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Live on Stage Report: Party San 2026

vom 06. bis 08.08.2026 – Schlotheim @ Flugplatz Obermehler


DAS PARTY SAN 2026

TAG 2 – Freitag, 07.08.2026

Schaacki vs. Sharky


Durch die Anreise am Mittwoch stecken mir zwar schon zwei Tage und auch zwei relativ kurze Nächte im Zelt in den Knochen, dennoch bin ich fit und motiviert, mich in Schale zu schmeißen für den alljährlichen, traditionellen Grind am Freitag. „In Schale schmeißen“ heißt demnach raus aus dem gediegenen Schwarz und rein in die Zephyr’s Odem Sporthose (gibt es hier zu kaufen – Olaf), das grüne Gutalax Shirt und darüber ein elegantes, oranges Hawaiihemd gestreift. So fein rausgeputzt geht es gen Infield. Ja, der Mittagsgrind ist einfach zur Pflicht geworden – und ein entsprechendes Outfit eben auch! Und selbstredend bin ich damit nicht allein und schon gar nicht originell gekleidet. Denn während ich lediglich etwas untypisch bunt unterwegs bin, haben andere Anwesende die verrücktesten Kostüme an, darunter Dinos, Haie, Super Mario, das Ohngesicht und und und.

Die Poolnudeln wedeln in der Luft, die Seifenblasen fliegen und die Menge tobt im Kreis zu den knüppeligen Tönen und Gurgelsounds von Guttural Slug. Es ist wieder einmal eine völlig durchgeknallte Party. Wie übliche ist der Stil der dazu spielenden Band grindig, gorig, slamig, wobei ich fast schon beanstanden muss, dass sie ein bisschen zu gut, zu anspruchsvoll für diesen Unfug vor der Mainstage sind. Aber die Dänen machen ihre Sache dennoch gut, treiben die Menge an und der angestrebte Spaßfaktor wird ja auch erreicht. Ich kann nicht meckern. [Schaacki]

Während GUTTURAL SLUG die Mainstage in eine herrlich bekloppte Mischung aus Kindergeburtstag, Schlachthof und Massengymnastik verwandelten, galt meine Aufmerksamkeit zunehmend den aufblasbaren Haien am linken Bühnenrand. Ich wollte unbedingt einen davon haben. Phillip beruhigte mich zunächst mit der fachkundigen Prognose, die Viecher würden bestimmt auch von der rechten Bühnenseite ins Publikum fliegen. Taten sie natürlich nicht. Danke für nichts, Phillip!

Also musste ich selbst diplomatisch tätig werden. Hätte ich den Ordner im Bühnengraben nicht beinahe auf Knien um eines der schwimmfähigen Raubtiere angefleht, wäre unsere Redaktion vermutlich bis heute hailos geblieben. Doch mein Einsatz wurde belohnt: Sharky wechselte aus dem Bühnengraben direkt in den Besitz von Zephyr’s Odem und gehört seitdem offiziell zur erweiterten Redaktion. Musikalische Fachkompetenz besitzt er bislang zwar nur eingeschränkt, aber damit befindet er sich bei uns immerhin in bester Gesellschaft. [Olaf]

A CANOROUS QUINTET erwischten mich nach dem ausgiebigen Grind-Frühstück in einer kleinen energetischen Talsohle. Die Schweden aus dem Raum Stockholm wurden bereits 1991 als A CANOROUS QUARTET gegründet, stockten zwei Jahre später personell wie namentlich auf und gehörten zur frühen Welle des melodischen Death Metal. Nach der Auflösung 1999 kehrte die Band 2016 schließlich zurück.

Beim Party.San stand das 1996 veröffentlichte Debütalbum Silence of the World Beyond im Mittelpunkt. Stücke wie Naked with Open Eyes, The Orchid’s Sleep und The Black Spiral zeigten, warum die Platte unter Freunden des alten Schwedenstahls bis heute einen guten Ruf genießt. Die Gitarren verbanden frostige Melodien mit rauer Härte, während Mårten Hansens Growls genügend Schmirgelpapier mitbrachten und Fredrik Andersson am Schlagzeug gewohnt zuverlässig arbeitete.

