Live on Stage Report: Party San 2026
vom 06. bis 08.08.2026 – Schlotheim @ Flugplatz Obermehler
DAS PARTY SAN 2026
TAG 2 – Freitag, 07.08.2026
Schaacki vs. Sharky
Durch die Anreise am Mittwoch stecken mir zwar schon zwei Tage und auch zwei relativ kurze Nächte im Zelt in den Knochen, dennoch bin ich fit und motiviert, mich in Schale zu schmeißen für den alljährlichen, traditionellen Grind am Freitag. „In Schale schmeißen“ heißt demnach raus aus dem gediegenen Schwarz und rein in die Zephyr’s Odem Sporthose (gibt es hier zu kaufen – Olaf), das grüne Gutalax Shirt und darüber ein elegantes, oranges Hawaiihemd gestreift. So fein rausgeputzt geht es gen Infield. Ja, der Mittagsgrind ist einfach zur Pflicht geworden – und ein entsprechendes Outfit eben auch! Und selbstredend bin ich damit nicht allein und schon gar nicht originell gekleidet. Denn während ich lediglich etwas untypisch bunt unterwegs bin, haben andere Anwesende die verrücktesten Kostüme an, darunter Dinos, Haie, Super Mario, das Ohngesicht und und und.
Die Poolnudeln wedeln in der Luft, die Seifenblasen fliegen und die Menge tobt im Kreis zu den knüppeligen Tönen und Gurgelsounds von Guttural Slug. Es ist wieder einmal eine völlig durchgeknallte Party. Wie übliche ist der Stil der dazu spielenden Band grindig, gorig, slamig, wobei ich fast schon beanstanden muss, dass sie ein bisschen zu gut, zu anspruchsvoll für diesen Unfug vor der Mainstage sind. Aber die Dänen machen ihre Sache dennoch gut, treiben die Menge an und der angestrebte Spaßfaktor wird ja auch erreicht. Ich kann nicht meckern. [Schaacki]
Während GUTTURAL SLUG die Mainstage in eine herrlich bekloppte Mischung aus Kindergeburtstag, Schlachthof und Massengymnastik verwandelten, galt meine Aufmerksamkeit zunehmend den aufblasbaren Haien am linken Bühnenrand. Ich wollte unbedingt einen davon haben. Phillip beruhigte mich zunächst mit der fachkundigen Prognose, die Viecher würden bestimmt auch von der rechten Bühnenseite ins Publikum fliegen. Taten sie natürlich nicht. Danke für nichts, Phillip!
Also musste ich selbst diplomatisch tätig werden. Hätte ich den Ordner im Bühnengraben nicht beinahe auf Knien um eines der schwimmfähigen Raubtiere angefleht, wäre unsere Redaktion vermutlich bis heute hailos geblieben. Doch mein Einsatz wurde belohnt: Sharky wechselte aus dem Bühnengraben direkt in den Besitz von Zephyr’s Odem und gehört seitdem offiziell zur erweiterten Redaktion. Musikalische Fachkompetenz besitzt er bislang zwar nur eingeschränkt, aber damit befindet er sich bei uns immerhin in bester Gesellschaft. [Olaf]
A CANOROUS QUINTET erwischten mich nach dem ausgiebigen Grind-Frühstück in einer kleinen energetischen Talsohle. Die Schweden aus dem Raum Stockholm wurden bereits 1991 als A CANOROUS QUARTET gegründet, stockten zwei Jahre später personell wie namentlich auf und gehörten zur frühen Welle des melodischen Death Metal. Nach der Auflösung 1999 kehrte die Band 2016 schließlich zurück.
Beim Party.San stand das 1996 veröffentlichte Debütalbum Silence of the World Beyond im Mittelpunkt. Stücke wie Naked with Open Eyes, The Orchid’s Sleep und The Black Spiral zeigten, warum die Platte unter Freunden des alten Schwedenstahls bis heute einen guten Ruf genießt. Die Gitarren verbanden frostige Melodien mit rauer Härte, während Mårten Hansens Growls genügend Schmirgelpapier mitbrachten und Fredrik Andersson am Schlagzeug gewohnt zuverlässig arbeitete.
