubiläum war ein extrem großartiges! Die mancherorts bemängelte Bandauswahl lieferte fast durchweg überdurchschnittlich ab und hatte auch Überraschungen parat! Lediglich der Samstag erwies sich im Gesamtbild als kleiner Weirdo, der erst richtig loslegen wollte, wenn die Dämmerung einsetzt, aber zwischendurch immer angedeutet hat, dass Druck auf dem Kessel ist. Bands also insgesamt top und ja, der Sound. Auch häufig Gegenstand von viel Gemecker, aber das, was in diesem drei Tagen von den Bühnen rollte, war einfach wahnsinnig stark. Und wenn es das nicht war, wurde in Windeseile nachjustiert, bis es das war. Ich spreche meine unumwundene Hochachtung aus! Daneben wurde allerorts hochklassig gezeigt, wie freundlicher Service und faire Bepreisung funktionieren können!

So ein Festival ist natürlich weniger wert, wenn man nicht stabil campen kann. Dazu möchte ich erwähnen, dass es dieses Jahr wieder ein Fest war, an der Zephyr’s Odem Glamping Experience teilzunehmen und ich hoffe auf eine dringende Wiederholung im nächsten Jahr! [Phillip]

Drei Festivaltage später steht fest: Das 30-jährige Party.San war weit mehr als eine nostalgische Geburtstagsfeier. Das Billing bot reichlich Abwechslung, der Sound bewegte sich über weite Strecken auf einem erstaunlich hohen Niveau und selbst der für mich zunächst etwas schwächer wirkende Samstag hielt einige ausgesprochen überzeugende Gegenargumente bereit.

Aus der Fülle starker Auftritte fünf Bands herauszufiltern, ist beinahe unfair, doch einige Namen haben sich besonders tief eingebrannt. IOTUNN machten meine lang erwartete Livepremiere zu einer gewaltigen Reise durch progressive, kosmische Klangwelten. SVENTEVITH schafften das seltene Kunststück, unsere geschmacklich nicht immer vollkommen harmonische Redaktion kollektiv zu verzaubern. JUNGLE ROT demonstrierten einmal mehr, dass tonnenschwerer Groove weder Schnickschnack noch Gebrauchsanweisung benötigt. TEMPLE OF DREAD spielten sich mit einer bärenstarken Vorstellung endgültig in die Speerspitze des deutschen Death Metals. Und schließlich verwandelten HYPOCRISY meine anfängliche Skepsis in ehrliche Begeisterung und wurden zu jenem würdigen Headliner, den ich ihnen im Vorfeld nicht unbedingt zugetraut hatte. Manchmal liegt man eben gerne falsch – solange der Irrtum ordentlich aus den Boxen drückt.

Auch abseits der Bühnen wusste das Party.San wieder zu überzeugen. Die Auswahl an Foodständen war großartig, wobei der afghanische Stand und vor allem „Kloß mit Soß“ bleibenden Eindruck hinterließen. Dort wagte ich mich erstmals an ein Seitan-Gyros und musste anschließend einräumen: Das Zeug war megalecker. Wieder ein kulinarisches Vorurteil weniger – in meinem Alter sollte man schließlich jede Form persönlicher Weiterentwicklung dankbar annehmen, selbst wenn sie im Fladenbrot serviert wird.

Dass die EC-Kartenzahlung inzwischen beinahe überall reibungslos funktioniert, kommt meiner ausgeprägten Abneigung gegenüber Bargeld sehr entgegen. Für das Konto ist diese Entwicklung allerdings kreuzgefährlich. Wenn kein Geldschein sichtbar aus dem Portemonnaie verschwindet, setzt das finanzielle Warnsystem des Gehirns offenbar aus. Karte dran, Piepton abwarten, glücklich weiterziehen – und zu Hause dann die Kontoauszüge wie einen besonders brutalen Splatterfilm betrachten.

Ausdrücklich positiv hervorzuheben ist außerdem, dass gegen einige vollkommen untragbare Gestalten konsequent durchgegriffen wurde. Ein perverser Frauengrabscher am Mittwochabend hat auf einem Festival ebenso wenig verloren wie jener Vollidiot, der in Bierbecher urinierte und diese anschließend ins Publikum warf. Das ist weder lustig noch Teil irgendeiner vermeintlich wilden Festivalkultur, sondern schlicht widerwärtig. Wer die Freiheit eines Festivals mit Respektlosigkeit, Übergriffigkeit und der Belästigung anderer verwechselt, darf gerne dauerhaft draußen bleiben.

Am Ende lebt das Party.San jedoch nicht allein von großartigen Bands, gutem Essen oder inzwischen beinahe beängstigend bequemem Bezahlen. Es lebt vor allem von den Menschen, die man dort jedes Jahr wiedersieht, von den Gesprächen im Camp, den zufälligen Begegnungen auf dem Infield und dem gemeinsamen Fachsimpeln über Musik, die außerhalb dieses Flugplatzes vermutlich nur wenige vernünftige Menschen nachvollziehen können. Deshalb ein großes Sorry an all diejenigen, die ich in diesem Jahr nicht getroffen habe – und das waren leider einige. Wir holen das 2027 nach, versprochen.

So bleibt ein rundum starkes Jubiläum mit musikalischen Volltreffern, kulinarischen Entdeckungen, einem neuen aufblasbaren Redaktionsmitglied namens Sharky und einem Bankkonto, das vermutlich noch einige Zeit leise wimmern wird. Danke, Party.San – bis zum nächsten Jahr! [Olaf]


DAS PARTY SAN 2026

OLAF | PHILLIP | SCHAACKI | PATRICK

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