Handwerklich gab es wenig zu beanstanden. Die Band spielte konzentriert, der Sound passte und das Material besaß noch immer diesen angenehm düsteren Neunziger-Charme, der deutlich weniger nach Hochglanz als nach modrigem Proberaum riecht. Trotzdem wollte der Funke bei mir nicht vollständig überspringen – nach dem wilden Start in den Tag war schlicht etwas die Luft raus. [Olaf]

Dass der vorangegangene heimliche Headliner eine traditionell quietschbunte Meute anzieht, ist ja Usus, doch ist es mir ausgesprochen wichtig, zu erwähnen, dass es auch abseits des Luftblasen- und Konfettiregens der ersten Freitagstruppe unheimlich bunt beim Party.San zuging. Insbesondere in einer Zeit, in der ein anderes Festival schlagzeilenträchtig diesbezüglich mit Negativpublicity kämpft, trumpft das Party.San mit sagenhaft vielen Prideflaggen und Anti-Nazi-Statements auf den Klamotten und Kutten der anwesenden Zuschauerschar auf, dass es eine wahre Freude ist!

So sind auch bei den Spaniern Wormed viele wackelnde Köpfe mit farbenfroher Haartracht zu sehen, auch wenn die Band zu Beginn dezent mit der überschaubaren Zuschauerschaft zu hadern scheint. Denn Bewegung auf der Bühne ist spärlich wahrzunehmen. Das vertrackt komplizierte Material der Alien-Experten prescht dazu zwar pfeilschnell, doch auch gut verquirlt aus den Boxen, was Strukturen noch schwieriger wahrnehmbar werden lässt. Ja, ich war ein bisschen enttäuscht, wirkten Wormed doch streckenweise lustlos und irgendwie fehl auf der Bühne, der ein paar neongrüne oder -blaue Leuchtelemente gut gestanden hätten. Aber sei’s drum, andere Leute vor der Bühne hatten sichtlich Spaß, während mir Wormed an diesem Tag live nicht so gut reingegangen sind wie auf Platte. [Phillip]

SORCERER waren genau der Farbtupfer, den dieser Freitagnachmittag brauchte. Nach dem ganzen Geballer des Vortags freute ich mich als großer Fan der Schweden tierisch auf eine ordentliche Portion Epic Doom – und wurde nicht enttäuscht. Das 1988 in Stockholm gegründete Quintett blickt auf eine durchaus ungewöhnliche Geschichte zurück: Nach zwei Demos und der zwischenzeitlichen Auflösung kehrte die Band 2010 wieder aus der Gruft zurück, veröffentlichte aber erst 2015 mit In the Shadow of the Inverted Cross ihr Debütalbum. Manchmal benötigt Großes eben etwas länger. Kathedralen werden schließlich auch nicht an einem Wochenende hochgezogen.

Mit Morning Star legten SORCERER sofort derart mächtig los, dass die ehrwürdige Bezeichnung „fett wie Sau“ ausnahmsweise vollkommen angemessen erscheint. Die Gitarren von Kristian Niemann und Peter Hallgren türmten sich zu monumentalen Riffwänden auf, während Sänger Anders Engberg mit seiner gewaltigen, glasklaren Stimme selbst den hintersten Winkel des Flugplatzes erreichte. Dieser Mann singt nicht einfach, er verkündet – vermutlich würde selbst eine Bestellung am Getränkestand bei ihm wie der letzte Erlass eines sterbenden Königs klingen.

Auch Sirens, Unveiling Blasphemy und Curse of Medusa verbanden erhabene Melodien, schweres Riffwerk und herrlich griffige Refrains. Trotz aller epischen Größe verloren sich SORCERER dabei nie in endlosen Klanglandschaften, sondern spielten erstaunlich druckvoll und zielgerichtet. Abandoned by the Gods schob besonders eindrucksvoll, während der Titelsong des aktuellen Albums, Reign of the Reaper, noch einmal sämtliche Trademarks der Schweden bündelte: düstere Atmosphäre, majestätische Gitarren und eine Gesangsleistung, für die andere Sänger vermutlich erst einen Pakt mit mehreren höheren Mächten schließen müssten.

