HAUPTSACHE LAUT!!!

Wer hat ihn nicht schon irgendwo mal gesehen? Der wuschelige Bart, nach unten hin gezwirbelt, das Lippenpiercing und meist gut unterwegs…das kann nur der Maik sein, der als Veranstalter der Pestbaracke in Eisenhüttenstadt weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt und vielleicht sogar berüchtigt geworden ist, denn seine von ihm mitveranstalteten Events strotzen nur so vom Geist des Undergrounds. Großartige Bands für einen schmalen Taler locken nicht nur die Bewohner aus dem Umkreis in die 1950 erbaute Planstadt der SED, sondern ebenfalls die Horden aus der nicht ganz so nahen Bundeshauptstadt, die mittlerweile nicht nur wegen billigem Sprit und Zigaretten in die der polnischen Grenze nahe liegenden Metropole einfallen.

Nun steht am 21.April 2018 erneut eine Pestbaracke an, bei der neben den Doomstars von Albez Duz und den Death-Rabauken von Torture Pit die Hannoverische Thrash Institution Cripper eines ihrer Abschiedskonzerte spielen und die amerikanischen Kult-Blackies von Uada ein wirklich fast exklusives Stelldichein geben werden. Grund genug, um sich mit Maik an einem lauschigen Abend im Berliner Halford zu treffen, um ein wenig zu plauschen.
Maik, wie hat denn die Pestbaracke, die es ja nun auch schon seit ein paar Jahren gibt, eigentlich angefangen?

Das fing an, als ich mit meinem damaligen Gitarristen auf dem Balkon stand und wir dachten: Hey, wir könnten ja eigentlich mal ein Konzert veranstalten. Also völlig unspektakulär (lacht). Ein ehemaliger Arbeitskollege von mir hatte Kontakt mit der Blauen Halle, unserer ersten Location...somit war der erste Schritt schon getan. Dann kam natürlich die Überlegung, was oder wen wir noch ins Boot holen müssten, um die ganze Geschichte auf die Beine zu stellen. Als wir die zusammen hatten, hat jeder 150€ in den Topf geschmissen und somit konnten wir die erste Pestbaracke starten.

Kurz darauf gab es dann die Option, ob wir uns den Überschuss auszahlen, oder das Geld in die nächste Veranstaltung stecken…und da wir sowieso schon 2-3 Konzerte weitergedacht hatten, stellte sich die Frage im Endeffekt gar nicht. Somit sind wir zusammen mit der Pestbaracke immer weiter gewachsen…Ich war allerdings vor 2012 noch nicht aktiv vor Ort, als die ersten Pestbaracken noch im Detonator Proberaum stattfanden, die von Danilo Garbe und Daniel Klappenbach ins Leben gerufen wurden. Die Balkonszene fand dann später mit Klappi statt.

Wann war denn genau Startschuss und wie kamt Ihr auf den Namen Pestbaracke?

Das war im Mai 2012 und der Name leitete sich ab von einem alten Proberaum meines ex-Gitarristen von Detonator ab, in dem wir so manche Feier durchzogen. Irgendwann gab es da aber einen Wasserschaden, womit wir gezwungen waren, in einen kleinen alternativen Club am Stadtrand auszuweichen, wo wir ebenfalls öfter die Kuh fliegen ließen. Irgendwann verlief sich das da aber im Sande.

Ich war erstmals im letzten Jahr bei Euch zu Gast, als Decembre Noir und Deserted Fear aufspielten. Von den Namen her schon mal eine richtig fette Hausnummer…
Ich fand unsere 10.Veranstaltung, also quasi unser kleines Jubiläum mit Disbelief, Rogash, Stallion und Parasite im Oktober 2016 allein von den Namen her etwas größer. Es war schon gut, dass wir über die Jahre etwas Geld angespart hatten, womit auch ein Billing wie mit Illdisposed und Macbeth ohne Anstrengungen möglich war. Die Veranstaltung war sogar ausverkauft, weil der Club Steelbruch auch viel kleiner war, als jetzt das Gesellschaftshaus Schleicher.

Der neue Club ist eh super. Ausreichend Kapazität, eine Bar ist vorhanden, genügend Toiletten, einen separaten Backstagebereich und einen großen Außenbereich. Man muss zwar Miete bezahlen, aber es rechnet sich schon, vor allem weil wir die Bar selber machen können. Allerdings mussten wir über die Jahre 2x das Bier teurer machen. Angefangen haben wir mal mit 2€, weil wir es einfach nicht besser wussten und dachten: Ja, das ist geil so und die Leute kommen. Später merkten wir schnell, dass überall eigentlich das Pils 3€ kostet und bei einem geringeren Preis die Leute nur zum Hucke vollsaufen kommen und sich gar nicht mehr mit der Musik beschäftigen wollen, was ja nun auch nicht Sinn und Zweck der ganzen Geschichte ist.

Als mal Geld übrig war haben wir als Gimmick dann auch unsere eigenen Becher herstellen lassen. Vorher haben wir immer welche dazugekauft, doch wenn man schon die Möglichkeit hat, sollte man auch sein Logo mit draufpacken…und es wird super angenommen.