Handwerklich gab es wenig zu beanstanden. Die Band spielte konzentriert, der Sound passte und das Material besaß noch immer diesen angenehm düsteren Neunziger-Charme, der deutlich weniger nach Hochglanz als nach modrigem Proberaum riecht. Trotzdem wollte der Funke bei mir nicht vollständig überspringen – nach dem wilden Start in den Tag war schlicht etwas die Luft raus. [Olaf]
Dass der vorangegangene heimliche Headliner eine traditionell quietschbunte Meute anzieht, ist ja Usus, doch ist es mir ausgesprochen wichtig, zu erwähnen, dass es auch abseits des Luftblasen- und Konfettiregens der ersten Freitagstruppe unheimlich bunt beim Party.San zuging. Insbesondere in einer Zeit, in der ein anderes Festival schlagzeilenträchtig diesbezüglich mit Negativpublicity kämpft, trumpft das Party.San mit sagenhaft vielen Prideflaggen und Anti-Nazi-Statements auf den Klamotten und Kutten der anwesenden Zuschauerschar auf, dass es eine wahre Freude ist!
So sind auch bei den Spaniern Wormed viele wackelnde Köpfe mit farbenfroher Haartracht zu sehen, auch wenn die Band zu Beginn dezent mit der überschaubaren Zuschauerschaft zu hadern scheint. Denn Bewegung auf der Bühne ist spärlich wahrzunehmen. Das vertrackt komplizierte Material der Alien-Experten prescht dazu zwar pfeilschnell, doch auch gut verquirlt aus den Boxen, was Strukturen noch schwieriger wahrnehmbar werden lässt. Ja, ich war ein bisschen enttäuscht, wirkten Wormed doch streckenweise lustlos und irgendwie fehl auf der Bühne, der ein paar neongrüne oder -blaue Leuchtelemente gut gestanden hätten. Aber sei’s drum, andere Leute vor der Bühne hatten sichtlich Spaß, während mir Wormed an diesem Tag live nicht so gut reingegangen sind wie auf Platte. [Phillip]
SORCERER waren genau der Farbtupfer, den dieser Freitagnachmittag brauchte. Nach dem ganzen Geballer des Vortags freute ich mich als großer Fan der Schweden tierisch auf eine ordentliche Portion Epic Doom – und wurde nicht enttäuscht. Das 1988 in Stockholm gegründete Quintett blickt auf eine durchaus ungewöhnliche Geschichte zurück: Nach zwei Demos und der zwischenzeitlichen Auflösung kehrte die Band 2010 wieder aus der Gruft zurück, veröffentlichte aber erst 2015 mit In the Shadow of the Inverted Cross ihr Debütalbum. Manchmal benötigt Großes eben etwas länger. Kathedralen werden schließlich auch nicht an einem Wochenende hochgezogen.
Mit Morning Star legten SORCERER sofort derart mächtig los, dass die ehrwürdige Bezeichnung „fett wie Sau“ ausnahmsweise vollkommen angemessen erscheint. Die Gitarren von Kristian Niemann und Peter Hallgren türmten sich zu monumentalen Riffwänden auf, während Sänger Anders Engberg mit seiner gewaltigen, glasklaren Stimme selbst den hintersten Winkel des Flugplatzes erreichte. Dieser Mann singt nicht einfach, er verkündet – vermutlich würde selbst eine Bestellung am Getränkestand bei ihm wie der letzte Erlass eines sterbenden Königs klingen.
Auch Sirens, Unveiling Blasphemy und Curse of Medusa verbanden erhabene Melodien, schweres Riffwerk und herrlich griffige Refrains. Trotz aller epischen Größe verloren sich SORCERER dabei nie in endlosen Klanglandschaften, sondern spielten erstaunlich druckvoll und zielgerichtet. Abandoned by the Gods schob besonders eindrucksvoll, während der Titelsong des aktuellen Albums, Reign of the Reaper, noch einmal sämtliche Trademarks der Schweden bündelte: düstere Atmosphäre, majestätische Gitarren und eine Gesangsleistung, für die andere Sänger vermutlich erst einen Pakt mit mehreren höheren Mächten schließen müssten.
