KADAVAR | MANTAR | DEATH ALLEY

18.11.2017 – Berlin @ Columbiahalle

Das Finale der Kadavar-Europa Tour sollte – wo auch sonst- in ihrer Heimat Berlin enden. Ein würdiger Anlass, um da vorbeizuschauen, zumal mit Mantar und Death Alley ganz hervorragende Bands zusätzlich auf dem Plan standen.

Die Columbiahalle in Berlin-Tempelhof ist ein merkwürdiger Ort. Launisch, wandelbar und immer für positive oder negative Überraschungen gut. Manchmal perfekt passend zur jeweiligen Musik (Sisters of Mercy, Einstürzende Neubauten z.B. dieses Jahr), manchmal zu groß, düster, uncharmant und zweckdienlich, Ich habe hier einige der besten aber auch einige sehr schlechte Konzerte erlebt. Überrascht, dass eine Band wie Kadavar hier das Zugpferd für eine dermaßen große Venue ist, dürfte man eigentlich nicht mehr sein. Vielmehr erfreut und etwas ungläubig, dass eine Band mit einem derartig musikalischen Ansatz einen fast kometenhaften Aufstieg nach dem anderen erlebt.

Die Amsterdamer Combo Death Alley durften bereits beim „Roadburn Festival“ spielen, was ja fast einer Nobilitätsauszeichnung gleichkommt, bedenkt man, welch Stellenwert dieses Festival immer noch genießt. Stilistisch dem Hauptact sicherlich nahe, boten die Holländer in den folgenden 40 Minuten einen ganz hervorragenden Vintage-Rock-Gig nahe an der Perfektion. Etwas jamlastiger und ausufernder als Kadavar, jedoch mit weniger Bumms in den Kompositionen, habe ich selten eine so gut gelaunte Band erlebt. Auch optisch natürlich alles dabei: Schlaghosen, Schellenring, Kotelletten und Brusthaare bis zum Arsch. Man lasse sich aber nicht täuschen: Death Alley ist keine zurecht gestylte Mogelpackung, sondern besteht aus hervorragenden Musikern, die ihre Songs gerne etwas ausarten lassen, sich jedoch nicht auf Pose und Zeitreise beschränken, sondern wirklich gute, tanzbare Songs am Start haben. Das findet auch ihr Sänger, der herrlich smooth groovend übers Parkett tänzelt, dabei im Stile Morrisons seinen Schellenring klappern lässt und einfach nur positive Ausstrahlung absorbiert, die schnell ansteckend wirkt. Einen besseren Start hätte man sich kaum wünschen können.

Dennoch war ich froh, dass mit Mantar nun eine ganz anders gearteter Act die Bühne betrat, denn 3 Bands der Marke Death Alley/Kadavar hätte vielleicht etwas ermüdend und eintönig gewirkt. Alle positive Energie war nach den ersten Takten auch wie weggeblasen, denn Mantar sind in der derzeitigen Form zerstörerisch und zerstörend zugleich. Der Sound der Band ist komplett zwischen allen Stühlen. Ich könnte nicht sagen, was die Band für Musik macht und es ist auch scheissegal, solange 2 Menschen auf der Bühne einen derartigen energy-flow entfachen können, der ausreichen würde, eine Kleinstadt mit Strom zu versorgen. Echt erstaunlich, wie ein derartiges Inferno nur mit einer Gitarre, Drums und absoluter Hingabe in dieses große Rund geschleudert werden kann. Ich fand es fabelhaft, weil hypnotisch, schrill, anstrengend, auf Genres und Konventionen pfeifend und zuletzt auch persönlich erlösend solch einem außergewöhnlichen Act hier dabei zuzuschauen, die Synapsen vieler Zuhörer fett zu penetrieren. Man merkte förmlich, dass viele Zuschauer zunächst irritiert waren und sich mit Dauer des Konzerts erst die Kinnladen wieder schließen mussten, bevor realisiert werden konnte, wie irre das ganze Ding der 2 Hamburger eigentlich ist. Der Energie des Zweiers kam zudem eine wirklich gelungene Beleuchtung der Bühne zugute, die den ganzen Auftritt in einem sehr obskuren Licht erstrahlen ließ, während sich Drummer und Sänger/Gitarrist quer zum Publikum aus geschätzten 5 Meter Nähe auf der großen Bühne gegenseitig, blind verständigend befeuerten. Ein atemberaubender Auftritt mit unbedingt positivem Stressfaktor. Die „Era borealis“ möge so lange wie möglich andauern.

Die Tatsache, dass Kadavar eine wirklich großartige Live-Band sind, dürfte hinlänglich bekannt sein. Schon bei meinem ersten Live-Kontakt mit der Band im völlig überfüllten Magnet Club 2012 konnte man spüren, welch Potential in diesem Dreigestirn steckt. Der hiesige Auftritt 2017 lässt erahnen, dass diese Band noch längst nicht am Ende der Fahnenstange ist, vielmehr wirklich auf dem Wege zu kleinen Superstars oder weil das so scheisse klingt zu einer der größten Stoner-Rockbands überhaupt. Vom Songmaterial über die Performance bis zur fantastischen, acid-artigen Bühnenausleuchtung stimmte hier einfach alles. Es ist egal, welchen Song diese Band anspielt. Jeder Song hat etwas Einzigartiges zu bieten, einen unglaublichen hook, einen fantastischen Groove und Ohrwürmer en masse. Ich habe bei Stoner- und Hardrockkonzerten noch nie einen ernstzunehmenden Moshpit vor der Bühne erlebt. Bei Kadavar geht auch das und es ging es in den ersten Reihen zu als würden Agnostic Front und Earth Crisis ihre alten Kracher zocken. Unfassbar diese Energie.

Klar, ein kleiner Heimvorteil dürfte der Band hier auch zugutekommen aber man muss schon sagen, die Rythmusfraktion funktionierte wie ein Uhrwerk. Dazu ein Basssound zum Niederknieen und Kopf-gegen-die-speaker-schleudern. Besonders bei „Into the wormhole“ vom neuen Album hatte ich den Eindruck, der junge Geezer Butler wäre auf der Bühne. Spezieller Blickfang an diesem Abend war der zentral platzierte und gut ausgeleuchtete „Tiger“ an seinen Drums. Einmal diesen skurril anzuschauenden Typen an seinen Drums schmettern gesehen und niemals wieder vergessen, versprochen. Die Setlist war sehr umfangreich und bot eigentlich fast alle wirklich fantastischen Tracks der Band, z.B. „Rough Times“, „Into the Wormhole“, „Die Baby Die“ vom neuen Album, das fantastische „Doomsday Machine“, „Eye of the Storm“ von „Abra Kadavar“, „Black Sun“ vom Debüt und einige mehr. Etwas vernachlässigt wurde hingegen das vorletzte Album „Berlin“ und meinen Favoriten aus diesem Album „Thousand miles away from home“ habe ich auch vermisst aber eben diese Meilen waren sie halt nun nicht mehr entfernt. Wie es scheint, sind Kadavar momentan zur richtigen Zeit auch immer am richtigen Fleckchen angekommen und überall zuhause. Und zwar egal, wo sie spielen!

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