Widmen wir uns der aktuellen Pestbaracke am 21.04.2018. Wie seid Ihr an eine Band wie Uada herangekommen? Der Weg von Portland nach Eisenhüttenstadt könnte ja fast länger nicht sein…
Als ich um Weihnachten rum mit meiner Freundin in Spanien war, stellte ich irgendwann in einer ruhigen Minute fest, dass die 3 Tage vor der Pestbaracke in Erfurt spielen und mir fehlte noch eine Band. Ich schrieb die Jungs dann einfach an, trat in Kontakt mit dem Management von Eisenwald, deren Plattenfirma, und die meinten, dass am 21.04. noch was frei wäre und da schlug ich zu.

Buchst Du Bands nach persönlichem Interesse oder doch nach Aussicht auf eine volle Hütte?
Ich bin ein wenig weg davon, allein aus persönlichem Interesse zu buchen. Wenn es nach mir ginge, könnten da auch vier reine Black oder 4 Thrash Bands spielen. Der eigene Geschmack des gesamten Teams fließt schon in die Entscheidungsfindung mit ein, doch in erster Linie schauen wir schon, wer noch nicht bei uns gespielt hat. Unser Vereinsvorsitzender hat sich schon länger mal Cripper gewünscht und nun hat es geklappt. Dass dies auch noch eine der Abschiedsshows sein wird, macht die Sache noch einmal außergewöhnlicher. Uada war schon ein wenig persönliches Interesse von mir, doch wollten wir auch mal wieder eine Black Metal Band am Start haben, das waren bislang nur 1 oder 2. Mit den Jungs haben wir natürlich jetzt was Größeres und vor allem qualitativ Hochwertiges am Start, worüber ich mich diebisch freue.

Was war für Dich persönlich bislang DAS Highlight in der Pestbaracke?

Hm…(überlegt lange) Besonders waren eigentlich alle und jede, denn live habe ich sie alle irgendwann schon einmal gesehen. Bis auf Stallion, die bei dem besagten Package mit 3 reinen Death Metal Bands zwar ein wenig aus dem Rahmen fielen und herausstachen. Die fand ich richtig gut, obwohl sich auch die Band ein wenig wunderte, wie sie denn in dieses Line Up geraten konnten (lacht). Ich mag Abwechslung. Maximal 2 Bands aus einem Genre reichen da völlig, das merke ich auch immer wieder an den Publikumsreaktionen und Resonanzen. Hauptsache laut!
Wenn ich mir die vergangenen Veranstaltungen so ansehe, waren die Events meist in einem sechsmonatigen Rhythmus…

Wir hatten uns auf Mai und Oktober eingeschossen. Da es diesmal aber eine Überbuchung gab, müssen wir es im April steigen lassen. Zweimal im Jahr reicht völlig aus.

Nun bist Du selbst auch noch mit Parasite musikalisch aktiv, die für ihren Gig bei den letztens stattgefundenen Frostfeuernächsten von uns mit einer guten Kritik bedacht wurden. Wie geht das alles zusammen?

Das geht schon irgendwie…

Erzähl mal was für Diejenigen, die mit der Band noch nicht allzu viel anfangen können…

Wir spielen Death Metal mit melodischen Einflüssen aus allen erdenklichen Ecken. Sehr viel schwedisches Zeug haben wir auch verarbeitet und dazu singt unser Frontmann auch noch in Deutsch, was im Todesblei ja nun auch nicht ganz so häufig vorkommt. Er macht das auf jeden Fall recht gut (lacht). Wir versuchen immer, irgendwo zum Spielen unterzukommen, was allerdings nicht immer von Erfolg gekrönt ist, doch diesen Leidensweg haben wir mit vielen Berliner/Brandenburger Bands gemein.

Zurück zur Pestbaracke. Ist schon was für Oktober in Aussicht?

Also am 13.10…..

Moment! Da veranstalten wir doch selber unser hauseigenes Zephyr’s Odem Family Fest, auch ZOFF genannt…

Ich weiß, doch wir werden uns da schon nicht in die Quere kommen, sind ja auch ein paar Kilometer auseinander. Gebucht haben wir noch keine Band, da wir natürlich erstmal schauen wollen, was da so rumtourt oder verfügbar ist. Überhaupt macht es mir mehr Spaß, mit der Band selber zu verhandeln und diese zu buchen, als wenn da noch irgendein Management zwischengeschaltet ist. Das kann alles manchmal ziemlich erschweren. Es sind auch bislang keine Berufsmusiker darunter gewesen, sondern alles berufstätige Leute, bei denen man ja natürlich auch im beruflichen Umfeld abstimmen muss, ob man überhaupt Zeit für solch einen Gig hat.
Nun ist ja Eisenhüttenstadt nicht unbedingt als bundesdeutsche Metal-Hochburg verschrien. Kannst Du anhand der Vorverkäufe abschätzen, von wo überall Eure Gäste alle herkommen?