Mit The Hammer of Witches war dann leider schon wieder Schluss. Natürlich ließ sich an dieser Stelle des Billings kein abendfüllendes Doom-Hochamt unterbringen, trotzdem fühlte sich der Auftritt deutlich zu kurz an. Kaum hatte man sich im imaginären Thronsaal bequem gemacht, wurde bereits der Kerzenständer abgeräumt. Dennoch war das eine bärenstarke Vorstellung und eine höchst willkommene Abwechslung: majestätisch, melodisch und mit genügend Wucht, um auch ohne Dauergeknüppel bleibende Schäden zu hinterlassen. [Olaf]
Nach der kleinen Toberei am Mittag heißt es duschen und umziehen. Wieder in angemessener Kluft geht es dann ins Zelt zu Nail By Nail. Die Karlsruher Blackis fackeln nicht eine Sekunde und nutzen die Gelegenheit, bei ihrem Party.San Debüt einen krassen Eindruck zu hinterlassen. Ich höre mich noch jetzt sagen „Sehr stark, eigentlich zu früh angesetzt“, denn dieser Auftritt wäre definitiv eines noch größeren Publikums zu späterer Stunde würdig gewesen. Eine wirkliche überzeugende Show – die Jungs könnten gern mal wieder hier spielen. [Schaacki]
Eine der erklärten Lieblingstruppen vom Chef will bei mir auf Platte manchmal nicht so zünden. Fetzt immer, aber irgendwie fehlt mir manchmal das Quäntchen Besonderheit, woran man auch erkennt, dass ich nicht selten einfach keine Ahnung habe. Denn Besonderheiten brauchten Jungle Rot absolut nicht. Fleisch und Kartoffeln, wie der Ami sagt.
Ab der ersten Sekunde regierte bei bestem Sound ein alles erfassender Groove, der sogar die Security dazu verleitete zu Crowdsurfen. Ich bin mir absolut sicher, dass alle Nacken des Infields zu Krachern wie Stay Dead und A Burning Cinder wenigstens mitnicken mussten wenn der Wisconsin Groove Panzer Fahrt aufgenommen hatte, was bandtypisch quasi aus dem Stand gelang. Fix noch ein paar kleine „Old Schooool!!!“- Ansagen gehören ebenfalls zum guten Ton und die 45 Minuten flogen an mir vorüber, hätten aber meinetwegen gerne doppelt so lange dauern dürfen. Das war einfach beeindruckend catchy! [Phillip]
Meine Fresse, kann diese Band überhaupt schlecht? Nein, offenbar nicht. Das war ein brutales Lehrstück darin, wie groovender Death Metal zu klingen hat: tonnenschwere Riffs, keinerlei überflüssiger Firlefanz und eine Wucht, die selbst festgeschraubte Halswirbel in Bewegung brachte. JUNGLE ROT sind und bleiben eine meiner absoluten Lieblingstruppen – und dieser Gig unterstrich einmal mehr, warum. Einfach, effektiv und so verdammt gut, dass jede weitere Erklärung nur unnötig Spielzeit kosten würde. [Olaf]
ENDONOMOS waren für mich ein vollkommen unbeschriebenes Blatt – allerdings eines, das die Österreicher anschließend mit sehr schwerem Gerät beschrieben. Die 2021 in Oberösterreich gegründete Band entstand rund um Lukas Haidinger und veröffentlichte bereits ein Jahr später ihr selbstbetiteltes Debüt. Mit Endonomos II – Enlightenment folgte 2024 ein deutlich melodischer ausgerichteter Nachfolger.
Live entwickelte das Quartett aus wuchtigem Death Doom, mächtigen Gitarren und tiefen Growls eine herrlich finstere Atmosphäre. Dabei kroch die Musik keineswegs nur in Zeitlupe über den Zeltboden, sondern wurde immer wieder von melodischen Passagen, klarem Gesang und überraschend epischen Momenten aufgebrochen. Das klang massiv, aber nicht stumpf, melancholisch, ohne gleich gemeinsam mit dem Publikum zum Gruppentherapeuten zu müssen.
