Ich weiß nicht, wovon Du redest

2012 hatte einige Überraschungen parat. Nicht nur, das der Spritpreis in exorbitante Höhen getrieben wurde, auch musikalisch gab es Einiges, welches den geneigten Hörer die Tränen (der Freude) in die Augen trieb. Eine diese Ausnahmeerscheinungen sind dieKamikaze Kings aus meiner Heimatstadt Berlin, die mit ihrem glamourösen Auftreten und einer satten Rock’n’Roll Keule bewaffnet aus den miefigen Tiefen des Proberaums entstiegen, um der Welt zu zeigen, dass man in Zeiten hochgezüchteter und überproduzierter Mucke auch noch mit einfachen Mitteln den richtigen Bumms entfachen kann. Das dazugehörige Endprodukt namens „The law“ hat dann auch in unsere Redaktion helles Verzücken und eine gute Benotung ausgelöst und den Wunsch entfacht, diese geballte Ladung Testosteron endlich mal live on stage zu bewundern. Das ich mich im Vorfeld der Record Release Party am 31.08.2012 im Wild at heart mit Fronthühne Elmo Kamikaze über seine „Brüder“ Rev, Rais und Randy, die CD im Allgemeinen und die Musikszene im Besonderen unterhielt, war da nur Ehrensache. Fragen brauchte ich nicht viel, denn Elmo hatte von sich aus eine Menge zu erzählen.
Sag mal Elmo, mehr Rock’n’Roll geht ja wohl nicht mehr…

(lacht) Jawoll, obwohl manche mit unserem stilistischen Auftreten nicht allzu viel anfangen können, was uns aber nicht im Geringsten stört. Wir machen das, worauf wir Bock haben und was wir selber hören wollen. Solche Grunge Metal Bands wie Staindhaben in meinen Augen den Rock’n’Roll ziemlich sabotiert und seinen Weg nach oben, wohin er hätte gehen können, blockiert. Wir machen ja nun wirklich nichts Neues, sondern spielen die Musik nach unserem Gefühl, welches sich dann akustisch und auch visuell widerspiegelt. Jedenfalls sind wir keine solchen Muttersöhnchen wie Coldplay, die im Tshirt und Cordhose auf die Bühne gehen und hinterher dann gesagt wird, so muss Rock heute klingen. Furchtbar. Ich mag es auf jeden Fall, wenn Leute auf der Bühne ne Show machen, aber nicht wenn dafür die ganzen LED Leuchten die Elektrizität einer Kleinstadt verbrauchen, hahaha.

Die Kamikaze Kings sind ja nun auch nicht aus dem Nichts aufgetaucht. Es gab ja nun auch schon eine gewisse musikalische Vorgeschichte…

Randy und ich wollten richtig straighten Rock’n’Roll spielen und waren ewig auf der Suche nach den passenden Leuten dafür, denn Berlin ist ja eher ein Pflaster für Punk, Pop oder Indie, doch wir wollten einfach was Leidenschaftliches auf die Beine stellen. Wir wollten unsere Version des Heavy Metal und Hard Rock spielen, ohne irgendwie verkopft an die Sache heranzugehen und als wir mit Rais und Rev die Richtigen für unser Vorhaben fanden ging es an Demoaufnahmen und an alles Andere, was halt dazu gehört. Jedenfalls haben wir da ganz schnell gemerkt, dass wir unser gesamtes Leben danach ausrichten müssen und nicht nur 20 oder 30 Stunden pro Woche investieren können. 
Es war jedenfalls eine harte und entbehrungsreiche Zeit, in der Beziehungen zerbrachen, ich während den Aufnahmen einen kleinen Entzug machte, der Job flöten ging und ich dementsprechend auch pleite war. So bin ich halt vor zwei Jahren immer wieder, wenn ich ein wenig Geld hatte, entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad in kleine Studios gefahren, um meine Gesangsspuren aufzunehmen. Friedrichshain und Prenzelberg gehen da ja noch, aber wenn du nach Hellersdorf/Marzahn strampelst, ist das wirklich heftig, hahaha. Doch wir haben zu jedem Zeitpunkt und mit jeder Faser unseres Körpers gewusst, dass wir es richtig machen und dass die Musik genau das ist, was wir spielen wollen. Es war bis dahin soviel schiefgelaufen in unserem Leben, doch die Musik machte alles wieder wett.

