CD-Reviews N-P

NESTOR – Kids In A Ghost Town (2021)

(7.490) Maik (8,9/10) Melodic Rock


Label: Electric Lodge
VÖ: 22.10.2021
Stil: Melodic Rock

Facebook | Kaufen | Spotify | Instagram






Als ich diese Scheibe auf den Teller gelegt bekam, dachte ich erstmal, naja, AOR Melodic Rock im Stile der 80er. Ist auch nicht wirklich der neueste Schrei. Und eigentlich auch nicht wirklich meine Baustelle. Dann sah ich die Fotos der Bandmitglieder, Klamotten und restliches Outfit, inklusive Pornobrille und Vokuhila, allerdings auf Bodies gepresst, die schon das Zeitalter der Bierplauzen und Haarausfälle erreicht haben oder zumindest darauf zusteuern. Also vermutete ich auch erst einmal eine Parodie a‘la STEEL PANTHER.

Doch dies scheint, obwohl sich die Schweden irgendwie nicht vollkommen ernst nehmen, nicht der Fall zu sein. NESTOR haben sich schon im Jahre 1989 gegründet, dann aber wohl schnell wieder das Haargel in die Tonne getreten. Die Gründe dafür sind mir nicht bekannt, vielleicht ist es einfach der Gedanke gewesen: „Mit der Mucke Kohle zu machen, in einer Zeit, in der es jeder kann, ist keine Herausforderung. Wir warten dann mal dreißig Jahre, und sehen dann weiter.“

Denn obwohl die alten Schweden die Klischees voll ausreizen, zeigen sie doch mit ihrer Mucke, dass sie es scheinbar doch ernst meinen. So beginnt das „Kids In A Ghost Town“ betitelte Album mit einem Intro, welches irgendwie an einen Film erinnert, und wohl auch als Einleitung für den Videoclip des nun folgenden „On The Run“ gedacht war.

Und mit dem Song schieben sie auch gleich einen veritablen Hit in den Ofen, für den Genregrößen morden würden. Richtig old school AOR- Rock, der sofort ins Ohr geht und auch noch ein paar Ecken und Kanten aufweist. Das ist ja nun nicht gerade Standard in dieser Sparte, die zumeist unter dem Motto Pop-Musik mit Gitarren aufläuft. Auch das darauffolgende Titelstück hat durchaus Hitpotential. Oder hätte es, wenn es vor drei Jahrzehnten auf die Leute losgelassen worden wäre. Heutzutage ist da ja eher der Nostalgiefaktor, der zum Tragen kommt, denn insgesamt fällt die Mucke auf diesem Album so was von aus der Zeit.

Und in diesem Stil geht es weiter. Veritable Melodic Rocker wie „Firesign“, Midtempogeräte wie „These days“ oder auch balladeske Songs. Bei Letzteren sticht „Tomorrow“ hervor, bei dem sich die Band die frühere Pop-Ikone SAMANTHA FOX als Begleitpersonal geholt hat. Tja, damals mussten Popsängerinnen noch singen, und nicht nur mit dem Arsch wackeln können. Und die Stimme von Lady „Touch Me“ hat sich, meiner Meinung nach, zum Vorteil entwickelt. Natürlich ist „Tomorrow“ ein Schmachtfetzen vor’m Herrn, aber bei der Art Musik erwartet man so etwas auch.

Obwohl die Combo hier nun wirklich nichts Neues fabriziert, und musikalisch tief in die Mottenkiste greift, hat sie es doch geschafft, Songs zu kreieren, die doch irgendwie im Ohr hängen bleiben. Dass es kaum Ausfälle auf dem Album gibt und die ganze Chose wie aus einem Guss klingt, sollte ich vielleicht auch erwähnen. Eine derartig gleichwertige Qualität konnten und können die bekannten Namen dieses Subgenres maximal auf Best-Of-Platten erreichen. Nur diese Edelschnulze am Schluss, „It Ain’t Me“, hätte man vielleicht anderswo platzieren sollen. Da endet mir die Scheibe etwas zu soft.

Textlich geht es, naja, um eben die Themen, die diese Art Musik damals auch besungen hat. Herz, Schmerz, Sex und Easy Livin‘. Tiefgrund sollte man nicht wirklich erwarten. Auch hier backen NESTOR authentische Brötchen. Ob die Band mit dieser Mucke und auch dem Album noch mal richtig durchstarten kann, wird die Zeit zeigen müssen. Die Musikjournaille ist zumindest begeistert, ob die Fangemeinde groß genug ist….naja, schau’n w’er mal!

Ich finde das Album recht gut und es wirkt authentisch, wenngleich diese Art Mucke in den späten Achtzigern für Hartwurzler wie mich eher ein Feindbild darstellte. Aber wer damals schon auf EUROPE, ASIA, TOTO, FOREIGNER oder ähnlich getaktete Genossen abgefahren ist, und heute noch abfährt, sollte hier mal einchecken. Besonders wenn die Plattenrillen genannter Combos mittlerweile so abgenudelt sind, dass sie schon auf Garnrollen aufgewickelt ihr Dasein fristen müssen.

Anspieltipp: „On The Run“ und „Firesign“


Bewertung: 8,9 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Fanfare For The Reliable Rebel (Intro)
02. On The Run
03. Kids In A Ghost Town
04. Stone Cold Eyes
05. Perfect 10 (Eyes Like Demi Moore)
06. These days
07. Tomorrow (feat. Samantha Fox)
08. We Are Not Okay
09. Firesign
10. 1989
11. It Ain’t Me



Album der Woche

Album des Monats

Album des Jahres

The new breed

VERLOSUNGEN

wo wir sind

P P P

Schrod's...

ZO SONGCHECK

V.I.P.

alter Z.O.F.F.

Join the Army

Damit das klar ist

Unsere Partner