So verwandelte sich meine anfängliche Neugier ziemlich schnell in ehrliche Begeisterung. ENDONOMOS waren vielleicht kein musikalischer Schnellimbiss, dafür aber ein ausgesprochen schmackhafter Doom-Eintopf: schwer, gehaltvoll und deutlich besser, als ein völlig unbeschriebenes Blatt eigentlich sein darf. [Olaf]
Dass Panzerfaust absagen mussten, da Drummer Alex einen Unfall hatte, war schon ein echt herber Wermutstropfen. Afsky springen dafür ein. Auch wenn die beiden Bands klanglich schon ein Stück weit auseinander liegen, verbindet sie ihre Freundschaft. Und auch wenn ich mich schon auf die vier Herren aus Kanada sehr gefreut hatte, kann dieses dänische Quartett die Lücke heute doch ganz gut füllen. Afsky verstehen es eben, mit ihrem eigenen Charme und ihrem gelungenen Mix aus Atmosphäre und Kraft mitzureißen. [Schaacki]
Und so schön es bei Jungle Rot auch war, mein Terminplan sah noch vor, dass ich unbedingt ins Zelt muss, um mich von den Schweden Crawl neu föhnen zu lassen. Ein zuerst verhalten gefülltes Zelt nahm dann zunehmend Schwung auf und auch ein nie enden wollender Pit spiegelte die Mucke grandios wider. Gefletschte Zähne und fliegende Fäuste, so richtig geiler, leicht krustiger Assi-Death Metal, Marke Entombed, mit riesigem Groove-Anteil und einer gehörigen Portion Gift und Galle. Dazu noch ein perfekter Sound zu dem nicht nur das Publikum, sondern auch der Vierer aus Schweden richtig Stulle auf der Bühne gab. Wir waren alle Sentenced to Rot und Enslaved by Filth, wenn Jungle Rot zuvor ein unaufhaltsamer Groove-Panzer war, dann waren Crawl eine Horde stinkender Orks die nichts als vollgeschwitzten Staub und Asche übrig gelassen haben, für mich einer der Top-3 Gigs dieses Jahr, ein amtlicher Vollabriss!
King Fowley und seine Bande von Deceased... hatten bei mir danach ein entsprechend schwieriges Standing, denn dieses Adrenalinlevel hochzuhalten kann nur fordernd sein. Doch diese alten Hasen hatten eine gepfefferte Setlist in petto, bei der mich gleich zu Beginn Fading Survival in die Arme genommen hat. Ebenso freute ich mich natürlich auf die exzellente Darbietung von Children of the Morgue, ein vergleichsweise neuerer Kracher, den diese gut geölte Maschine locker auch 20 Minuten spielen könnte, ohne, dass sich jemand beschweren würde. Doch die letzten paar Stunden forderten allmählich Tribut und die letzten paar Minuten nutzte ich sitzend, um etwas zu Luft zu kommen.
Ryan Förster und seine Krachfetischisten durfte ich mir nicht entgehen lassen. Ein rappelvolles Zelt bestätigte, dass ich nicht der einzige Typ mit dieser Devise war. Und nun ja, wie soll man Death Worship beschreiben, wenn man das überhaupt möchte? Songstrukturen? Rudimentär erahnbar. Geschwindigkeit? Aber hallo! Druck? Mehr als alles andere! Das machte natürlich Eindruck und ich möchte an dieser Stelle einen gewissen Ernie F., Buchautor und Bon Vivant, zitieren: „Das war wie sich 30 Minuten verprügeln zu lassen ohne ein danke.“ Zerkaut und ausgespuckt suchte ich mir danach dringend eine Mahlzeit, um meiner Organe neu zu arrangieren! [Phillip]
Nochmal eine Runde gedreht, ein paar Getränke und einen Snack konsumiert und so langsam steigen Aufregung und Vorfreude, denn eine meiner absoluten Lieblingsbands steht nun gleich auf meiner Agenda: Wolves In The Throne Room! Keine andere Band schafft es wie sie, mich so völlig in den Bann zu ziehen. Und jedes Mal ist es ein Rätsel, mit welchen Songs sie mich dann umgarnen und entführen werden. Bei den Längen vieler ihrer Songs passt oft ja auch nicht so viel in ein Set, wobei die jüngsten Veröffentlichungen schon ein paar kürzere Stücke aufwiesen. Zu diesen Quickies (Verzeihung) gehören zum Beispiel das heute eröffnende „Mountain Magick“ und das anschließende „Beholden to Clan“. Schon diese kurzen (immerhin noch 6 bis 7 Minuten langen) Stücke beginnen, die Atmosphäre zu verdichten und mich langsam in Trance zu bewegen.
Während das Instrumental „Crown of Stone“ vom Band läuft, bläst Gitarrist Kody ein wenig abgebrannten Salbei von der Bühne in Richtung Publikum und die wohlbekannten Düfte einer Wolves Show dringen in meine Nase. Nun bin ich gefangen und während „Thuja Magus Imperium“ gespielt wird, verliere ich mich immer mehr, bis alles um mich herum verschwindet. Die Gefühle kommen hoch und ich löse mich auf, in Gedanken und auch Tränen. Wahnsinn, das geht mit dieser Band auch auf einem Open Air, auch im Hellen und inmitten von ein paar tausend Menschen.