Mit The Hammer of Witches war dann leider schon wieder Schluss. Natürlich ließ sich an dieser Stelle des Billings kein abendfüllendes Doom-Hochamt unterbringen, trotzdem fühlte sich der Auftritt deutlich zu kurz an. Kaum hatte man sich im imaginären Thronsaal bequem gemacht, wurde bereits der Kerzenständer abgeräumt. Dennoch war das eine bärenstarke Vorstellung und eine höchst willkommene Abwechslung: majestätisch, melodisch und mit genügend Wucht, um auch ohne Dauergeknüppel bleibende Schäden zu hinterlassen. [Olaf]

Nach der kleinen Toberei am Mittag heißt es duschen und umziehen. Wieder in angemessener Kluft geht es dann ins Zelt zu Nail By Nail. Die Karlsruher Blackis fackeln nicht eine Sekunde und nutzen die Gelegenheit, bei ihrem Party.San Debüt einen krassen Eindruck zu hinterlassen. Ich höre mich noch jetzt sagen „Sehr stark, eigentlich zu früh angesetzt“, denn dieser Auftritt wäre definitiv eines noch größeren Publikums zu späterer Stunde würdig gewesen. Eine wirkliche überzeugende Show – die Jungs könnten gern mal wieder hier spielen.  [Schaacki]

Eine der erklärten Lieblingstruppen vom Chef will bei mir auf Platte manchmal nicht so zünden. Fetzt immer, aber irgendwie fehlt mir manchmal das Quäntchen Besonderheit, woran man auch erkennt, dass ich nicht selten einfach keine Ahnung habe. Denn Besonderheiten brauchten Jungle Rot absolut nicht. Fleisch und Kartoffeln, wie der Ami sagt.

Ab der ersten Sekunde regierte bei bestem Sound ein alles erfassender Groove, der sogar die Security dazu verleitete zu Crowdsurfen. Ich bin mir absolut sicher, dass alle Nacken des Infields zu Krachern wie Stay Dead und A Burning Cinder wenigstens mitnicken mussten wenn der Wisconsin Groove Panzer Fahrt aufgenommen hatte, was bandtypisch quasi aus dem Stand gelang. Fix noch ein paar kleine „Old Schooool!!!“- Ansagen gehören ebenfalls zum guten Ton und die 45 Minuten flogen an mir vorüber, hätten aber meinetwegen gerne doppelt so lange dauern dürfen. Das war einfach beeindruckend catchy! [Phillip]

Meine Fresse, kann diese Band überhaupt schlecht? Nein, offenbar nicht. Das war ein brutales Lehrstück darin, wie groovender Death Metal zu klingen hat: tonnenschwere Riffs, keinerlei überflüssiger Firlefanz und eine Wucht, die selbst festgeschraubte Halswirbel in Bewegung brachte. JUNGLE ROT sind und bleiben eine meiner absoluten Lieblingstruppen – und dieser Gig unterstrich einmal mehr, warum. Einfach, effektiv und so verdammt gut, dass jede weitere Erklärung nur unnötig Spielzeit kosten würde. [Olaf]

ENDONOMOS waren für mich ein vollkommen unbeschriebenes Blatt – allerdings eines, das die Österreicher anschließend mit sehr schwerem Gerät beschrieben. Die 2021 in Oberösterreich gegründete Band entstand rund um Lukas Haidinger und veröffentlichte bereits ein Jahr später ihr selbstbetiteltes Debüt. Mit Endonomos II – Enlightenment folgte 2024 ein deutlich melodischer ausgerichteter Nachfolger.

