INGE & HEINZ

28.10.2017 - Luckenwalde @ Stadttheater

An der Luckenwalder Spaß-Combo scheiden sich seit ihrem ersten Auftauchen im Rampenlicht die Geister. Ich nenne das mal den Primus-Faktor (falls irgendwer die Truppe um Ausnahmebasser Les Claypool überhaupt noch kennt), denn hier gibt es wirklich nur zwei Fraktionen: Die einen vergöttern die liebenswert chaotische Truppe aus dem Südbrandenburgischen, die anderen überschütten die Barden mit Häme und boykottieren diese rigoros. Ich gehöre seit dem ersten Erblicken auf der Bühne und dem großartigen Album „Musik zum Möbel uffbauen“ definitiv Erstgenannten an und versuche jedem Gig beizuwohnen, der in meiner Nähe stattfindet. Natürlich war es daher auch meine oberste Bürgerpflicht dem Inge & Heinz Heimspiel in Luckenwalde meine Ehre zu erweisen und zu schauen, wie die Einwohner der Kreisstadt des Landkreises Teltow-Fläming auf Eierlikör, Marimba, Helene Fischer Verballhornung und großartigem Klamauk reagieren würden.
Das Studio des Stadttheaters Luckenwalde jedenfalls entpuppt sich als wunderschöne Location mit Stehtischen, einem richtig schnieken, schon fast Cabaret-artigem Charme und einer grandiosen Akustik, die der junge Jonas am Marimba als Opener gleich mal austestet. Es ist bezeichnend für den gesamten Abend, dass statt einer weiteren Band einem jungen Musiker eine Plattform gegeben wird um zu zeigen, was er am Aufschlagidiophon so draufhat. Natürlich ist das anwesende, zum Teil ältere Publikum begeistert und bedenkt den Knaben mit langanhaltenden Applaus.
Kurz bevor es losgeht noch schnell an die schmucke Bar und ein alkoholfreies Weizen geordert, da ja an dem Abend a) noch Eierlikör zum verköstigen geben sollte und b) mein Sohn als ebensolcher Anhänger der nun folgenden Inge & Heinz den Papa nicht unbedingt mit Schwips erleben soll. Außerdem macht es vielmehr Spaß, die Truppe nüchtern zu erleben (kein Scheiß), denn neben den unzähligen Späßken die nun folgen sollten muss festgehalten werden, dass es sich bei Inge & Heinz um durch die Bank weg gute Musiker handelt, die sogleich mit meinem Lieblingssong „Revolverdiele“ in die nächsten knapp 90 Minuten einstiegen.
Der Alte (Daniel) war super bei Stimme, sein Mützen Repertoire unerschöpflich, Mackse musste im rose Lackanzug einige Demütigungen über sich ergehen lassen und der Papst an den Keyboards erntete diverse Buhs. Sandrachen brillierte bei einer echt starken Limp Bizkit Performance und auch die Gäste Behrang Alavi von den Berliner Stoner Rockern Samavayo (Gesang bei „Kautsch“) und Stephan Zelzer von Mutabor (Bass bei „Glatze“) fügten sich in das mehr als unterhaltsame Konzept blendend ein. Die Köpfe wippten im Takt, der Applaus war frenetisch und überall konnte man zufriedene und lächelnde Gesichter erspähen. Klasse war auch die Performance von Mark Mosby, den ich bis zur Auflösung durch Daniel am Ende des Berichts tatsächlich für eine Frau hielt. Mea culpa..oder eher doch nicht?