Als nach diesem Titel in etwa der Mitte des Sets bereits der letzte Song angekündigt wird, kann ich es kaum glauben – denn als absoluter Fanboy weiß ich natürlich, dass das nur eins bedeuten kann: Es ist (genug) Zeit für „I Will Lay Down My Bones Among the Rocks and Roots“! Mit seinen über 18 Minuten Spielzeit ist dieses Stück kein normaler Song, sondern ein Monument und aufgrund seiner Qualität das Magnum Opus der Band – und sie spielen es wirklich! Folgerichtig drifte ich jetzt völlig ab und inhaliere jede Note. Für knapp zwanzig Minuten verlasse ich gewissermaßen das Party.San. Was ein Moment!
Völlig aufgelöst und noch immer nach Fassung suchend taumel ich dann zur Tent Stage und suche nach vertrauten Gesichtern. Dort spielen bereits Lucifer’s Child. Der ziemlich cool rockende Helenic Black Metal der Griechen, die mit ihrem Sound in eine Kerbe mit ihren Landsleuten Rotting Christ schlagen, füllt das Zelt anständig. So ganz allmählich komme ich wieder zu mir und nehme einen starken Auftritt der Herren aus Athen wahr. Für die Aufnahme von Details ist mein Kopf zwar noch nicht frei genug, doch der Grundgedanke, warum ich sie sehen wollte, wird bestätigt: Starke Energie, geile Stimmung, eine Band, die man durchaus live gesehen haben sollte!
Lucifer’s Child brachten mich runter, die für mich irrelevanten Sacred Reich verschafften mir eine Pause und nun bin ich wieder voll da, um mir einen guten Platz für Asagraum zu sichern. Auf die vier Teufelinnen aus den Niederlanden hatte ich mich sehr gefreut. Die letzte Begegnung mit der Band war stark, aber einfach viel zu lang her. Umso besser, dass der heutige Auftritt von Anfang bis Ende die volle Kraft der Band widerspiegelt. Ohne Schnörkel gibt es das volle, hasserfüllte Black Metal Brett. Frontfrau Obscura führt durch eine unglaublich kurzweilige schwarze Messe und performt dabei herrlich garstig und erhaben. Die Menge folgt ihr und ihren drei Mitstreiterinnen gehorsamst und feiert die Band völlig zurecht ab. Geile Show, die auch locker auf der großen Bühne hätte stattfinden dürfen. [Schaacki]
SACRED REICH gehören seit Jahren bereits zur inoffiziellen Party.San-Tradition. Wenn am Mittwochabend bei der Pre-Party Surf Nicaragua aus den Boxen dröhnt, ist das für mich ein ebenso unverzichtbarer Programmpunkt wie das erste Kaltgetränk und die Erkenntnis, wieder irgendetwas Wichtiges zu Hause vergessen zu haben. Diesmal bekam ich den Song endlich live serviert – und die Vorfreude darauf war alles andere als unbegründet.
Die 1985 in Phoenix gegründeten Amerikaner gehörten zwar nie zur berühmten „Big Four“, entwickelten mit ihrem gesellschaftskritischen Thrash Metal, deutlichen Hardcore-Einflüssen und Phil Rinds unverwechselbarer Stimme aber früh einen eigenen Charakter. Nach der Auflösung im Jahr 2000 und der Rückkehr sechs Jahre später bewiesen SACRED REICH spätestens mit Awakening, dass sie nicht nur von ihrer Vergangenheit leben müssen. Trotzdem sind es natürlich die alten Großtaten, bei denen das Herz besonders kräftig gegen die Kutte hämmert.
Nach dem Intro Immigrant Song legte die Band mit Manifest Reality und The American Way los. Schon nach wenigen Augenblicken stand fest: Der Sound war brillant. Die Gitarren von Wiley Arnett und Joey Radziwill kamen messerscharf aus den Boxen, das Schlagzeug drückte mächtig und Phil Rinds Bass brummte so satt, dass vermutlich selbst einige Maulwürfe unter dem Flugplatz anerkennend den Kopf bewegten. Vor allem aber wirkte die gesamte Band bestens aufgelegt. Rind grinste, erzählte, scherzte und strahlte jene ehrliche Dankbarkeit aus, die bei vielen alten Helden irgendwann zwischen Backstagebereich und Businessclass verloren gegangen ist.