Das stimmt allerdings, doch als in Frankfurt/Oder irgendwann auch mal die ganzen Veranstaltungen weggefallen sind, gab es ja kaum mehr als unsere Pestbaracke und wir merkten schnell, wie gut die ganze Geschichte angenommen wird. Wir haben jedenfalls nie ein Minus gemacht, was mich persönlich selbst überraschte. Die Leute kommen aus Berlin, Frankfurt und natürlich von hier. Klar hatten wir anfangs Bedenken aufgrund der geografischen Lage, doch diese wurde aufgrund des Erfolges der Veranstaltungen ziemlich schnell beiseitegelegt. Wir stellten aber auch schnell fest, dass Leute aus dem näheren Umkreis kamen, die nicht unbedingt der Musik frönten, sondern sich einfach freuten, dass hier was los ist in der Stadt. Dementsprechend euphorisch fielen da teilweise die Resonanzen aus.

Was war Deines Erachtens nach die weiteste Anreise bislang zur Pestbaracke?

Ähh…ich glaube Potsdam. Also nicht USA oder so (lacht).

Wie haben die bisher bei Euch gebuchten Bands die Pestbaracke wahrgenommen? Wie war die allgemeine Resonanz? Gab es auch mal Bands, die sich daneben benommen haben?
Naja, die manchmal üblichen Ausfallerscheinungen (lacht). Bei der ersten Baracke waren Space Chaser zu Gast, da gingen schon ein paar Bierflaschen und Gläser zu Bruch, was ich persönlich jetzt nicht so schlimm finde, denn es gibt Handfeger und Müllschippe. Aber einige meiner etwas älteren Mitstreiter waren der Meinung, das sowas nicht unbedingt sein muss, haha. Ein etwas angetrunkener Gast hatte sich mal mit Bo von Illdisposed etwas in den Haaren, was aufgrund einer vorherrschenden Sprachbarriere aber irgendwie lustig war und sich irgendwann auch in Wohlgefallen auflöste. Der eine sprach halt mäßig deutsch, der andere war besoffen (lacht).

Eigentlich waren alle Bands davon begeistert, hier in der popligen Provinz überhaupt etwas vorzufinden und als Resultat gab es allen Ortes Komplimente und viele der Bands sagten: Wir kommen gerne wieder! Unser Ziel ist immer, die Bands so zu betreuen, wie wir selber gerne betreut werden würden. Wichtig ist uns das Catering, denn Nichts ist wichtiger, als ein vernünftiges Essen, statt lieblos hingeklatschter Brötchenhälften. Frisch, warm und abwechslungsreich sollte es schon sein.

Eines habe ich allerdings schnell lernen müssen: Viele Bands sind etwas unzuverlässig, was die Anreise betrifft und stehen dann kurz vor Einlass vor dir und sagen: Tach, wir sind da (grinst). Soundcheck is da nicht mehr, maximal ein Linecheck. Schön ist es auch, wenn du die Bands versuchst zu erreichen und niemand geht ran. Da fängt man schon mal an, leicht zu schwitzen, gerade wenn da auch Teile der Backline mit dranhängen.

Disbelief
will ich hier mal herausstellen, die zwar vom Namen her etwas größer sind, aber total nett, professionell und unkompliziert rüberkommen, was bei manch anderen Bands alleine beim Cateringrider etwas…naja…speziell ist. Viele Bands zufrieden, dass überhaupt was da ist.

Welche Festivals sind für Dich im Sommer unverzichtbar?

Da gibt es Vieles, was mir gefällt, doch das ist natürlich immer zeit- und geldabhängig. Ich war auch mal 4 Jahre in Wacken, was ich nun nicht unbedingt scheiße fand, denn die Bands waren schon klasse, doch das immer weiter ausufernde Umfeld läuft etwas aus dem Ruder. Die Vielfalt im Line Up ist da jedenfalls gegeben, auch wenn mich das mit den gefühlt 500 Bühnen mächtig stört. Auch der Ticketpreis ist nicht mehr zeitgemäß.

Protzen fahre ich dieses Jahr zum vierten Mal in Folge, da mir das Familiäre dort sehr gefällt. Lagerfeuer finde ich sowieso genial und der Umstand, dass man aus dem Zelt fällt und gleich im Geschehen ist, ist optimal. Protzen ist eins meiner Favoriten geworden. Das Barther ist auch klasse, allerdings sehr Line Up abhängig. Full Force war ich früher, reizt mich aber nicht mehr so. Party San natürlich…

Wie sehen Deine Wünsche für die Zukunft der Pestbaracke aus?

Dass die Leute immer noch das Verständnis dafür aufbringen, was wir hier tun und leisten und warum wir auch mal die Preise moderat angleichen müssen. Diese Standard Diskussionen mit Leuten die denken, das gute Musik auf den Bäumen wächst, ermüdet mich immer wieder. Wir fingen mal mit 8 Euro an, sind jetzt bei 12 im VVK und 15 an der Abendkasse, was ich immer noch in Ordnung finde. Viele versuchen sich dann auch noch durchzumogeln, um den Eintritt zu umgehen. Ich wünsche mir sehr, dass das Bewusstsein dafür gestärkt wird, was wir hier leisten und das wir alles für die Besucher tun und zurückgeben, was wir vorher erreicht haben.

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