HAVOK | ANGELUS APATRIDA | SAVAGE MESSIAH

09.12.2013 - Wien @ Arena

Hinsichtlich der aktuellen Konzertflut und der daraus resultierenden rückläufigen Zuschauerzahlen erscheint es als gewagtes Unterfangen, drei verhältnismäßig “kleine“ Bands gemeinsam auf Tournee gehen zu lassen und auf einen zugkräftigen Headliner zu verzichten. Doch mit derlei Gedanken scheinen sich die Beteiligten erst gar nicht auseinander gesetzt zu haben und zudem ist zu bemerken, dass sich der aus Musikern unterschiedlicher Provenienzen zusammengewürfelte, bunte Haufen auf überaus freundschaftliche Weise gegenseitig unterstützt. Das wird schon beim Aufbau des Merch-Standes offenkundig, an dem sich nicht nur die beiden offenbar als “Mädchen für alles“ fungierenden Roadies beteiligt sind, sondern auch die Musiker selbst.

Gemäß der Running Order ist der Show-Beginn mit 21:00 angesetzt und wie es sich für Briten offenbar geziemt, entern die Jungs von Savage Messiah pünktlich wie die Maurer die Bretter und legen mit Vollgas los. Zwar ist der Sound vor allem zu Beginn noch nicht wirklich optimal ausbalanciert, doch das ändert sich im Verlauf der ersten Nummern zum Glück, wodurch die beiden Gitarren von Bandoberhaupt Dave Silver (der bekanntermaßen die Truppe nach dem Ende seiner früheren Formation Headless Cross gründete und in Windeseile das Debüt “Spitting Venom“ an den Start brachte, das zum Großteil aus Songs bestand, die für seine ehemalige Band geschrieben waren) und seinem Sidekick Joff Bailey unglaublich druckvoll klingen.
Zwar ist es verdammt laut, doch die präzisen, effektiven Riffs kommen wie Geschosse aus den Boxen und verfehlen ihre Wirkung zu keiner Sekunde. Dadurch darf sich die Formation (die aktuell übrigens nur noch zur Hälfte aus Engländern besteht und von Andrea Gorio am Schlagzeug (ex-Cadaveric Crematorium) und dem ehemaligen Penthagon-Bassisten Stefano Selvatico vervollständigt wird, die beide aus Italien stammen, jedoch momentan in London wohnhaft sind) auch an regem Interesse seitens der überraschenderweise zahlreich erschienen Meute erfreuen, die sämtliche Tracks nach allen Regeln der Kunst abfeiert. Das überrascht insofern, da die Setlist fast ausschließlich aus Nummern von “The Fateful Dark“ besteht, dem im kommenden Frühling erscheinenden vierten Album der. Kein Wunder allerdings, denn mit Nummern wie den explizit diesbezüglich vorgestellten “Cross Of Babylon“ und “The Cursed Earth“ haben Savage Messiah echte Speed/Power / Thrash-Hammer vor dem Herrn anzubieten. Apropos: Das furios intonierte und auch entsprechend dynamisch präsentierte “Hammered Down“ lässt Wien wissen wo eben jener hängt, schließlich hat hier jemand einen sensationellen Ohrwurm im Talon! Ebenso mit Jubel begleitet wird das Finale in Form des einzigen “Oldies“ “Insurrection Rising“, das vom Publikum sogar mit Zugabe-Rufen goutiert wird. Keine Frage, die Wien-Premiere der Burschen ist für beiden Seiten überaus erfolgreich verlaufen und lässt schon jetzt Freude auf das kommende Werk aufkommen. Thumbs Up!
Weshalb man den Jungs keine Zugabe zugesteht, bleibt zwar der einzige offene Punkt des Abends, doch die Zuseher (von der Anzahl her schätzungsweise im oberen zweistelligen Bereich, was allerdings nicht ganz so einfach zu eruieren ist denn im weitläufigen Areal der “kleine Halle“, das obendrein noch die am gesamten Abend durchwegs gut frequentierte Bar, sowie die quasi zur Raucher-Lounge umfunktionierte “Drei-Raum-Bar“ umfasst, sind geschätzt noch einmal knapp 30 weitere Gäste anzutreffen) nehmen es weder der Band selbst, noch den Veranstaltern in irgendeiner Form krumm, sondern begrüßen stattdessen auch die Spanier Angelus Apatrida mit mehr als nur wohlwollendem Applaus. Offenbar scheint ein großer Teil der Anwesenden mit dem Material der Burschen bestens vertraut zu sein und geht dementsprechend mit und zudem hat es sich auch in Wien herumgesprochen, dass diese Truppe für energische und wilde Live-Darbietungen zu sorgen pflegt, wodurch auch einige bis dato noch nicht mit den Burschen vertraute Metaller interessiert das Geschehen verfolgen. Aber auch Frontwusel Guillermo Izquierdo scheint mehr als zufrieden zu sein und bedankt sich nicht minder euphorisiert beim Publikum für den Empfang beim mittlerweile vierten Gastspiel des Quartetts in der österreichischen Bundeshauptstadt. Da die ersten beiden Scheiben “Evil Unleashed“ und “Give ‘Em War“ erst vor wenigen Wochen als Kombi-Pack neu aufgelegt wurden, wird selbstredend