Mit Salvation, One Nation und Crimes Against Humanity blieb kaum Zeit zum Durchatmen. Gerade diese Mischung aus groovender Wucht, knackigem Thrash und weiterhin erschreckend aktuellen Texten macht SACRED REICH bis heute so stark. Auch Who’s to Blame und Independent wurden vom Publikum begeistert aufgenommen, während Death Squad noch einmal deutlich das Tempo anzog und zeigte, dass die Herren keineswegs auf einer gemütlichen Nostalgiefahrt unterwegs waren. Selbst War Pigs wirkte nicht wie ein eingeschobener Fremdkörper, sondern passte mit seiner zeitlosen Botschaft hervorragend ins Gesamtbild.
Dann endlich Surf Nicaragua. Was am Mittwochabend aus der Konserve zum Pflichtprogramm gehört, stand nun in Fleisch, Blut und bester Spiellaune vor mir. Das Publikum feierte Phil Rind und seine Mannschaft komplett ab, während ich meinen persönlichen Haken hinter einen lange offenen Punkt auf der Konzertwunschliste setzen konnte. SACRED REICH lieferten keine bloße Oldschool-Lehrstunde, sondern eine rundum mitreißende Thrash-Show. So schön kann Geschichtsunterricht sein, wenn der Lehrer Bass spielt und das Abschlusszeugnis mit einem Surfbrett verteilt wird. [Olaf]
Nun aber fix rüber zu Hauptbühne, denn dort haben Alcest bereits vor zehn Minuten begonnen. Ja richtig, eben noch das boshafte Geknüppel gefeiert, zieht es mich jetzt zu gefühlvolleren Tönen hin. Dass Bandkopf Neige mit seinem Post-Black Metal (wiederholt) auf einem Extreme Metal Festival wie dem Party.San so einen Slot bekommt, hätte er sich selbst nie vorstellen können, soll er gesagt haben. Und er verdient ihn sich erneut! Das Infield ist übersät mit Menschen, die die Show der Franzosen sehen und genießen wollen und sich zum Teil in den Armen liegen. Die Musik von Alcest ist eben einfach schön, anders kann man es nicht sagen. Und das darf eben auch auf dem Party.San einfach mal sein. Ein Highlight im Set ist definitiv einmal mehr „Sapphire“, das überraschend früh gespielt wird. Aber auch sonst ist die Songauswahl sehr harmonisch und erfüllend. [Schaacki]
Wer die eigentlichen Kings im Zelt waren, wurde einem sofort klar, wenn man im Infield ein paar Augen auf die Leibchen und Kutten der anwesenden Scharen richtete. Fleshcrawl war so auffällig vertreten, dass mich auch eine Show auf der Hauptbühne nicht gewundert hätte. Dementsprechend voll war das Zelt mit dem ersten Ton von Blood Dominion und der Soundmann justierte den zu Beginn etwas schwachbrüstigen Sound sofort nach, damit auch hinter dem FOH etwas ankommt. Dann aber mit Schwung. Flesh Bloody Flesh, Grave Messiah, Chapel of Guts, werden mit wahnsinniger Vehemenz ins Publikum genagelt, dass es eine wahre Freude ist. Nur mit dem Gesang fremdel ich nach wie vor, so ist Borisz zwar der technisch eindeutig bessere Sänger, doch geht auch ein Funken Eigenwilligkeit verloren. Wirklich störend ist das natürlich nicht, dafür ist der Gesamteindruck einfach zu erhaben und zu stark! [Phillip]
Vor lauter Träumerei vergesse ich direkt, dass im Zelt nun noch Fleshcrawl spielen… Dafür bereite ich mich schon mal seelisch und (un)moralisch auf Dark Funeral vor. Die Schweden sind einfach eine Truppe, die man sich immer geben kann. Ja, der Sound ist anfangs echt sehr dürftig und unausgewogen, aber dafür können die Musiker selbst ja erstmal nichts. Noch während des Openers „Unchain My Soul“ wird aber bereits Stück für Stück nachgeregelt. Als Frontkeifer Heljarmadr dann den Gehörnten mit „Open The Gates“ auffordert, die Forte zu öffnen, ist bereits alles klanglich im Lot und die Flammen lodern.
