WOLVES IN THE THRONE ROOM | WOLVENNEST

03.07.2018 – Hamburg @ Markthalle

Gerade erst ging unser beziehungsweise mein Vorbericht raus und schon war das Konzert auch da. Ebenso kurzfristig fiel dann die Teilnahme meiner Frau, die für die Fotos zuständig werden sollte, aus und genauso spontan wechselte ich von Auto auf Bahn, was einen netten Sprint zum Bahnhof bei sommerlichen Temperaturen bedeuten sollte. Manchmal spielt das Leben doch anders als erwartet – oder wie heißt es so schön: „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“

Im Zug dann angekommen ging der Puls aber bald schon runter. Zu dem heutigen Konzertabend wäre der „Sportmodus“ auch nicht passend. Denn ich freute mich herzlichst auf ein emotionales, atmosphärisches Erlebnis. Heute würde nicht extrem geheadbangt werden, keine wilde Action im Pit, nichts dergleichen. Stattdessen würde ich mich in einer anderen Welt wiederfinden, im Reiche von WOLVES IN THE THRONE ROOM.
Doch zuerst einmal standen noch WOLVENNEST auf dem Plan. Die von unserem Marcus gefeierten Belgier brachten jüngst ihr neues Werk „Void“ auf den Markt. Und nach den Worten meines Kollegen und darauf folgenden Hörproben freute ich mich auch sehr auf die Truppe – und wurde keineswegs enttäuscht. Schon das Bühnenbild schuf eine tolle Atmosphäre: vorn, in der Mitte ein Altar mit Schädel, Kerzen, einer Maske und einer Räucherschale. Apropos Rauch, dieser sollte heute definitiv nicht zu knapp ausfallen. Auch an den äußeren Rändern gab es schließlich weitere qualmende Kelche zu entdecken. Statt Backdrop gab es eine Beamershow, die, wie sich noch rausstellen würde, nicht nur Bilder sondern eine zur Musik passende Videobegleitung lieferte. Die Optik stimmte also. Dann also gesellte sich die 6-köpfige Band dazu. Neben der Rhythmusfraktion und drei Gitarren war das Theremin von Sängerin Sharon, mal abgesehen von der Erscheinung der Dame selbst, ein besonderer Blickfang. Dies Instrument sieht man nicht so häufig, vor allem nicht auf Rock/Metal Konzerten. Diese besonderen und einzigartigen Klänge trugen einen großen Teil dazu bei, den sphärischen Faden stets straff zu halten und keine Soundlücken zuzulassen. So verwebte die Band ihre großartigen Kompositionen aus Ambient und okkultem Rock wunderbar miteinander und ließ weder Pausen noch Langeweile aufkommen. Das Publikum war so super gefangen und genoss das Set von Anfang bis Ende. Erst nach dem Schlussakkord erhob sich der lautstarke Jubel und so einige eilten umgehend zum Merchstand…
… oder aber zum Tresen, der ziemlich gut von durstigen Kehlen umzingelt war. Vielleicht hätte es sich doch gelohnt, einen der beiden Stände im Saal zu besetzen. Doch wollen wir mal nicht nörgeln, ich bekam ja noch recht schnell meinen Wino – heute war einfach etwas (pardon) stilvolleres als Bier angebracht – und hatte sogar noch etwas Zeit für ein wenig Smalltalk mit Sharon, die sich bereits auf der Bühne sichtlich über den Zuspruch zum Auftritt ihrer Band freute. Sympathische Menschen mit starker Musik, das lass ich mir gefallen.

Nun aber schnell wieder zurück in den Saal, denn die ersten Töne waren schon zu vernehmen. Wie eben typisch für WOLVES IN THE THRONE ROOM waren dies aber nicht die Anzähler auf den Sticks. Bevor die Amerikaner loslegen würden, wurde erst einmal das Publikum auf die bevorstehende, über einstündige Show eingestimmt. Auch hier hieß es: erst Atmosphäre schaffen, dann loslegen. Wieder wurde die Markthalle mit Rauch gefüllt. Und dafür benutzen die Wölfe keine üblichen Nebelmaschinen. Sie setzen auf verbrannte Hölzer, vermutlich Wüstenbeifuß, der als Reinigungspflanze gehandelt und für Rituale eingesetzt wird. Und RITUAL ist definitiv ein Wort, das ich diesem Abend gern beifügen möchte.
Aus dieser stimmungsvollen Kulisse pirschten sich also die Thronherren an und die Glocken im Intro verrieten es dem Hörer bereits: das nun kommende Set wurde eingeleitet durch „Thuja Magus Imperium“, dem Opener des 2011er Albums „Celestial Lineage“. Darauf folgte mit „Born From The Serpent’s Eye“ ein weiterer Albumeröffner, nämlich der des aktuellen Werkes „Thrice Woven“. Und sofort ging ein freudiges Raunen durch die Menge als die mächtige, aber gefühlvolle Hauptmelodie aus den Boxen knallte. Nun erlangte die Stimmung einen ersten Höhepunkt. Auf die Nummer hatten sich wohl schon einige der Anwesenden gefreut. Auch die folgenden Titel „Angrboda“ und „Fires Roar In The Palace Of The Moon“ stammen von besagter Scheibe und stießen ebenso auf viel Gegenliebe. Mit „Prayer Of Transformation“ kehrte man dann noch einmal zu „Celestial Lineage“, auch wenn ich meinen möchte, dass die dargebotene Version noch etwas mehr Härte hatte als das Original, jedoch sicher nicht weniger Gefühl mit sich führte. Und so hinterließ mich die Band abermals für gut zehn Minuten irgendwo im nirgendwo, jedoch sicher nicht mehr in dieser Welt. Und genau dafür liebe ich sie – für dieses Feeling und natürlich für den schon fast traditionellen Abschlusstrack: „I Will Lay Down My Bones Among The Rocks And Roots“ von „Two Hunters“ (2007), das bei den Fans noch immer als eines der besten Alben der Band gefeiert wird, führte das Set zum finalen Höhepunkt. Welch ein Meisterwerk! Selten liegen vertonte Emotionen und Vehemenz so dicht bei einander wie hier. Das geht so tief rein, da kann ich gar nicht anders als zu schwärmen. Und wer nicht spätestens beim Einsetzen der prägnanten Trommeln mitgeht, ist einfach nur taub oder total kaputt. Dem Publikum war jedenfalls anzusehen, dass sie alle meiner Meinung zu sein schienen. Schwungvolles Mitwippen, breites Grinsen, verträumtes Tanzen(!) – alles war zu finden, was mir meine These bestätigte.
Und so wie ich im Vorbericht schon davon sprach, dass ich vermutlich einen Großteil des Konzerts mit geschlossenen Augen verbringen werde, traf dies dann auch zu. Diese ganze Symphonie aus Licht, Rauch und Klang (Wahnsinns Sound übrigens, liebe Markthalle) schaffte in der Tat einen meditativen Zustand und ich konnte und wollte mich dieser Welt gar nicht mehr entziehen, weder um Fotos zu machen – was ich zwar versuchte, aber bei dem erzeugten Smog ohnehin kaum möglich war – noch um mir einzugestehen, dass die Show nun vorbei war und ich zu meinem Zug eilen musste.

Mit den letzten Melodien im Kopf ging es dann also wieder heimwärts und es war nur noch ein Wort im Kopf: Großartig! Mag sein, dass nicht jeder auf diese Art von Musik steht, aber wenn er es tut, dann wird er es wohl nachvollziehen können, was in mir vorging. Ich kann als Fazit jedenfalls festhalten „immer, immer wieder, danke“!

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