Diverse Kostümwechsel, wechselnde Sänger und einfach Unterhaltung pur boten Inge & Heinz an diesem wundervollen Abend, der nicht nur musikalisch großartig einschlug, sondern ebenfalls für grandioses Entertainment sorgte und mit ausufernden Penis Konfetti zum Ende hin für einen großen Lacher sorgte…vor allem deswegen, weil ich diverse von den Teilen in meinem (alkoholfreien) Bier wiederfand. Ein Erfolg auf ganzer Linie verbunden mit der Hoffnung, einen solchen Gig noch einmal miterleben zu dürfen.
SETLIST
Revolverdiele
Inge & Heinz
Hund
Ersma liejen
Liebe
Der Schuh
Tetrapackrotwein
Uh!
Limp Bizkit
Wurstboot
Ick will nich
Speisekarte
Apfellied
Abitur
Kautsch feat. Samavayo
Koffer
Döner
Obst & Gemüse
Glatzefeat. Mutabor
Tonne
Helene
Wham
Haddaway
Klar, dass man nach einem solchen Abend noch ein paar Fragen auf dem Kessel hat, die ich Daniel einfach stellen musste…

Eine Nacht drüber geschlafen. Wie lautet Dein persönliches Fazit des gestrigen Abends?

Ick bin immer noch sehr von den Socken. Ich hätte nie gedacht, dass wir mal ein ausverkauftes Konzert spielen. Auch wenn nicht alle Sachen ganz nach Plan liefen, war es doch sehr überwältigend. Meine weiße Fell-Jacke für „What is Love“ kam am Konzerttag erst aus China mit der Post. Leider viel zu klein, aber das liegt wohl eher an den Chinesen. Die sind ja alle etwas kleiner. Beim nächsten mal muss ich wohl ne XXXXL bestellen. Ausserdem funktionierten die eingebauten LEDs nicht, das bemerkte ich aber erst, als der Song anfing. Aber Wurscht, jefetzt hats trotzdem.

Es war das erste Konzert, das viele unserer Eltern besuchten. Was schon irgendwie interessant ist, da ja einige von uns schon über 40 sind. Da kommt dann natürlich noch ne gehörige Portion Aufregung dazu. Insgesamt aber war es eine absolut gelungene Veranstaltung, bei der das Publikum ab dem ersten Song in Stimmung war.

Wie liefen die Vorbereitungen für dieses Event ab? Ich meine, noch nie eine so aufwendige Show von Euch gesehen zu haben?

Das hast du völlig richtig festgestellt. So viel Trara haben wir noch nie voher abgezogen. Im April schauten wir uns die Location an und überlegten, wie wir die Besonderheiten für uns nutzen könnten. Ende Juli stand schon die Setlist fest. Da waren Lieder drauf vertreten, die wir noch gar nicht geschrieben hatten. Vier Wochen vorher bezogen wir das "Alhambra" in Luckenwalde. Ein alter Kinosaal, der seit vielen Jahren vom Luckenwalder Musik- & Kulturförderverein genutzt wird. Das war sehr hilfreich, da wir unter orginal Bedingungen mit komplettem Aufbau proben konnten. Somit konnten wir wirklich einige Sachen mal ein wenig sortieren. Wir haben uns in der Vergangenheit ja auf der Bühne schon öfter mal umgerannt, in Kabel verwickelt oder jemandem den Gitarrenhals ins Kreuz gehauen. 14 Tage vorher gab es dann eine Generalprobe für die Vereinsmitglieder und drei glückliche Gewinner, die für das Event Karten in der Star FM Heavy Hour bei Jakob Kranz gewonnen hatten. Das war schon sehr speziell. Ich war mal bei einer Rammstein-Generalprobe und hatte daher die Idee, getreu dem Motto "Think big". Als ich das der Band versuchte zu erklären, erzählten die mir was von nem großen Fink und machten komische Geräusche dazu?! Jedenfalls übten wir ein ganzes Wochenende den Kram. Unser Soundmann Oli, der im übriegen sonst nur mit wirklich großen Kapellen wie Green Day, The Boss Hoss oder Adel Tavil unterwegs ist, musste das drei Tage am Stück über sich ergehen lassen. Er hat sogar Equipment von Black Box Music angekarrt, damit das alles auch fett klingt.

Ich versteh bis heute nicht, warum er immer wieder mitkommt. Er tritt uns zum Glück auch oft genug in den Allerwertesten, wenn wir zu Disziplinlosigkeit tendieren. Das kommt leider sehr häufig vor. Richard, unser Lichtchef stellte für uns eine sehr schöne Lichtanlage hin. Wir hatten immer schon die Idee, die Songs mit dem passenden Licht zu versehen. Er setzte das grandios um und programmierte Nächte lang die schönen Lämpchen.

