CD-Reviews T-V

TÝR (with the symphony orchestra of the Faroe Islands) – A Night At The Nordic House (2022)

(7.668) Maik (9,0/10) Symphonic Folk Metal


Label: Metal Blade Records
VÖ: 18.03.2022

Stil: Symphonic Folk Metal Metal

 

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­Die Kollaboration von Metal Bands mit sinfonischen Orchestern ist ja so extrem neu nicht. Was vielleicht neu ist, wenn eine außerhalb von Metalkreisen doch relativ unbekannte Band, die zudem noch auf einer vom Weltgeschehen abgeschnitten erscheinenen Inselgruppe im Nordatlantik haust, ein derartiges Unternehmen angeht.

Die Seebären von TÝR haben dieses Unterfangen gestemmt, und sich mit dem heimischen Sinfonieorchester die Bühne geteilt. Ein derartiges Event gehört natürlich für die Nachwelt festgehalten, und so gibt es diese Veranstaltung sowohl als Tonträger als auch in visueller Form auf DVD zu kaufen. Das Konzert fand am 8. Februar 2020 statt, also gerade noch rechtzeitig vor dem allgemeinen pandemiebedingten Konzertkollaps. Angesichts dieses Timings ist den Jungs von den Schafsinseln sicher ein Felsen vom Herzen gefallen, gegen den ein kalbender Gletscher wie ein fallendes Blatt anmuten dürfte.

Es beginnt, wie zumeist üblich, mit einer Ouvertüre, die schon mal eine gewisse Epik aufbaut, und teilweise an Filmmusik zwischen JOHN WILLIAMS und ENNIO MORICONE gemahnt, bevor dann mit „Gates Of Hel“ der erste Kracher losgelassen wird. Das hat mich schon mal begeistert, gehört dieser Track doch zu meinen Favoriten auf dem letzten Studioalbum „Hel“.

Dabei fällt zuerst einmal auf, dass das Orchester hier wirklich songdienlich agiert, die Musik der Band eher verstärkt als mit zu vielen Klangteppichen zu überlagern. Ebenso zeigt es sich, dass TÝR von Haus aus schon ziemliche Anklänge an die klassische Musik verarbeitet haben, was einer derartigen Inszenierung natürlich nur dienlich sein kann.

Das eher episch-folkige „Grindavísan“ wird dann in dänischer Sprache vorgetragen. Natürlich mit dem etwas härteren färöischen Akzent. Da ich generell die skandinavischen Sprachen mag, sogar eine Zeitlang versucht habe, autodidaktisch Dänisch zu lernen, laufen mir Nordic-Folk-Gesänge in Heimatsprache immer gut rein, egal ob nun Islensku, Føroyskt, Dansk, Norsk, Gammalnorsk oder Svensk.

Nun, keine Angst, ich werde hier nicht jeden Song auseinandernehmen, das soll jeder für sich tun, der sich dafür entscheidet, dieses Live-Album der besonderen Art zu erwerben. Dies lohnt sich auf jeden Fall, denn TÝR bieten hier einen wirklich interessanten Querschnitt ihres Repertoires, wobei natürlich das Hauptaugenmerk auf Songs der späteren Alben gelegt wurde.

So findet man getragene, fast doomy wirkende Epikbolzen wie „Sunset Shore“, choralhafte Gesänge wie in „Ragnars Kvæði“, oder Turið Torkilsdóttir“ die fast eine progressive Note beinhalten oder VerTÝRte Volksweisen wie „Ramund Hin Unge“. Mit der „Gavotte From Suite In S-Minor“ (ich glaube, das ist von BACH) wird auch ein klassisches Stück intoniert. Power Metal- affine Songs wie „Blood Of Heroes“ treffen auf Wikingergesänge wie in „Tróndur I Gøtu“, der sich um eine der Hauptpersonen in der Färingersaga dreht und verträumte Melodien wie im Song „Torkil’s Døtur“.

Und natürlich dürfen Granaten wie „Hold The Heathen Hammer High“, „Fire And Flame“ (mein zweiter Lieblingssong von „Hel“) und „By The Sword In My Hand“ nicht fehlen.

Ja, ich kann nur sagen, absolut gelungen, das Scheibchen. Das Orchester drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern macht Druck von hinten, und verleiht den Songs von TÝR, die ja eh schon einen hymnischen Charakter in sich tragen, zusätzliche epische Breite. Dabei dominieren auch nicht übertrieben opulente Streicherteppiche das Geschehen, wie ich es bei METALLICAs „S/M“ – Album bemerken musste. Die Songauswahl ist recht ausgewogen, und bietet alle Facetten des Musikschaffens der Färinger dar.

Ich kann Freunden des hymnischen Pagan/Viking/Folk- Metals der Band dieses Album nur ans heidnische Herz legen, denn der Musik der Gruppe wird hier noch eins draufgesetzt, ohne zu aufgebauscht zu wirken. Man spürt die Spielfreude, die sowohl Band als auch Orchester offenbaren, was das Konzert auch zu einem emotionalen Leckerbissen macht.

Anspieltipp: „Gates Of Hel“ und „Tróndur I Gøtu“


Bewertung: 9,0 von 10 Punkten


Tracklist:
01. Hel’s Prelude
02. Gates Of Hel
03. Grindavísan
04. Sunset Shore
05. Ragnar’s Kvæði
06. Gavotte From Suite In S-Minor
07. Blood Of Heroes
08. Ramund Hin Unge
09. Hold The Heathen Hammer High
10. The Lay Of Thrym
11. Tróndur Í Gøtu
12. Mare Of My Night
13. Turið Torkilsdóttir
14. Fire And Flame
15. Torkil’s Døtur
16. Ormurin Langi
17. By The Sword In My Hand
18. Álvur Kongur



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