Weitere ältere Stücke wie „Hail Murder“ und „The Secrets of the Black Arts“ finden im Set ebenso Platz wie die verhältnismäßig jüngeren Titel „Nail Them to the Cross“ und „Let the Devil In“. Beschlossen wird das dunkle Ritual mit der Hymne „Where Shadows Forever Reign“, welche wieder einmal ein Highlight ist. Auch wenn die Protagonisten bis auf ihren Frontmann etwas reserviert agieren, ist die Show wie zu erwarten fett und grundsolide. Lediglich ein paar Songs der „Attera Totus Sanctus“-Ära, beispielsweise „666 Voices Inside“ oder der Titelsong selbst, hätte ich mir gewünscht. Vielleicht beim nächsten Mal ja… [Schaacki]
Ich bin bekanntlich kein ausgewiesener Blackie, doch DARK FUNERAL gehören seit Jahren zu meinen liebsten Vertretern des Genres. In den Wintermonaten hält sogar eine Gürtelschnalle der Schweden mein Beinkleid zusammen – deutlicher kann man seine Zuneigung kaum am Körper tragen. Entsprechend groß war meine Vorfreude, und der Auftritt holte mich trotz der anfänglichen Soundprobleme komplett ab. Songtechnisch stecke ich natürlich nicht annähernd so tief in der schwarzen Materie wie Schaacki, aber dafür hat er oben bereits fachkundig den Satan an die Wand gemalt. Von mir bleibt deshalb nur: finster, mächtig und verdammt stark! [Olaf]
Als Headliner hatten Amorphis natürlich eine ganz andere Ausgangslage wie tags zuvor Moonspell. Der Sound direkt an der Bühne war überragend. Weiter hinten wurde es durch den Wind leider deutlich bescheidener, wofür die Band natürlich nichts kann.
Schwierigkeiten hatte ich mit dem Beginn des Sets. Die neuen Songs sind mir persönlich einfach zu modern – zu viel moderner Metal, zu viel Geklimper und zu wenig von dem Amorphis, das ich liebe. Teilweise fühlte es sich für mich eher wie ein Pop-Konzert als wie ein Metal-Konzert an. Zum Ende hin wurde es dann aber deutlich besser. Ich liebe ja die etwas älteren Tracks sehr, wie auch „Black Winter Day“, inzwischen ein Jahr älter als ich, durfte zum Jubiläum nicht fehlen. Gerade solche Klassiker sind für mich das, was Amorphis ausmacht. Diese älteren Songs haben mich wieder abgeholt und mit „The Bee“ gab es schließlich auch noch meinen persönlichen Highlight-Moment.
Als Headliner haben Amorphis geliefert – auch wenn ich mir persönlich etwas mehr von der alten Seite der Band gewünscht hätte - Frau kann ja nicht alles haben... [Miri]
Der Freitag zeigte eindrucksvoll, warum das Party.San musikalisch weit mehr ist als drei Tage gepflegtes Dauergeballer. Vom herrlich absurden Grind-Zirkus bei GUTTURAL SLUG über die majestätische Schwere von SORCERER, den alles überrollenden Groove von JUNGLE ROT und CRAWL bis zur beinahe spirituellen Reise mit WOLVES IN THE THRONE ROOM führte dieser Tag durch sämtliche Gefühlslagen, die man zwischen Poolnudel, Bierstand und brennender Bühne unterbringen kann. Nicht jede Band erwischte jeden von uns gleichermaßen, doch genau diese unterschiedlichen Eindrücke machen einen gemeinsamen Festivalbericht schließlich erst interessant.
Dazu kamen überzeugende Entdeckungen wie ENDONOMOS und NAIL BY NAIL, die pure Gewalt von DEATH WORSHIP, ein starkes Oldschool-Fest mit SACRED REICH sowie reichlich Dunkelheit durch ASAGRAUM, FLESHCRAWL und DARK FUNERAL. Zwischendurch durfte mit ALCEST sogar ganz ungeniert geträumt werden, ohne dass deshalb jemand seine Kutte abgeben musste.
Dieser 2.Tag hinterließ vor allem eine Erkenntnis: Das Party.San kann innerhalb weniger Stunden vollkommen albern, tief ergreifend, brutal und majestätisch sein, ohne dabei jemals seine Identität zu verlieren. Zwischen Grind-Karneval und schwarzer Messe bekam jeder seine ganz persönliche Vollbedienung – und unsere Redaktion sogar Zuwachs. Andere nehmen von einem Festival Interviews, O-Töne und Fotos mit nach Hause; wir verpflichten aufblasbare Haie. Nachwuchsförderung muss schließlich irgendwo beginnen. [Olaf]

