Dark Tranquillity | Amoral | Acyl | The Lehmann Project

06.11.2014 - Berlin @ K17

Als das Kasi am frühen Donnerstagabend um 19:00 sein Pforten öffnete um den vier Bands ausreichend Spielzeit einzuräumen, hatte ich gerade mal die Schuhe angezogen und begab mich auf meinen einstündigen Weg zum Club. Aufgrund des Bahnstreiks der fast meine komplette Strecke betraf, wurde schnell aus 20 Uhr 21 Uhr, und während ich mich in U-Bahnen die Konservendosen glichen kuschelig warm aber langsam meinem Ziel näherte, fror meine Begleitung im kalten Berliner Novemberwetter.

Als ich dann schlussendlich mein Domizil erreicht hatte, waren The Lehmann Project längst von der Bühne verschwunden und von Acyl waren noch die letzten Klänge zu vernehmen. Die Band aus Algerien reicherte eine Mischung aus Death und Thrash Metal mit traditionellen arabischen Klängen an. In der kurzen Zeit bemerkte man, dass die Ethnopassagen mit mehrstimmigem Gesang und mehrstimmigen Trommeleinlagen durchaus authentische Stimmung erzeugte, jedoch die Riffs und Kompositionen irgendwo nicht sehr stimmig waren und neben der rhythmischen Komponente oft die melodische fehlte. Schade eigentlich, denn das Konzept finde ich immer wieder spannend.

Als nach kurzer Umbaupause die Finnen von Amoral die Bühne stürmten, war das K 17 ungefähr zur Hälfte gefüllt, was sich allerdings auf die gesamte Fläche verteilte. Musikalisch gesehen waren Amoral wohl die fittesten an diesem Abend, da jedoch der Großteil des Publikums aus Dark Tranquillity Fans und somit aus Death oder Melodic Deathern bestand, wurden die ersten Minuten ihres Gigs eher anerkennend und mit höflichem Applaus bedacht hingenommen. Der Herr hinter mir kam nicht umhin mehrmals zu betonen, dass man dem Herren Ari Koivunen doch mal ein paar Eier besorgen sollte, und damit war er wohl beileibe nicht der einzige. Was er meinte war der Cleangesang, der nicht nur sauber und melodisch, sondern ziemlich gefühlvoll bis poppig daherkam, für manche Death Metaler anscheinend eine Todsünde. Man konnte also zumindest für Berlin attestieren das Amoral vor dem falschen Publikum spielte. Perlen vor die Säue wenn man es hart formuliert.

Davon reichlich unbeeindruckt spielten die Herren ihr Set aus 6 Songs runter, das für mich sehr homogen wirkte. Die Gitarren waren verspielt und hatten mehrere Unisonoläufe, die Groovefraktion leistete gute Arbeit und die Musik war vor allem abwechslungsreich. Auch merkte man deutlich dass Amoral in der Lage sind Soli zu komponieren, die diesen Namen auch verdienen, will heißen kein sinnentleertes Gefrickel und keine 3 Töne als Solo getarnt. Sänger Ari zeigte deutlich welches Potential seine Stimme hat, und spätestens nach ein zwei Growlattacken waren wohl auch ein paar Bedenkenträger umgestimmt, so wäre zumindest die Lautstärkesteigerung beim Applaus zu erklären. Der Fokus der Sets lag selbstsprechend auf dem aktuellen Album „Fallen Leaves & Dead Sparrows“, das von der Presse größtenteils positiv angenommen wurde, von meinem Kollegen hier jedoch ziemlich zerrissen wurde. Mein persönliches Highlight – sein Negativbeispiel - war der Zehnminüter „If not here, where?“ ein Song der alle Stärken der Band vereint und schön zwischen sachten Akustikpassagen, Blastbeats und Gitarrenläufen pendelt ohne den roten Faden zu verlieren. So kann man sagen, dass sich Amoral Stück für Stück den Respekt des Publikums erspielte, auch wenn die ganz großen Begeisterungsstürme ausblieben.

No familiar Faces
Prolong a Stay
Beneath
If not here, where?
On the other Side Part 1
On the other Side Part 2

Wem das alles dennoch zu sperrig war, der bekam mit Dark Tranquillity eingängigere Kost. Und das die Mehrheit hier wegen der Schweden da war, ist ja wohl klar. Das Intro ist kaum verklungen, da geht es mit „The Science of Noise“ gleichmal in die Vollen und das Publikum ist da, bangt, pogt und singt mit. Der Sound ist gut, wenn auch nicht ganz perfekt, aber bei dieser Art von Mucke ist das auch nicht ganz so wichtig. Keyboard, Lead Gitarre und Vocals sind auf jeden Fall gut vernehmbar und viel differenzierter als noch vor Jahren im Lido. Das Set ist eine gute Mischung aus neuen und alten Songs, wobei die ersten Alben der Göteborger ausgespart blieben. Es ist allerdings schon erstaunlich was für eine Dichte an großartigen Nummern die Herren mittlerweile haben, so dass man viele Songs an sich beliebig vertauschen kann ohne einen großen Qualitätsabfall erleiden zu müssen. Klassiker wie das frenetisch gefeierte „The Wonders at your Feet“ oder „The Treason Wall“ dürfen natürlich nicht fehlen, aber auch bei selten gespielten Songs wie „Through Smudged Lenses“ oder aktuellen Krachern wie „The Silence in between“ ist die Berliner Menge nicht am Verschnaufen.

Sänger Mikael Stanne ist natürlich ein weiterer Grund dafür, da er nicht nur einmal mehr unglaublich sympathisch rüberkommt sondern vor allem energetisch zu jedem Song mitgeht und das Publikum damit förmlich ansteckt, sollte es mal auf die Idee gekommen sein sich auszuruhen. Visuell wird all das durch animierte Videoeinspieler ergänzt, wer also eher ruhig am Rande verweilt, kann sich zusätzlich ein paar Videoschnipsel und Animationen zu Gemüte führen. Da die Zeit an diesem Abend eher knapp ist, und es irgendwie auch stimmig ist, dass diese Energieleistung nicht unterbrochen und damit zerhackt wird, kündigt Stanne früh an, das auf eine Zugabe verzichtet wird und stattdessen lieber noch ein Song draufgelegt wird. Welcher es ist, kann ich natürlich nicht sagen, aber nach „ThereIn“, „Terminus (Where Death is most alive) und „Final Resistance“ wurde mit „Misery’s Crown“ ein würdiger Rausschmeißer gefunden, der einmal mehr lauthals intoniert wurde, bevor man die Fans in die Berliner Nacht und den andauernden Bahnstreik entließ.

Intro
The Science of Noise
Damage Done
The Silence in between
The Lesser Faith
The Wonders at your Feet
The Mundane and the Magic
The Treason Wall
Through smudged Lenses
State of Trust
ThereIn
Terminus (Where Death is Most alive)
Focus Shift
Uniformity
Final Resistance
Endtime Hearts
Misery’s Crown

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