auch bei der Setlist darauf Rücksicht genommen, auch wenn der Einstieg zunächst mit Exzerpten von “The Call“ (besonders gelungen: “Killer Instinct“ ) bestritten wird und bei “You Are Next“ der wohl intensivste und wildeste Circle-Pit des Abends zu beobachten ist. Doch nicht nur vor der Bühne geht die Post ab, auch auf den Brettern ist mächtig was los und so wird auch einiges fürs Auge geboten. Zwar hat Guillermo (der meiner Meinung nach dem jungen Max Cavalera immer ähnlicher wird) einige Male Problem mit dem Stecker seiner Gitarre, doch mittlerweile hat der Bursche Routine genug, um sich selbst von derlei technischen Problemen nicht aus der Bahn werfen zu lassen und so meistert er auch jene Passagen in der die Roadcrew sein Instrument versorgen muss und er „nur“ den Sänger spielen darf, mit Bravour. Ebenso sehenswert sind die von ihm und seinem Partner David G. Álvarez inszenierten Duelle mit den Äxten, herrlich! Nicht zuletzt auf Grund des technischen Aspekts kommen mir auch in der Live-Darbietung immer wieder Megadeth als Referenz in den Sinn, auch wenn die Iberer in Summe deutlich deftiger und zudem mit einer ordentliche Schippe rohen Hardcore/Punk, sowie mit einer an Pantera erinnernden Groove-Schlagseite auffahren, durch die das Material live noch wuchtiger und auch eine Ecke schneller wirkt als auf Tonträger. Dieser Eindruck wird auch dadurch intensiviert, da Guillermo nach kurzem Blickkontakt mit einer Stage-Hand zur Freude aller Anwesenden verkündet, dass doch noch nicht das letzte Stück anzukündigen ist, sondern noch Zeit für einige Nummern verbleibt. So kommt Wien unter anderem auch noch in den Genuss der unmissverständlichen “Thrash Attack“ bei der die Mehrheit der Anwesenden erneut für Pit-Alarm sorgt und die “Arena“ in ein Tollhaus verwandelt wird. Geile Show, die gerne wiederholt werden darf!
Trotz anfänglicher Bedenken lässt sich kurz vor dem Beginn des Sets von Havok festhalten, dass hier und heute für die Anwesenden sehr wohl ein eindeutiger Headliner auf den Brettern steht, denn spätestens nach dem Ende des Intros vom Band und dem fulminanten Einstieg mit “Covering Fire“ ist keine Menschenseele außerhalb der “kleinen Halle“ mehr zu finden und die Reihen vor der Bühne ordentlich gefüllt. Vielleicht noch in einem vergleichsweise doch bescheidenerem Maßstab als einige anderer Formationen ihrer “Preisklasse“, lässt sich im Laufe des Gigs der Thrasher aus Denver, Colorado festhalten, dass diese Band offenbar bereits kurz vor dem endgültigen Sprung in die oberste Liga steht. Mit Recht, denn zum einen lässt die Performance des Quartetts kaum Wünsche übrig und zum anderen kommen die schon auf Tonkonserve mächtig knallenden “Bretter“ wie “Point Of No Return“ oder “I Am the State“ (der Opener des die Setlist dominierenden aktuellen Drehers “Unnatural Selection“) auch in mehr als nur ansprechender Weise rüber. Die bei ihren zahlreichen Konzerten erlangte Erfahrung tut dem „Treiben“ auf den Brettern zusätzlich gut, wie man auch sagen kann, dass Havok mit dem erst seit einigen Monaten zum Line-Up gehörendenden “Bass-Vieh“ Michael Leon eine guten Fang tätigen konnten. Der Burschen tobt an der linken Seite des durch seine Funktion als Sänger und Gitarrist bewegungstechnisch ein wenig „gehandicapten“ David Sanchez wie ein Derwisch, und auch an der rechten Bühnenseite positionierten Reece Scruggs (der mich optisch ein wenig an den jungen Russ Anderson erinnert und mit seinem Death-Shirt zusätzliche Bonus-Punkte bei den Fans einheimsen kann) an der Leadaxt hat sämtliche Posen der Rock-Welt drauf. Die gute Stimmung können die Jungs zwar bis zum Ende der Show halten, allerdings fällt auf, dass sich bei den Amis doch nicht mehr so viele Zuseher an den Pits beteiligen wie das bei den Kollegen aus Spanien der Fall gewesen ist. Aber egal, dieser Abend hinterlässt ausschließlich zufriedene Besucher, denen mit „Time Is Up“ der Gnadenstoß verabreicht wird. Doch auch die Musiker wissen, dass sie einen erfolgreichen Abend hinter sich gebracht haben und werden Wien daher für ihre nächste Gastspielreise erneut einplanen.

Daher möchte ich zum Schluss noch anmerken, dass es sehr wohl Sinn macht drei vermeintlich wenig zugkräftige Acts gemeinsam auf Tournee zu schicken, denn immerhin darf sich das multinationale „Thrash-Konglomerat“ damit rühmen, was den Zuschauerzustrom in Wien betrifft, deutlich bekanntere Namen übertroffen zu haben.

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