FREUDE, TRAUER, STÖRGERÄUSCHE - DAS ROCK HARD FESTIVAL 2017

02. - 04.06.2017 - Gelsenkirchen @ Amphitheater

TAG 1 (Freitag)   TAG 2 (Samstag)  TAG 3 (Sonntag)
Waren am frühen Morgen noch dicke, schwarze Wolken am Himmel und ein paar kleine, nasse Tropfen am Haupthaar zu spüren, so gab es im weiteren Verlauf des zweiten Tages lediglich einen klitzekleinen und kurzen Schauer und das obwohl jede verfügbare Wetterapp im Vorfeld für Runde 2 Scheißwetter prognostizierte. Stattdessen Sonne satt , so muss das sein.

Nachdem die Biervorräte wieder aufgefüllt, das Eis in den Kühlboxen ersetz und so langsam Dämon Alkohol vom Vortag aus dem Körper verbannt wurde, ging es wieder in Richtung Gelände, um auch gar nichts vom heutigen großartigen Line Up zu verpassen, welches einige faustdicke Überraschungen zu bieten hatte.

Die erste gab es gleich zu Beginn in Form der britischen Metaller von Monument um ex-White Wizard Frontröhre Peter Ellis, der zusammen mit seinen vier Mitstreitern etwas ganz Großes auf die Beine gestellt hat. Maiden-artige Riffs und Leads, ein fetter, durchdringender Sound und knackig kernige Mitgehhymnen, die sofort im Ohr haften bleiben und die bereits zahlreich anwesende Meute zu Jubelstürmen mitrissen. Zu solch einer frühen Stunde war es mehr als beachtlich, wie viele Metaller sich vor der Bühne versammelten, um Monument nach allen Regeln der Kunst abzufeiern. Das fiel auch nicht sonderlich schwer, denn das hier zur Schau gestellte war eine Blaupause dafür, wie Heavy Metal zu klingen hat und somit war es kaum weiter verwunderlich, dass nach jedem Song der Bandname lauthals skandiert wurde und somit dieser wirklich frühe Auftritt zu einem wahren Triumphzug für die sympathischen Briten wurde. Hammer!
Nach dieser Demonstration metallischen Könnens, welche einen Slot weitaus höher im Billing verdient gehabt hätte, gab es mit den sinistren Thrashsalven der Kölner Ketzer das komplette Kontrastprogramm. Nicht, dass dies unbedingt schlecht gewesen wäre, doch nach einer solch vorangegangenen Darbietung war es für mich anfangs etwas schwer, mich auf den Sound der Jungs einzulassen. Allerdings muss ich gestehen, im Vorfeld schon eine gewisse Neugier gehabt zu haben, denn nachdem Siggi das letzte Album "Starless" so derbe abgefeiert hatte wollte ich schon wissen, was an den Jungs so besonders sei. Und tatsächlich, das ist keine 08/15 Geschichte, sondern vielmehr ein gekonnter Mix aus diversen Spielrichtungen, wobei der tiefschwarze Anstrich dieser tief in den 80ern verwurzelten Riffattacken dem Ganzen eine fein herbe Note verleihen. Das Publikum war ebenfalls "amused" und gab diesem Auftritt mehrfach "Daumen hoch". Kommt aber im Club vermutlich weitaus besser, als auf der großen Showbühne. Weiter so Jungs.

