Irgendwann fangen sie auch an zu stinken, aber I don't give a shit...

So ein bisschen Bammel hatte ich vor dem Gespräch mit Amorphis Frontmann Tomi Joutsen schon, denn ich bin ehrlich: Den rigorosen Stilwechsel nach „Tales from the thousand lakes“ konnte ich nie so ganz verknusen. Klar schreiben die Finnen tolle Musik, doch teilweise war mir das alles viel zu lasch. Allerdings nahmen die Jungs dann 2005 mit der Hinzunahme des Dreadlock-Gotts endlich wieder etwas Fahrt auf und paarten ihre Melodiosität wieder mit einer satten Portion Härte. Dies wird wahrscheinlich auch auf dem am 19.04. erscheinenden neuen und mittlerweile 11.Album „Circle“ so sein, denn die ersten Song Snippets und der komplette Song „Hopeless days“ lassen auf ein richtig fettes Brett hoffen. Jedenfalls doch reichlich Stoff, um mit dem sympathischen Finnen ein klein wenig zu plauschen…der notgedrungen für seinen Hauptsongwriter Esa Holopainen einspringen musste, der mich bei unserem ersten Termin kläglich versetzte…
Sorry nochmal, aber da is Irgendetwas schief gelaufen und Esa lässt sich nochmals entschuldigen. Wir nehmen Interviews in der Regel sehr ernst, dass wird nicht wieder vorkommen.

Dafür freue ich mich nun umso mehr über das Gespräch mit Dir. Ist das Wetter bei Euch momentan genauso beschissen wie bei uns?

Ein Haufen Schnee und Minus 10 Grad, aber das ist ja normales Wetter in Finnland, man gewöhnt sich irgendwann dran, hahaha. Es ist schon krass, aber zu mindestens hat heute die Sonne mal rausgeguckt.

Ihr habt mit Peter Tätgren aufgenommen. Nun hatte er ja gerade die Pain DVD, das neue Hypocrisy Album, dazu noch Eurer Album. Hat er sich trotzdem voll auf Euch konzentriert? Wie war die Zusammenarbeit?

Er ist ein absolut liebenswerter Mensch und daher hat es unglaublich viel Spaß gemacht, mit ihm zusammen zu arbeiten. Er ist absolut bodenständig, lässt zu keinem Zeitpunkt den Rockstar raushängen und arbeitet sehr professionell. Du hast aber Recht, er ist ein absoluter Workaholic und während den Aufnahmen hat er parallel dazu auch noch an der Pain DVD gebastelt, viele Konferenzen dazu gehabt und eine Unmenge an Emails hin und her geschickt (lacht). Dennoch war er während den fünfwöchigen Aufnahmen komplett auf uns fokussiert und hat jeden Tag gearbeitet. Dennoch habe ich mich oft gefragt, wie er das alles unter einen Hut bekommt. Doch seine Professionalität scheint das alles irgendwie aufzufangen.

Leider konnte ich bislang lediglich den Song „Hopeless days“ hören, der allerdings mehr als saufett ist und richtig Appetit auf das Album „Circles“ macht. Klingt das ganze Album so?

Manches davon ja. Auf jeden Fall sind die Gitarren auf dem Album diesmal mehr im Vordergrund und dadurch an vielen Stellen sehr heavy ausgefallen. Die Melodien kommen diesmal mehr von den Gitarren, während das Keyboard diesmal eine etwas untergeordnete Rolle spielt und mehr im Hintergrund steht. Da war Peter auch ein wenig dran schuld, da er den Gitarren einfach mehr Freiraum einräumen wollte. Der Sound ist auf jeden Fall diesmal härter und dunkler ausgefallen wie auf den alten Alben, doch die alten Fans muss ich enttäuschen, es ist dennoch kein Death Metal oder dergleichen (lacht). In drei Songs growle ich, das war’s dann aber auch schon. Die Heavyness kommt vielleicht auch daher, dass unser Basser Niclas erstmals mit einem fünfsaitigen Bass spielt und daher dem Gesamtsound etwas mehr…äääh…Bass verleiht, hahaha.

Also bist Du mit dem Endprodukt durchaus zufrieden…

Nein, ich hasse das Album, hahaha.