Und die Resonanzen im Vorfeld er Veröffentlichung von „The law“ waren dann ja auch mehr als vielversprechend…

Auf jeden Fall vor allem wenn man bedenkt, dass das Album bereits seit April 2011 fertig ist und von Dirk Fehling (u.a.Motörhead, Skewsiskin) super produziert und gemastert wurde. Wir haben dann noch an den Vocals gearbeitet und alles schön eingebettet, so dass alles im Endeffekt richtig rund klang. Dann begann die Suche nach einem geeigneten Label, welches wir dann mit Limited access auch fanden. Wir sind extra nach Hagen gefahren, um uns alles genau anzuhören und abzuchecken, da wir uns vorher eigentlich dazu entschlossen hatten, lediglich ein Management mit ins Boot zu holen und die CD in Eigenregie zu veröffentlichen. Als das alles in Sack und Tüten war, haben wir uns dann an den Feinschliff in Sachen Booklet etc. gemacht. 
Man muss bedenken, dass wir mit dem Album komplett in Vorleistung gegangen sind und alles selbst bezahlt haben und wie ich ja bereits eben erzählt habe, habe ich meine Gesangsspuren immer dann aufgenommen, wenn ich Geld zur Verfügung hatte. Ich hatte mal 40 € verdient und habe dann gleich angerufen, ob ich nicht mal für 2 Stunden aufnehmen kann. Ich bin dann also in so ein kleines, verpisstes Kellerstudio im Wedding gefahren und habe da aufgenommen. Da sind sogar die Katzen panisch rausgerannt, weil die da nicht bleiben wollten, hahaha. Jedenfalls ist da „Saturday night hero“ entstanden. Die Entstehung des Albums war jedenfalls pure Anarchie (grinst).

Auf jedenfall hört man die Erdig- und Ehrlichkeit des Albums in jedem Song.

Ich glaube einfach daran und ansonsten würden Metallica, wenn sie sich daran halten würden, auch noch gute Alben machen, hahaha. Die haben soviel Zeit und Resourcen, verbringen dermaßen viel Zeit im Studio und es kommt einfach nichts Gescheites dabei heraus. Das tut mir als alten Fan weh. „Lulu“? Musst doch wirklich nicht sein. Sowas entsteht aber, wenn du zuviel Zeit zum nachdenken hast, als dich auf deine Prämissen zu konzentrieren. Ergo: Viel Zeit und Geld machen kein gutes Album, ich glaub da einfach nicht dran.
Und heute Abend der erste große Meilenstein: Die Veröffentlichung Eures Debüts „The law“, dazu die Record Release Show im Wild at heart. Trotz des bisher Erreichten dennoch nervös?

Überhaupt nicht, eher erleichtert (lacht) Jetzt läuft die ganze Sache an. Es geht ums Booking, es kommen tolle Angebote rein und das hier heute Abend ist eher so was wie eine Familienfeier. Wir wollen mit diesem Event vielen Leuten etwas zurückgeben, denn ohne die Hilfe der Grafikdesigner, Klamottendesigner, Fotografen, den Leuten vom Plattenlabel würden wir heute nicht hier stehen. Wir wollen einfach den Umstand feiern, dass wir durchgehalten haben.

Wie seid Ihr eigentlich an Dirk als Produzenten geraten? So ein Topmann fällt doch nicht einfach so vom Himmel?

Das war so ein Zwischending aus Glück, Zufall und Schicksal. Wir baten ihn einfach, sich einen Song von uns mal anzuhören und uns seine Meinung zu sagen. Da wir ja eh kein Geld hatten und felsenfest davon ausgingen, dass er uns auslachen würde, haben wir uns sowieso keinerlei Chancen ausgerechnet, doch Nina und Jim von Skew siskin haben da auch ein wenig dran rumgerührt und eines Tages rief er uns tatsächlich an und meinte, dass die Scheibe total geil, der Sound allerdings noch total scheiße und grottig sei, doch er würde die Platte sehr gerne machen. Wir haben dann wirklich noch wochenlang die Songs editiert, allerdings kurioserweise nicht der Gesang, obwohl der aus geschätzten tausend Spuren bestand, doch er hat das hingebastelt. Er hat von Anfang an an uns geglaubt und mit dem gearbeitet, was wir ihm vorgegeben haben. Wir waren auf jeden Fall völlig von den Socken und er hat die Platte weit unter dem gemacht, was er sonst dafür bekommt. Wir haben alles zusammengekratzt, ch hab mir noch Geld geliehen…einfach nur, um diese Chance wahrzunehmen.

Ist denn diese ganze Glamour und Glitter Attitüde und Show überhaupt vonnöten? Eure Musik spricht doch eindeutig für Euch.

Hm…ich empfinde das alles gar nicht so groß und spektakulär. Wenn es nach mir ginge, würden wir im Friedrichstadtpalast spielen, doch da geht der Kontakt mit dem Publikum ein klein wenig flöten, hahaha. Das ganze Drumherum kommt einfach aus dem Bauch, da machen wir uns vorher überhaupt keine Gedanken. Wenn ich so eine schreckliche Band wieBonaparte, die ja auch aus Berlin kommen, sehe, die wirklich jedes Mal überlegen, welche bunte Brille sie heute aufsetzen…nee, das geht gar nicht. Sein wir doch mal ehrlich…wir sind Kunstfiguren und da ergibt sich so ein Auftreten zwangsläufig. Es soll alles einfach Spaß machen und ehrlich rüberkommen, dass gehört einfach dazu. Aus der Musik ergibt sich unser Auftreten und da kann ich es mir gar nicht vorstellen, so abgeranzt wie jetzt mit T-Shirt und Jeans auf die Bühne zu gehen. Doch entgegen aller Anfeindungen stehe ich zu hundert Prozent dahinter…

Anfeindungen?