Im Vorfeld war ich schon mehr als gespannt auf The night flight orchestra, der Band um Soilwork Röhre Speed Strid und Arch Enemy Viersaiter Sharlee D'Angelo, die mit ihrem Foreigner/Journey angehauchten Cheese-Pop-Rock so gar nicht ins Billing passen wollten und trotzdem mächtige Spuren hinterließen. Zu allererst fiel aber das Outfit des sympathischen Frontmanns ins Auge, der mit einem himmelblauen Sakko und weißen Slippern ein klein wenig wie ein Zuhälter aus den Siebzigern anmutete und bei mir für ein sattes Schmunzeln sorgte. Dazu zwei Background Sängerinnen, die nicht nur gesanglich, sondern mit einige lasziven Hüftschwüngen die Meute zu animieren versuchte, was durchaus Anklang bei der männlichen Belegschaft fand. Der Gig an sich war interessant, der Sound vollkommen ok und irgendwie ertappten sich auch Leute in finsteren Black Metal Shirts dabei, wie sie rhythmisch mit dem Kopf im Takt mitwippten. Ich persönlich kann mir aber gut vorstellen, dass solche Perlen wie "Midnight flyer" auf einer Clubbühne noch mehr von ihrem Charme entfalten würden. Dennoch...mehr als unterhaltsam und definitiv ein Farbtupfer.
Gänzlich skeptisch war ich bei der nun folgenden Band, denn Skyclad hatte ich zuletzt irgendwann in den Neunzigern noch mit Martin Walkyier gesehen und auch das aktuelle Album fand noch nicht den Weg in meinen Player, obwohl es in unserer Redaktion zum großen Teil deftigst abgefeiert wurde. Somit sollte dieser Gig tatsächlich eine große Wundertüte für mich und auch viele anderen sein, doch wie es manchmal so ist...wenn man nicht weiß was drin ist, ist die Überraschung manchmal umso größer. Das machte richtig Laune und war ein hervorragender Soundtrack für das immer besser werdende Wetter. Frontmann Kevin Ridley, der vom Aussehen her eher auf ein Singer/Songwriter Festival gepasst hätte, gab richtig Kniegas und war scheinbar von der Publikumsreaktion genauso überrascht, wie ich von dem hier Gesehenen. Es wurde getanzt, gemosht, die Faust erhoben und Skyclad konnten diesen Auftritt als Sieg auf der ganzen Linie verbuchen. Zu 100 Prozent eine der angenehmsten Überraschungen auf dem 2017er RH.

"Der nächste Song geht an alle, die wie beim Rock am Ring versuchen, uns anzugreifen. Death the brutal way". Ja, man muss Martin van Drunen für seine Ansagen einfach mal knuddeln. Der Mann macht aus seinem Herzen keine Mördergrube. Gut so. Das Asphyx ganz nebenbei musikalisch fast vollständig unantastbar sind, sollte nun mittlerweile selbst die Hütten-Zensi in Hintertupfingen begriffen haben und wenn man mit einer Höllengranate wie "Vermin" ins Programm startet, kann eh nichts mehr schiefgehen. "Scorbutics", "MS Bißmarck" oder "Deathhammer"...nur ein kurzer Auszug aus einem Strauß bunter Melodien, die der Vierer ohne Rücksicht auf Gefangene ins weite Rund schossen. Der Sound war, Asphyx-typisch, etwas breiig, konnte den Mob aber nicht davon abhalten, gnadenlos ausufernd durchzudrehen. Man kann bei dieser Truppe einfach nichts falsch machen und ich freue mich bereits jetzt schon drauf, die Kaputtnicks beim Protzen in ein paar Wochen wiederzusehen.
Im Vorfeld hatte unserer Marcus tatsächlich zugegeben, noch nie Exodus live erlebt zu haben. Ein Versäumnis fürwahr, aber eins, was er heute endlich korrigieren konnte. Bevor allerdings die Jungens die Bühne betraten, sorgte ein Umstand bei mir doch für die allseits bekannte Puckerfalte: Warum musste die kalifornische Bay Area Legende als einzige Band ihre Shirts mit einem satten Aufpreis versehen? Schade, ich hätte mir sonst eins gekauft, um meine tiefe Verbundenheit gegenüber dieser unglaublichen Band zu demonstrieren. Egal, Ärger runtergeschluckt und ab vor die Bühne.
Der Fünfer startete dann auch gleich mit insgesamt drei Songs vom legendären "Bonded by blood" Album, dem Titeltrack, "Exodus" und "And then there were none" und brachte somit den gesamten Pit in Wallung. Was allerdings auffiel war der Umstand, dass Frontklops Zetro ein paar Mal stimmlich ziemlich daneben lag, was vor allem bei "Pleasures of the flesh" auffiel, den ich noch nie live gehört hatte und mich dementsprechend freute. Überhaupt muss man sagen, dass die frisch für diesen Festivalsommer zusammengestellte neue Setlist durchaus Überraschungen beinhaltete, denn einen Song wie "Children of a worthless god", der noch von Rob Dukes eingebrüllt wurde, hätte ich nie und nimmer erwartet. Alles in allem eine mehr als runde Sache und selbst der Umstand, dass Gary Holt einmal mehr nicht mit von der Partie war, schmälerte diesen feinen Abriss keineswegs. Immer wieder gerne.