Naja, die Antwort habe ich ja provoziert…

Es war halt das erste Mal zusammen mit Peter und so richtig konnten wir uns im Vorfeld nicht vorstellen, wie alles klingen würde, doch durch seine jahrelange Arbeit im selben Bereich wie wir, Hypocrisy haben ja zur gleichen Zeit begonnen wieAmorphis, war er genau der Richtige, dem wir vertrauen konnten, was man dem Album auch wirklich anhört. Er macht ja nicht nur Geballer, sondern hat mit Pain auch die melodischere Schiene abgedeckt, was uns natürlich sehr entgegen kam. Es war einfach die richtige Wahl und wir werden einfach mal schauen, wie es sich in Zukunft entwickelt, doch eine erneute Zusammenarbeit könnte ich mir persönlich sehr gut vorstellen. Er hat ja auch diesmal die Vocals komplett mit produziert…

Also hat Marco Hietala von Nightwish diesmal nicht mit Dir zusammen die Vocals produziert und aufgenommen?

Nein, wir wollten diesmal wirklich nur eine Person als Produzenten an Bord haben und haben mit Peter exakt das bekommen, was wir wollten. Wir wollten Marco aufgrund seiner momentan recht vielschichtigen Verpflichtungen mit Nightwishnicht extra bemühen. Es hat in der Vergangenheit sehr viel Spaß gemacht mit Marco zusammen zu arbeiten und ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird, aber Peter hat das, wie gesagt, auch super hinbekommen.
Bitte erzähle mir doch mal ein bisschen über das neue Album…

Wenn Du das Album bald zur Gänze hörst wirst Du feststellen, dass es sich wirklich von den alten Sachen ziemlich unterscheidet. Der Sound, die Musik, die zwar immer noch nach Amorphis klingt, hat aber eine ziemliche Portion Härte mit auf den Weg bekommen, was dem gesamten Album sehr gut tut. Melodien sind vorhanden, auch viele clean Vocal Passagen und die absolute Neuerung der Black Metal Screams, die ich vereinzelt einstreue. Das war ne Idee von Peter und ich habe es einfach mal probiert und festgestellt, dass es den Songs eine ganz andere Dynamik verleiht. Ein richtig solides Album mit neun Stücken, keinem einzigen Lückenfüller und einem richtig guten Drive.

Was steckt hinter dem Albumcover? Ein sehr schönes Motiv…

Ja, finde ich auch. Wir hatten einige Ideen was vor allem die Farbgestaltung betraf und wollten unbedingt irgendwie einen Kreis mit einbauen, der ebenfalls etwas Spiritualität ausstrahlen sollte. Wir wollten einfach ein paar frische Ideen auf dem Cover verwirklichen…

Also nicht die Henne zu dem Ei auf „The beginning of times“?

Hahaha, nein, auf keinen Fall. Esa hatte jedenfalls die Idee,Tom Bateszu kontaktieren und ihn mit unseren Ideen zu konfrontieren und das finale Cover hat mich und die Band komplett begeistert. Ich liebe das Artwork total. Es ist unterschiedlich zu all den früheren, ich mag die Farben und es ist dennoch nicht zu „happy“ (lacht). Es hat eine tolle Atmosphäre und ist nicht typisch Heavy Metal.
7 Alben in 12 Jahren. Ich habe bei Euch immer das Gefühl, Ihr seid absolute Workaholics. Oder woher nehmt Ihr diese unbändige Kreativität?

Das liegt einfach daran, dass wir alle Musik komponieren und diese Aufgabe nicht nur an einem hängenbleibt. Als wir anfingen für das Album zu proben, hatten wir satte 21 Songs, haben dann ein Demo mit all diesen aufgenommen und letztendlich blieben 14 übrig, aus denen sich dann die finalen neun herauskristallisiert haben. Wir haben eigentlich immer so einen Haufen an neuen Stücken, was im Gegensatz zu manch anderen Bands, die lediglich mit irgendwelchen Ideen ins Studio gehen, ein sehr komfortables Arbeiten ist. Wir schicken uns unsere Ideen immer per Email hin und her und sind daher eigentlich immer in einem kreativen Prozess. Der zweite Grund ist natürlich, dass wir mittlerweile hauptberuflich Musik machen und dementsprechend motiviert sind, immer wieder was Neues zu veröffentlichen. Dazu touren wir ja nun nicht unbedingt viel und spielen vielleicht an die 80 Shows pro Jahr, wo andere wiederum auf 200 oder noch mehr kommen. Wir sind sehr aktiv was das Songwriting anbelangt, denn ausruhen können wir uns, wenn wir im Grab liegen, hahaha.

