SATYRICON | SUICIDAL ANGELS

23. März 2018 – Dresden @ Beatpol

Nach der Tour im Herbst, die größtenteils in ausverkauften Häusern stattfand, waren SATYRICON kürzlich noch einmal quer durch Europa unterwegs, wieder mit den SUICIDAL ANGELS im Gepäck und vornehmlich in Städten, die bisher noch nicht besucht wurden. So kam es diesmal auch zu einem Konzert im altehrwürdigen Beatpol zu Dresden.

Der avisierte Veranstaltungsbeginn 20:00 Uhr war entspannt und der Saal gut gefüllt, wenn auch noch längst nicht proppenvoll. Auffällig war, dass jeder 2. Mensch ein SATYRICON-Shirt trug. Ich folge eher der Regel, niemals eine Band anzuziehen, die an dem Abend auf der Bühne steht, denn die Auswahl ist groß genug und genau die Sorte Fans, die nur eine Lieblingsband kennen und nichts Anderes gelten lassen, sind ein Graus für jede Vorband. Ganz besonders für eine Thrash Metal Combo, die für die Rock Stars des Black Metal schlechthin eröffnen sollen.

Als die SUICIDAL ANGELS gegen 20:15 Uhr die Bühne enterten, klammerte sich die erste Reihe bereits an der Absperrung fest, um dann auch wirklich ganz vorn zu stehen, ansonsten war noch viel Platz auf der Tanzfläche. Eine Handvoll Nasen (inkl. meinereiner) schüttelte dennoch das Haar und die Fäuste, denn die Mucke der Griechen macht einfach Spaß und sie sehen auch noch schmuck aus (das Auge isst und hört bekanntlich mit). Sie ließen sich auch nicht davon die Laune verderben, dass die Publikumsreaktionen eher spärlich ausfielen und zogen die Show durch, als stünden sie vor einem ganzen Stadion frenetisch feiernder Thrash Metal Maniacs. Der Dresdner braucht immer noch eine Extra-Einladung. Ohne Animation gab es nur Höflichkeitsapplaus, höflich im Sinne von „Ist das Lied hier zu Ende, darf ich schon klatschen? Ich will ja nicht stören. Oh, das nächste fängt schon an, dann eben nicht.“ Spiele wie „jetzt schreit bitte nur die rechte Seite… und jetzt die linke…und jetzt alle zusammen“ wurden aber dankbar aufgegriffen. Die Krönung war dann, als zur Wall of Death aufgerufen wurde. Vielleicht 15 Mann (m/w) begaben sich zu den Seiten, jeder mit einem ungläubigen Grinsen im Gesicht, stapften wie die Sumos von einem Bein aufs andere und warteten auf den Startschuss, um fröhlich aufeinander zu und umeinander herum zu springen. Das war ganz großes Tennis und immerhin waren die Headbanger- und Moshmuskeln dann gut aufgewärmt für den Hauptact.
Die Umbaupause war nicht so lang wie befürchtet, da wieselte ein gut eingespieltes Team auf der Bühne herum. Vielleicht kam es mir auch nur kurzweilig vor, weil ich in ein Gespräch verwickelt wurde (Gruß an Steffi aus Berlin und danke für den Platz ganz vorn in der Mitte). Ohne großes Intro-Gedöns ballerten SATYRICON mit „Midnight Serpent“ los und schien damit die Leute ein wenig zu überfahren. Im direkten Vergleich mit der Show in Prag im vergangenen Oktober, wo vom ersten Ton an der gesamte Saal getobt hatte, war das Publikum in Dresden scheintot… bis auf eine kleine, vornehmlich weibliche Gruppe ganz vorn in der Mitte, die SATYRICON abfeierten, als ob sie die allergrößte Band auf diesem Planeten, ach was: der gesamten Milchstraße wären (statt eine sehr gute unter vielen). Der Dresdner freut sich gemeinhin eben eher still und lässt sich gern bitten. Auf Aufforderung wurde laut mitgesungen und besonders bei „Mother North“ war der Chor schon echt beeindruckend. Es dauerte tatsächlich bis zur vorletzten Zugabe („Fuel For Hatred“) des knapp 2-stündigen Sets, bis sich – wieder auf Aufforderung – ein echter Moshpit in Bewegung setzte. Nicht dass mir etwas gefehlt hätte, weil ich weder einen Stiefel im Gesicht hatte noch um meine Knochen fürchten musste, aber seltsam finde ich es trotzdem, bei so einer Band still herumzustehen.

Die Setlist ließ kaum Wünsche offen, außer man hätte sich der Illusion hingegeben, SATYRICON könnten eine Old School Show mit ausschließlich Songs der ersten 3 Alben spielen. Das war aber von vornherein nicht zu erwarten und mit „Walk The Path Of Sorrow“ wurde immerhin ein Schmankerl von „Dark Medieval Times“ dargeboten. Ansonsten gab es einen ausgewogenen Mix aus älteren und neuen, langsamen und flotteren Sachen und wenn man überhaupt meckern will, dann nur, dass die Songauswahl fast haargenau dieselbe wie zum ersten Teil der Tour im Herbst war. Selbst die Reihenfolge kam mir bekannt vor. SATYRICON sind eine gut geschmierte Maschine, jeder hat seinen Platz und seine Aufgabe, Spontaneität ist nicht zu erwarten, aber alle hatten merklich Spaß bei der Arbeit und lieferten eine sehr gute – zum Glück nicht zu perfekte – Show ab.

Bei der ortsbezogenen Dankesrede lobte Satyr die „great atmosphere“, er hatte wohl schlimmeres erwartet, zumindest sei ihm zu Ohren gekommen, dass Dresden eher ein Pflaster für Old School Death Metal als für Black Metal sei. Ich bin mir trotzdem nicht so sicher, ob Dresden wieder auf der To-Tour-Liste stehen wird, wenn an einem Freitagabend ein beschaulicher 400-Leute-Saal gut voll, aber nicht ausverkauft ist und ein Großteil des Publikums seiner Begeisterung wenig expressiv Ausdruck verleiht. Begeistert waren aber alle, bis auf einzelne ewige Nörgler, die schon vorher wussten, dass es (nach ihren Maßstäben) Mist wird. Ich für meinen Teil hatte Spaß und fand es einen gelungenen Abend.

Setlist Satyricon:
Midnight Serpent
Our World, It Rumbles Tonight
Black Crow On A Tombstone
Deep Calleth Upon Deep
Walker Upon The Wind
Repined Bastard Nation
Nocturnal Flare
Commando
Now, Diabolical
To Your Brethren In The Dark
Dissonant
Walk The Path Of Sorrow
Transcendental requiem Of Slaves
Mother North


-- Zugabe --
The Pentagram Burns
Fuel For Hatred
K.I.N.G.

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