Das D-A-D immer wieder gehen, bewies der nun folgende Auftritt, bei dem alleine das Bühnenbild einen Oscar verdient hätte. Ein überdimensioniertes Sofa (natürlich stilecht mit Blümchenmuster), zwei ebenfalls etwas ausartende Boxen links und rechts flankiert und ein Stig am Bass, der wie eine Mischung aus Astronaut und das Ding aus dem Sumpf anmutete und erneut mit grandiosen Bass-Kreationen für Mega-Lacher sorgte. Genauso wie die verwursteten Ansagen von Fronter Jesper Binzer, der zusammen mit seinem Bruder Jacob einen megafetten Sound auf das begeisterte Publikum niederprasseln ließ und zusammen mit Ausnahmedrummer Laust Sonne dafür sorgten, dass das Publikum nach jedem Song lautstark den Bandnamen skandierte. Das war Rock'n'Roll vom allerfeinsten, gute Laune pur und einfach nur der bislang mit weitem Abstand beste Auftritt des gesamten Festivals, der bis spät in die Nacht nachhallte. Ich jedenfalls hörte auf dem Rückweg aus verschiedenen Kehlen "I'm sleeping my day away". Megageil!!!!
Im totalen Kontrast dazu stehen natürlich Behemoth, die auch heute erneut so unfassbar böse und brutal rüberkamen, dass man mit Einsetzen der Dunkelheit den einen oder anderen Schauer über den Rücken gejagt bekam. Dazu gesellte sich natürlich der Fakt, dass die Setlist von einer mächtigen Feuershow und einem Nergal in absoluter Höchstform flankiert wurde und nicht nur den eingefleischten Fans die perfekte Vollbedienung kredenzte. Ich habe die Jungs schon mehrfach live erleben dürfen und kenne kaum eine andere Band, die auf der großen Bühne eine ebensolche Präsenz an den Tag legt, wie in einem kleinen ranzigen Club. Der Sound war fett, die Songauswahl exzellent und Behemoth unterstrichen einmal mehr, weshalb sie mit Fug und Recht zur Speerspitze der Black/Death Metal Bewegung gehören. Das Publikum war begeistert, verfolgte den Auftritt aber nicht mit der ansonsten heute gezeigten Euphorie, sondern vielmehr andächtig und bewegt, was zu dieser Performance mehr als gut passte. Obwohl ich im Vorfeld mehr als skeptisch war, waren die Polen ein mehr als würdiger Headliner.
Ein eigentlich perfekter zweiter Festivaltag neigte sich dem Ende, wenn uns nicht die erschütternde Nachricht ereilt hätte, dass Promoter, Musik Manager (Bliksem/The devils blood) und einfach guter (Metal) Geist Bidi van Drongelen heute plötzlich und vollkommen unerwartet an einem Herzinfarkt verstarb. Das Leben spielt einem manchmal einen richtig dreckigen und gemeinen Streich. Die Metalwelt trauert um einen guten Menschen, einen aufopferungsvollen Manager, Promoter, einen guten Freund. R.I.P.
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