Für uns hat sich das wahnsinnig gelohnt, da wir zum ersten Mal eine komplette Show nach unseren Ideen und Wünschen umsetzen konnten. Alle haben dabei viel gelernt, u.a. anderem das "Think big" nichts mit Federvieh zu tun hat.

Stell doch mal Eure weibliche (?) Verstärkung vor, die Euch tanztechnisch so vortrefflich unterstützt hat an dem Abend?
Das ist eine interessante Frage, da so richtig weiblich nur unsere Gitti ist. Ich vermute, du meinst die junge, gut aussehende Frau in Netzstrümpfen und Lederkorsett mit Peitsche. Die Dame heißt Mark und ist ein ziehmlich netter Typ. Seine Oma war auch beim Konzert. Ich glaube, sie kannte ihren Enkel so auch noch nicht. Aber er ist schwer in Ordnung und bringt für die Performance noch mal einen ganz anderen Touch rein. Ausserdem hört er im Tourbus gerne Lady Gaga.

Eine Show in der Heimat ist ja immer was Besonderes, dazu ein ausverkauftes Haus. Wie breit ist die stolzgeschwellte Brust?

Sehr breit. Das das alles mal soweit kommt, hätte ich nie gedacht. Eines meiner ersten Konzerte, damals noch in einer Zwei-Mann-Kapelle namens Stillbirth, fand in einem Hausflur eines besetzten Hauses ein paar Straßen weiter statt. Daran musste ich in den letzten Tagen oft zurück denken. Verrückt eigentlich, da ich musikalisch immer noch nicht wirklich besser bin. Wir als Band sind momentan einfach sehr dankbar, dass uns so viele Leute unterstützen und zu unseren Konzerten kommen.

Ihr habt ja gestern auch einen neuen Song vorgestellt. Es ist also in naher Zukunft mit einem neuen Album zu rechnen?

Um genau zu sein, waren es zwei neue Songs und eine neue Cover-Version. „Tetrapackrotwein“ ist eine Punkrock-Nummer. Da hat sich unser Gitarrist Gorgo wohl ein wenig von dem einen oder anderen Deuschrock-Festival beeinflussen lassen, auf denen wir dieses Jahr zu Gast waren. „Wurstboot“ stammt aus meiner Feder. Eigentlich sollte da zur Abwechslung mal ein schöner Text rauf. Ich wurde leider überstimmt. Jetzt singen wir halt „Hacke, hacke, hacke, dicht, dicht“. Man kann nicht immer nur gewinnen. Das werden auf jeden Fall zwei Nummern vom neuen Album werden, welches aber erst 2019 erscheinen wird. Laut Kalender entern wir nächstes Jahr im Herbst dazu wieder das Studio. Vorher sollte aber eine Live DVD/CD erscheinen. Das entscheidet sich aber erst in den nächsten Tagen. Wir haben das Konzert im Stadttheater mit neun Kameras mitgeschnitten und müssen erstmal schauen, ob das aufgenommene Matreal auch verwendbar ist. Wir arbeiten also hart daran, die Leute mit unserer Form von Entertainment zu erheitern.

Wo habt Ihr die Konfetti Penisse, oder besser gesagt Penen, hergehabt?

Wir beziehen all unsere Pyrotechnik und Konfetti-Gedöns von Pyroland. Die Idee mit dem Penis-Konfetti kam von Gitti. Die wollte das unbedingt. Ick war dagegen. Aber wie so häufig, mal verliert man, mal gewinnen die anderen. Nach dem Konzert kam diesbezüglich auch der technische Leiter des Theaters "Schnatter" zu mir und sprach mich darauf an. Das Problem mit den Dingern ist, dass sie leider abfärben. Er musste nachts noch unter großem Kraftaufwand wischen, da er am nächsten Tag noch eine Führung durch das Theater hatte.

OLAF

Fotos: stilbrand® www.stilbrand.de

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