Du hast Touren angesprochen…topaktuell sind mir gerade die Tourdaten von Euch reingeflattert. November? Büschen spät, oder?

Naja, wir spielen ja auch einige Sommerfestivals und daher passt November schon ganz gut. Dazu spielen wir im Sommer auch noch in Japan, Australien und voraussichtlich in Südamerika. Da kommt schon was zusammen. Das Album wird uns das nächste halbe Jahr auf jeden Fall mehr als gut beschäftigen. Im November müssen wir eh noch gucken, wer überhaupt als Opener mit auf die fünfwöchige Rundreise kommt. Wir haben da schon einige Ideen, müssen das aber alles noch in Ruhe besprechen.

Auf jeden Fall bin ich etwas sauer, dass Ihr nicht den Weg nach Berlin findet…

Das kann ich natürlich überhaupt nicht verstehen, hahaha. Es ist halt immer so, dass man nicht alles in der eigenen Hand hat…und natüüüürlich ist es schade, dass wir nicht in Berlin spielen (lacht).

Viele Bands spielen ja mittlerweile auf Konzerten zu irgendwelchen Anlässen komplette Alben. Nächstes Jahr wäre das zwanzigste Jubiläum von „Tales from the thousand lakes“. Damit würdet Ihr Euren alten Fans doch einen ziemlichen Gefallen tun…
Da muss ich Dich und die alten Fans leider enttäuschen, denn diesbezüglich haben wir überhaupt keine Pläne was das anbelangt. Witzigerweise bist Du da bereits der zweite, der mich darauf anspricht…

Na dann ist es doch ein Grund mehr…

Nööö…hahaha. Ich kann es natürlich verstehen, denn „Tales“ ist natürlich ein absoluter Klassiker, doch wir sind vielmehr damit beschäftigt, das neue Album auch in das neue Jahr hinein zu promoten und alles aus ihm heraus zu holen. Außerdem leben wir nicht in der Vergangenheit, sondern konzentrieren uns auf die Zukunft. Wir haben auf der „Magical mayhem“ Tour vor einem oder zwei Jahren viele alte Sachen hier in Finnland gespielt, das reicht.

Welche Erwartungen knüpfst Du an „Circle“? Die anderen Alben waren ja sehr erfolgreich.

Hmmm…kann ich Dir jetzt gar nicht so genau sagen, denn ich bin viel zu sehr Realist, als das ich mich jetzt zu irgendeiner Aussage hinreißen lasse. Ich glaube, dass wir mit diesem Album eine Menge neuer Fans erreichen werden und vielleicht auch die alten etwas befriedigen können. Die Oldschool Die Hard Fans werden das Album allerdings eher hassen, schätze ich mal, hahaha. Ich freue mich jedenfalls tierisch darauf, die neuen Sachen live zu spielen und solange wir an das Material glauben, bin ich zufrieden. Wir haben alle Familie und können diese durch unsere Musik ernähren. Das macht mich stolz, glücklich und reicht mir total aus, um glücklich zu sein.

Eine Frage brennt mir seit Jahren unter den Nägeln: Wäscht Du eigentlich Deine meterlangen Dreads auch irgendwann mal?

Hahaha…nicht sehr oft, gebe ich zu. Vielleicht einmal in der Woche…ach Quatsch…alle zwei vielleicht. Ich weiß, dass die Teile etwas dreckig sind und durchaus mal üble Gerüche absondern, aber da scheiße ich drauf, hahaha.

Vielleicht wäre da dann nicht waschen, sondern ein Ölwechsel angebrachter…

Hahaha, könnte man durchaus mal in Betracht ziehen. Irgendwo bin ich da auch bekloppt, denn Pflege ist da wirklich nicht einfach, doch ich hab die nun schon seit 15 Jahren und mittlerweile gehören sie einfach zu meiner Persönlichkeit und daher interessiert mich in keinster Weise, ob das a) Jemanden stört oder b) sein Geruchssinn dadurch belästigt wird.

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