Live entwickelte das Quartett aus wuchtigem Death Doom, mächtigen Gitarren und tiefen Growls eine herrlich finstere Atmosphäre. Dabei kroch die Musik keineswegs nur in Zeitlupe über den Zeltboden, sondern wurde immer wieder von melodischen Passagen, klarem Gesang und überraschend epischen Momenten aufgebrochen. Das klang massiv, aber nicht stumpf, melancholisch, ohne gleich gemeinsam mit dem Publikum zum Gruppentherapeuten zu müssen.

So verwandelte sich meine anfängliche Neugier ziemlich schnell in ehrliche Begeisterung. ENDONOMOS waren vielleicht kein musikalischer Schnellimbiss, dafür aber ein ausgesprochen schmackhafter Doom-Eintopf: schwer, gehaltvoll und deutlich besser, als ein völlig unbeschriebenes Blatt eigentlich sein darf. [Olaf]

Dass Panzerfaust absagen mussten, da Drummer Alex einen Unfall hatte, war schon ein echt herber Wermutstropfen. Afsky springen dafür ein. Auch wenn die beiden Bands klanglich schon ein Stück weit auseinander liegen, verbindet sie ihre Freundschaft. Und auch wenn ich mich schon auf die vier Herren aus Kanada sehr gefreut hatte, kann dieses dänische Quartett die Lücke heute doch ganz gut füllen. Afsky verstehen es eben, mit ihrem eigenen Charme und ihrem gelungenen Mix aus Atmosphäre und Kraft mitzureißen. [Schaacki]

Und so schön es bei Jungle Rot auch war, mein Terminplan sah noch vor, dass ich unbedingt ins Zelt muss, um mich von den Schweden Crawl neu föhnen zu lassen. Ein zuerst verhalten gefülltes Zelt nahm dann zunehmend Schwung auf und auch ein nie enden wollender Pit spiegelte die Mucke grandios wider. Gefletschte Zähne und fliegende Fäuste, so richtig geiler, leicht krustiger Assi-Death Metal, Marke Entombed, mit riesigem Groove-Anteil und einer gehörigen Portion Gift und Galle. Dazu noch ein perfekter Sound zu dem nicht nur das Publikum, sondern auch der Vierer aus Schweden richtig Stulle auf der Bühne gab. Wir waren alle Sentenced to Rot und Enslaved by Filth, wenn Jungle Rot zuvor ein unaufhaltsamer Groove-Panzer war, dann waren Crawl eine Horde stinkender Orks die nichts als vollgeschwitzten Staub und Asche übrig gelassen haben, für mich einer der Top-3 Gigs dieses Jahr, ein amtlicher Vollabriss!

King Fowley und seine Bande von Deceased... hatten bei mir danach ein entsprechend schwieriges Standing, denn dieses Adrenalinlevel hochzuhalten kann nur fordernd sein. Doch diese alten Hasen hatten eine gepfefferte Setlist in petto, bei der mich gleich zu Beginn Fading Survival in die Arme genommen hat. Ebenso freute ich mich natürlich auf die exzellente Darbietung von Children of the Morgue, ein vergleichsweise neuerer Kracher, den diese gut geölte Maschine locker auch 20 Minuten spielen könnte, ohne, dass sich jemand beschweren würde. Doch die letzten paar Stunden forderten allmählich Tribut und die letzten paar Minuten nutzte ich sitzend, um etwas zu Luft zu kommen.

Ryan Förster und seine Krachfetischisten durfte ich mir nicht entgehen lassen. Ein rappelvolles Zelt bestätigte, dass ich nicht der einzige Typ mit dieser Devise war. Und nun ja, wie soll man Death Worship beschreiben, wenn man das überhaupt möchte? Songstrukturen? Rudimentär erahnbar. Geschwindigkeit? Aber hallo! Druck? Mehr als alles andere! Das machte natürlich Eindruck und ich möchte an dieser Stelle einen gewissen Ernie F., Buchautor und Bon Vivant, zitieren: „Das war wie sich 30 Minuten verprügeln zu lassen ohne ein danke.“ Zerkaut und ausgespuckt suchte ich mir danach dringend eine Mahlzeit, um meiner Organe neu zu arrangieren!  [Phillip]

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