CD-Reviews T-V

URIAH HEEP – Chaos & Colour (2023)

(8.155) Patrick (10/10) Hard Rock


Label: Silver Lining Records
VÖ: 27.01.2023
Stil: Hard Rock







Ich bin ganz ehrlich, aufgrund des bunten Covers der neuen URIAH HEEP Scheibe hatte ich ein kleines bisschen Bedenken, denn ehrlich gesagt, geht mir diese übermäßig „queere“ Gesellschaft ein kleines bisschen auf den Zeiger. Jeder „Mensch“ soll doch bitte genauso leben, wie er es für richtig hält, machen was er will, anziehen was er will, essen und trinken was er will, ja sogar lieben und zum Teufel noch eins, sogar ficken wen er will. Solange er/sie/es damit glücklich ist, ist das doch völlig in Ordnung und mal unter uns, was gibt es im Leben Wichtigeres, als glücklich zu sein? Nur durch den permanenten Fingerzeig auf solche sogenannte „Minderheiten“, werden die Dinge doch erst recht so dermaßen polarisiert, ins glitzernde Rampenlicht gerückt und dort z.B. der fast fehlenden Diskussionskultur in den sozialen Netzwerken und somit der dort üblicherweise vorherrschenden schwarz/weiß denke gnadenlos überlassen und ausgeliefert. Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach und die Devise sollte IMMER lauten: Leben und Leben lassen!

Des Pudels Kern zeigt sich allerdings erst auf den zweiten Blick und dieser liegt dann auch ganz woanders begraben, denn URIAH HEEP verarbeiten auf diesem Album die überaus chaotischen Lockdown Zeiten und die daraus resultierenden Tour-Absagen der vergangenen drei Jahre. Gründungsmitglied und Hard Rock Urgestein Mick Box erklärt, dass ja alles mehr oder weniger im Chaos versank und das einzig „Bunte“ was man im Leben hatte, war letztendlich die Musik und genau diese musikalische Problembewältigung der vergangenen 36 Monate liegt nun in Form von „Chaos & Colour“, dem mittlerweile 26. Studioalbum der britischen Hard Rock Legende vor. Ich denke mal, eine explizite Vorstellung URIAH HEEPs kann ich mir an dieser Stelle sparen, denn eigentlich gehört diese Band zur musikalischen Pflicht- und Früherziehung und Songs wie „Easy Livin‘“, „Free Me“, „The Wizard“ oder ihren wohl größten Hit „Lady In Black“ kann nun wirklich jeder, der auch nur über ein geringfügiges Mindestmaß an musikalischem Interesse verfügt, relativ melodie- und treffsicher mitpfeifen.

Widmen wir uns also gleich der Musik und hier muss ich kurz sagen, dass es mir gerade die Spätwerke und hier im speziellen die letzten vier Alben dieser britischen Ausnahmeband besonders angetan haben. Das 2011er Album „Into The West“ hat mich damals wegen des recht rohen Sounds und der, für ein aus „älteren“ Männern bestehenden Konglomerat an Musikern, recht ungewöhnlichen Grundhärte förmlich weggeblasen. Diesen angenehm frischen Härtepegel fuhren die Herren zwar schon ein Album später nicht mehr ganz so zackig, doch rockt es auch heute immer noch herrlich erdig, kantig, schwer rifforientiert aus den Boxen und so zocken die Herren sämtliche ähnlich gelagerten Konkurrenzbands spielend leicht an die Wand. Hier sollte dann auch mal anerkennend erwähnt werden, dass Riffgott Mick Box mittlerweile schon sagenhafte 75 Jahre auf der Uhr zu verzeichnen hat, doch offensichtlich scheinen bei dem Guten Mann noch keine großartigen Ermüdungserscheinungen aufzutreten.

Gut so, denn auch „Chaos & Colour“ ist ein wunderbar herrliches Stück Hard Rock geworden und so stellt der Opener „Save Me Tonight“ gleich zu Beginn einen absoluten Albumhöhepunkt dar und wirkt spürbar wie eine Art Befreiungsschlag für die Band. Hart und schnell nach vorne rockend, dabei stets melodisch, stimmt der Song den Hörer perfekt aufs Album ein. Dazu gesellen sich die unvermeidliche und ebenfalls grandios in Szene gesetzte Orgel, während die treibenden Drums unter das beeindruckende Gitarrensolo sogar einen ordentlichen Doublebassteppich aufs Parkett brezeln. Als Tüpfelchen auf dem berühmten „i“ schwebt der wundervoll fantastische Gesang von Bernie Shaw, der immerhin auch schon stolze 66 Lenze zählt, offensichtlich hörbar in der Form seines Lebens zu sein scheint und diese Perle des Hard Rocks zu einem absoluten Meisterwerk vergoldet. Was für ein Einstieg! Ganz groß!

Silver Sunlight“ ergeht sich dann eher im kernigen Midtempo, weiß aber trotzdem mit schwerem Riffing inkl. arschgeilem Solo und einem enorm großartigen Refrain aufzuwarten, der sich unvermeidlich und sofort in den grauen Zellen einnistet. Die Hitdichte ist auf „Chaos & Colour“ überhaupt immens hoch, denn auch der dritte Song „Hail The Sunrise“ verfehlt sein Ziel mitnichten, lebt abermals von einer unglaublichen Gesangslinie, welche wiederum in einen Refrain sondergleichen mündet, der sich schon während des ersten Hördurchgangs unaufhaltsam zwischen den Ohren manifestiert.

So sehr ich mich auch anstrengen mag, die Suche bleibt letztendlich absolut ergebnislos. Ich kann auf diesem überaus fein geschliffenen Diamanten wirklich keinen schlechten Song entdecken und mit der obligatorischen und Gänsehauterzeugenden Ballade „One Nation, One Sun“ schließt sich dann doch noch irgendwie der Kreis zu meiner beginnenden Einleitung und spätestens bei der bezeichnenden Textzeile „all in harmony“ sollte wieder klar sein: Habt Euch alle lieb und vergesst niemals: Leben und Leben lassen!

In diesem Sinne liefern die Rock Opas mit „Chaos & Colour“ ein Album voller ehrlichem Hard Rock in seiner reinsten und puren Form ab. 56 (!!!) Jahre URIAH HEEP und (zum Glück) kein bisschen leise. Ich hoffe wirklich, dass uns diese außergewöhnliche Kapelle voller Musikgeschichte noch viele Jahre erhalten bleibt. Auch Chefschreiberling Olaf ist dem Hammond- Sound komplett verfallen, orgelt sich das Teil seit geraumer Zeit in Dauerbeschallung direkt unter die poröse Schädeldecke und attestiert den gereiften Männern ebenfalls eine fette Killerscheibe. Somit kann ich ohne schlechtes Gewissen und völlig unverschämt zu den 10 vollen Punkte greifen. Sehr schönes Teil!

Anspieltipps: “Save Me Tonight” und “Hail The Sunrise”


Bewertung: 10 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Save Me Tonight
02. Silver Sunlight
03. Hail The Sunrise
04. Age Of Changes
05. Hurricane
06. One Nation, One Sun
07. Golden Light
08. Fly Like An Eagle
09. Freedom To Be Free
10. Closer To Your Dreams



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