Oh ja, ich bekomme schon einen Haufen „Liebesmails“, wobei die Wörter „Schwuchtel“ und „Arschloch“ desöfteren vorkommen. Neulich hat mir Jemand geschrieben, ich würde den Rock’n’Roll beleidigen. Aha…Wie denn? Es gibt nen Haufen Beleidigte, die Rock’n’Roll spielen, hahaha. Judas Priest in ihren Anfangstagen oder sogar Motörhead waren mal glamouröser, doch in den 90ern wurde das plötzlich verpönt und die Bands wurden von den Plattenbossen und Produzenten zu dem gemacht, was sie vielleicht gar nicht sein wollten.
Was mir besonders an Eurem Album gefällt ist der Abwechslungsreichtum, auf den ich immer besondern Wert lege. Nun habt Ihr was Schnelles, was doomiges, was richtig straight in die Magengegend hauendes. War hinter diesem Songwriting Kalkül ode sind die Songs alle tatsächlich aus dem Bauch heraus entstanden?

Auf jeden Fall wobei festgehalten werden muss, dass wir mittlerweile einen Überschuss an ungefähr 30 Songs haben, die es gar nicht in die Nähe es Albums geschafft haben. Randy und ich schreiben halt unheimlich viel und jammen auch so oft es geht. Sogar beim Soundcheck entstehen oft Ideen, die dann weiter ausgearbeitet werden. Das Leben schreibt eh die besten Songs. Ich sitze also nicht bei ner Duftkerze und Rotwein irgendwo rum und schreibe was, hahaha. Bei zwei hauptamtlichen Songwritern kommt halt eine ganze Menge bei raus. Allein die Zusammenstellung der Setlist für heute Abend war ein Kampf.

Mit einer CD alleine verdient man heutzutage ja kaum mehr was, also muss man auf Tour gehen. Nun sagtest Du was von Angeboten. Kannst Du schon etwas mehr preisgeben?

Leider nein, da noch nichts endgültig unterschrieben ist, doch die Angebote die reingekommen sind, passen alle. In diesem Zusammenhang muss man ganz klar erwähnen, dass der Thorsten von Limited access nen Schatz ist, da er Networking ohne Ende für uns macht. Vor allem kommen jetzt auf einmal Leute an, die vor 2 Jahren noch gesagt habe: Nee…mit Euch geht das nicht. Tja, so ändern sich die Zeiten.
Ich habe bei Euch eh Das Gefühl, Ihr seid eine reine Liveband…

Eine CD muss auch sein, da man den Leuten damit etwas zurückgibt. Die muss gut klingen, schön designt sein…sprich tolles Booklet, schöne Schriften. Wenn schon eine CD, dann muss auch alles passen. Außerdem müssen da eine Menge Songs drauf, nicht nur 8 oder neun oder wie im Death Metal 7 Songs, ein In- und Outro, hahaha.

Da Du eben den Death Metal angesprochen hast. Jost Kleinert von Lay down Rotten ist ja Dein Bruder und ich habe gehört, Du bist für viele Texte der Band verantwortlich…

Für die letzten vier Alben habe ich auch Texte geschrieben, auch für die aktuelle „Mask of malice“. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt gerade das Buch „Die Maske der Niedertracht“ gelesen und kam aus einer Beziehung mit einer wirklich verrückten Frau…das sagt sie übrigens heute auch selbst über sich, hahaha. Ich hab dann die Texte geschrieben, war mit den Jungs viel auf Konzerten unterwegs, was verdammt heilsam für mich war und auch für das nächste Album habe ich schon einige Ideen auf Lager. Jost schreibt was, ich schreibe was, das ergänzt sich immer ganz gut.

Ihr ward ja auch in einem relativ frühen Stadium Eurer Karriere schon mit einem Video zu „Saturdaynighthero“ am Start…

…und das Teil hat sage und schreibe 80 € gekostet, hahaha. Es ist ZDF Hitparade…und so sieht es auch aus. Den Kameramann Arne Jansen habe ich mal kennengelernt, als ich vorher so ner Tussi von Arte abgesagt hatte, die ein komplett saublödes Konzept für das Video hatte, mit dem wir gar nichts anfangen konnten. Sowas feministisches…Hallo? Bin ich Björk (grinst). Danach kam der Kontakt mit ihm wieder zustande und wir haben das Teil mit 2 Statisten und Tänzern zusammen in Hellersdorf an einem Tag gedreht. Es sollte einfach nach Party aussehen und das hat ganz gut geklappt. Die 80 Mücken waren im Übrigen für die Miete des Ladens von morgens um 9 bis abends um 11.Was hat das eigentlich mit diesem spanischen Werbeclip zu Ambri Pur mit Euch auf sich?

Ich weiß nicht, wovon Du redest…hahaha

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